MMA Restliche Welt

GnP-Prognosen für UFC 152

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 152 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben GnP-Chefredakteur Jan Großöhmigen sowie die MMA-Redakteure Elias Stefanescu, Martin Thauer, Alexander Petzel-Gligorea, Florian Sädler und Dorian Szücs ihre Prognosen ab.

Jon Jones (16-1 MMA, 10-1 UFC) vs. Vitor Belfort (21-9 MMA, 10-5 UFC)

Jan: Vitor Belfort hat in beiden Händen große Schlagkraft, aber seine Linke ist besonders gefährlich. Trifft er Jon Jones damit, könnte ihm die Sensation gelingen. Sobald ein Gegner wackelt oder zu Boden geht, stürmt Belfort auf ihn zu und lässt einen schnellen Schlaghagel folgen, gegen den man sich nicht mehr verteidigen kann. Das Problem ist nur, dass Belfort erst einmal am enormen Größen- und Reichweitenvorteil von Jones vorbeikommen muss. Da er meiner Ansicht nach nicht mehr so schnell und explosiv ist wie früher, bezweifle ich, dass er das schafft. Außerdem ist Jones zu clever, um sich von einem Old-School-Angriffssturm überrumpeln zu lassen. Ich denke, dass Jones ihn problemlos auf Distanz halten und mit langen Kicks und Schlägen zerpflücken wird. Jon Jones via TKO in Runde 1

Florian: Auch, wenn ein KO – nach meiner Meinung und der vieler anderer die einzige Möglichkeit für einen Belfort-Sieg – sicher eine spannende Sache wäre, glaube ich nicht wirklich daran. Ich könnte mir einen Sieg durch späten TKO oder Aufgabe durch Jones und bis dahin auch einen ähnlichen Verlauf wie den im Rampage-Kampf vorstellen. Jon Jones via Aufgabe in Runde 4

Elias: Für Vitor wird es heißen "no risk, no fun" - er muss versuchen seine schnellen Hände durchzubringen, wie Wanderlei Silva uns schon im GnP-TV Interview verriet - ansonsten wird es schwer. Die Reichweite hat Jones, sowie den Hype hinter sich. Wenn Vitor nicht die beste Leistung seines Lebens bringt, sehe ich schwarz für ihn. Jon Jones via TKO in Runde 2

Alexander: Hmm, lasst mich überlegen: ein topfitter Champion mit Reichweitenvorteilen gegen einen Herausforderer mit weniger Vorbereitungszeit. Es ist löblich von Belfort, den Kampf unter diesen Umständen anzunehmen, allerdings glaube ich nicht, dass er gegen Jones einen Stich sieht. Schnelle Hände nützen nicht viel, wenn der Gegner weit weg steht. So sehr ich es Vitor gönnen würde, mein Tipp ist: Jon Jones via TKO in Runde 3

Dorian: Vitor Belfort hat ordentlich an Masse zugelegt für diesen Kampf. Selten hat man den Brasilianer so massig gesehen, wie auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Diese schnelle Gewichtszunahme, kombiniert mit seinem Alter, dürfte Belforts größtem Merkmal weniger zu Gute kommen: seiner Schnelligkeit. Die Power in seinen Fäusten dürfte hingegen noch größer geworden sein und damit könnte Belfort in einer frühen Phase des Kampfes die Überraschung gelingen. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jon Jones, der bereits ganz andere Kaliber im Halbschwergewicht mit scheinbarer Leichtigkeit vorgeführt hat, Belfort dank des enormen Reichweitenvorteils so nah an sich heran lässt? Nicht allzu hoch. Sollte der Kampf länger als drei Runden gehen, wird Belfort schnaufen und von Jones langsam auseinandergenommen. Ich denke aber, dass der Champion den Sack eher zu macht. Jon Jones via KO in Runde 2

Martin: Auch wenn ich wirklich gerne sehen würde, wie Belfort Jones KO schlägt, glaube ich da einfach nicht dran. Jones hat die Reichweitenvorteile und ist der bessere Ringer. Belfort hat immer wieder gezeigt, dass er Probleme mit Ringern hat und ich denke, dass wir das gegen Jones sehen werden. Wenn Jones es vorsichtig angehen lässt, dann geht der Kampf in Runde 2, wenn er es schnell hinter sich bringen will, bringt er Belfort sofort zu Boden und holt sich den TKO-Sieg. Jon Jones via TKO in Runde 2

     

Joseph Benavidez (16-2 MMA, 3-0 UFC) vs. Demetrious Johnson (14-2-1 MMA, 3-1-1 UFC)

