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GnP-Prognosen für UFC 164

UFC 164: Henderson vs. Pettis

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 164 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben Chefredakteur Jan Großöhmigen und die MMA-Redakteure Alexander Petzel-Gligorea, Kai Ruhle, Elias Stefanescu und Martin Thauer ihre Prognosen ab.

Benson Henderson (19-2 MMA, 7-0 UFC) vs. Anthony Pettis (16-2 MMA, 3-1 UFC)

Elias: Die erste Begegnung gilt als Klassiker. Ein Beweis, dass die Kämpfer der WEC zu den besten der Welt gehörten. Im Rückkampf kann alles passieren, denn Henderson hat sich extrem weiterentwickelt. Pettis ebenso, jedoch war er des Öfteren von Verletzungen geplagt. Ich sehe den Vorteil im Grappling sowie Bodenkontrolle beim Champion. An einen vorzeitigen Sieg glaube ich nicht. Benson Henderson nach Punkten

Martin: Der erste Kampf zwischen den beiden war knapp und wurde durch den „Showtime-Kick“ entschieden. Seitdem haben sich beide Kämpfer weiterentwickelt – vor allem Henderson. Er ist vielseitiger als Pettis, und wenn er es schafft, den hervorragenden Kicks von Pettis aus dem Weg zu gehen, dann sollte er den Rückkampf für sich entscheiden. Benson Henderson nach Punkten

Kai: Ich rechne mit dem typischen Henderson-Fünf-Runden-Kampf. Er wird mit seinem Gegner spielen und ihn so zermürben. Vielleicht kann Pettis ja die entscheide Lücke finden wie Chris Weidman bei Anderson Silva. Dann nützt dir die beste Taktik nichts. Aber realistisch betrachtet wird Henderson den Kampf klar gewinnen. Benson Henderson nach Punkten

Alexander: Ich glaube, dass der zweite Kampf der beiden Top-Leichtgewichte eine Enttäuschung wird, gemessen am ersten Aufeinandertreffen. Seitdem hat Henderson meiner Meinung nach einen größeren Sprung nach vorne gemacht und alle Facetten seines Könnens verstärkt, während ich das von Pettis noch vermisse. Nichtsdestotrotz wird der Herausforderer dem Champion hier einen starken Kampf liefern, ich glaube nur, dass es nicht reicht und Henderson erneut einen Punktsieg einfährt. Benson Henderson nach Punkten

Jan: Ich befürchte, der zweite Kampf wird genauso eng wie der erste – und es wird erneut Anthony Pettis gewinnen. Auf mich wirkt es, als würde sich Benson Henderson immer mehr von dem Kampfstil entfernen, der ihn so erfolgreich gemacht hat. Er ist ein sehr guter Ringer, der mit seinem Ground and Pound großen Schaden anrichten kann. Leider scheint er in letzter Zeit nur noch zu versuchen, seine Kämpfe durch einen K.o. zu beenden und vernachlässigt dadurch das Ringen. Pettis ist einer der besten Standkämpfer im Leichtgewicht, vielleicht sogar der beste – er ist schnell, präzise und vielseitig. Wenn Henderson erneut darauf verzichtet, den Kampf auf den Boden zu verlagern, wird Pettis ihn im Stand zerlegen. Anthony Pettis nach Punkten

Josh Barnett (32-6 MMA, 4-1 UFC) vs. Frank Mir (16-7 MMA, 14-7 UFC)

Elias: Mir könnte im Stand den Vorteil haben, wenn er beweglich ist und nicht von Verletzungen geplagt. Ansonsten sehe ich alle weiteren Vorteile bei Barnett. Der PRIDE-Veteran ist spritziger und könnte Mir sogar am Boden, in dessen Paradedisziplin, besiegen. Es ist zwar möglich, dass die Begegnung über die Zeit geht, ich rechne jedoch damit, dass Mir konditionell einbrechen wird.
Josh Barnett via T.K.o. in Runde 3

Martin: Diesen Kampf hätte ich gerne vor vier Jahren gesehen, als Mir noch nicht Lesnar geschädigt war. Seit Mir so enorm an Muskelmasse zugelegt hat, ist er für mich einfach nicht mehr derselbe. Er ist langsam im Stand und konnte sich gegen Cormier nicht aus dem Clinch befreien. Deswegen neige ich dazu, in diesem Kampf zu Barnett zu tendieren, wenn er den Kampf im Stand halten kann. Auf der Matte sehe ich es relativ ausgeglichen. An einem guten Tag zwingt Mir Barnett zur Aufgabe, an einem schlechten Tag verliert Mir durch Ground and Pound. Als Mir-Fan hoffe ich natürlich auf einen guten Tag: Frank Mir via Aufgabe in Runde 1

