MMA Restliche Welt

Franklin und Cro Cop siegen in Vancouver

Foto via Zuffa LLC

Soeben ging die erste Veranstaltung der UFC in der kanadischen Provinz British Columbia zuende und mit ihr voraussichtlich auch die Karriere einer lebenden Legende des MMA-Sports. Der langjährige Halbschwergewichtschampion Chuck Liddell wurde im Hauptkampf von UFC 115 in Vancouver fünf Sekunden vor Schluss der ersten Runde vom früheren Mittelgewichtschampion Rich Franklin ausgeknockt. Es war Liddells fünfte Niederlage aus den letzten sechs Kämpfen.

So schlecht sah Liddell in diesem Kampf allerdings gar nicht aus. Er wirkte frischer und aktiver als bei seinen letzten Auftritten und brachte einige harte Schläge und Tritte ins Ziel. Franklin antwortete mit mehreren Treffern im Stand, unter anderem mit Inside-Lowkicks und seiner Linken. Das Ende kam, als Liddell seinen Gegner am Käfig stellte. Franklin wich einem linken Schwinger von Liddell aus und konterte mit einem rechten Haken. Liddell ging schwer KO zu Boden und Franklin bewahrte sich seine zuvor noch in Frage gestellte Relevanz in der Halbschwergewichtsklasse.

Wer hätte das gedacht: Mirko Cro Cop entscheidet den Kampf zweier Weltklassekickboxer durch Aufgabe für sich. Dabei sah es anfangs überhaupt nicht gut für ihn aus. Pat Barry schlug den Kroaten in der ersten Runde gleich zweimal zu Boden. In Durchgang zwei nahm Cro Cop die Gelegenheit wahr, Barry auf die Matte zu stoßen. Er erarbeitete sich erst die Mountposition und kurz darauf die Backmount. In der entscheidenden dritten Runde landete Cro Cop plötzlich mehrere Schlagkombinationen hintereinander, die Barry gehörig durchrüttelten. Gegen den Käfig gelehnt kassierte er weitere Schläge von Cro Cop. Der Ringrichter wollte nicht abbrechen, weswegen Cro Cop kurzerhand den Rear Naked Choke ansetzte und Barry damit zur Aufgabe zwang.

Martin Kampmann zeigte gegen den hoch gehandelten Brasilianer Paulo Thiago die vermutlich beste Leistung seit seinem Wechsel ins Weltergewicht. Kampmann hatte über die drei Runden nicht nur im Stand die Vorteile – er konterte Thiago öfters mit seiner rechten Gerade aus – sondern beherrschte auch den Bodenkampf. Thiago ließ sich von den mehrfachen Würgegriffversuchen des Dänen nicht überwältigen, tat seinerseits aber viel zu wenig in der Offensive. So war der einstimmige Punktsieg für Kampmann am Ende eine klare Angelegenheit.

Ben Rothwell und Gilbert Yvel lieferten sich im Schwergewicht ein drei Runden langes Duell, das zu einem großen Teil von Ground and Pound geprägt wurde. Rothwell gelangen mehrere Takedowns, nach denen er den holländischen Thaiboxer mit Schlägen aus der Mount- und der Kruzifixposition bearbeitete. Yvel zeigte zwischendurch Sweeps und Escapes und schlug ebenfalls auf dem Boden auf Rothwell ein, aber am Ende reichte es nicht für den Sieg. Alle drei Punktrichter sahen Rothwell vorne.

Sieben Sekunden trennten das kanadische Nachwuchstalent Rory MacDonald von einem Punktsieg über den WEC Weltergewichtschampion Carlos Condit. MacDonald landete in den ersten beiden Runden die besseren Treffer im Stand und brachte Condit mehrfach zu Boden. Im Bewusstsein, ein vorzeitiges Ende herbeiführen zu müssen, legte Condit in der dritten Runden los wie die Feuerwehr. Er klingelte den jungen MacDonald im Stand an, beförderte ihn auf die Matte und attackierte ihn dort mit erbarmungslosem Ground and Pound. MacDonald musste viele Schläge einstecken und zeigte gute Nehmerqualitäten, doch kurz vor Schluss des Kampfes hatte der Ringrichter genug gesehen und setzte der Tracht Prügel von Condit ein Ende.

