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Hallman, Soszynski und Bocek leiten UFC 140 ein

Am 10. Dezember kehrt die UFC zum ersten Mal nach Toronto zurück, nachdem dort im April die Rekordveranstaltung UFC 129 ausgetragen wurde. Der Event am Samstag wird allerdings nicht erneut im Baseballstadion Rogers Centre stattfinden, sondern im wenige hundert Meter entfernten Air Canada Centre, das etwa 19.000 Zuschauer aufnehmen kann.

Bevor dort Jon Jones gegen Lyoto Machida versuchen wird, zum zweiten Mal seinen Halbschwergewichtsgürtel zu verteidigen, zeigt die UFC sieben frei empfangbare Kämpfe mit einigen bekannten Gesichtern wie Dennis Hallman, Mark Bocek und Krzysztof Soszynski.

Krzysztof Soszynski vs. Igor Pokrajac
Diese beiden (halb-) europäischen Halbschwergewichte werden am zehnten Dezember den letzten Kampf vor Beginn des Hauptprogramms bestreiten.

Der ehemalige Bodybuilder Soszynski (26-11-1) bahnte sich seinen Weg in die UFC über die Ultimate Fighter-Sendung und konnte nach dem Staffel-Finale zwei Kämpfe in einem Monat überzeugend gewinnen.

Bei UFC 97 zwang er Brian Stann mit seinem Lieblingsgriff, dem Kimura, zur Aufgabe und konnte anschließend bei UFC 98 den Brasilianer Andre Gusmao in Runde eins ausknocken.
Nach Rückschlägen gegen Brandon Vera und Stephan Bonnar brachte sich das „Polish Experiment“ mit Siegen gegen Goran Reljic und Mike Massenzio wieder auf Kurs.

Für den Kroaten Igor „The Duke“ Pokrajac (23-8), einen Trainingspartner von Mirko Cro Cop, ging es in den letzten Jahren ebenfalls auf und ab. Nachdem er mit einer soliden Statistik von 21-5 in die UFC kam, konnte er dort bisher nur zwei seiner fünf Kämpfe gewinnen.

Sowohl Soszynski, als auch Pokrajac haben keine hervorstechenden Stärken, sondern verkörpern eher den Typus des kompletten Kämpfers. Es wird daher interessant zu sehen sein, welche Strategien von beiden gewählt werden, um den jeweils anderen zu übervorteilen.

Jared Hamman vs. Constantinos Philippou
Am Samstag werden auch diese beiden Mittelgewichtler in den Käfig steigen und versuchen, nach Erfolgen in ihrem jeweils letzten Auftritt eine Siegesserie zustande zu bringen

Jared „The Messenger“ Hamman ist bekannt dafür, groteske Mengen an Schlägen und Tritten einstecken zu können, ohne besonders mitgenommen zu wirken und bekam daher vor einiger Zeit von Joe Rogan das Attribut des “Gummikinns“ verliehen.

Seine Kämpfe sind meist actiongeladen, abwechslungsreich und gelangen früher oder später an den Punkt, an dem man Hamman fälschlicherweise für erledigt hält, doch seine Nehmerfähigkeiten haben dazu geführt, dass er trotz dieses Kampfstils eine beachtliche Statistik von 13 Siegen und nur drei Niederlagen aufbauen konnte.

Und auch der frühere Profiboxer Constantinos „Costas“ Philippou, der von Matt Serra und Ray Longo trainiert wird, hat nach eigener Aussage die Fähigkeit, einiges an Energie absorbieren zu können. Zu diesem Kommentar brachte ihn sein kurzfristig zustande gekommenes UFC-Debüt gegen Nick Catone im März, in dem er viel einstecken musste, wenig austeilen konnte und nach drei Runden die Punktentscheidung deutlich abgab.

Bei UFC 133 gelang dem einzigen Zyprianer im Roster der UFC dann aber ein respektabler Erfolg, als er kurzfristig auf das Hauptprogramm rutschte und dort den Veteranen Jorge Rivera geteilt nach Punkten besiegte.

John Makdessi vs. Dennis Hallman
Dieser Leichtgewichtskampf zeigt eine klassische Ansetzung zwischen einem souveränen Veteranen und einem aufstrebenden Newcomer.

