MMA Restliche Welt

„Man sieht sich immer zweimal im Leben!“

Kann Dominick Cruz seine einzige Niederlage ausgleichen? Foto: © by Zuffa.

Im Alliance Training Center in Chula Vista, Kalifornien, hängt Urijah Faber (25-4) an der Wand. Nicht als Person, sondern als billiger Foto-Ausdruck, befestigt mit zwei Klebestreifen. Wenige Meter davor befindet sich ein Boxsack, auf den Dominick Cruz (17–1) einsam eindrischt. Das Alliance Training Center ist fast leer, Cruz ist der Erste der kommt und der Letzte der geht. Unaufhörlich, Tag für Tag, bearbeitet er diesen Sandsack wie ein Besessener.  Es ist sichtlich ermüdet, er schwitzt, will jedoch nicht aufhören, denn er hat die Niederlage gegen Faber vor Augen. Seit nunmehr vier Jahren will er sich rächen, er will seinen Fehler ausbügeln und arbeitet daher härter als je zuvor.

Vor vier Jahren, im März des Jahres 2007, war Faber „der Mann“ schlechthin. Ein Megastar in der WEC, Weltmeister im Federgewicht, ungeschlagen seit neun Kämpfen in Folge, scheinbar unbesiegbar und selbstbewusst bis an die Grenze zur Arroganz. Niemand kannte Dominick Cruz, als er damals gegen Faber in den Käfig stieg, um nach dem WEC-Titel zu greifen. Vor dem Duell gab Cruz Autogramme auf dem offiziellen Poster, wo beide Athleten zu sehen waren und unterschrieb, respektlos, auf dem Gesicht von Faber.

„Ich wusste damals, dass er ganz oben stand und ich wollte was er hatte“, so Cruz. „Ich musste ihn einfach schlagen.“

Das Ergebnis war ernüchternd, denn bereits nach 1:38 Minuten der ersten Runde war alles vorbei: Cruz klopfte im Guillotine Choke ab.

Cruz klatscht verzweifelt ab (Foto via Barry Sweet/ZUMA Press/Icon SMI)

„Mein erster Eindruck von Cruz war richtig mies, er signierte die WEC 26 Poster auf meinem Gesicht“, so Faber. „Wer macht so etwas? Ich hatte nie Probleme mit meinen Gegnern, aber dieser Junge musste seine Lektion lernen und so machte ich kurzen Prozess, nach 98 Sekunden gab er auf.“

Nach der Niederlage war Cruz erschüttert, den Tränen nahe, alleine in seiner Umkleidekabine. „Ich war am Boden zerstört, das war meine erste Niederlage überhaupt. Faber hat mich vorgeführt. Aber im Leben trifft man sich immer zweimal, davon war ich damals schon überzeugt.“

Während Faber in der Halle seine Titelverteidigung feierte, saß Cruz mit hängendem Kopf immer noch auf der Bank seiner Umkleide, mit offener Tür, abseits des Geschehens, und ließ den Abend auf sich einwirken.

“Ich erinnere mich gut daran, Faber kam mit seinem Team durch die Hallen gelaufen. Er wollte zu seiner Umkleide, kam dabei an meiner vorbei und blieb für einen kurzen Augenblick stehen. Es war nur für eine Sekunde, ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, das Bild brannte sich in meinen Kopf. Ich saß auf der Bank, mit tiefhängendem Kopf und blickte hinauf. Sah ihn im Gang, wie er mich anstarrte, mit einem arroganten Blick, ein Blick der so viel sagte wie: 'Du bist es nicht wert mit mir in den Ring zu steigen. Warum hast du es überhaupt versucht? War doch klar, dass du ein Versager bist.' Dann war Faber schon weitergelaufen.“

Cruz trainiert hart... (Foto via deftperception.com)

In Cruz entbrannte seitdem ein Feuer, er musste Faber scheinbar beweisen, dass er würdig war, sogar besser war als der Champion. „Ich habe damals meinen Namen auf deinem Gesicht signiert, ja das habe ich“, sagte Cruz in einem Statement vor wenigen Tagen. „Du warst damals schon ein Angeber, frei nach dem Motto: 'Ich bin Urijah Faber, niemand unterschreibt auf meinem Gesicht.' Nun ist das Geschichte, wir haben danach gekämpft, und damit hat sich das erledigt. Tut mir leid, wenn du es persönlich genommen hast, aber ich werde nichts zurücknehmen und ich fühle mich auch nicht schlecht deswegen. Wir haben gekämpft und werden es wieder tun. Das war vor über vier Jahren, nur diesmal hab ich den Gürtel. Heul nicht rum und zeig was du drauf hast!“

Faber blieb in all den Jahren ruhig, äußerte sich nur selten über Cruz. „Die MMA-Welt Kaliforniens ist eine sehr kleine, besonders damals war das so. Ich habe gehört wie er über mich geredet hat, dann die Poster-Geschichte, wo er auf meinem Gesicht herumkritzelte, im Gym sprachen sogar meine Jungs davon. Ich dachte: 'Wer ist dieser Typ und was will er von mir'? Nachdem ich ihn besiegt hatte hörte es nicht auf, andauernd gab es Provokationen seinerseits. Diesmal wird’s ernst, die Zeit der Spielchen ist vorbei. Ich werde mir den Titel holen.“

Cruz konnte seit der Niederlage gegen Faber acht Siege in Folge einfahren: „Ich habe Joseph Benavidez (14–2) zweimal besiegt, Fabers rechte Hand, und ich werde auch Faber besiegen. Wir sind Kämpfer, hör auf zu heulen, Urijah. Es wird kein Händeschütteln oder Umarmungen vor Rundenbeginn geben, das kannst du vergessen! Wir werden uns die Schädel einschlagen, es wird ein Fight!“

„Er ist der Champion“, so Faber. „Trotzdem ist er immer noch eifersüchtig auf mich. Nach all den Jahren. Samstag, bei UFC 132, bekommt er seine Chance sich zu beweisen.“

 Urijah Faber (25-4) vs. Dominick Cruz (c) (17-1) (Foto via Zuffa LLC)

Zwei große Egos treffen Samstagnacht aufeinander, zwei Alphamännchen, die nichts lieber wollen, als zu zeigen, dass sie besser sind als ihr Gegenüber. Es ist aber auch ein Duell zwischen Alt und Jung: "The California Kid" Urijah Faber befindet sich mit 32 Jahren im Herbst seiner sehr erfolgreichen Karriere, während Dominick „The Dominator“ Cruz mit nur 25 Jahren die Zukunft vor sich hat.

Wie der Titelkampf im Bantamgewicht ausgeht? Die Antwort erfahren wir am Sonntag in der Früh, um ca. 6:00 Uhr deutscher Zeit, wenn sich beide Athleten im Octagon gegenüber stehen werden und es heißt: „Let's get it on!“