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GnP-Prognosen für UFC 167

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Tipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 167 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben GnP-Chefredakteur Jan Großöhmigen und die MMA-Redakteure Kai Ruhle, Alexander Petzel-Gligorea, Elias Stefanescu und Dorian Szücs ihre Prognosen ab.

Georges St. Pierre (24-2 MMA, 18-2 UFC) vs. Johny Hendricks (15-1 MMA, 10-1 UFC)

Elias:
St. Pierre wird Hendricks linkem Hammer ausweichen und ihn nach Punkten besiegen. Möglicherweise punktet der Kanadier auch mit Takedowns - etwas, das niemand gegen Hendricks geschafft hat. Georges St. Pierre nach Punkten

Jan: Sicherlich verfügt Johny Hendricks über große Schlagkraft, aber damit er Georges St. Pierre genauso zurichten kann wie Jon Fitch oder Martin Kampmann, müsste sich St. Pierre auf einen offenen Schlagabtausch einlassen oder mit hängender Deckung vor ihm still stehen. Beides wird St. Pierre nicht tun. Er hat einen großen Reichweitenvorteil und wird mit Sicherheit versuchen, Hendricks mit dem Jab auf Distanz zu halten und hin und wieder die rechte Gerade durchbringen; ähnlich wie es ihm gegen Josh Koscheck und Jake Shields gelang. Die UFC stellt Hendricks natürlich als Über-Ringer da, der jeden Gegner K.o. schlägt. Seine knappen Siege über TJ Grant, Mike Pierce und Koscheck sprechen da eine andere Sprache. Georges St. Pierre nach Punkten

Alexander: Vorweg, ich wünsche mir einen neuen Champion, damit wieder ein wenig Bewegung ins Weltergewicht kommt. Davon abgesehen traue ich Johny Hendricks auch zu, St. Pierre zu schlagen. Wenn alles perfekt läuft. Die Chance darauf ist allerdings gering. Wenn man dem Umfeld St. Pierres Glauben schenkt, dann scheint er wirklich in der Form seines Lebens, was bei einem Ausnahmeathleten wie ihm etwas heißen will. Hendricks hat die Knockout-Power und sein Ringen ist stark genug, um den Kampf im Stand zu halten, aber ich denke, dass St. Pierre ihn wie so viele vor ihm einfach auspunkten wird. Der Jab des Champion sucht seinesgleichen und Hendricks Bomben machen ihn anfällig für Takedowns. Keine guten Voraussetzungen also für den Herausforderer, dem ich den Sieg jedoch gönnen würde. Georges St. Pierre nach Punkten

Kai: Hier wird sich Georges St. Pierre endgültig in die Geschichtsbücher eintragen. Der Mann ist eine lebende Legende und er ist ja auch der einzige, der sowohl bei UFC 50,100 und jetzt beim 20-Jährigen Jubiläum im Octagon stand und stehen wird. Wir werden wahrscheinlich einen spannenden Fünf-Runden-Kampf sehen. Ich hoffe nicht, dass es ein zäher Kampf wird, in dem GSP seinen Gegner einfach nur auskontert und an den Käfigrand ringt. Das würde dem Geburtstag nicht würdig werden. Georges St. Pierre nach Punkten

Rashad Evans (20-3-1 MMA, 13-3-1 UFC) vs. Chael Sonnen (29-13-1 MMA, 7-6 UFC)

Elias:
Evans wird den Takedowns von Sonnen entgehen wollen, doch früher oder später wird der erfahrene Ringer ihn auf den Boden bringen. Ob er ihn dort halten kann, ist fraglich - ebenfalls, ob Sonnen sich im Stand mit ihm messen will. Rashad Evans nach Punkten

