MMA Restliche Welt

Ein Superstar sagt Lebewohl

War immer für einen Aufreger gut: Tito Ortiz. (Foto: Zuffa LLC)

Die einen lieben es, ihn auszubuhen, die anderen lieben es, ihn zu bejubeln. Tito Ortiz, der „Huntington Beach Bad Boy“ aus Kalifornien, spaltet die Fans der UFC – und das seit fünfzehn Jahren. Am 7. Juli steigt der erfolgreichste Halbschwergewichschampion der UFC ein letztes Mal ins Octagon. Kurz vor seinem Ruhestand werfen wir einen Blick auf die sieben denkwürdigsten Kämpfe in der illustren Karriere des ersten richtigen Superstars der UFC.

Tito Ortiz vs. Frank Shamrock (Foto: Frank Shamrock Flickr)
1. Tito Ortiz vs. Frank Shamrock, UFC 22, 24. September 1999
Nach vier Siegen aus seinen ersten fünf MMA-Kämpfen erhielt Ortiz im September 1999 seinen ersten Titelkampf – gegen den in der UFC ungeschlagenen Halbschwergewichtschampion Frank Shamrock. Ortiz hatte keine Mühe, Shamrock zu Boden zu bringen und setzte dem Titelverteidiger drei Runden lang mit seinem Markenzeichen zu, dem Ground and Pound aus der Guard. Shamrocks Gesicht war von Ortiz‘ Schlägen und Ellenbogenstößen gezeichnet, aber er hielt eisern durch.

Als Ortiz nach der dritten Runde in seine Ecke zurücklief, schien er schwer außer Atem zu sein. Nach anfänglichen Lowkicks von Shamrock gelang Ortiz in Runde vier erneut ein Takedown, doch Shamrock schlug aus der Rücklage auf Ortiz ein und sweepte ihn. Im Stand trieb Shamrock Ortiz mit Schlagkombinationen vor sich her, dieser versuchte wieder ein Takedown.

Shamrock stoppte das Takedown und hämmerte weiter auf Ortiz ein, bis der junge Herausforderer unter dem Schlaghagel auf der Matte abklopfte – der spätere „Kampf des Jahres 1999“war zu Ende. Fortan, schwor Ortiz, würde er nie wieder zulassen, dass mangelnde Kondition ihm einen Sieg kostet.

Tito Ortiz vs. Wanderlei Silva (Foto: Zuffa LLC)
2. Tito Ortiz vs. Wanderlei Silva, UFC 25, 14. April 2000
Frank Shamrock trat nach seinem Sieg über Ortiz zurück. Wenige Monate später standen sich um den vakanten Halbschwergewichtstitel Ortiz und der Brasilianer Wanderlei Silva gegenüber, der zwar erst einmal in der UFC gewonnen, aber bereits mit drei Siegen bei PRIDE und dem Gewinn des IVC-Titels für Aufsehen gesorgt hatte.

Zwar gab es auf beiden Seiten Niederschläge, doch ihr Kampf gehörte gewiss nicht zu den aufregendsten aller Zeiten. Ortiz verbrachte ihn größtenteils damit, Silva zu Boden zu bringen und ihn aus dessen Guard heraus mit Ground and Pound einzudecken. Nach fünf Runden hatte Ortiz Silva einstimmig nach Punkten besiegt und den Halbschwergewichtstitel der UFC an sich gerissen.

Diesen Gürtel gab er dann über dreieinhalb Jahre lang nicht mehr her: Ortiz verteidigte ihn fünfmal hintereinander, gegen Yuki Kondo, Evan Tanner, Elvis Sinosic, Vladimir Matyushenko und Ken Shamrock – ein Rekord, den er innerhalb der Halbschwergewichtsklasse noch immer hält. Ortiz regierte die UFC in einer Zeit, in der der MMA-Sport in den USA noch verpönt war und außerhalb des Mainstreams stattfand, und dieser Titelgewinnt legte den Grundstein dafür.

