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„Endlich, endlich hier!“

Das Wichtigste zur Eröffnungspressekonferenz von UFC 129. Foto: UFC-Präsident Dana White (Fotos by Mark Bergmann/GorundandPound).

Es war ein langer Weg, den die UFC nach Toronto gehen musste. Am kommenden Samstag wird er im Rogers Center vollständig beschritten sein: der Mixed Martial Arts-Sport ist nun legal in der kanadischen Provinz Ontario – einem der lukrativsten Märkte für die Ultimate Fighting Championship. „Endlich, endlich hier", kommentierte UFC-Präsident Dana White das Ende der langen Reise.

UFC 129: St. Pierre vs. Shields wird das größte Event in der Geschichte der UFC. Ganze 55.000 Menschen werden in der imposanten Arena im Zentrum der kanadischen Metropole Platz finden und ihre kämpfenden Landsleute frenetisch bejubeln. Laut UFC Kanada-Chef Tom Wright kommen Gäste von allen Kontinenten der Welt (außer der Antarktis) und bescheren der Wirtschaft in der Region voraussichtlich rund 30 bis 40 Millionen Dollar. Ein attraktiver Wirtschaftsfaktor, dem sich selbst die kritischsten Landesväter irgendwann nicht mehr entziehen konnten.

Die UFC hat nun endlich den Fuß in der Tür in Ontario, in dem es laut Dana White sauber ist, wo alle freundlich sind und lediglich „das Wetter nervt“. „Toronto war schon immer unser Ziel“, so der UFC-Präsident. „Ontario ist natürlich ein großartiger Markt für uns ist. Wir wussten schon immer, dass eine Show hier das Potential zu etwas ganz großem hätte – dem größten Event aller Zeiten.“

Der Weg dahin war nicht einfach. Politiker und Nicht-Regierungsorganisationen sträubten sich gegen ein Debüt der UFC auf ihrem Grund und Boden. Laut Dana White war der Legalisierungsprozess jedoch nicht schwieriger zu bewältigen als anderswo auch: „Es ist seit zehn Jahren schwer für uns“, verriet er. In Toronto sei es nicht schwieriger gewesen, die UFC durchzuboxen, als an anderen Orten auch. „Schaut nach New York, dort haben wir richtige Probleme!“.

Ein wichtiger Punkt auf dem Weg zur Legalisierung war laut Dana White auch in Ontario der Wille der UFC, auf die Behörden zuzugehen und sich deren Regeln und Kontrollen freiwillig zu unterziehen.  „Wir wollen reguliert werden, wir haben nichts zu verstecken. Wir lieben Regulierung! Sie macht den Sport sichererer.“



Was die Show selbst angeht, so wird es auch hier einige Premieren für die UFC geben. Zum einen werden die Events von nun an immer eine Stunde früher beginnen, zum anderen ist UFC 129 die erste Veranstaltung der UFC in einem Freiluftstadion. „Wir haben 55.000 Karten verkauft und es gibt immer noch Leute, die keine haben und welche wollen“, freute sich White, für den das Stadion-Projekt damit zum vollen Erfolg geworden ist. Laut Tom Wright wird es eventuell sogar noch weitere, zusätzlich verfügbar gemachte Tickets geben, weil die Nachfrage noch immer so hoch ist.

Und wen wundert es? Die Fightcard ist eine der besten, die die UFC je aufgeboten hat. Gleich drei Hauptkämpfe mit prominenter Beteiligung hat man den Fans spendiert, darunter die Paarung zwischen UFC-Legende Randy Couture und Ex-Champion Lyoto Machida. Nicht irgendein Duell - sondern vermutlich der große Abschiedskampf von "Captain America" Couture (siehe dazu auch das Interview mit Randy Couture im aktuellen GnP Journal, Anm. d. Red.). Dieser Umstand gibt dem Kampf natürlich eine besondere Würze, auch wenn einige Beobachter – und offenbar auch Dana White – noch immer nicht so recht daran glauben können, dass Couture seine Handschuhe tatsächlich an den Nagel hängen wird.