John Makdessi (9-0) stand fast auf den Tag genau ein Jahr vor diesem Kampf zum ersten Mal im Octagon der UFC und konnte an diesem Abend an Pat Audinwood munter seine unorthodoxen Schlag- und Tritttechniken präsentieren, was ihm nach 15 Minuten den klaren Punktsieg einbrachte.

Bei UFC 129 im April machte er gegen Kyle Watson da weiter, wo er im Dezember aufgehört hatte, nur gelang ihm dieses Mal mithilfe einer krachenden Spinning Back Fist auch ein vorzeitiges Ende des Kampfes.

Seitdem konnte er verletzungsbedingt nicht mehr antreten, doch am Samstag wird Makdessi wohl wieder versuchen, seine in sieben (T)KO-Siegen bewährten Fähigkeiten im Stand gegen Dennis Hallman auszuspielen und die Ränge im Leichtgewicht weiter emporzusteigen.

„Superman“ Hallman wird am Wochenende zum achtundsechzigsten Mal auf der Wettkampffläche stehen und damit einen gewaltigen Erfahrungsvorteil gegenüber seinem Gegner mitbringen. Andererseits ist dies für ihn der erste Kampf seit Jahren, für den er auf 70 Kilo abkochen musste – in der Zwischenzeit ist er sowohl im Welter-, als auch im Mittelgewicht angetreten.

Mit seinem Gewicht ergeht es Hallman damit ähnlich wie mit seiner Karriere, denn der gelernte Ringer durchlebte in seiner 15-Jährigen Laufbahn (15-14-2-(1)) unzählige Höhen und Tiefen.

Zuletzt musste er im August gegen Brian Ebersole einen erneuten Rückschlag hinnehmen, als er sich in der Vorbereitung verletzte, trotzdem antrat, von Ebersole in der ersten Runde zur Aufgabe gebracht wurde und aufgrund der von ihm im Kampf getragenen modisch fragwürdigen Speedo-Shorts den Unmut von Dana White auf sich zog.

Yves Jabouin vs. Walel Watson
Diese beiden jungen Bantamgewichtler werden am Samstag versuchen, ihren Namen in der weltgrößten MMA-Organisation weiter bekannt zu machen.

Der gebürtige Haitianer Jabouin (16-7) gab sein Debüt in diesem Jahr bei UFC 129, fiel jedoch noch während der ersten Runde einem aufsehenerregenden eingesprungenen Triangle Choke von Pablo Garza zum Opfer.

Im August führte ihn die Reise nach Rio de Janeiro, wo er seine Karriere in der UFC mit einem geteilten Punktentscheid über Ian Loveland vorläufig retten konnte.

Sein Gegner Walel Watson (9-2) hat erst einen Kampf in der UFC bestritten – er schlug Anfang Oktober in Washington D.C. Joseph Sandoval in der ersten Runde TKO.

Stilistisch treffen hier ein Standkämpfer (Jabouin) und ein Grappler (Watson) aufeinander. Jabouin hat etwas mehr Erfahrung und Kämpfe gegen hochrangige Gegner wie Mark Hominick, Rafael Assuncao und Sam Stout, allerdings war er gegen Kämpfer dieses Kalibers bisher nicht erfolgreich.

Watson hat eine bessere Statistik und noch keine Begegnung über die Distanz gehen lassen, allerdings fehlen in seinem Resümee jegliche namhafte Gegner.

Mark Bocek vs. Nik Lentz
Auch dieser Kampf wird im Gewichtslimit bis 70 Kilo ausgetragen; hier stehen sich zwei im Grappling versierte Kämpfer mit einiger Erfahrung in der UFC gegenüber.

Der Schwarzgurt im Brasilianischen Jiu-Jitsu Mark Bocek (9-4) wurde in seinem letzten Kampf vom aktuellen Titelherausforderer Ben Henderson nach Punkten besiegt, nachdem er sich mit fünf Siegen in der UFC, u.a. gegen David Bielkheden und Dustin Hazelett, einen Namen machen konnte. Des Weiteren kann er Kämpfe gegen Jim Miller, Mac Danzig und den derzeitigen Weltmeister Frankie Edgar vorweisen, von denen er allerdings keinen gewinnen konnte.

Nik Lentz (21-3-2-(1)) beschreibt sich selbst als Computerfreak und führte einige Zeit lang ein Onlinegeschäft für Videospiele und Sammlerartikel, womit er wohl kaum dem typischen Bild eines UFC-Kämpfers entsprechen dürfte.

