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Franklin und Le kollidieren bei UFC on Fuel TV 6

UFC on Fuel TV 6

„Bruce Lee ist der Vater der Mixed Martial Arts“. So ist das offizielle Veranstaltungsposter zum anstehenden Debüt der UFC in der chinesischen Sonderprovinz Macao, von vielen aufgrund der überwältigenden Zahl an Kasinos auch das chinesische Las Vegas genannt, überschrieben.

Auch, wenn Lee bereits zwanzig Jahre vor Beginn des ersten UFC-Events verstarb und sein Grab sich tausende Kilometer entfernt im Austragungsort der kommenden UFC on Fox-Veranstaltung befindet, wäre der kommende Samstag wohl dennoch eine Gedenkfeier ganz nach Lees Geschmack: Neun Kämpfe und respektierte Namen wie Rich Franklin, Cung Le, Thiago Silva, Takanori Gomi oder Paulo Thiago hat die UFC aufgefahren, um die erste Veranstaltung auf asiatischem Festland zu einem Erfolg zu machen.

Aufgrund der Zeitverschiebung werden die in Deutschland auf ufc.tv übertragenen Hauptkämpfe um 15.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnen, die Vorkämpfe auf Facebook bereits um 13.15 Uhr.

Rich Franklin vs. Cung Le
Dieser Mittelgewichtskampf hätte eigentlich schon vor vier Monaten stattfinden sollen – bei UFC 148 war die dritthöchste Position auf dem Hauptprogramm für die beiden Veteranen reserviert, das Schicksal und die diesjährige Verletzungswelle in der UFC machten den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. 128 Tage nach dem ursprünglich geplanten Termin ist die Ausgangsposition für die Ansetzung allerdings nicht unbedingt schlechter. Statt aus Niederlagen kommend, werden Rich „Ace“ Franklin (29-6-0) und Cung Le (8-2) sich nun mit Siegen über Wanderlei Silva bzw. Patrick Cote im Rücken gegenübertreten.

Franklin, der den Kampf gegen Le im Frühsommer für den Rückkampf gegen Silva kurzfristig aufgab, wechselt seit einer knappen Punktniederlage gegen Dan Henderson im Jahr 2009 zwischen Sieg und Niederlage hin und her. Erfolgen gegen Wanderlei Silva (2x) und Chuck Liddell stehen neben der Niederlage gegen Henderson Misserfolge gegen Vitor Belfort und Forrest Griffin gegenüber. Nach der Punktniederlage gegen Griffin nahm Franklin eine Auszeit, ließ alte Verletzungen ausheilen und kam schließlich im Juni dieses Jahres zurück, um Silva in seinem Heimatland das zweite Mal zu besiegen. Und auch, wenn ein Sieg gegen Le den ehemaligen Mathelehrer Franklin wohl nicht allzu nah an einen weiteren Rückkampf mit Mittelgewichtschampion Anderson Silva bringen würde, so könnte er mit einer überzeugenden Leistung trotzdem noch ein Ausrufezeichen setzen und klarstellen, dass auch mit mittlerweile 38 Jahren noch mit ihm zu rechnen ist.

Das gleiche Ziel verfolgt auch der zwei Jahre ältere Cung Le. Le ist ein langjähriger Kampfsportveteran verschiedener Disziplinen, musste bis Ende des letzten Jahres trotz unzähliger Kämpfe aber nur eine einzige Niederlage hinnehmen (für die er sich später revanchiert hat). Als er im November 2011 gegen Wanderlei Silva in den Käfig stieg, wurde jedoch schnell klar, dass derartige Erfolgsserien nicht mehr zählen, sobald man den Käfig der UFC betritt. Obwohl er zunächst gut startete und den legendären „Axe Murderer“ mehrfach anklingeln konnte, ging Le nach recht kurzer Zeit bereits die Luft aus – einige Minuten und eine sichtlich gebrochene Nase später schien der nächste vielversprechende Debütant entzaubert worden zu sein. Innerhalb der MMA-Fangemeinde entwickelten sich schnell Spekulationen, Le würde seine aktive Karriere an den Nagel hängen und sich stattdessen voll und ganz seiner gut laufenden Filmkarriere widmen. Die Kritiker hatten jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht – Le ließ die Wunden verheilen, trainierte weiter und ging im Juli mit dem kanadischen Eisenschädel Patrick Cote über die volle Distanz. Alle drei Runden hatte Le am Ende für sich entschieden. Und wer weiß, falls er am Samstag auch Franklin besiegen sollte, könnte Le im kommenden Jahr auch in seinem eigentlichen Karrierezweig noch einmal richtig durchstarten.

