MMA Restliche Welt

GnP Awards 2009: Aufgabegriff des Jahres international

Aokis Polizeiausbildung ist deutlich zu erkennen. (Foto © FEG)

Ein Gogoplata gegen den Hellboy aus Norwegen überzeugte die GnP-Leser bereits 2006. Jetzt konnte sich der schlaksige Japaner den Titel der besten Submission international erneut unter den Nagel reißen. Ein derber Move und ein noch heftigeres Drumherum bescheren Aoki diesen Titel.

Eigentlich dürfte Shinya Aoki nicht zu den besten Kämpfern der Welt zählen, denn die Theorie des MMA besagt, dass ein Weltklasse-Kämpfer komplett sein muss und den Kampf in allen Distanzen tadellos bestreiten kann. Diese Theorie gerät ins Bröckeln, wenn man dem japanischen BJJ- und Judo-Schwarzgurt Aoki beim Kämpfen zusieht. Kein anderer Kämpfer schafft es, ein Teil des Spiels so zu vernachlässigen und trotzdem an der Weltspitze zu stehen. Er bringt seine Gegner problemlos zu Boden und überzeugt mit einem Weltklasse-Jiu-Jitsu und unorthodoxen Submissions. Sein Standkampf ist optimistisch betrachtet jedoch gerade mal auf gehobenem Amateur-Niveau.

Kopf an Kopf ging es bei der diesjährigen Wahl zu und am Ergebnis lässt sich erkennen, dass es ein knapper Sieg war. Gerade mal zwei mickrige Prozentpunkte trennen den ersten vom fünften Platz.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Shinya Aoki vs. Mizuto Hirota, 18,6%
2. Naoyuki Kotani vs. Daisuke Nakamura, 18,5%
3. Toby Imada vs. Jorge Masvidal, 17,2%
4. Terry Etim vs. Justin Buchholz, 16,9%
5. Satoru Kitaoka vs. Takanori Gomi, 16,6%
6. Mackens Semerzier vs. Wagnney Fabiano, 12,2%

Schon vor der Veranstaltung waren schlechte Vibes zwischen Aoki und Hirota zu spüren. Aoki, der bereits einem Titelkampf gegen Kawajiri zusagte, war aufgebracht, dass diese Begegnung nicht zustande kam und man ihm stattdessen einen Gegner, den er als weit unter seiner Kragenweite empfand, vor die Fäuste setzte. Hirota fühlte sich daraufhin verständlicherweise in seinen Gefühlen verletzt und versprach, Aoki böse zu verprügeln.

Der Kampf wurde im Rahmen der K-1 Dynamite!! Neujahresveranstaltung ausgetragen. Besondere Brisanz war geboten, da die Veranstaltung unter dem Motto „Dream vs. Sengoku“ stand und sich somit Kämpfer der größten japanischen Promotions im direkten Vergleich gegenüber standen.

Shinya Aoki (Dream Leichtgewichtschampion) begann den Kampf in gewohnter Manier und setzte sofort zum Takedown an. Er schnappte sich Mizuto Hirotas (Sengoku Leichtgewichtschampion) Bein und drängte ihn auf dem anderen Bein hüpfend in die Ringecke. Von da an ließ Aoki nicht mehr von seinem Gegner. Im Handumdrehen verlagerte sich der Kampf auf den Boden. Hirota kam nicht zum Zug, denn Aoki schaffte es gleich, die Guard zu passieren und sich in die Mount zu setzen. Erst hier wurde den meisten Zuschauern klar, dass sich Hirotas rechter Arm bereits hinter seinem Rücken befand und er in einer Art Polizeigriff gefangen war.

Aoki hatte sich diese Position extrem geschickt erarbeitet, denn er griff direkt nach dem Takedown um Hirotas Körper und schnappte sich sein Handgelenk. Dieses hielt er während seiner darauffolgenden Aktionen fest. Es folgte ein wenig Ground & Pound, doch damit konnte Aoki keinen Schaden anrichten. Vielmehr gelang es ihm aber, Hirota zu drehen. Somit sicherte sich Aoki die Backmount und zugleich den Hammerlock. Nun warteten alle nur noch auf das Klopfen von Hirota, denn die Submission saß mindestens genau so fest wie das Schwert Excalibur im Stein. Nur war kein König Artus in Sicht, der es hätte rausziehen können.

Es kam, wie es kommen musste: Hirotas Stolz ließ eine Aufgabe nicht zu und man hörte ein lautes Krachen. Der Arm war gebrochen und der Ringrichter ging dazwischen.

Was danach geschah, sorgte bei vielen für Entsetzen: Aoki sprang auf und streckte dem unter starken Schmerzen leidenden Hirota den Mittelfinger aus. Als wenn das noch nicht genug wäre, lief er eine Runde im Ring und zeigte dasselbe den Zuschauern, da die ihn ausgebuht haben.

Ungezogener Aoki

Einen bitteren Nachgeschmack hatte diese unsportliche Aktion bisher nicht für Aoki. Zumindest zeigte er nach dem Kampf Reue und entschuldigte sich öffentlich.

Wieso passiert so etwas? Ich glaube, dass dieses Verhalten für uns eher schwer nachzuvollziehen ist. In unserer UFC-geprägten Zeit sind wir viel Trashtalk und große Ankündigungen gewohnt. In Japan tickt die Uhr allerdings noch anders. Um das Wesen und die Kultur der Japaner erfassen zu können, muss zuerst einiges an Hintergrundwissen zu den Besonderheiten dieses Volkes erworben werden. Das würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

Zusammengefasst könnte man aber sagen, dass Höflichkeit und Traditionsbewusstsein sehr groß geschrieben werden. Außerdem sind die Menschen im Land der aufgehenden Sonne bekannt als distanziert und zurückhaltend. Der Kampf wurde im Voraus sehr aufgebauscht und ich denke, dass ein extrem hoher Druck auf beiden Sportlern lastete. Ich glaube auch, dass das der Grund ist, warum Aoki sich so verhalten hat und der Samurai Spirit Hirotas hat eben nicht zugelassen, abzuklopfen und sich geschlagen zu geben.