Florian: Benavidez ist Favorit, und das im Hinblick auf seine letzten Kämpfe im Vergleich zu Johnsons aktuellen Auftritten vielleicht auch zurecht. Trotzdem gehe ich mit Johnson und tippe auf ein Upset. Demetrious Johnson nach Punkten

Dorian: Dieser Kampf kann nur bombastisch werden. Beide Kämpfer sind für ihre aufregenden Hochgeschwindigkeitskämpfe bekannt und so freue ich beim Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten ein absolutes Feuerwerk. Auch wenn es sich um eine wirklich ausgeglichene Ansetzung handelt, schätze ich Benavidez als kompletteren Kämpfer minimal stärker ein. Er wird sich in einer harten Schlacht nach Punkten durchsetzen. Joseph Benavidez nach Punkten

Martin: In diesem Kampf schwanke ich ein wenig, weil ich mir nicht sicher bin, wie Benavidez mit dem schnellen Johnson klarkommt. Entweder sehen wir hier eine Punktentscheidung mit Johnson als Sieger oder Benavidez beendet den Kampf vorzeitig. Ich hoffe auf ein vorzeitiges Kampfende und sage: Joseph Benavidez via TKO in Runde 3

Alexander: Für mich ein sehr einseitiger Kampf. Alles, was Johnson kann, kann Benavidez besser. Auch wird die Kondition beim Kampf dieser zwei Duracell-Hasen keine größere Rolle spielen, sodass Benavidez nach fünf Runden voller Positionswechsel am Ende als erster Fliegengewichts-Champion der UFC in die Geschichte eingehen wird. Joseph Benavidez nach Punkten

Jan: Eine vollkommen ausgeglichene Ansetzung, die eines solch historischen Titelkampfes absolut würdig ist. Demetrious Johnson scheint mir etwas schneller und etwas ringerisch besser zu sein als Joseph Benavidez, welcher hingegen deutlich mehr Schlagkraft besitzt und darüber hinaus viel mehr Möglichkeiten hat, den Kampf vorzeitig zu beenden. Andererseits ist Johnson noch nie vorzeitig besiegt worden, er ist ein sehr zäher Kämpfer mit großem Kampfgeist. Benavidez hat bislang nur gegen Dominick Cruz verloren, welcher einen komplett anderen Kampfstil hat als Johnson. Über ein kontroverses Punktrichterurteil würde ich mich nicht wundern, denn ich vermute, dass Johnson aufgrund seiner Schnelligkeit mehr Treffer landet, Benavidez hingegen die härteren Treffer, die mehr Schaden anrichten. Dann liegt es an der Sicht der Punktrichter, was sie höher bewerten. Ich entscheide mich für letzteres und somit für einen knappen Punktsieg für Benavidez. Joseph Benavidez nach Punkten

Elias: Das wird spannend! Beide Kämpfer sind auf einem ähnlichen Level. Hier wird die Taktik entscheiden und wer die Punkte erringen kann, wahrscheinlich durch Takedowns. Demetrious Johnson nach Punkten

Michael Bisping (22-4 MMA, 12-4 UFC) vs. Brian Stann (12-4 MMA, 6-3 UFC)

Jan: Michael Bisping ist der am meisten unterschätzte Kämpfer in der UFC bzw. derjenige, der für seine Fähigkeiten am wenigsten respektiert wird. Das mag vielleicht daran liegen, dass er noch keinen Gegner aus der Top Ten besiegt hat. Alle seine Niederlagen erlitt er gegen solche Hochkaräter, doch mit Ausnahme von Dan Henderson hat ihn noch niemand "fertig gemacht". Die Punktniederlagen gegen Chael Sonnen, Wanderlei Silva und Rashad Evans hätte man durchaus auch anders werten können. Brian Stann ist für Bisping ein maßgeschneiderter Gegner, um das ganze Repertoire seiner kämpferischen Fähigkeiten zeigen zu können. Sicherlich verfügt Stann über die größere Schlagkraft, dafür ist er mit seiner Kombination aus Lowkick und Schwinger ziemlich leicht auszurechnen, während Bisping im Stand sehr variabel kämpft. Darüber hinaus hat sich Bisping in den letzten Jahren zu einem sehr guten Ringer entwickelt, den man kaum auf dem Boden halten kann und der selbst immer öfter offensiv ringt, um seine stärkste Waffe, das Ground and Pound, einsetzen zu können. Es würde mich nicht wundern, wenn Bisping den Kampf auf der Matte durch TKO oder Aufgabe entscheidet, die sichere Wette ist jedoch ein einstimmiger Punktsieg. Michael Bisping nach Punkten