Thiago Silva vs. Stanislav Nedkov
Der Gewinner dieses Co-Hauptkampfes wird zwar mit Sicherheit keinen Titelkampf gegen Jon Jones bekommen, dafür fällt diese Ansetzung definitiv in die Kategorie der Kämpfe, von denen man sich ohne schlechtes Gewissen einiges erwarten darf: Mit Thiago Silva (14-3-0) und Stanislav Nedkov (12-0) hat die UFC für ihr China-Debüt zwei Halbschwergewichtler aufeinander angesetzt, die in ihren Kämpfen für gewöhnlich ordentlich die Fetzen fliegen lassen.

Silva war vor etwa vier Jahren nur einen weiteren Sieg von einem Titelkampf entfernt – hätte er bei UFC 94 gegen Lyoto Machida gewonnen, hätte vermutlich Silva seine Chance gegen den damaligen Champion Rashad Evans etwas früher bekommen, und nicht, als dieser schon wieder entthront war. Auch diesen Kampf gegen „Suga“ verlor Silva allerdings, und Verletzungen sowie eine einjährige Sperre wegen eines gefälschten Urintests sorgten dafür, dass sein aktuellster Sieg immer noch der schnelle Erstrunden-T.K.o. gegen Keith Jardine bei UFC 102 im August 2009 ist.

Nedkov wird vielen Fans dagegen nicht einmal unbedingt bekannt sein, obwohl der gebürtige Bulgare bereits im Jahr 2010 seinen Vertrag bei der UFC unterschrieben hat. Seitdem ließ eine unglückliche Kombination aus eigenen Verletzungen und Ausfällen seiner Gegner erst einen einzigen Kampf im Octagon zu. Wie man an seiner Position als Co-Hauptkampf des Abends bereits erahnen kann, lief dieser eine Auftritt jedoch gut für den Halbschwergewichtler: Bei UFC 134 in Rio de Janeiro erarbeitete Nedkov sich den Respekt der brasilianischen Fans, indem er zunächst allen von Luiz Canes Attacken standhielt und ihn dann im Gegenzug selbst ausknockte. Sollte ihm das auch gegen Silva gelingen, wäre es die lange Wartezeit für Nedkov sicherlich Wert gewesen.

Dong Hyun Kim vs. Paulo Thiago
Zwei starke Weltergewichtler, die in jüngerer Vergangenheit den einen oder anderen Kampf verloren haben, können in dieser Begegnung zeigen, dass sie auf keinen Fall abgeschrieben werden sollten.

Der Südkoreaner Don Hyun Kim (15-2-1) begann im Jahr 2008 damit, sich systematisch und relativ unauffällig die Ränge der dichtbesetzten UFC-Weltergewichtsklasse emporzuarbeiten. Siege gegen Matt Brown, Amir Sadollah, Nate Diaz u.a. brachten ihm im vergangenen Jahr schließlich einen Kampf gegen den mittlerweile zum Interims-Champion gekrönten Carlos Condit ein. Diese endgültige Durchbruchschance verstrich jedoch ungenutzt für den Judo-Schwarzgurt, denn nach weniger als drei Minuten Kampfzeit wurde Kim bereits durch einen eingesprungenen Kniestoß ins Land der Träume gezwungen.