Kai: Willkommen zurück in der UFC, Barnett. Der Kampf kommt vielleicht drei bis vier Jahre zu spät. Aber die beiden sind immer noch für einen guten Kampf zu haben. Mirs Zeit läuft auch ab und wenn er diesen Kampf nicht gewinnt, war es das für ihn. Dann sollte er zurücktreten und seinem Körper nicht weiter schaden. Für Barnett ist es dennoch ein guter Prüfstein, um zu sehen, ob er vielleicht demnächst in die Nähe eines Titelkampfes kommen kann. Josh Barnett via T.K.o.in Runde 2

Alexander: Ich kann mich meinen hochgeschätzten Kollegen hier nur anschließen, der Kampf kommt ein paar Jahre zu spät, aber besser spät als nie. Ich bezweifle, dass der Kampf lange auf der Matte bleiben wird. Frank Mir scheint Vertrauen in seine Fäuste zu haben und wird den offenen Standkampf suchen während Barnett wahrscheinlich eher im Clinch agieren wird. Von daher wird es Barnetts größte Aufgabe werden, die Distanz zu überbrücken und Mir an den Käfig zu clinchen. Dort sehe ich ihn im Vorteil und hoffe ganz subjektiv auf den "Warmaster". Josh Barnett nach Punkten

Jan: Zwei der besten Bodenkämpfer im Schwergewicht – das kann doch nur in einem Kickboxduell enden, oder? In dem Fall würde ich Frank Mir vorne sehen, da er im Stand vielseitiger und schneller ist als Josh Barnett. Allerdings glaube ich, dass Mir insgeheim auf ein Kickboxduell hofft, während Barnett auf der Matte im Vorteil wäre. Mir hat seit jeher Probleme mit Gegnern, die ihn im Clinch zermürben und auf dem Boden kontrollieren können – und genau solch ein Gegner ist Barnett. Ich vermute, Barnett wird Mir gegen den Käfigzaun pressen und dann auf die Matte zerren. Für ein Schwergewicht hat Mir eine sehr gute Guard, aber Barnett ist ein Meister des Kämpfens aus der Oberlage. Josh Barnett nach Punkten

Clay Guida (30-13 MMA, 10-7 UFC) vs. Chad Mendes (14-1 MMA, 5-1 UFC)

Elias: Guida könnte lediglich durch hohes Tempo und Bodenkontrolle gewinnen, ansonsten sehe ich den Vorteil bei Mendes. Er hat die nötige Schlagkraft für einen möglichen K.o., aber auch die ringerischen Fähigkeiten, um Guidas Takedowns zu verhindern. Ein vorzeitiges Ende sehe ich hierbei nicht, außer wenn Guida ausgeknockt wird, was bei seiner Erfahrung extrem schwer wird. Chad Mendes nach Punkten

Martin: Es ist schon merkwürdig. Nachdem ich gerade dabei war, ein Fan von Guida zu werden, zieht der so komische Leistungen wie gegen Maynard und Hioki ab. Wenn er wieder drei Runden lang nur vor seinem Gegner hin und her hüpft, dann hoffe ich, dass er verliert, weil ich das nicht mehr sehen möchte. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Mendes ihn daran hindern kann. Mendes ist sicherlich ein starker Ringer mit guten Fäusten, aber wenn er Guida nicht zu packen bekommt, wird es schwer. Ich glaube allerdings an das Gute in Guida und hoffe hier auf einen unterhaltsamen Kampf, an dessen Ende aber der vielseitigere Kämpfer den Sieg davon tragen wird. Chad Mendes nach Punkten

Kai: Ich erwarte hier einen klaren Sieg für Chad Mendes. Guida ist nicht mehr so unberechenbar wie früher. Zudem hat er seinen Charakter weit zurückgefahren, aber als Kämpfer brachte ihn das nicht weiter. Der Kampf kann der Showstealer des Abends werden, weil beide schnell zur Sache gehen werden. Chad Mendes via T.K.o.in Runde 1