Alexander: Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich auf diesen Kampf freuen soll. Natürlich würde ich gerne wieder einen K.o. geschlagenen Bisping am Boden liegen sehen, doch irgendwie befürchte ich, er wird die richtige Taktik für Stann mit ins Octagon bringen und ihn auspunkten. So viele Fortschritte Stann auch gemacht hat, gegen Bisping reicht es noch nicht, dafür ist der Brite noch zu gut. Michael Bisping nach Punkten

Florian: Ein typischer Kampf zum Hin- und Herschwanken. Ich glaube, dass Bisping Stanns Power aus dem Weg gehen kann und über drei Runden eine relativ knappe Punktentscheidung einfahren kann. Michael Bisping nach Punkten

Martin: Auch hier ändere ich fast ständig meine Meinung. Bisping ist der technisch bessere Boxer, aber wenn Stann einmal ordentlich durchkommt, ist der Kampf für den Engländer gelaufen. Wenn Bisping clever ist, versucht er, den Kampf auf den Boden zu bringen. Irgendwie bezweifle ich aber, dass er einem Standduell mit Stann widerstehen kann und da kann jeder der Beiden das bessere Ende für sich haben. Michael Bisping nach Punkten

Dorian: Michal Bisping ist im Stand schneller und technisch um einiges besser. Brian Stann kann den Kampf allerdings mit einem präzisen Treffer in kürzester Zeit beenden. Bisping wird hier wohl ein ähnliche Taktik wie gegen Jorge Rivera an den Tag legen und Stann mit schnellen Kombinationen eindecken. Michael Bisping nach Punkten

Elias: Brian Stann hat die härtere Schlagkraft, jedoch ist Bisping dafür bekannt die längere Puste zu besitzen. Das könnte der entscheidende Faktor sein. Wenn Stann keinen vorzeitigen Erfolg erzwingt, wird Bisping den Kampf übernehmen. Wichtig wird auch sein, wie Bisping mit dem Ringen des Amerikaners zurechtkommt. Michael Bisping nach Punkten

Matt Hamill (10-4 MMA, 9-3 UFC) vs. Roger Hollett (13-3 MMA, 0-0 UFC)

Dorian: Matt Hamill musste zuletzt zwei schmerzhafte Niederlagen einstecken und verkündete daraufhin das Ende seiner Karriere. Ein knappes Jahr später gibt es jetzt den Rücktritt vom Rücktritt. Mit Roger Hollett bekommt er einen UFC-Debütant vorgesetzt, der für den erprobten Hamill absolut machbar sein sollte. Ich denke, dass Hamill hier hoch motiviert ein Statement setzen wird. Matt Hamill via TKO in Runde 2

Jan: Es ist unheimlich schwer, diesen Kampf vorauszusagen, da man nicht weiß, wie intensiv Matt Hamill seit seinem Rücktritt vor einem Jahr trainiert hat. So oder so wird er eingerostet sein. Andererseits hat Roger Hollett nicht das kämpferische Niveau eines Hamill in Topform. Hollett ist ein BJJ-Braungurt, versteht aber auch ein bisschen etwas vom Striking. Wenn Hamill auf seine starken ringerischen Fähigkeiten setzt, kann er Hollett aufgrund seiner guten Bodenkampfdefensive drei Runden lang kontrollieren, im Stand könnte es knapp werden. Ich habe den Eindruck, dass Hamill nicht aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist, um Spielchen zu spielen, sondern um noch einmal anzugreifen. Deswegen denke ich, dass er sich bei seinem Comeback auf seine Stärken besinnen wird. Matt Hamill nach Punkten

Elias: In welcher Verfassung ist Hamill? Daran kann man den Erfolg messen. Davon auszugehen ist, dass er sich vorbereitet hat und sein Ringen wieder einsetzen wird. Ob ihm ein vorzeitiger Sieg gelingt? Ich denke es geht über die volle Distanz. Matt Hamill nach Punkten

Florian: Auch dieser Kampf ist schwierig zu beurteilen, da Hamill über ein Jahr lang im Ruhestand war und ich nicht weiß, wie er in dieser Zeit trainiert hat, während Hollet bisher noch nie in der UFC zu sehen war. Ich denke, dass Hamill sich dank seiner Erfahrung und möglicherweise neu gewonnener Motivation knapp durchsetzen wird. Matt Hamill nach Punkten