Als solcher ist er nichtsdestotrotz ziemlich erfolgreich, so musste der begeisterte Ringer in sieben UFC-Kämpfen noch keine Niederlage hinnehmen. Lediglich ein Unentschieden gegen Thiago Tavares und ein nichtgewerteter Kampf gegen Charles Oliveira sowie eine Menge Punktsiege trüben seine Statistik.

Den quantitativen Erfahrungsbonus hat mit 27 Kämpfen Lentz inne, allerdings kämpft Bocek schon weit länger in der UFC und kann auf viel Wettkampfzeit mit hochklassigen Gegnern zurückblicken. 

Beide befinden sich zur Zeit im Mittelfeld der Leichtgewichtsklasse, aber da Bocek seine letzte Begegnung nicht gewinnen konnte und Lentz die Fans schon oft durch unspektakuläre Punktsiege verärgert hat, würde eine Niederlage beide Kämpfer stark zurückwerfen.

Rich Attonito vs. Jake Hecht
Rich Attonito (10-4) wird in Toronto zum vierten Mal im Octagon stehen. Das Weltergewicht mit Schwerpunkt im Ringen soll dort auf Jake Hecht (10-2) treffen, der am Wochenende zum ersten Mal für die UFC antreten wird.

Für Attonito ist es schon eineinhalb Jahre her, dass er in dieser Position war. Damals konnte er den Bad Boy der entsprechenden Ultimate Fighter Staffel, Jamie Yager, vorzeitig besiegen.
In den folgenden zwei Kämpfen fand er sich einmal am richtigen und einmal am falschen Ende einer Punktentscheidung wieder, bevor er im Juni dieses Jahres mit einem Sieg über den hoch gehandelten Daniel Roberts wieder zurück in die Spur fand.

Für seinen Gegner Jake Hecht war die verletzungsbedingte Absage Rory MacDonald`s das Ticket in die UFC, da Rich Attonito’s ursprünglicher Gegner Claude Patrick als Ersatz für MacDonald ins Hauptprogramm versetzt wurde.

Da nun ein Kämpfer fehlte, verpflichtete man den Wahl-Irländer Hecht, für den ein Sieg gegen einen soliden Kämpfer wie Attonito nun eine riesige Chance auf einen Karrieresprung bedeuten könnte. 

Mitch Clarke vs. John Cholish
Im Eröffnungskampf des Abends treffen zwei vielversprechende Newcomer bis 70 Kilo in ihrem UFC-Debüt aufeinander.

Mitch Clarke (9-0) ist ein kanadisches Talent und musste in nur zwei seiner Kämpfe über die volle Distanz gehen. Von den übrigen sieben kamen sechs Erfolge via Aufgabe zustande.

Sein Gegner John Cholish (7-1) ist einer der wenigen Profi-Kämpfer, für die der Wettkampf nur ein Nebenverdienst ist, denn hauptberuflich ist Cholish Investmentbanker an der New Yorker Wallstreet, dessen Kollegen sich für seine Kämpfe auch gern mal eine ganze VIP-Sektion mieten und am Austragungsort mit dem Helikopter auftauchen.

Da beide Leichtgewichte am Samstag zum ersten Mal das Octagon betreten, werden sie versuchen, sich durch eine beeindruckende Vorstellung einen Namen vor großem Publikum zu machen.

UFC 140: Jon Jones vs. Lyoto Machida
10. Dezember 2011
Air Canada Centre in Toronto, Ontario, Kanada

UFC Halbschwergewichtstitelkampf
Jon Jones (vs. Lyoto Machida

Hauptprogramm (ufc.tv)
Frank Mir vs. Antônio Rodrigo Nogueira
Tito Ortiz vs. Antônio Rogério Nogueira
Claude Patrick vs. Brian Ebersole
Mark Hominick vs. Chan Sung Jung

Vorprogramm
Krzysztof Soszynski vs. Igor Pokrajac
Jared Hamman vs. Constantinos Philippou
John Makdessi vs. Dennis Hallman
Yves Jabouin vs. Walel Watson
Mark Bocek vs. Nik Lentz
Rich Attonito vs. Jake Hecht
Mitch Clarke vs. John Cholish