Alexander: Vor langer Zeit gehörte Guida zu meinen absoluten Lieblingen im Leichtgewicht. Der "Carpenter" war wild, hatte Kondition ohne Ende und zeigte immer unterhaltsame Kämpfe. Daraus ist mittlerweile ein taktierendes Federgewicht geworden, dessen Kämpfe eine absolute Qual für den Zuschauer sind. Auf der anderen Seite haben wir mit Team Alpha Male-Kämpfer Chad Mendes den heimlichen Herausforderer auf José Aldos Nacholge. Der 28-Jährige hat aus seiner ersten Niederlage gegen Aldo viel gelernt und pflügt in einem Affentempo durch die Federgewichtsklasse. Ich denke, dass auch Guida den harten Händen von Mendes wenig entgegen zu setzen hat und Guidas Ringen wird von Mendes eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich neutralisiert werden. Chad Mendes nach Punkten

Jan: Clay Guida wird entweder vor Chad Mendes wegrennen – wie gegen Gray Maynard – oder versuchen, ihn zu Boden zu bringen und dann liegen zu bleiben – wie gegen Hatsu Hioki. Gelingt es Mendes, den Kampf im Stand zu halten, wird er leichtes Spiel haben. Guida ist zu wild und zu offen, Mendes hat sich unter der Führung von Duane Ludwig zu einem passablen Boxer mit wuchtigen Schlägen entwickelt. Mendes ist als Ringer zweifacher „All-American“ in der Division I der NCAA gewesen und war – außer im Kampf gegen Jose Aldo – jedem seiner Gegner im ringerischen Bereich weit überlegen. Allerdings hat er noch nie gegen jemanden gekämpft, der so beharrlich das Takedown sucht wie Guida; wohingegen Guida bereits starke Ringer wie Benson Henderson oder Diego Sanchez zu Boden gebracht hat. Ich traue Mendes dennoch zu, den Kampf im Stand zu halten und den zähen Guida dort auszupunkten. Chad Mendes nach Punkten

Ben Rothwell (32-9 MMA, 2-3 UFC) vs. Brandon Vera (12-6 MMA, 10-6 UFC)

Elias: Beide Kämpfer gehören nicht mehr zur Elite. Rothwell war ein Star in der IFL, Vera vor vielen Jahren in der UFC. Die Tagesform entscheidet bei Vera, ob ihm ein Sieg gelingt, oder ob er untergeht. Rothwell hat den Gewichtsvorteil, denn Vera könnte im Halbschwergewicht antreten. Der beweglichere Mann ist jedoch Vera, ohne Frage. Wenn er hochmotiviert ist, gelingt ihm ein Sieg. Falls nicht, wird Rothwell das Ruder an sich reißen. Ich spekuliere hierbei auf Vera. Gegen Cain Velasquez hielt Rothwell zwei Runden durch. Das bringt ihn auch bei Vera über die Zeit. Brandon Vera nach Punkten

Martin:
Was Vera wieder im Schwergewicht will, weiß ich beim besten Willen nicht. Sicherlich sah er dort bei seinen ersten Kämpfen in 2005 und 2006 sehr gut aus, aber seit dem hat sich einiges verändert – und für Vera leider nicht zum Besseren. Vera wurde viel zu schnell zu hoch gejubelt und zahlt nun den Preis dafür. Ein Wechsel in der Gewichtsklasse wird daran nichts ändern. Mit Rothwell hat die UFC ihm zwar noch einen machbaren Gegner gegenübergestellt, aber ein sicherer Sieg ist das bei Weitem nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Vera seinen Gegner mit seinem guten Muay Thai im Stand auseinander nimmt, aber wenn Rothwell mit einem guten Treffer durchkommt, geht auch Vera zu Boden. Mein Bauch sagt Rothwell, mein Verstand ist sich noch nicht so sicher, aber da ich hier etwas schreiben muss, sage ich: Brandon Vera via T.K.o. in Runde 3

Kai: Kurz und knapp: Vera wird Rothwell zerstören, da er hochmotiviert in den Kampf gehen wird. Brandon Vera via T.K.o. in Runde 1

Alexander: Dieser Kampf hat meiner Meinung nach nichts im Hauptprogramm zu suchen. Beide sind schon längst über ihre besten Jahre hinaus und haben zuletzt eher selten überzeugt. Den Wechsel von Brandon Vera zurück ins Schwergewicht verstehe ich auch nicht wirklich. Ja, er ist schneller und beweglicher als viele seiner potenziellen Gegner, aber dafür kann ihn ein massiges Schwergewicht wie Rothwell auch leichter im Käfig herumschubsen, was sich vor allem im Clinch zeigen wird. Ich denke, Rothwell setzt seine Serie fort und lässt auf die Niederlage gegen Gabriel Gonzaga wieder einen Sieg folgen. Ben Rothwell via T.K.o. in Runde 2