„Wie ihr wisst hat Randy Couture angekündigt, nach diesem Kampf aufzuhören. Das habe ich alles schon einmal gehört und sogar schon einmal miterlebt, also wer weiß?“

Unterschätzen darf man den mittlerweile 47-Jährigen dabei jedoch nicht, so der UFC-Präsident. „Egal was irgendjemand sagt, Randy Couture ist noch immer in den Top Ten seiner Gewichtsklasse und jederzeit in der Lage, andere Top Ten-Kämpfer zu schlagen", versicherte White.

Couture selbst erinnerte sich indes der langen Reise, die er hinter sich hat. Von Kämpfen vor 5.000 Menschen zu einem Mega-Event wie diesen Samstag, mit 55.000 Zuschauern. Er freue sich definitiv „riesig“ darauf.



Im Co-Hauptkampf des Abends verteidigt Jose Aldo seinen UFC-Federgewichtstitel gegen den Lokalmatador Mark Hominick. Es ist der erste Auftritt im Octagon für den spektakulären Brasilianer Aldo, der als WEC-Champion in die UFC gelangte. Für all diejenigen, die Aldo noch nicht kannten, hatte Dana White ein paar deutliche Worte übrig:

„Jeder der behauptet, Jose Aldo gehöre nicht zu den gewichtsklassenübergreifend besten Kämpfern der Welt, dem rate ich, sich seinen Kampf gegen Uriah Faber anzusehen. Die Kicks dieses Kerls sind brutal. Trifft er jemanden damit am Oberschenkel oder anderswo, dann hat derjenige ein sehr, sehr großes Problem.“

Der größte Fight auf der Card ist aber zweifellos der Hauptkampf zwischen Georges St. Pierre und Jake Shields. Der kanadische Nationalheld St. Pierre wird seinen UFC-Weltergewichtstitel gegen den Strikeforce-Zugang Jake Shields verteidigen – kein anderer  Kämpfer als GSP wäre für diese Riesenveranstaltung in Frage gekommen. „Georges St. Pierre ist der bekannteste kanadische Sportler aller Zeiten“, witzelte Dana White und war damit vielleicht gar nicht so weit entfernt von der Wahrheit.



Sein Gegner Jake Shields wird von vielen unterschätzt und gilt gegen den dominanten St. Pierre gemeinhin als Außenseiter. „Ich sehe mich nicht als Außenseiter", wiegelte er jedoch selbstbewusst ab und erntete dafür viel Applaus. "Ich will in das Octagon steigen und gewinnen." Sein durchwachsenes UFC-Debüt gegen Martin Kampmann sei nun vergessen, er selbst ein anderer Kämpfer.

Einer der Menschen, die Shields ganz sicher nicht unterschätzen, ist Georges St. Pierre. „Die Messlatte ist so hoch wie nie“, schätzte er sich Situation ein. „Noch nie habe ich so viel Druck verspürt, aber das ist normal. Jeder Kampf wird größer und größer, doch ich bin selbstbewusst. Ich bin heute besser als je zuvor.“

Der als akribische Arbeiter bekannte St. Pierre blickt nach seiner ausgiebigen Wettkampfvorbereitung daher zuversichtlich auf Samstagnacht: „Wenn du Golf spielst und einen perfekten Abschlag hingelegt hast, dann kannst du, sobald der Ball in der Luft ist, nichts mehr tun. Ich bin heute so gut wie noch nie und habe mich perfekt vorbereitet, es gibt nichts was ich noch mehr hätte tun können.“

UFC 129: St. Pierre vs. Shields wird einer der größten und wichtigsten Events in der Gesichte der UFC. „Ich habe seit den Anfangstagen vor zehn Jahren nicht mehr so auf einen Kampfabend hin gefiebert“, verrät Dana White. Man kann ihn verstehen.

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.