MMA Restliche Welt

Fedor kehrt zurück

Poster via Strikeforce

Wenn Fedor Emelianenko (32-1) kämpft, ist immer ein Spektakel garantiert. Niemand weiß so genau, wie viele Kämpfe er nach Erfüllen seines Vertrags mit Strikeforce noch bestreiten wird. Umso bedeutender ist deswegen jeder einzelne Auftritt, den das russische Schwergewicht absolviert. Es ist, als würde man im 20. Jahrhundert die Kämpfe von Muhammad Ali mitverfolgen – dem größten MMA-Kämpfer aller Zeiten bei der Arbeit zusehen.

An diesem Samstag, dem 26. Juni, ist es wieder einmal soweit. Der „Letzte Kaiser“ gibt sich die Ehre und steigt zum zweiten Mal für Strikeforce in den Käfig. Sein Gegner ist der PRIDE- und UFC-Veteran Fabricio Werdum (13-4-1), an dessen Siegchancen nicht einmal die Veranstalter glauben. Die Argumente von Strikeforce-Geschäftsführer Scott Coker, die für den Brasilianer sprechen sollen: er sei von „großer Statur“, im MMA-Sport „wisse man nie, was passiert“ und er sei „perfekt vorbereitet“. Fedor ging bereits etliche Male als großer Favorit ins Rennen und während andere Kämpfer gerade dann verlieren, war er dabei stets erfolgreich.

Werdum ist ein Schwarzgurt im brasilianischen Jiu-Jitsu und im Judo. Der BJJ-Weltmeister ist sowohl aus der Unter- als auch der Oberlage gefährlich. Allerdings ist Antonio Rodrigo Nogueira das auch und den ließ Fedor mit seinem markerschütternden Ground and Pound gleich dreimal uralt aussehen. Werdum verbesserte seine Fähigkeiten im Stand in den vergangenen Jahren durch sein Training in der Chute Boxe Academy, doch sind seine Angriffe noch viel zu vorhersehbar. Fedor hingegen besiegte Weltklassekickboxer wie Mirko Cro Cop, Mark Hunt und Semmy Schilt und starke Ringer wie Mark Coleman, Kevin Randleman und Matt Lindland. Auch mit Gegnern, die ihm physisch überlegenen sind, ist er bislang immer fertig geworden. Was also bringt Werdum am Samstag in den Käfig mit, das Fedors bisherige Gegner nicht aufbieten konnten? Die Antwort auf diese Frage kann sich jeder selbst geben.

Fedor ist nicht der beste Bodenkämpfer und auch nicht der beste Standkämpfer der Welt, sondern er ist der beste MMA-Kämpfer. Kaum einer schafft es wie er, alle Bereiche des MMA-Sports fließend miteinander zu verknüpfen. Diese herausragenden technischen Fähigkeiten kombiniert mit seiner inneren Ruhe, seiner Balance, seiner Schnelligkeit, seinen einzigartigen Reflexen und seiner Schlagkraft machen ihn zum besten Schwergewicht der Welt, wenn nicht sogar dem Gewichtsklassen übergreifend besten Kämpfer aller Zeiten.

Noch unausgeglichener wirkt der Frauentitelkampf zwischen der Brasilianerin Cristiane „Cyborg“ Santos (9-1) und Jan Finney (8-7). Finney, die von 15 Kämpfen nur acht gewonnen hat, ist gut auf dem Boden und okay im Stand. Zwar gewann sie ihre letzten vier Kämpfe, doch die fanden im Bantamgewicht statt. Gegen Cyborg tritt sie im Federgewicht an und wird somit einen eklatanten Gewichtsnachteil haben. Für die kräftige und explosive Thaiboxerin Cyborg ist Finney nicht mehr als ein Appetitanreger.

Nachdem Cung Le (6-1) im vergangenen Dezember gegen Scott Smith (17-6) die erste Niederlage seiner MMA-Karriere einstecken musste, wünschte er sich einen unverzüglichen Rückkampf. Der wurde dem früheren Strikeforce Mittelgewichtschampion aber erst für den 26. Juni gewährt. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen präsentierte sich Smith wieder einmal als einer der größten Comebackkämpfer des Sports. Nachdem Le ihn zwei Runden lang nach Strich und Faden auseinander nahm, knockte Smith den Vietnamesen in Runde drei mit einer Schlagkombination aus. Seinen Spitznamen „Hands of Steel“ hat sich der Kalifornier mehr als verdient.

Nicht zum ersten Mal machte Smith einen Kampf auf diese Art spannend. Im April 2009 dominierte Benji Radach ihn zwei Runden lang im Stand, wurde dann aber ebenfalls in der dritten Runde ausgeknockt. Wofür man sich jedoch immer an Smith erinnern wird, ist sein Duell gegen Pete Sell beim Finale von The Ultimate Fighter 4 im November 2006. Sell setzte Smith in Runde zwei mit einem schweren Körperhaken zu. Doch in dem Moment, als er auf ihn zustürmte, um den Kampf zu beenden, schlug Smith ihn mit einem Konter KO, ehe er selbst kollabierte.

Es heißt, Steuern und der Tod seien die einzigen Dinge, die im Leben garantiert sind. Vielleicht sollte man einen dritten Punkt hinzufügen: Wenn der Thaiboxer Scott Smith und der Sanshou-Experte Cung Le aufeinander treffen, ist eine harte Schlacht im Stand vorprogrammiert.

Eine Niederlage gegen Gilbert Melendez beendete im vergangenen Dezember die acht Kämpfe umfassende Siegesserie von Josh Thomson (16-3), der damit auch den Leichtgewichtstitel von Strikeforce verlor. Auf dem Weg zu einem alles entscheidenden dritten Kampf gegen Melendez muss er am 26. Juni an dem erfahrenen Pat Healy (23-15) vorbei, der kurzfristig den verletzten Lyle Beerbohm ersetzt. Healy hat im Laufe seiner Karriere etliche namhafte Kämpfer wie Dan Hardy, Paul Daley oder Carlos Condit besiegt, der große Durchbruch gelang ihm jedoch nie. Das wird vermutlich auch gegen Thomson nicht der Fall sein, denn im Grunde genommen ist Thomson mit seinem Mix aus Kickboxen, Ringen und Ground and Pound eine bessere, weil athletischere und technisch versiertere Version von Healy.