Jan: Ich denke, dass Chael Sonnen im Vorfeld von UFC 167 aus gutem Grund auf allzu positive Prognosen hinsichtlich seines Kampfs gegen Rashad Evans verzichtet hat. Beide haben schon öfters miteinander trainiert, und auch wenn Training nicht gleichbedeutend mit Wettkampf ist, kennen sie die Stärken und Schwächen des anderen. Sonnens übliche Strategie, bestehend aus Takedowns und Ground and Pound, dürfte ihm gegen Evans schwerfallen, denn der ist ebenfalls ein sehr starker Ringer. Wenn es Sonnen nicht gelingt, Evans von den Beinen zu holen, sieht es für ihn düster aus. Im Stand ist Evans schneller, beweglicher und explosiver. Er wird Sonnen vielleicht nicht K.o. schlagen, aber doch häufig genug treffen, um einen sicheren Punktsieg einzufahren. Rashad Evans nach Punkten

Alexander: Chael Sonnen hat es in einem Interview diese Tage selbst gesagt, er weiß selbst nicht, wie er Evans schlagen soll. Evans sollte Sonnen mit seinen Fäusten auf Distanz halten und sich mit seiner Fußarbeit selbst vom Käfig fernhalten können. Dann wird es schwer für Sonnen, dessen Chancen ich nur dann als gut erachte, wenn er dauerhaft den Clinch bekommt und von dort den Kampf auf die Matte bringt. Allerdings denke ich, dass ihm das nicht gelingt und wir drei Runden Standkampf sehen werden, wo Evans seine Vorteile ausspielen wird. Rashad Evans nach Punkten

Kai: Zwei große im Trash-Talking treten hier gegeneinander an. Natürlich haben sie auch schon große Leistungen für die UFC vollbracht. Nur fehlt beiden der Killerinstinkt eines Anderson Silvas, Jon Jones‘ oder anderer MMA-Größen. Ich denke die beiden werden sich nichts schenken und ich hoffe, dass sich beide auf ihre ringerischen Qualitäten einlassen. Dann bleibt zu hoffen, dass Sonnen an seiner Submission-Abwehr gearbeitet hat und schon wird es ein spannender Drei-Runden-Kampf. Nur sollten beide aus der Distanz agieren wollen, wird es sehr schnell ein ziemlich langweiliger Kampf, denn da sehe ich Rashad klar vorne. Ich tippe trotzdem auf Sonnen, da ich den Kerl einfach mag. Chael Sonnen nach Punkten

Robbie Lawler (21–9 (1) MMA, 6-3 UFC) vs. Rory MacDonald (15-1 MMA, 6-1 UFC)

Elias:
MacDonald muss dem frühen Ansturm von Lawler entgehen, danach wird er sein Spiel durchziehen können und den schlagstarken Lawler nach Punkten besiegen. Möglicherweise ist auch ein vorzeitiger Erfolg für MacDonald drin. Rory MacDonald nach Punkten

Jan: Dieser Kampf ist für mich am schwersten zu tippen. Robbie Lawler präsentierte sich 2013 in überragender Form. Die Schläge schnell und hart wie eh und je, und jetzt hat er auch noch die Kicks für sich entdeckt. Von seiner Schlagkraft kann Rory MacDonald nur träumen; dafür ist er eine Spur technischer. MacDonald hat im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder er hält Lawler im Stand mit Jab und Bodykick auf Distanz oder er bringt ihn zu Boden und arbeitet dort mit seinem Ground and Pound, welches zu dem Besten im Weltergewicht gehört. Lawler ist eigentlich kein Kämpfer, der zulässt, dass jemand eine dieser beiden Möglichkeiten drei Runden mit ihm durchzieht – und dafür geht er gerne auch mal ein Risiko ein. Entweder er gewinnt spektakulär oder er verliert spektakulär. Ich erwarte von MacDonald keine so methodische Vorstellung wie gegen Jake Ellenberger, welcher MacDonald vor ähnliche Herausforderungen gestellt hatte wie Lawler es tun wird. Stattdessen wird MacDonald dem Hype um ihn herum gerecht werden. Rory MacDonald via T.K.o. in Runde 2

