MMA Restliche Welt

GnP Awards 2010: Mannschaft des Jahres international

Eingang zur American Kickboxing Academy.

Manches mal kann man sich einfach nicht gegen diese Stimme im Kopf wehren. Zunächst ist es nur eine Vermutung, doch jede weitere Beobachtung die man macht deutet auf dasselbe hin. Bis schließlich die Stimme immer lauter und aus der Vermutung eine Gewissheit wird. So ergeht es einem auch bei der Beobachtung der wenigen renommierten und international erfolgreichen Teams im MMA. Wer neu in der Szene ist hört vielleicht mal hier oder da den Namen des Gyms in dem dieser oder jener Kämpfer trainiert. Meist jedoch nur, um ihn direkt im Anschluss wieder zu vergessen. Ein paar wenige Trainingsstätten und deren Teams bilden dabei die Ausnahme. Ihre Namen hört man immer wieder und so brennen sie sich über kurz oder lang in unsere Köpfe ein. Zunächst wissen wir vielleicht noch nicht einmal, wer denn jetzt nun eigentlich beim American Top Team trainiert. Wir haben wahrscheinlich auch keine Ahnung, dass Greg Jacksons MMA Team in Albuquerque New Mexico zuhause ist. Und schon gar nicht wissen wir wo das liegt. Jeden interessierten Beobachter der MMA-Szene beschleicht jedoch früher oder später dasselbe, eingangs beschriebene Gefühl:

Die wissen doch etwas, dass sonst keiner weiß!

In der Tat ist es selbst bei besserer Kenntnis der Szene und den Trainingsmethoden des MMA immer wieder verblüffend zu sehen, dass sich unter den Top-Athleten eine signifikante Zahl an Kämpfern tummelt, die aus jenen renommierten Mannschaften stammen. Dabei ist jedes Camp wiederum auf bestimmte Dinge spezialisiert. Was zunächst wie ein Widerspruch wirkt in einem Sport in dem es als erstrebenswert gilt alles gleich gut zu können. Es scheint jedoch – wie auch in der echten Evolution – in der Entwicklung unseres Sportes auch darauf anzukommen, wie und worauf man sich spezialisiert. Das American Top Team, mit 22,4% der Stimmen drittplatziert bei der Wahl zur besten Mannschaft, ist beispielsweise bekannt dafür, dass seine Kämpfer außerordentlich gute „Brazilian Jiu-Jitsu“-Kämpfer sind. Darüber hinaus glänzen Athleten, die aus diesem Stall stammen mit Körpern wie aus Stein gemeißelt. Das Kraft- und Konditionstraining ist also im Zusammenspiel mit dem extrem gut auf das MMA zugeschnittene Ringertraining die Spezialwaffe dieses Teams.

Wer hingegen weiß, dass er auf einen Kämpfer aus den Reihen von Jacksons MMA Team stößt, der kann sich sicher sein dass sein Gegner einen ausgeklügelten Gameplan mit in den Ring oder Käfig bringt. Auch diese Spezialisierung trägt Früchte und brachte dem Team aus der Stadt, die keiner in unseren Breiten aus dem Gedächtnis schreiben kann, einen knappen zweiten Platz ein. Mit 27,5% landeten GSP, Rashad Evans, Shane Carwin und ihre Teamkameraden nur 1,4 Prozentpunkte hinter Eurer Mannschaft des Jahres: Der American Kickboxing Academy (AKA). Der nur geringe Abstand zu den zweiten und dritten in dieser Wahl darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Team aus San Jose der Award mehr als rechtmäßig zusteht. Die Galionsfiguren der „Goldschmiede“ haben selbst in den Ohren von relativen MMA-Laien einen Klang. Cain Velasquez, Josh Koscheck, Jon Fitch und Mike Swick sind dabei nicht nur einfach irgendwelche UFC-Kämpfer. Die drei letztgenannten Weltergewichte gehören in die Top-10 ihrer Gewichtsklasse, auch wenn Swick aufgrund einer längeren gesundheitlichen Pause derzeit nicht mehr vertreten ist. Koscheck hat sich erst im Dezember ein fünfründiges Duell mit dem unumstrittenen König der gewichtsklasse GSP geliefert. John Fitch steht als Nummer zwei im Weltergewicht schon klopfend an der Käfigtür und wartet nun auf seine erneute Titel-Chance. Doch auch in anderen Gewichtsklassen leisten Kämpfer aus der AKA außerordentliches. Velasquez ist immer noch unbesiegt in seinen mittlerweile neun Kämpfen und hat sich mit einer denkwürdigen Performance den Titel gegen Brock Lesnar gesichert. Auch wenn Cain und sein kometenhafter Aufstieg wohl das Zünglein an der Waage gewesen sein dürfte bei der Entscheidung der Fans, gibt es noch weitere Kämpfer aus San Jose die zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Cung Le und Mike Kyle machen ihren Gegnern das Leben bei Strikeforce schwer und Daniel Cormier ist Schwergewichtschampion bei King of the Cage, einer anderen großen nordamerikanischen Promotion.

