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Foxcatcher: Geisteskranker Millionär fördert Olympia-Ringer

Der Kinofilm „Foxcatcher“ erzählt eine gleichermaßen faszinierende und tragische Episode aus dem Leben des legendären Brüderpaars Mark und Dave Schultz, die bei den Olympischen Spielen 1984 zwei Goldmedaillen im Freistilringen gewannen. Nach dem Olympiasieg in ihrer Heimat trafen die US-Amerikaner auf den exzentrischen Multimillionär John E. du Pont – eine Begegnung, die ihr Leben nachhaltig veränderte.

Mark Schultz war erst 24 Jahre alt, als er Gold bei Olympia holte und hatte sich vorgenommen, diesen Erfolg zu wiederholen. Das Ringen bestimmte seinen Alltag, aber von dem Olympiasieg konnte er sich nichts kaufen – das Geld war knapp, die Wohnung klein, seine Mahlzeiten bestanden aus Hamburgern und Ramen. Da erreichte ihn ein lukratives Angebot des Multimillionärs John E. du Pont, einem Erben der einflussreichen du-Pont-Familie. Mark solle auf du Ponts Anwesen einen Trainingsstützpunkt für amerikanische Ringer aufbauen, damit die Besten unter ihnen weitere Medaillen für die USA gewinnen konnten.

Mark erlag der Verlockung und schloss sich dem „Team Foxcatcher“ von du Pont an – war es doch gleichzeitig eine Gelegenheit, endlich aus dem Schatten seines älteren Bruders hervorzutreten. In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1998 holte du Pont jedoch auch Dave an Bord, der der Unternehmung zunächst noch skeptisch gegenübergestanden war. Das „Team Foxcatcher“, zu dem auch der spätere Olympiasieger und WWE-Superstar Kurt Angle gehörte, benötigte aber einen erfahrenen Trainer wie ihn.

Dave sah den Einfluss, den du Pont auf Mark ausübte, sehr kritisch, ebenso die Tatsache, dass sich du Pont als Cheftrainer aufspielte und die Erfolge des Teams, das er nur finanzierte, für sich beanspruchte. Dies sorgte für reichlich Spannungen unter den drei Männern, die schließlich in einem tragischen Ereignis mündeten, das mitunter auch auf du Ponts fortschreitende Geisteskrankheit zurückzuführen ist.

Nicht nur für Ringer zu empfehlen!

„Foxcatcher“ ist kein heiterer Sportfilm über den Aufstieg ehrgeiziger Athleten, die das Herz am rechten Fleck haben. Das Ringen ist nur Mittel zum Zweck. Es gibt zwar einige sehr realistisch dargestellte Szenen aus dem Training und dem Wettkampf, in denen gerungen wird, aber für den Regisseur Bennett Miller – bekannt für „Capote“ und „Moneyball“ – ist das Ringen nur das Medium, über das sich Mark und Dave ausdrücken. Sein Film ist eine dunkle Studie über Patriotismus und Kapitalismus, über echte oder falsche Beziehungen, über die Abgründe des Menschen.

Alle drei Hauptdarsteller hätten für ihre Leistungen zumindest eine Oscar-Nominierung verdient. Der für seine komödiantischen Auftritte bekannte Steve Carell ist nicht wiederzuerkennen als John E. du Pont, der langsam aber sicher von harmloser Verblendung in den Wahn gleitet. Channing Tatum und Mark Ruffalo als Mark und Dave verstehen es ausgezeichnet, ihre Figuren auf emotionaler Ebene greifbar zu machen und zu zeigen, dass diese weitaus mehr sind als nur Kraftpakete, die andere Menschen auf einer Matte umherschleudern.

Selbst wenn man den Ausgang der Geschichte kennt, ist der Weg dorthin sehr faszinierend. „Foxcatcher“ eine ergreifende Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man zwar alles hat, aber etwas will, das man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Eine klare Empfehlung, auch für Menschen, die sich nicht für den Ringsport interessieren. Der Film läuft ab dem 5. Februar in den deutschen Kinos.