Jan: Brandon Vera und Ben Rothwell haben mich in den vergangenen Jahren überhaupt nicht überzeugt. Vera zeigte eine beherzte Leistung gegen Shogun Rua, aber sein letzter eindrucksvoller Sieg stammt von 2006, als er Frank Mir in 69 Sekunden auseinandernahm. Er besitzt so viel Talent und Fähigkeiten, aber sein Kopf hält ihn zurück. Für jemanden, der Champion werden will, ist er mental zu schwach. Über die Jahre ist er im Stand immer vorsichtiger und zurückhaltender geworden, er scheint sich kaum noch zu trauen, einfach mal loszufeuern. Stattdessen steht er da und wartet, was sein Gegner macht. Gegen Rothwell muss er sich vor zwei Dingen hüten: Schlagkraft und Clinch am Käfig. Vera muss das machen, was er früher so gut beherrschte: Rothwell mit Lowkicks verlangsamen und dann mit geraden Schlägen den Abschluss suchen. Brandon Vera nach Punkten

Erik Koch (13-2 MMA, 2-1 UFC) vs. Dustin Poirier (13-3 MMA, 5-2 UFC)

Elias: Mein "Fight of the Night"-Kandidat. Dustin Poirier hat in meinen Augen den Vorteil und das bessere Kinn. Am Boden sehe ich ihn auch vorne, jedoch nicht weit. Beide Athleten gehören zu den besten ihrer Gewichtsklasse und werden eine Show abliefern, um die Zuschauer zu unterhalten. Dustin Poirier via T.K.o. in Runde 3

Martin: Hier haben wir den Kampf des Abends. Koch gegen Poirier sollte ein sehr unterhaltsamer Kampf werden, wenn er nicht schon nach einer Minute zu Ende ist. Für Poirier dürfte die beste Chance in diesem Kampf sein, Koch zu Boden zu bringen. Wenn er das nicht schaffen sollte, werden wir hier einen schönen Schlagabtausch sehen, an dessen Ende Poirier wahrscheinlich schlafen geht. Erik Koch via K.o. in Runde 2

Kai: Der Kampf, auf den ich mich persönlich am meisten freue. Ich rechne mit einem sehr ausgeglichenen Kampf, in dem sich beide Kämpfer nichts schenken werden. Für beide ist ein Sieg wichtig, um eine weitere Sprosse in Richtung Top-Kampf zu erklimmen. Die beiden haben in ihrer Karriere oft gezeigt, dass sie eigentlich weiter oben stehen vom Talent. Dennoch scheint es bei den entscheidenen Kämpfen nie zu klappen. Sehr schwere Entscheidung. Dustin Poirier nach Punkten

Alexander: Was für eine spannende Ansetzung. Zwei der größten Talente ihrer Gewichtsklasse die ihren nächsten Kampf gewinnen müssen. Erik Koch wird von den meisten Fans wahrscheinlich gar nicht mehr richtig eingeordnet werden können, sein letzter UFC-Sieg ist schließlich schon knapp zwei Jahre her. Nichtsdestotrotz denke ich, dass "New Breed" heute Nacht die Oberhand behalten wird. Er ist ein fantastischer Standkämpfer und sollte mit der Halle im Rücken und ohne langwierige Verletzungen und Ring-Rost zeigen, dass er der Alte ist. Das wird heute zumindest zuviel für Poirier. Erik Koch nach Punkten

Jan: Auf diesen Kampf warte ich seit mindestens zwei Jahren. Zwei große Talente, die sich noch nicht ganz an der Spitze etablieren konnten, aber von denen mindestens einer irgendwann um den Federgewichtstitel kämpfen wird. Erik Koch und Dustin Poirier gehören, wie auch Rory MacDonald oder Michael McDonald, zu der neuen Generation an Kämpfern, die mit dem MMA-Sport aufgewachsen sind und alle Disziplinen gleichzeitig von Grund auf erlernt haben. Das macht sie zu sehr vielseitigen Kämpfern, wobei natürlich auch sie ihre Schwachstellen haben. Diese sehe ich bei beiden im Ringen. Koch schätze ich ein wenig stärker im Stand ein, Poirier auf dem Boden. Eigentlich müsste hier ein Münzwurf zur Entscheidungsfindung her, aber ich sehe Koch aufgrund seins Heimvorteils vorne. Erik Koch nach Punkten