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Marihuana im Kampfsport – Pro oder Kontra?

Nick Diaz gilt als bekennender Marihuana-Raucher. (Photo courtesy of borilacki-klub.com via prommanow.com)

Gesellschaftliche Wahrnehmungen verschiedener Drogen ändern sich mit der Zeit. Gerade die Einstellung zu Marihuana scheint sich in den letzten Jahren gelockert zu haben, allerdings nicht im Kampfsport. In der UFC fielen Kämpfer des Öfteren durch Dopingtests. UFC-Vizepräsident Marc Ratner und UFC-Kommentator Joe Rogan meldeten sich diesbezüglich zu Wort und erklärten ihre Sicht der Dinge, ob die „Freizeitdroge“ aus den Dopingkontrollen nach MMA-Kämpfen ausgenommen werden soll.

Bereits vier amerikanische Bundesstaaten haben Marihuana legalisiert, in Deutschland wird der Besitz geringer Mengen der Droge schon seit den 90er Jahren in der Regel nicht mehr strafrechtlich verfolgt und allein in Berlin Kreuzberg beantragte die Bezirksbürgermeisterin jüngst die ersten deutschen Coffeeshops, die Konsumenten schließlich auch den legalen Erwerb der Droge ermöglichen würden. Marihuana verliert damit mehr und mehr das Stigma der illegalen Droge und avanciert zum akzeptierten Rauschmittel.

Cannabis wird bekannterweise auch in der Medizin eingesetzt und als Therapeutikum verschrieben. Im Sport fällt der Nachweis des Wirkstoffs THC jedoch nach wie vor unter das Betäubungsmittelgesetz, wobei auch hier bereits erste Lockerungen zu verzeichnen sind: 2013 hob die Welt Dopingagentur (WADA) die Grenzwerte für THC im Blut von 50 auf 150 Nanogramm pro Milliliter an. Der angestrebte Effekt: die Athleten sollten im Wettkampf selbst nicht unter dem Einfluss der Droge stehen, der Konsum in der Freizeit bleibt jedoch möglich. Die UFC folgte der WADA in der Anhebung des Schwellenwertes, allerdings blieben viele der staatlichen Athletik-Kommissionen, die die Drogenkontrollen für die UFC durchführen, bei den alten Standards.

Dass auch MMA-Kämpfer gelegentlich zum Joint greifen ist nicht zuletzt dank überführten Marihuana-Sündern wie z.B. Pat Healy und Nick Diaz bekannt. Healy wurde 2013 positiv getestet nach seinem Kampf gegen Jim Miller bei UFC 159. Diaz wurde bereits zum dritten Mal positiv getestet, 2007, 2013 und zuletzt nach seinem verlorenen Kampf gegen Anderson Silva im Januar dieses Jahres bei UFC 183. Der bei ihm festgestellte THC-Wert überstieg den Grenzwert der WADA um das doppelte. Seine Anhörung dazu steht im September an.

Dass die überführten Cannabis-Nutzer keine Einzelfälle sind, machte kürzlich UFC-Kenner Joe Rogan in einem seiner Podcasts deutlich. Er sprach von einer enormen Anzahl an UFC-Kämpfern, die die Droge konsumieren. Er behauptete sogar, es gäbe „mehr Kämpfer, die kiffen als solche, die dies nicht täten“ und das, obwohl es hinsichtlich der Dopingkontrollen problematisch für sie werden kann.

„Sie müssen vier Wochen vor dem Kampf damit aufhören, um den Dopingtest zu bestehen“, so Rogan. Auch UFC-Vize Marc Ratner äußerte sich eindeutig zur Thematik: „Mittlerweile finde ich einfach, dass man leistungssteigernde Drogen und Marihuana nicht mehr in einen Topf werfen kann. Es macht in der heutigen Welt keinen Sinn mehr und es ist an der Zeit, das zu thematisieren.“

Leistungsbeeinflussung im Sport ist durch Marihuana bestenfalls indirekt zu verzeichnen. Der Konsum kann spannungslösend, schmerzlindernd und beruhigend wirken. Die Gleichsetzung mit leistungssteigernden Drogen scheint daher allerdings nicht angemessen, eher das Gegenteil. Die Gefahr für Konsumenten ist eher geistig nicht voll da zu sein im Kampf, die Aufmerksamkeit wird reduziert und das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt: Der Grund weshalb Autofahrer unter Cannabiseinfluss als fahruntauglich gelten. Zudem warnt die im Medizinjournal "The Lancet Psychiatry" veröffentlichte britische Studie vor dem Konsum von starkem Cannabis, das das Risiko für Psychosen erhöhen kann, bis hin zur Schizophrenie.

Stellt sich somit die Frage, ob Marihuana also ähnlich wie Alkohol als akzeptierte Freizeitdroge gefasst werden sollte? In der Konsequenz hieße das: Wenn ein Kämpfer nicht betrunken im Ring zu erscheinen hat, so hat er dort auch „bekifft“ nichts zu suchen. Ob er aber außerhalb des Wettkampfes eher zum Glas Wein oder zum Joint greift, hat dann nichts mit seinen sportlichen Leistungen und deren Bewertung zu tun. Dies scheint die logische Konsequenz der wachsenden Akzeptanz der Droge in der Gesellschaft zu sein. Und auch im Sinne Ratners und Rogans.