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Kontroverse im Hauptkampf von WEC 49

Wer ist der Sieger... Jamie Varner oder Kamal Shalorus? (Foto via Zuffa LLC)

Geteilte Punktrichterentscheidungen, bei denen zwei Punktrichter Kämpfer A und ein Punktrichter Kämpfer B vorne sieht, kommen im MMA-Sport in aller Regelmäßigkeit vor. Dass aber drei verschiedene Punktrichter drei unterschiedliche Kampfausgänge auf ihren Zetteln stehen haben, ist glücklicherweise eine Seltenheit. So geschehen jedoch am 20. Juni beim Hauptkampf von WEC 49 in Edmonton, der ersten WEC-Veranstaltung in Kanada.

Der ehemalige WEC Leichtgewichtschampion Jamie Varner konterte die weiten Schwinger seinen Kontrahenten Kamal Shalorus zwei Runden lang mit geraden Schlagkombinationen aus und klingelte ihn zweimal schwer an. Insgesamt entschied Varner fast jeden Schlagabtausch für sich. Shalorus attackierte indes häufig mit Tritten zur Außen- und Innenseite von Varners Oberschenkel. Nachdem er Varner dabei trotz mehrfacher Verwarnung zweimal im Unterleib traf, wurde ihm vom Ringrichter ein Punkt abgezogen.

In Runde drei trat Shalorus Varner erneut in den Unterleib. Anstatt ihn zu disqualifizieren oder ihm zumindest einen weiteren Punkt abzuziehen, beließ es der Ringrichter bei einer Ermahnung. Shalorus besann sich dann erstmals in diesem Kampf auf seine ringerischen Wurzeln zurück. Er warf Varner auf den Boden und verbrachte den Rest der Runde in dessen Guard.

Die anschließenden Wertungen der Punktrichter: 29:27 Varner, 29:27 Shalorus, 28:28 Unentschieden. Somit endete der Kampf in einem geteilten Unentschieden. Ein weiterer Punktabzug in der dritten Runde hätte Varner, der zu dem Zeitpunkt eigentlich zwei Runden in Führung liegen müsste, zum Erfolg geführt. Varner wurde also sowohl vom Ringrichter als auch von mindestens einem Punktrichter um den verdienten Sieg gebracht. Ein weiterer Beweis dafür, dass dringend an der Aus- und Weiterbildung der Offiziellen gearbeitet werden muss.

Eigentlich hätte der Kampf zwischen Varner und Shalorus den nächsten Herausforderer auf den Leichtgewichtstitel von Ben Henderson ermitteln sollen. Das wird nun vom Kampf zwischen Shane Roller und Anthony Pettis übernommen, die sich am 18. August bei WEC 50 gegenüberstehen werden.

Ohne Kontroverse, dafür aber mit umso mehr Spannung verlief der Kampf zwischen den Kanadiern Mark Hominick und Yves Jabouin. Beide traten unentwegt aufs Gaspedal, was für so viel Action im Käfig sorgte, dass es für mehrere Kämpfe ausgereichet hätte. Jabouin bearbeitete Hominick anfangs mit einer Fülle an unterschiedlichen Kombinationen und drängte ihn aggressiv mit Schlägen, Tritten und Ellenbogenstößen in die Defensive.

In der zweiten Runde kam Hominick aber immer mehr in Fahrt. Er weichte Jabouin mit Treffern zum Körper auf und schickte ihn sogar mit einem Körpertreffer zu den Boden. Jabouin stand jedoch wieder auf und schlug Hominick mit einer Rechten nieder. Er setzte mit Schlägen nach, doch Hominick gelang der Sweep und er begann sofort mit Ground and Pound aus der Mountposition. Jabouin versuchte sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, aber der Ringrichter musste ihn nach einigen Treffern aus dem Kampf nehmen.

Obwohl er aufgrund einer Verletzung über ein Jahr pausieren musste, war bei Josh Grispi von Ringrost keine Spur. Das 21 Jahre alte Federgewichtstalent hielt sich den gefährlichen LC Davis mit allerlei Tritten vom Leibe. Als der die Distanz für ein Takedown überbrückte, begrüßte Grispi ihn mit einem Guillotine Choke. Grispi landete dann zwar auf dem Rücken, doch der Würgegriff saß. Anschließend zog er zu, bis Davis freiwillig einschlief.

Im Kampf gegen den WEC-Neuling Dan Downes zeigte sich der Kanadier Chris Horodecki gegenüber seinem WEC-Debüt enorm verbessert. Trotz Downes’ Reichweitenvorteil dominierte Horodecki im Stand mit seinen Schlagkombinationen. Er brachte Downes auch mehrfach zu Boden und hätte ihn in der ersten Runde beinahe mit dem Rear Naked Choke besiegt. Denselben Würgegriff versuchte er noch einmal in der dritten Runde und dieses Mal war Downes von Horodeckis pausenlosen Attacken so geschwächt, dass ihm nichts anderes mehr übrig blieb als aufzugeben.

Eddie Wineland, der erste Bantamgewichtschampion in der Geschichte von WEC, rückt immer näher ans Titelgeschehen heran. Gegen den zähen Will Campuzano gelangen ihm bereits in der ersten Runde zwei Niederschläge. In der zweiten Runde zwang er Campuzano mit einer Rechten zum Körper in die Knie und schlug danach weiter auf ihn ein, bis der Ringrichter dazwischen ging.

Poster via Zuffa LLC

WEC 49: „Varner vs. Shalorus“
20. Juni 2010
Rexall Place in Edmonton, Alberta, Kanada

Hauptkämpfe

Jamie Varner vs. Kamal Shalorus endete in einem geteilten Unentschieden
Mark Hominick bes. Yves Jabouin via TKO nach 3:21 in Rd. 2
Josh Grispi bes. LC Davis via Guillotine Choke nach 2:33 in Rd. 1
Chris Horodecki bes. Dan Downes via Rear Naked Choke nach 1:09 in Rd. 3
Eddie Wineland bes. Will Campuzano via TKO nach 4:44 in Rd. 2

Vorkämpfe
Will Kerr bes. Karen Darabedyan via Armhebel nach 1:20 in Rd. 1
Wagnney Fabiano bes. Frank Gomez nach Punkten (einstimmig)
Eric Koch bes. Bendy Casimir via Triangle Choke nach 3:01 in Rd. 1
Diego Nunes bes. Raphael Assunaco nach Punkten (geteilt)
Chris Cariaso bes. Rafael Rebello nach Punkten (einstimmig)
Renan Barao bes. Anthony Leone via Armhebel nach 2:29 in Rd. 3