Alexander: Rory McDonald gegen Robbie Lawler sieht für mich irgendwie so aus wie die Light Version des Hauptkampfes. Auf der einen Seite der kanadische Taktiker mit gutem Jab und starkem Ringen, auf der anderen Seite der explosive Amerikaner mit Knockout-Power. Ich hoffe, wir sehen hier keine Wiederholung von McDonalds Kampf gegen Ellenberger, sonst wird die Stimmung nach den Paarungen davor wieder in den Keller gehen. Lawler ist für mich noch nicht so berechenbar. Der Sieg gegen Koscheck war schnell und Voelker war vom Kaliber her ein Rückschritt. Lawler hat immer noch seine starken Fäuste und zuletzt auch den ein oder anderen Kick ausgepackt. Ob das gegen McDonald reichen wird, bezweifle ich. Ich denke, Lawler wird sich öfter als gewünscht auf dem Rücken wieder finden und eine frustrierende Punktniederlage einstecken. Rory McDonald nach Punkten

Kai: Hier werden wir mit Rory MacDonald den legitimen Nachfolger George St. Pierres sehen. Allerdings wird es weiterhin keinen Kampf der beiden gegeneinander geben, solange beide aktiv sind. Zwar gehen der UFC so langsam die Weltergewichte aus. Aber vielleicht holt man auch den von Bellator entlassenen Ben Askren und stellt diesen entweder gegen GSP oder gegen MacDonald. Ich rechne damit, dass MacDonald schnellen Prozess machen möchte, um sich dann vor heimischer Kulisse feiern zu lassen. Rory MacDonald via T.K.o in Rd. 2

Josh Koscheck (17-7 MMA, 15-7 UFC) vs. Tyron Woodley (11-2 MMA, 1-1 UFC)

Elias:
Eine enge Begegnung mit zwei starken Ringern, die sehr beweglich und explosiv sind. Ich rechne Koscheck die bessere Boxtechnik an, während Woodley der bessere Athlet ist. Am Ende wird es eine enge Punktentscheidung, die von Takedowns entschieden werden könnte. Josh Koscheck nach Punkten

Jan: Josh Koscheck hat mit seit seinem Sieg über Anthony Johnson nicht mehr überzeugt, und das im November 2009. Irgendwo scheint er in seiner Entwicklung stehen geblieben zu sein. Tyron Woodley ist ein vergleichsweise frisches Weltergewicht, das durchaus Ambitionen hat, eines Tages um den Titel zu kämpfen. Nach hinten raus schwächelt Woodley meistens, weswegen Koschecks klügste Taktik darin bestünde, ihn zu zermürben, zum Beispiel im Clinch am Käfig. Koscheck hat hartes Ground and Pound, aber Woodleys ringerische Defensive ist hervorragend, wie sich in seinem letzten Kampf gegen Jake Shields zeigte, den er meiner Meinung nach gewonnen hat. Im Stand kann Woodley auf gute Nehmerqualitäten und große Schlagkraft vertrauen. Sein Kinn ist auf jeden Fall besser als Koschecks. Außerdem wurde Koscheck 4:58 Minuten lang von Matt Hughes ausgeboxt, ehe er ihn K.o. geschlagen hat. Woodley sehe ich im Stand und im Ringen vorne, sogar so weit, dass ich ihm zutraue Koscheck auszuboxen und hin und wieder zu Boden zu bringen. Tyron Woodley nach Punkten

Alexander: Das wohl schwierigste Matchup im Hauptprogramm. Beide sind starke Ringer, beide fühlen sich im Stand wohl und beide können den Kampf mit einem einzigen Schlag beenden. Die große Frage ist, was hat Josh Koscheck noch im Tank? Gegen Hendricks sah er gut aus, gegen Lawler sah er keinen Stich. Kann er noch mithalten, oder wars das für ihn in der UFC? Ähnlich unsicher bin ich bei Woodley, der gegen Shields total enttäuscht hat und scheinbar dann Probleme bekommt, wenn sein Gegenüber ähnliche Stärken hat. Dies ist die Chance von Koscheck, der zudem noch weitaus erfahrener in den Käfig steigen wird. Zwar ist Woodley der bessere Athlet, aber ich glaube, dass Josh Koscheck noch einen guten Kampf in sich hat. Und den sehen wir morgen. Josh Koscheck nach Punkten