Ken Shamrock vs. Tito Ortiz (Foto: Zuffa LLC)
3. Tito Ortiz vs. Ken Shamrock, UFC 40, 22. November 2002
Die Rivalität zwischen Ortiz und Ken Shamrock ist eine der größten, wenn nicht sogar die größte Rivalität in der Geschichte des MMA-Sports. Seitdem er Guy Mezger im März 1999 in ihrem Rückkampf besiegt hatte, war es Ortiz ein Vergnügen, über Mezger, dessen Trainingspartner Ken Shamrock und ihre Teamkollegen vom Lion’s Den zu spotten.

Shamrock wollte dem arroganten Senkrechtstarter daher eine Lektion erteilen, doch das ging gründlich in die Hose. Ortiz brachte Shamrock nach Belieben zu Boden und verprügelte ihn dort mit seinem Ground and Pound. Shamrock, damals schon 39 Jahre alt, demonstrierte seinen Kampfgeist, indem er immer wieder auf die Beine zurückfand – nur um im Stand weiter von Ortiz verdroschen zu werden. In der Pause zwischen der dritten und vierten Runde wurde Shamrock von seiner Ecke aus dem Kampf genommen.

UFC 40 war damals die größte Veranstaltung in der Geschichte der UFC, der PPV hatte fast viermal so viele Käufer wie die vorherigen PPVs. Dies zeigte der UFC, dass der MMA-Sport in den USA auf jeden Fall eine Zukunft hat.

Ortiz besiegte Shamrock zwei weitere Male: Am 8. Juli 2006 bei UFC 61 und, nach ihrer Trainertätigkeit bei "The Ultimate Fighter 3", am 10. Oktober 2006 bei "The Final Chapter". Beide Male endete der Kampf durch TKO in Runde eins.

Randy Couture vs. Tito Ortiz (Foto: Zuffa LLC)
4. Tito Ortiz vs. Randy Couture, UFC 44, 26. September 2003
Dieser Kampf ist als der Kampf in die Geschichte eingegangen, in dem Randy Couture Ortiz den Hintern versohlt hat – nicht nur im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinne. Nachdem sich Ortiz erfolgreich davor gedrückt hatte, gegen Chuck Liddell anzutreten, erschuf die UFC während den Vertragsverhandlungen mit dem Champion erstmalig einen Interimstitel, welcher zwischen Liddell und Couture ausgekämpft werden sollte. Couture, der dabei sein Halbschwergewichtsdebüt gab, gewann den Titel.

Während die meisten Kämpfer und Experten den 40 Jahre alten Couture vor dem Titelvereinigungskampf gegen Ortiz als Favoriten sahen, hielten ihn die Durchschnittsfans bestenfalls für ein Opferlamm. Das Titelduell entwickelte sich dann tatsächlich zu einem Ringkampf, in dem Couture Ortiz fünf Runden lang dessen ringerische Grenzen aufzeigte. Kurz vor Schluss der Auseinandersetzung komplettierte Couture die Demütigung, indem er Ortiz wie einen frechen Jungen übers Knie legte und ihm mit der flachen Hand auf den Hintern schlug. Nach sechs dominanten Siegen in Folge musste Ortiz erstmals wieder eine Niederlage einstecken.

Tito Ortiz vs. Chuck Liddell (Foto: Zuffa LLC)
5. Tito Ortiz vs. Chuck Liddell, UFC 47, 2. April 2004
Je nachdem, wen man fragt, warum dieser mit größter Spannung erwartete Kampf erst so spät stattgefunden hat, bekommt man eine unterschiedliche Antwort zu hören. Ortiz behauptet, er und „sein Freund und Trainingspartner“ Liddell hätten einen Pakt geschlossen, dass sie nie gegeneinander kämpfen würden. Liddell weiß nichts von einem solchen Pakt und beschuldigt Ortiz, sich aus Angst vor ihm vor einem Kampf zu drücken.