Evan Dunham erhöhte seine Kampfbilanz mit einem Punktsieg über Tyson Griffin auf 11-0 und katapultierte sich damit auch in die obersten Ränge im Leichtgewicht. Dunham dominierte den Kampf in allen Belangen, egal ob im Stand oder auf dem Boden. Obwohl Griffin einige Treffer mit Schlagkombinationen gelangen, nutzte Dunham seinen Größen- und Reichweitenvorteil geschickt aus, um ihm mit effektiveren Schlägen und Tritten zuzusetzen.

Geschätzt die Hälfte der Kampfzeit verbrachte Dunham in der Back Mount. Griffin verteidigte sich gekonnt gegen den Rear Naked Choke, scheiterte aber innerhalb von drei Runden beim Versuch, sich auch nur ein einziges Mal aus seiner ungünstigen Position zu befreien. Diese Leistung kann nur mit einem einstimmigen Punktsieg belohnt werden –
möchte man meinen. Ein Punktrichter wertete jedoch tatsächlich für Griffin. Die anderen Punktrichter hatten keine Tomaten auf den Augen und gaben den verdienten Sieg an Dunham.

Im Kampf zwischen Matt Wiman und Mac Danzig unterlief dem sonst so souveränen Ringrichter Yves Lavigne ein haarsträubender Fehler. Wiman hatte den „TUF 6“-Gewinner in einem eng sitzenden Guillotine Choke aus der Oberlage. Lavigne kontrollierte, ob Danzig noch bei Bewusstsein war und kam zu dem Schluss, dass er es nicht war. Daraufhin brach er den Kampf ab und erklärte Wiman zum Sieger. In der Wiederholung war jedoch deutlich zu sehen, dass Danzigs linke Halsseite völlig frei war, weswegen es Wiman überhaupt nicht möglich gewesen wäre, ihn schlafen zu schicken.

Mehrere furiose Schlagsalven auf der Matte führten zu Mario Mirandas erstem Sieg in der UFC. Er warf den kanadischen Rückkehrer David Loiseau nach Belieben auf die Matte, kontrollierte dort die Positionen und setzte ihm mit Ground and Pound zu. In Runde zwei nahm Miranda die Back Mount ein. Als der Rear Naked Choke nicht gelingen wollte, feuerte der Brasilianer Faust- und Ellenbogenschläge ab, die den Ringrichter schließlich dazu brachten, den Kampf abzubrechen.

Der zweite Ausflug ins Octagon verlief für Peter Sobotta aus Balingen genauso enttäuschend wie der erste. Der 23 Jahre alte Deutsche unterlag James Wilks, dem Gewinner der neunten Staffel von The Ultimate Fighter, einstimmig nach Punkten.

Zu Beginn der ersten Runde tasteten sich die beiden ab, Sobotta mit Kicks und Wilks mit Schlägen. Ein Jab und ein Lowkick von Wilks beantwortete Sobotta mit einer Links-Rechts-Kombination. Es ging kurz in den Clinch, dann trennten sie sich wieder und tauschten Frontkicks aus. Anschließend ging es auf die Matte, wo Wilks kurz über einen Guillotine Choke nachdachte, aber dann doch davon abließ. Sobotta arbeitete mit Ground and Pound, Wilks mit dem Ansatz zum Triangle Choke und anschließendem Armhebel. Sobotta befreite sich und revanchierte sich mit Schlägen. Zurück im Stand schlugen die Takedowns von Wilks fehl, woraufhin er Guard pullte. Aus einem Gogoplata wurde nichts und so beendeten die Kämpfer die Runde im Stand.

