MMA Restliche Welt

Karriereende - aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Mauricio "Shogun" Rua (Foto: Tobias Bunnenberg/GroundandPound)

Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für einen Kämpfer, die Handschuhe an den Nagel zu hängen und sich somit in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben? Einige würden meinen, sobald ein bestimmtes Alter erreicht ist, und andere sind wiederrum der Ansicht, sobald die Kämpfer beginnen in Serie zu verlieren. Für einen Außenstehenden ist es nahezu unmöglich zu beurteilen, wie sich ein Kämpfer, einerseits physisch und andererseits psychisch, fühlt. Von dem her bleibt uns, den Fans und den Medien, nur noch die Möglichkeit anhand der In-Ring-Darbietung eines Kämpfers zu urteilen.

Es ist auf jeden Fall ein sehr schwieriges und noch dazu ein sehr heikles Thema.
Irgendwann kommt der Tag, an dem die Glanzzeit vorüber ist. Für die Einen früher und für die Anderen später, aber eines ist sicher: Die Grenze zum Karriereende existiert. Dabei kommt es nicht selten vor, dass die Kämpfer diese Grenze überschreiten und es einfach nicht wahrhaben wollen, dass es nur in ihrem Interesse ist, wenn sie sich zurückziehen. Klar, es ist verständlich, dass es nicht gerade einfach ist, das Handtuch zu schmeißen, da vor allem sehr viele Emotionen im Spiel sind und es hängt einfach enorm viel dran, an solchen Entscheidungen.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist der finanzielle Aspekt und dadurch die Frage, ob man durch das Kämpfen reichlich vorgesorgt hat, um sich ein Leben als ehemaliger Kämpfer überhaupt leisten zu können. Zusätzlich ist man vielleicht auch einen höheren Standard gewohnt und man muss sich erst einmal umgewöhnen, dass die dicken Börsen bzw. üppige Auszahlungen künftig ausbleiben würden. Aber selbst wenn man finanziell ausgesorgt hat, ist dann noch immer der Kampfgeist vorhanden, der dich von innen anstachelt, immer wieder nach neuen Herausforderungen zu streben. Du willst es dir selbst beweisen, dass du es mit den jungen Kämpfern aufnehmen kannst. Du möchtest womöglich noch zumindest einen Versuch starten, um ins Titelrennen zu gelangen. Aber genau da besteht die Gefahr, dass man diese imaginäre Grenze überschreitet und sich selbst mit höchster Wahrscheinlichkeit mehr schadet, als Vorteile daraus zieht.

Denn nicht nur, dass man sich gesundheitlich in unnötige Risiken stürzt, sondern man kann mit den letzten paar Kämpfen alles was man in seiner Karriere aufgebaut hat, schlicht und einfach zerstören. Natürlich werden die tollen Errungenschaften, die man über die Jahre hindurch mit Blut und Schweiß verdient hat, dadurch nicht ausgelöscht, aber jeder Kämpfer, der sich eine nahezu perfekte Karriere aufgebaut hat, möchte ehrenvoll und unbeschmutzt auf seinem Pferd in den Sonnenuntergang reiten. Leider schaffen es nur wenige, unter diesen Umständen ihrer Karriere die Krone aufzusetzen. Es gibt Statistiken, die belegen, dass eine Kämpferkarriere im Durchschnitt ungefähr neun Jahre dauert. Alles, was darüber hinaus geht, ist für den menschlichen Körper untragbar und kann auch mental nicht gestützt werden.

Ein bekanntes Beispiel für ein makelloses Resümee ist Bas Rutten. Nach einer sehr illustren und erfolgreichen Karriere, die er sich in Japan durch unzählige Pancrase-Turniere hart erkämpft hat, ist Rutten einer der Wenigen, die als perfektes Beispiel für eine gesunde Kämpferkarriere dienen können. Nach genau 30 Kämpfen in Japan, wo er unter anderem den „King of Pancrase“-Titel gewann und verteidigte, kam Bas Rutten nach Amerika zur UFC und holte sich den Schwergewichtstitel in einem Kampf gegen Kevin Randleman. Das Ganze passierte in einem Zeitraum von sechs Jahren. Nachdem Bas Rutten sein Karriereende bekannt gab, musste er auch den UFC Titel abgeben. Sieben Jahre später traf er jedoch eine sehr riskante und schwerwiegende Entscheidung: Sein Kampfgeist hat Überhand gewonnen und Bas entschied sich für einen letzten Kampf. Er hat den Kampf zwar dominant gewonnen, aber das hätte auch ins Auge gehen können und dieser eine Kampf hätte ihm seine Bilderbuchkarriere, und somit seinen Abgang vom Sport, beschmutzen können.

Als Gegenbeispiele können heutzutage so einige Kämpfer dienen. Denn jeder einzelne von ihnen ist vom Alter her gesehen nicht unbedingt alt, aber sie haben alle ein sehr hohes Kampfalter. B.J. Penn ist nun seit 12 Jahren aktiv und es ist nach seinem letzten Kampf noch ungewiss, ob er es nun endlich sein lässt, oder ob er nun doch weiter kämpfen möchte. Alle reden nun, er sollte wieder in die Leichtgewichtsklasse wechseln, weil das für seinen Körperbau die optimalste Gewichtsklasse wäre, aber die Wahrheit ist leider eine ganz andere: B.J. Penn ist ausgebrannt und hat diese imaginäre Grenze zum Karriereende schon lange überschritten. Dasselbe gilt für Mauricio Shogun, Forrest Griffin und Rich Franklin. Das sind alles pensionsreife Kämpfer und klar können sie hier und da noch Kämpfe gewinnen, aber wo ist der Sinn und Zweck darin, wenn man z.B. wie Shogun in seinen letzten sieben Kämpfen immer abwechselnd gewinnt und dann wieder verliert.

Sie alle können die Gewichtsklasse wechseln und sich superteure Trainingscamps leisten, aber zwei wesentliche Dinge kann man nicht ändern, genauer gesagt: den eigenen Körper und den Geist. Kein Kämpfer sollte die Zeichen missachten, sondern klar erkennen, wann es an der Zeit ist, sich anderen Aufgabengebieten zuzuwenden. Diese Entscheidung ist zwar äußerst herzzerreißend, aber auf längere Sicht gesehen, ist das der einzig richtige Weg.