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Diego Sanchez demoliert Clay Guida

Vor ihrem Kampf kündigte Diego Sanchez selbstbewusst an, er würde durch Clay Guida hindurchmarschieren. Ganz so einfach lief es nicht für ihn, doch die geteilte Punktrichterentscheidung spiegelt andererseits nicht den wahren Kampfverlauf wieder. In der ersten Runde wurde Guida von Sanchez nach Strich und Faden verprügelt. Egal mit was ihn der „TUF 1“-Sieger attackierte, ob Uppercuts oder Kniestöße, Guida kassierte Treffer um Treffer. Kurz vor Schluss wurde er sogar von einem High Kick auf den Boden geschickt.

In der zweiten Runde gelang Guida sein heiß ersehntes Takedown und er zog seinen „Clay & Pray“-Stil durch, was bedeutet, dass er in der Guard von Sanchez saß und vereinzelt versuchte, ein paar Schläge durchzubringen. Sanchez hingegen war viel aktiver, suchte nach Aufgabegriffen und setzte Guida aus der Unterlage mit Ellenbogenschlägen zu.

In der dritten Runde begannen beide vorsichtig im Stand, Sanchez mit leichten Vorteilen. Sanchez konterte ein Takedown und kletterte Guida halb auf den Rücken, zum Rear Naked Choke reichte es aber nicht. Bis zum Ende der Runde saß Guida dann wieder in der Guard von Sanchez und verteidigte sich gegen einen Kimura. Seltsamerweise sah eine Punktrichterin Guida trotz seiner Nulloffensive 29:28 vorne, während die beiden anderen Punktrichter 29:27 und 29:28 für Sanchez stimmten.

Insgesamt war es eine starke Leistung von Sanchez, bei der sich insbesondere seine beträchtlich verbesserten Fähigkeiten im Striking bemerkbar machten. Für ihn dürfte wohl als nächstes ein Leichtgewichtstitelkampf gegen den Sieger der Begegnung zwischen BJ Penn und Kenny Florian warten.

Im Weltergewichtsfinale von „TUF 9“ nahm James Wilks seinen Widersacher DaMarques Johnson nach allen Regeln der Kunst auseinander, um sich den begehrten UFC-Vertrag zu sichern. Der in Kalifornien lebende Engländer verabreichte Johnson einige Kniestöße aus dem Clinch und verlagerte den Kampf danach auf die Matte. Dort wechselte er von Aufgabegriff zu Aufgabegriff: Heel Hook, Triangle Choke, Omoplata – aber Johnson wusste sich geschickt zu verteidigen. Auch gegen den Rear Naked Choke konnte sich der US-Amerikaner zunächst wehren, aber als Wilks seinen Arm mit einem Bein einklemmte, gab Johnson auf. Nach Michael Bisping ist Wilks nun der zweite englische Sieger von „The Ultimate Fighter“.

Chris Lytle stellte wieder einmal unter Beweis, dass man sich immer an ihn wenden kann, wenn man einen Kickboxkampf mit kleinen Faustschützern sehen möchte. Gegen Kevin Burns feuerte er drei Runden lang aus allen Rohren, vor allem seine durchschlagkräftigen Schwinger und Haken waren von Erfolg gekrönt. Burns gelang noch mit einem Uppercut in der ersten Runde ein für Lytle seltener Niederschlag. Aber mit fortgeschrittener Kampfzeit nahm seine Leistungsfähigkeit zunehmend ab und Lytle gelangen immer mehr Treffer. Der einstimmige Punktsieg war somit mehr als verdient.

Im Leichtgewichtsfinale von „TUF 9“ machte Andre Winner seinem Nachnamen keine Ehre – er verlor ein sehr ausgeglichenes und äußerst knappes Duell gegen seinen Landsmann, den bulligen Ross Pearson. Die Engländer verbrachten die drei Runden zumeist im Clinch und pressten sich abwechselnd gegen den Käfigzaun. Mit Dirty Boxing und schnellen Kombinationen im Stand konnte beiden punkten, klare Wirkungstreffer traten jedoch nur selten auf. Am Ende sahen zwei Punktrichter Pearson vorne und einer Winner. Pearson darf sich nun neuer „Ultimate Fighter“ nennen.