Kai: Es wird wohl die letzte Chance für beide in der UFC sein. Koscheck konnte sich in den letzten Jahren immer, wenn er kurz vor der Entlassung stand, noch retten und bekam sogar den Titelkampf gegen GSP. Es war einer der unterhaltsamsten Kämpfer in der Geschichte der UFC. Neben GSP ist er immerhin der UFC-Kämpfer, der am längsten unter Vertrag steht. Es wäre schade, wenn ihm eine weitere Niederlage dann die Fahrkarte in Richtung Bedeutungslosigkeit bescheren würde. Mit Woodley schickt die UFC ihm den Prüfstein, ob er noch das Format hat, in der Champions League des MMA zu kämpfen. Ich denke schon und deswegen wird er nach Punkten siegen. Josh Koscheck einstimmig nach Punkten

Ali Bagautinov (11-2 MMA, 1-0 UFC) vs. Timothy Elliott (10-3-1 MMA, 2-0 UFC)

Elias:
Ebenfalls eine enge Kiste. Bagautinov hat eine ordentliche Siegesserie zu verbuchen, während Elliott ebenfalls auf einem Höhenflug ist. Ich rechne mit einem sehr aggressiven Russen, der den Sieg aufgrund seiner Ringerqualitäten einheimsen wird. Ali Bagautinov nach Punkten

Jan: Ali Bagautinov hat eine ellenlange Liste an Erfolgen im Ringen, Pankration und Combat Sambo vorzuweisen, doch in seinem UFC-Debüt schwächelte er ringerisch sehr und hatte Glück, dass seinem Gegner Marcos Vinicius in der letzten Runde die Puste ausging. Tim Elliott ist ein guter Ringer, der durchaus die Fähigkeiten hat, Bagautinov drei Runden lang auf die Matte zu pinnen und sich gegen Aufgabegriffe zu verteidigen. Im Stand hat er aufgrund seiner Vorliebe für Muay Thai die vielfältigere Offensive. Auf ihn zu tippen, wäre die logischere Entscheidung, doch ich glaube, dass Bagautinov ihn besiegen wird. Denn: In der Fliegengewichtsklasse haben nur zwei andere Kämpfer solch eine große Schlagkraft wie Bagautinov, und das sind John Lineker und John Dodson. Bagautinov genügt ein einziger Schlag, um diesen und alle anderen Kämpfe im Fliegengewicht zu entscheiden. Ich vermute, dass er trotz erfolgreicher Landsmänner wie Nurmagomedov, Khabilov und Amagov der erste Russe sein wird, der in der UFC um einen Titel kämpft. Ali Bagautinov via T.K.o. in Runde 1

Alexander: Der Auftakt zu zum Hauptprogramm wird der Kampf des Abends, da lege ich mich jetzt schon fest. Bagautinov hatte in seinem UFC-Debüt mit Vinicius anfangs noch Probleme, knockte das lange Fliegengewicht aber mit einer harten Rechten aus und Tim Elliott verteilt bei seinem letzten Kampf gegen Louis Gaudinot über 200 Treffer innerhalb von 15 Minuten. Nachdem Bagautinov beim letzten Mal noch seine Fäuste sprechen ließ, werden wir gegen Elliott wohl seinen Sambo-Hintergrund kennen lernen. Elliott ist ein guter Ringer, aber gegen die explosiven Dagestaner scheint momentan kein Kraut gewachsen. Elliott wird mit seinem unorthodoxen Stand wahrscheinlich den harten Fäusten Bagautinovs entgehen können, aber auf der Matte die Punkte verlieren. Ali Bagautinov nach Punkten