Paulo Thiago (14-4) kam als kurzfristiger Ersatz für einen Kampf gegen Josh Koscheck in die UFC, den er bei UFC 95 in London in Runde eins K.o. schlug, nachdem der spätere Titelherausforderer ihn zuvor minutenlang im Stand dominiert hatte. Nach diesem Überraschungserfolg folgte zwar eine einseitige Punktniederlage gegen Jon Fitch, Thiago kam allerdings kurze Zeit später bereits mit Siegen gegen Jacob Volkmann und Mike Swick zurück. Dadurch in der Weltergewichtsklasse etabliert, begann für den Brasilianer allerdings recht schnell der Absturz: Lediglich einen Kampf konnte Thiago seit dem Februar 2010 gewinnen, drei weitere Male verließ er das Octagon als Verlierer. Zuletzt gelang es bei UFC Schweden Siyar Bahadurzada, Thiago zu bezwingen, indem er ihn nach nur 59 Sekunden bewusstlos auf die Bretter schickte. Falls nicht sogar um seinen Job, wird der hauptberufliche Polizist gegen Kim nun zumindest um das über Jahre verdiente Ansehen kämpfen müssen.

Takanori Gomi vs. Mac Danzig
Auch in diesem Kampf geht es für beide Athleten um einiges. Sowohl Takanori „The Fireball Kid“ Gomi (33-8-0) als auch Mac Danzig (21-9-1) konnten zwar ihren jeweils letzen Kampf gewinnen, mussten davor aber mehrere Niederlagen einstecken.
Gomi machte sich vorrangig bei der mittlerweile eingestampften japanischen Organisation Pride FC einen gewaltigen Namen, indem er seine Gegner mit verblüffender Regelmäßigkeit K.o. schlug. Seitdem er allerdings im Octagon zu sehen ist, bleibt der Erfolg für den Fanliebling etwas zu oft aus. Tyson Griffin und Eiji Mitsuoka konnte Gomi zwar besiegen, musste sich allerdings mit vorzeitigen Niederlagen gegen Kenny Florian, Clay Guida und Nate Diaz gegen die Elite der Gewichtsklasse geschlagen geben, was sicherlich nicht dem Anspruch des ehemaligen Champions an sich selbst genügt. Gegen Danzig bekommt Gomi nun die Chance, einen durch die „Ultimate Figher“-Serie relativ bekannten Namen zu schlagen und damit gleichzeitig eine Siegesserie zu starten.

Danzig gewann im Jahr 2007 die 6. TUF-Staffel in einem Finalkampf gegen Tom Speer. Nach diesem Erfolg konnte er das zuvor zur Schau gestellte Potential allerdings nicht vollends abrufen und schaukelte in den Folgejahren immer wieder zwischen Erfolg und Misserfolg hin und her. Im vergangenen April stand deshalb, nach fünf Niederlagen in den letzten sieben Kämpfen, gegen Efrain Escudero Danzigs Job in der UFC auf dem Spiel. Trotz oder gerade wegen einer Knöchelverletzung, die er sich früh im Kampf zuzog, zeigte Danzig in diesem Kampf allerdings schließlich erneut das Potential, dass viele Zuschauer bereits während der TUF-Staffel in ihm gesehen haben. Gegen Gomi wird es nun darauf ankommen, das Jahr 2012 zu einem guten Abschluss zu bringen und mit einer Siegesserie im Rücken in das Jahr 2013 zu starten.

Tiequan Zhang vs. Jon Tuck
Tiequan „The Wolf“ Zhang (15-3) befindet sich zurzeit in einer etwas merkwürdigen Situation. Auf der einen Seite stand er als erster chinesischer Kämpfer auf dem UFC-Roster in den letzen Wochen im Mittelpunkt so einiger Medien, andererseits könnte ein Misserfolg am 10. November schlagartig das Ende dieser Aufmerksamkeit und seines Vertrages mit der UFC bedeuten. Nach einem schnellen Aufgabesieg in seinem UFC-Debüt ging es für Zhang rasant bergab: Einer frustrierenden Punktenscheidung, die er im Oktober 2011  gegen Darren Elkins abgab, folgte im Februar dieses Jahres eine brutale K.o.-Niederlage gegen den damaligen UFC-Neuling Issei Tamura.