Auch wenn die Liste der erfolgreichen Kämpfer noch lang wäre, sind weitere treibende Kräfte hinter einem erfolgreichen Team bislang ungenannt geblieben. Es sind die Männer im Verborgenen, die aus einem Haufen von Athleten mit Potential ein weltklasse Team machen. Im Falle des AKA sind es unter anderem die Trainer Bob Cook und Dave Camarillo, sowie der Gründer und Leiter des Gyms Javier Mendez. „Crazy“ Bob Cook ist selbst ein UFC-Veteran, der als Head-Coach sein Wissen und seine Erfahrung an die Schützlinge der Schule weitergibt. Camarillo ist ein Judo und BJJ Spezialist, der vor allem an den Grapplingkünsten der Kämpfer feilt. Diese Spitze des Trainierstabs wird von zahlreichen kompetenten Übungsleitern unterstützt. In Ergänzung dazu gibt es ein hauseigenes Management. „Zinkin Entertainment“ mit derzeit knapp 30 Kämpfern unter Vertrag, hat bereits die Geschicke der Karrieren von Größen wie Chuck Liddell geleitet.

Ist es das also? Ist das jenes Geheimnis, jene Spezialisierung nach der wir gesucht haben, die das Team der AKA zur besten Mannschaft international gemacht hat? Es scheint zunächst so, als wäre dieses Konzept eines kompletten und umfangreichen Service- und Managementteams der Schlüssel zum Erfolg. Doch sieht man hinter die Fassade der Einrichtung lässt sich relativ schnell erkennen was den Charakter des Teams ausmacht. Es ist eine Mixtur aus verschiedenen Komponenten, wobei die Struktur in denen die Kämpfer Halt finden nur eine von mehreren Erfolgsrezepten ist. Befragt man die Top-Athleten zu ihren Erfahrungen bei AKA sind die Antworten erstaunlich ähnlich. Durchweg betonen sie, wie eng die Verbindung zu ihren Trainingskollegen ist. Das Wort „Bruder“ benutzt dabei jeder von ihnen in diesem Kontext. Wobei es nicht im klassischen, positiv verklärten Sinne benutzt wird. Die Familie liebt sich und sie streitet sich. Während den harten Trainingseinheiten kommt es immer wieder zu Momenten in denen sich „Brüder“ in der Hitze des Gefechts weh tun, ja sogar in Streit geraten – ein Resultat der Arbeitsmoral, des harten Trainings und der Ansprüche jedes einzelnen an sich und sein Team. Und wie in einer echten Familie wird nach einem Streit auch wieder die Friedenspfeife geraucht. Die Mischung scheint in diesem Fall das Geheimnis zu sein. Man nehme weltklasse Athleten, eine professionelle Struktur, ein kompetentes Trainerteam und verfeinere es mit einer familiären Umgebung, in der eigene Ambition und die Hilfe für den Trainingspartner ganz oben stehen und man erhält: die American Kickboxing Academy – die Mannschaft des Jahres international.

 

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:
1. American Kickboxing Academy (USA) 28.9%
2. Jackson's MMA (USA) 27.5%
3. American Top Team (USA) 22.4%
4. Team Nogueira (Brasilien) 11.7%
5. Nova União (Brasilien) 8.1%
6. Wajutsu Keishukai (Japan) 1.4%