Nachdem Ortiz gegen Couture und Liddell gegen Quinton Jackson verloren hatte, kam der Kampf endlich zustande. Die erste Runde verbrachten die beiden damit, sich abzutasten, wobei Liddell den einen oder anderen Schlag durchbringen konnte. Ortiz beschränkte sich darauf, ihn zu provozieren. Nach 38 Sekunden der zweiten Runde schlug Liddell Ortiz mit einer Schlagsalve KO – zum ersten Mal in seiner Karriere wurde Ortiz auf diese Weise besiegt.

Später schob Ortiz diese bittere Niederlage darauf, dass Liddell ihm mit dem Finger ins Auge gestochen hätte, weswegen er nicht mehr sehen konnte. Ortiz gewann danach wieder fünf Kämpfe in Folge, doch in ihrem Rückkampf am 30. Dezember 2006 bei UFC 66 ging er erneut als Verlierer hervor.

Forrest Griffin vs. Tito Ortiz (Foto: Zuffa LLC)
6. Tito Ortiz vs. Forrest Griffin, UFC 59, 15. April 2006
Mit Siegen über Patrick Cote und Vitor Belfort erholte sich Ortiz wieder von der Niederlage gegen Liddell. Dann sollte er gegen Forrest Griffin an, der sich nach seinem Gewinn der allerersten Staffel von „The Ultimate Fighter“ zu einem weitaus beliebteren Kämpfer entwickelte als Ortiz es je gewesen war. Die Fans standen geschlossen hinter ihm, als er im April 2006 gegen Ortiz ins Octagon stieg.

Ortiz setzte Griffin in der ersten Runde mit Schlägen und Ellenbogenstößen zu, doch im Laufe des Kampfes verteidigte sich Griffin immer besser gegen Ortiz‘ Takedowns und revanchierte sich mit harten Treffern im Stand für dessen Ground and Pound. Zwei der drei Punktrichter gaben den „Kampf des Jahres 2006“ nach drei Runden an Ortiz.

Im Rückkampf, der am 21. September 2009 bei UFC 106 stattfand und nicht minder spannend war, setzte sich Griffin durch – ebenfalls geteilt nach Punkten. Für Ortiz könnte es also am 7. Juli zum Abschied keinen passenderen Kampf geben als das dritte und alles entscheidende Duell mit dem sympathischen „TUF“-Veteranen.

Tito Ortiz vs. Ryan Bader (Foto: Zuffa LLC)
7. Tito Ortiz vs. Ryan Bader, UFC 132, 2. Juli 2011
Selbst eingefleischte Fans hatten Ortiz schon lange abgeschrieben, als er im Sommer 2011 mit Ryan Bader ins Octagon stieg. Nach der Niederlage gegen Liddell bei UFC 66 rang Ortiz dem ungeschlagenen Rashad Evans ein Unentschieden ab, doch dann folgten Punktniederlagen gegen Lyoto Machida, Forrest Griffin und Matt Hamill.

Ortiz stand mit dem Rücken zur Wand, eine weitere Niederlage hätte sein unfreiwilliges Karriere-Ende besiegelt. Die meisten gingen von einem schnellen Durchmarsch Baders aus, der wie eine Version 2.0 von Ortiz schien – mit größerer Schlagkraft und besseren Fähigkeiten im Ringen. Nichtsdestotrotz beendete Ortiz seine Serie von fünf sieglosen Kämpfen mit einer eindrucksvollen Leistung, die an seine glorreichsten Zeiten erinnerte. Erst schlug er Bader nieder, dann zwang er ihn mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe – in weniger als zwei Minuten.

Die erhoffte Wende brachte dieser Sieg jedoch nicht, denn in den folgenden Kämpfen im Jahr 2011 unterlag Ortiz sowohl Rashad Evans als auch Antonio Rogerio Nogueira durch TKO – zwei Niederlagen, die ihm wieder vor Augen führten, dass es an der Zeit ist, dem MMA-Sport und der UFC Lebewohl zu sagen.