Der als professioneller MMA-Kämpfer noch ungeschlagene, aus Guam stammende Jon Tuck (6-0) dagegen musste sich im früheren Verlauf dieses Jahres anderen Widrigkeiten des Kämpfer-Lebens stellen: Nachdem er es mit sechs vorzeitigen Siegen in ebenso vielen Kämpfen und wertvoller Erfahrung aus internationalen Jiu-Jitsu-Turnieren auf die Teilnehmerliste der 15. „Ultimate Fighter“-Staffel geschafft hatte, verlor er in der Eröffnungsrunde nach Punkten gegen den späteren Finalisten Al Iaquinta. Dieses Ergebnis könnte durchaus mit einem grässlich gebrochenen Zeh zu tun haben, dessen Bild nach der Ausstrahlung die Runde durch sämtliche MMA-Portale machte – vielleicht wäre der Kampf aber auch ohne die Verletzung so verlaufen. Tuck hat es jedenfalls nichtsdestotrotz in die UFC geschafft und kann nun umstandslos auf dem Hauptprogramm beweisen, dass er zurecht unter Vertrag genommen wurde.

Takeya Mizugaki vs. Jeff Houghland
Das Hauptprogramm wird an diesem Wochenende im Bantamgewicht eingeleitet. Takeya Mizugaki (15-7-2) und Jeff Houghland (10-5) werden in der Cotai Arena die Chance bekommen, die große mediale Aufmerksamkeit für sich auszunutzen und nach den Niederlagen in ihren jeweils letzten Kämpfen beeindruckend zurückzukommen. Mizugaki verlor im Februar eine umstrittene Punktentscheidung gegen Chris Cariaso, während Houghland im Mai umso deutlicher von Yves Jabouin besiegt wurde.

Vorprogramm
Neben den sechs Hauptkämpfen werden via Facebook auch drei zusätzliche Vorkämpfe übertragen.
Nachdem sein Kampf aufgrund einer kurzfristigen Verletzung seines Gegners vom Hauptprogramm genommen wurde, wird der vor etwa einem Jahr ins Bantamgewicht gewechselte Alex „Bruce Leeroy“ Caceres (7-5) am Samstag in den Vorkämpfen gegen Motonobu Tezuka (19-4) antreten. Caceres sah seit seinem Neustart in der leichteren Gewichtsklasse die meiste Zeit über sehr überzeugend aus und bekommt nun die Gelegenheit, gegen den UFC-Neuling Tezuka zu beweisen, dass er mittlerweile für größere Namen bereit ist.

Auch der Halbfinalist des diesjährigen Fliegengewichtsturniers zur Bestimmung des ersten Weltmeisters in der Gewichtsklasse wird am Macau Strip in Aktion zu sehen sein: Der Japaner Yasuhiro Urishitani (19-5-6) wird zum ersten Mal seit seiner K.o.-Niederlage gegen Joseph Benavidez wieder im Octagon stehen und dort auf den Brasilianer John Lineker (19-6) treffen, der sich im Mai eine sehenswerte Schlacht mit Louis Gaudinot lieferte, an deren Ende er seinem Gegner durch einen Guillotine Choke unterlag.

Zuvor wird Mittelgewichtler Riki Fukuda (18-6) im Eröffnungskampf versuchen, seine 2012er-Bilanz aus dem negativen Bereich herauszuholen, indem er Tom DeBlass (7-1) besiegt. Fukuda gewann Anfang des Jahres gegen Steve Cantwell und musste sich im Juli Constantinos Philippou geschlagen geben, während DeBlass bei UFC Schweden kurzfristig gegen Cyrille Diabate einsprang und eine knappe Punktentscheidung verlor.

Anbei das komplette Programm:

UFC on Fuel TV 6: Franklin vs. Le
10. November 2012
Cotai Arena in Macao, China

Hauptprogramm (ufc.tv)
Rich Franklin vs. Cung Le
Thiago Silva vs. Stanislav Nedkov
Dong Hyun Kim vs. Paulo Thiago
Takanori Gomi vs. Mac Danzig
Tiequan Zhang vs. Jon Tuck
Takeya Mizugaki vs. Jeff Houghland

Vorprogramm (Facebook)
Alex Caceres vs. Motonobu Tezuka
Yasuhiro Urushitani vs. John Lineker
Riki Fukuda vs. Tom DeBlass