MMA Restliche Welt

Höhepunkt noch lange nicht erreicht

Jake Shields steht vor dem größten Fight seines Lebens – und wird von vielen unterschätzt. Foto by Mark Bergmann/GroundandPound.

„American Jiu-Jitsu“ steht als Tätowierung auf seinem Unterarm und als Logo auf seinem T-Shirt. Es ist die größte Waffe von Jake Shields, der mit seinem offensiven, aggressiven Grappling-Stil seit sechs Jahren eine Schneise durch die Welter- und Mittelgewichtsdivisionen verschiedenster MMA-Organisationen schlagen konnte. Nun ist er an der Spitze angekommen. Er steht im Hauptkampf der größten UFC-Veranstaltung aller Zeiten und kämpft gegen Georges St. Pierre um den Weltergewichtstitel. Doch viele scheinen ihn nicht auf der Rechnung zu haben.

Für Jake Shields ist das Leben gerade wie eine große Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite genießt er einen noch nie dagewesenen Medienrummel um seine Person, schreibt Autogramme, steht bereit für Fotos, auf der anderen Seite muss er Zeit und Kraft finden, um zu trainieren und sich auszuruhen. Die Medienmaschinerie der UFC funktioniert perfekt, vor allem die Hauptkämpfer werden von einem PR-Termin zum nächsten geschickt. „Ich habe so etwas schon erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß“, erklärt Shields. „Es sind mehrere Stunden und das jeden Tag.“

Für einen Kämpfer, der nur wenige Tage vor dem größten Fight seines Lebens steht, kann dies eine ungeheure Ablenkung darstellen. Und auch wenn St. Pierre dasselbe Pensum – oder vielleicht sogar ein noch größeres - ableisten muss, so ist er mehr daran gewöhnt, vermutet Shields. Er ist ausgelaugt durch den Medien-Marathon, kann nachts nicht schlafen, muss morgens aber raus für den morgendlichen Fünf-Meilen-Lauf. Doch PR muss sein, dass ist ihm klar. So verkauft man Eintrittskarten und so nimmt man Geld ein, das letztlich zu einem Teil auch bei den Kämpfern landet.

Doch je näher der Samstag rückt, umso weniger interessiert den Herausforderer all das Brimborium, rings um ihn herum: „Auch wenn es nur ein Kampf im Vorprogramm wäre, würde mich das nicht stören. Es geht um GSP! Seit vier Jahren will ich gegen ihn antreten, deshalb bin ich einfach begeistert, es ist mir egal wo und wann es passiert. Mir geht es um den Fight an sich, ich achte nicht so sehr auf die Zuschauer. Die sind natürlich ein Faktor und bringen noch ein wenig zusätzliche Würze in die ganze Sache, aber die größte Sache ist für mich der eigentliche Kampf.“

Jake Shields ist seit 15 Kämpfen ungeschlagen und gilt als eines der besten Weltergewichte – und vor allem als einer der besten MMA-Grappler der Welt. Ohne Zweifel ist Georges St. Pierre die größte Herausforderung, der Shields bisher je gegenüberstand. „Er ist unberechenbar“, so Shields. „Deshalb ist seine Taktik immer so gut. Vielleicht bringt er mich wirklich zu Boden, vielleicht blieb er aber auch mit mir stehen, vielleicht tut er beides. Er wird versuchen, mich zu verwirren und auf allen Ebenen zu attackieren, also werde ich mich darauf vorbereiten.“

Schields will am Samstagabend mehr als 55.000 Menschen im Rogers Center zum Schweigen bringen. Keine leichte Aufgabe, Georges St. Pierre ist einer der gewichtsklassenübergreifend besten Kämpfer der Welt. Doch er besitzt einen Vorteil, den er zu seinen Gunsten nutzen kann: Die Tatsache, dass viele ihn unterschätzen, macht es für St. Pierre nicht einfach. „Wir haben es beide nicht leicht“, so Shields. „Ich muss in der Höhle des Löwen kämpfen und er hat diesen unglaublichen Druck, der auf ihm lastet.“ Und vielleicht sind am Ende der Nacht sogar einige der GSP-Fans auf seiner Seite, nachdem beide Kämpfer sich eine denkwürdige Schlacht geliefert haben.

Shields ist sich jedenfalls sicher, dass er gewinnt. Der Schlüssel zum Sieg ist dabei sein Team, das sogenannte „Skrap Pack“ - bestehend aus ihm, den Diaz Brüdern und Gilbert Melendez - das seit Jahren wie Pech und Schwefel zusammenhält. „Wir haben unseren Höhepunkt noch lange nicht erreicht, wir werden immer besser. Ich habe die härteste Wettkampfvorbereitung aller Zeiten hinter mir. Georges ist ein super Fighter, ich würde nie etwas anderes behaupten. Aber ich denke, dass ich den stärkeren Willen besitze und in den letzten Runden den Kampf für mich entscheiden kann.“

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.