Martin: Wenn wir hier den alten, hungrigen Matt Hamill wiedersehen, dann wird das eine lange Nacht für Hollett. Ich gehe davon aus, dass Hamill genau weiß, warum er wieder ins Octagon zurückkehrt und er wird sich seine Rückkehr nicht von einem UFC-Neuling versalzen lassen, allerdings denke ich nicht, dass Hamill den Kampf vorzeitig beenden kann. Matt Hamill nach Punkten

Alexander: Matt Hamill ist zurück nach seiner harten Niederlage gegen Gustafsson und bekommt nun mit Hollett einen UFC-Debütanten vorgesetzt. Hollett sollte der bessere Standkämpfer sein, aber jeder weiß, dass Hamills Takedowns nahezu unaufhaltsam sind. Pech für Hollett, dass er aufgrund seiner geringeren Größe nah ran muss, um zu treffen. Ideale Voraussetzungen also für Hamill, der den Kampf drei Runden lang auf der Matte kontrollieren wird. Matt Hamill nach Punkten

     

Charles Oliveira (16–2 (1) MMA, 4–2 (1) UFC) vs. Cub Swanson (17-5 MMA, 2-1 UFC)

     

Martin: Ein hoch interessantes Duell, bei dem es sehr darauf ankommen wird, welcher der beiden Kämpfer seine Strategie durchbringen kann. Bleibt der Kampf auf den Beinen, wird Swanson früher oder später den K.o.-Sieg einfahren. Bekommt Oliveira seinen Gegner auf den Boden gewinnt er durch Submission. Da ich wenigstens einmal auf einen Underdog setzen möchte, tippe ich hier auf Swanson. Cub Swanson via K.o. in Runde 1

Elias: Charles Oliveira muss sich vor den Faust-, Knie- und Ellenbogenangriffen seines Gegners schützen, doch auf dem Boden kann er ihn dafür in seine eigene Welt bringen. Swanson muss diese Begegnung im Stand führen und dominieren, sonst erwartet ihn ein böses Erwachen auf dem Mattenboden. Charles Oliveira via Aufgabe in Runde 1

Jan: Ohne Benavidez und Johnson würde ich hier sofort "Kampf des Abends" schreien, aber so schreibe ich nach dem "Aufgabegriff des Abends". Charles Oliveira erkämpfte sich seit seinem Wechsel ins Federgewicht zwei spektakuläre Aufgabesiege, und Cub Swanson ist jemand, den man zweifelsohne als "submission-anfällig" beschreiben könnte. Im Stand sehe ich Swanson aufgrund seiner Schlagkraft leicht vorne, dafür ist Oliveira weniger geradlinig als er und ziemlich unberechenbar mit seinen Angriffen. Ein doppelt eingesprungener Kniestoß a la Jose Aldo (Must-See: WEC 41) ist bei ihm immer drin. Ein Szenario, das ich mir gut vorstellen könnte, wäre, dass Oliveira Swanson im Stand frustriert, der irgendwann ein Takedown durchführt und Oliveira dann die Möglichkeit gibt, einen Aufgabegriff aus seiner Trickkiste anzusetzen. Charles Oliveira via Aufgabe in Runde 1

Alexander: Ein sehr interessantes Matchup zu Beginn der PPV-Übertragung. Beide mögen den Standkampf, wissen sich jedoch auf dem Boden zu helfen. Ich denke, Oliveira hat von den Fähigkeiten her das bessere Gesamtpaket, Swanson wird das jedoch durch ein Plus an Erfahrung wettmachen. Ich denke, dass Letzteres im Moment noch für Oliveira reicht und tippe daher auf: Cub Swanson nach Punkten

Florian: Oliveira hat das Gewicht nicht geschafft, und wenn Swanson die Form seiner letzten Kämpfe auch mit nach Toronto genommen hat, könnte ich mir ebenfalls vorstellen, dass der Brasilianer im Kampf selbst keinen Erfolg haben wird. Oliveira ist sicherlich kein Schlechter und bei Swanson kann man sich nie wirklich sicher sein, ich tippe aber trotzdem auf einen Finish-Sieg des Jackson-Kämpfers. Cub Swanson via TKO in Runde 2

Dorian: Charles Oliveira hat sich bislang alle seine Siege in der UFC durch Submission geholt. Auch im Kampf gegen Cub Swanson dürfte er die Nase am Boden vorne haben. Der Kampf im Stand dürfte sehr interessant werden. Einerseits packt Oliveira gerne mal eine Überraschung aus, andererseits lauert auf der gegnerischen Seite immer eine glühende Faust, die den KO sucht. Oliveira wird versuchen, den Kampf auf den Boden zu verlagern, um sich einen weiteren Aufgabesieg zu holen. Charles Oliveira via Aufgabe in Runde 1