Joe Stevenson besann sich nach zwei enttäuschenden Niederlagen wieder auf seine Wurzeln zurück und zwang dem „TUF 5“-Gewinner Nate Diaz einen Ringkampf auf. Diaz hatte den Takedowns und der Bodenkontrolle des „TUF 2“-Siegers nicht viel entgegenzusetzen. Auf der Matte und in den Übergangsphasen versuchte sich Diaz immer wieder an Aufgabegriffen, aber Stevenson fand jedes Mal einen Weg, sich aus allen Angriffen herauszuwinden. Eine unterhaltsame Auseinandersetzung zweier Grappler, die sich ausnahmsweise nicht dem Kickboxtrend hingeben wollten. Alle drei Punktrichter werteten den Kampf für Stevenson.

Gegen Gleison Tibau musste Melvin Guillard zum ersten Mal in der UFC über die vollen 15 Minuten gehen. Tibau befand sich die ganze Kampfzeit über auf der Suche nach dem Takedown und er konnte Guillard auch einige Male auf den Boden bringen und kontrollieren. Guillard nahm dort allerdings keinen großen Schaden und setzte stattdessen die besseren Akzente im Stand. Zwei Punktrichter sprachen ihm den Sieg zu, einer war für Tibau.

Den bis dato besten Kampf des Abends lieferten sich Brad Blackburn und der debütierende Edgar Garcia, ein Boxer und Ringer aus dem Team Arizona Combat Sports. Zugegeben, das Wort „Schlacht“ wird in Bezug auf den MMA-Sport ziemlich lose und häufig verwendet, aber in diesem Fall trifft es absolut zu. Die Fäuste und Füße flogen nur so durch den Käfig. Nach drei Runden werteten zwei Punktrichter für Blackburn, einer für Garcia. Das Publikum stimmte mit dieser Entscheidung überhaupt nicht ein.

Tomasz Drwal zeigte gegen Mike Ciesnolevicz seine bislang beste Leistung im Octagon. In der Anfangsphase ihres Kampfes ging der Pole oft in den Clinch und hielt sich an Takedowns und Ground & Pound. Zurück im Stand klingelte er Ciesnolevicz mit einer Schlagsalve an und schickte ihn anschließend mit einem Kniestoß zu Boden. Drwal ließ weitere Schläge folgen ehe der Ringrichter den Kampf abbrach.

Nick Osipczak, eines der talentierteren Mitglieder vom Team UK, traf auf Frank Lester vom Team USA, welcher während „TUF 9“ vor allem aufgrund seines großen Kämpferherzens auffiel. Gegen Osipczak hat ihm das jedoch nicht viel genutzt. Nach ein paar ausgeglichenen Szenen im Stand versuchte sich Lester an einem Suplex. Im folgenden Gerangel kletterte Osipczak ihm auf den Rücken und setzte einen Rear Naked Choke an. Der Würgegriff saß und so blieb Lester nichts anderes übrig als aufzugeben.

Im ersten Kampf des Abends standen sich zwei ehemalige Kameraden vom Team USA gegenüber wie sie unterschiedlicher nicht sein können: der ruhige Veteran Jason Dent und der aufmüpfige Jüngling Cameron Dollar, der erst seinen vierten Kampf bestritt. Dents immense Erfahrung aus 29 Auftritten im Käfig machte sich auch sogleich bezahlt. Nachdem Dollar ihn einige Male mit seiner Rechten traf, stürmte er blindlings auf ihn zu. Dent konterte nach dem Sprawl mit einem Anaconda Choke, aus dem sich Dollar nicht mehr befreien konnte.


Die Ergebnisse im Überblick:

The Ultimate Fighter 9 Finale
20. Juni 2009
The Pearl in Las Vegas, Nevada, USA

Diego Sanchez bes. Clay Guida via Punkte (2-1) nach 3 Runden

“TUF 9” – Weltergewichtsfinale
James Wilks bes. DaMarques Johnson via Rear Naked Choke nach 4:54 in Runde 1

Chris Lytle bes. Kevin Burns via Punkte (3-0) nach 3 Runden

“TUF 9” – Leichtgewichtsfinale
Ross Pearson bes. Andre Winner via Punkte (3-0) nach 3 Runden

Joe Stevenson bes. Nate Diaz via Punkte (3-0) nach 3 Runden

Melvin Guillard bes. Gleison Tibau via Punkte (2-1) nach 3 Runden
Brad Blackburn bes. Edgar Garcia via Punkte (2-1) nach 3 Runden
Tomasz Drwal bes. Mike Ciesnolevicz via TKO nach 4:48 in Runde 1
Nick Osipczak bes. Frank Lester via Rear Naked Choke nach 3:40 in Runde 1
Jason Dent bes. Cameron Dollar via Anaconda Choke nach 4:46 in Runde 1