Sobotta bestrafte zum Start von Durchgang zwei einen verfehlten Headkick von Wilks mit einigen guten Schlägen. Er presste den Engländer gegen den Käfig und versuchte ein Takedown, das Wilks mit einem Kniestoß abwehrte. Nachdem Wilks mit Schlägen nach vorne ging, arbeitete Sobotta erneut auf ein Takedown hin und wieder konterte Wilks mit einem Kniestoß – diesmal zum Kopf. Anschließend gelang Wilks ein Trip-Takedown, nach dem er die Mountposition einnahm. Er wollte einen Sidechoke ansetzen, doch Sobotta ließ das nicht zu und ging zu einem Fußhebel über. Wilks befreite sich und nahm Sobotta in den Guillotine Choke, doch nur für kurze Zeit. Abermals wurde die Runde im Stand beendet.

In der dritten Runde landete Wilks anfangs ein paar Treffer im Stand und versuchte danach ein Takedown, das Sobotta jedoch abwehren konnte. Dann nutzte Sobotta einen Lowkick zum Takedown aus und kletterte Wilks anschließend auf den Rücken. Er sicherte die Position mit einem Body Triangle und versuchte den Rear Naked Choke. Wilks konnte sich jedoch in die Guard von Sobotta zurückdrehen und schloss dort die Runde ab.

Die Punktrichter werteten den Kampf 30:27, 30:28 und 30:27 für James Wilks.

Für den Kanadier Claude Patrick hätte sein Debüt in der UFC kaum besser laufen können: In der ersten Runde setzte er Ricardo Funch nach einem Trip-Takedown mit Ground and Pound zu. In der Anfangsphase von Durchgang zwei nahm er Funch im Stand blitzschnell in den Guillotine Choke und ließ sich dann in die Guard zurückfallen, aus der er ihn schließlich zur Aufgabe zwang.

Den Kampf zwischen Mike Pyle und Jesse Lennox begannen beide in einem gemächlichen Tempo. Pyle entschied die erste Runde für sich, indem er Lennox mit seiner Rechten niederschlug und anschließend mit einem Guillotine Choke bedrohte. Nach einer knappen zweiten Runde wurde Pyle in Durchgang drei im Stand immer erfolgreicher – und am Ende sogar übermütig. Lennox, dessen wilde Schwinger und Haken bislang ins Leere gingen, nutzte das aus, um Treffer zu landen und verfrachtete Pyle auf den Boden. Der setzte aber zügig einen Triangle Choke an, in dem Lennox unter Pyles Ellenbogenschlägen schlafen ging.


Die Ergebnisse im Überblick:

UFC 115: „Liddell vs. Franklin“
21. Juni 2010
GM Place in Vancouver, British Columbia, Kanada

Hauptkämpfe
Rich Franklin bes. Chuck Liddell via KO nach 4:55 in Rd. 1
Mirko Cro Cop bes. Pat Barry via Rear Naked Choke nach 4:30 in Rd. 3
Martin Kampmann bes. Paulo Thiago nach Punkten (einstimmig)
Ben Rothwell bes. Gilbert Yvel nach Punkten (einstimmig)
Carlos Condit bes. Rory MacDonald via TKO nach 4:53 in Rd. 3

Vorkämpfe
Evan Dunham bes. Tyson Griffin nach Punkten (geteilt)
Matt Wiman bes. Mac Danzig via Guillotine Choke nach 1:45 in Rd. 1
Mario Miranda bes. David Loiseau via TKO nach 4:07 in Rd. 2
James Wilks bes. Peter Sobotta nach Punkten (einstimmig)
Claude Patrick bes. Ricardo Funch via Guillotine Choke nach 1:48 in Rd. 2
Mike Pyle bes. Jesse Lennox via Triangle Choke nach 4:44 in Rd. 3