MMA Restliche Welt

Die Zukunft von Bellator

Bellator FC (Foto: Bellator)

Angesichts des stetig voranschreitenden Zerfalls von Strikeforce schickt die Promotion Bellator FC sich an, hinter der UFC den zweiten Platz auf dem Siegertreppchen der MMA-Ligen zu erklimmen. Schon heute vereint sie zwölf der 175 weltweit am höchsten gehandelten MMA-Kämpfer aus 7 Gewichtsklassen unter ihrem Banner, und mit dem Anteilskauf durch Viacom scheint auch die Finanzplanung bis auf Weiteres gesichert. Ab 2013 macht Bellator zudem dort weiter, wo die UFC bald aufhört: Beim Fernsehsender Sender Spike TV. Die Zukunft sieht also rosig aus für den wachsenden Kampfsportzwerg unter Bjorn Rebneys Leitung - oder?

Zweifellos waren die letzten Jahre gute Jahre für Bellator (zu deutsch: Kämpfer, Krieger) FC. 2009 nahm das Unternehmen den Betrieb auf und strahlte seine ersten Shows über den auf ein spanischsprachiges Publikum zugeschnittenen Sender ESPN Deportes aus. 2010 folgte ein Auftritt auf verschiedenen Sendern der Fox Sports Net Gruppe und 2011 ist die Promotion schließlich zu einer festen Größe auf Mtv2 geworden. Trotz der überwältigenden Finanzmacht von Zuffa ist es CEO Bjorn Rebney gelungen, einen ansehnlichen Kader von Kämpfern zusammenzustellen, und es wird mit Recht spekuliert, ob Männer wie Joe Warren, Eddie Alvarez, Ben Askren oder Hector Lombard (Bellator Champions im Feder-, Leicht-, Welter- und Mittelgewicht) nicht auch gute Chancen in der UFC hätten. Zwei von Bellators Hauptproblemen - die vergleichsweise geringe Reichweite von Mtv2 und der ungünstige, weil in Konkurrenz zur UFC stehende Sendeplatz am Samstag Abend - werden sich zudem mit dem Wechsel zu Spike TV voraussichtlich in Luft auflösen.

Doch trotz allem Optimismus ist weder das Wachstum, noch auch nur das Überleben von Bellator über die nächsten Jahre garantiert. Auf ihrem Weg nach oben sieht sich die Liga vielmehr drei großen Schwierigkeiten ausgesetzt:

1. Der Talentpool: Sicher, die Champions und vielleicht auch noch der Zweit- und Drittplatzierte einer jeden Gewichtsklasse mögen UFC-Kaliber sein. Danach wird die Luft allerdings schnell dünn. Bellator hat ganz einfach kein breites Mittelfeld von Kämpfern, aus dem regelmäßig neue, hochklassige Titelanwärter hervorgingen. Auch hat die Liga keinen beständigen Zufluss an Top-Kämpfern: Für echte Weltklasse-Athleten bleibt die UFC weiterhin erste Wahl. Das entgeht den Fans auf Dauer nicht und hat zur Folge, dass Bellators Champions die glaubhaften Herausforderer ausgehen. Selbst in der UFC mit ihrer weitaus höheren Talentdichte gibt es in manchen Gewichtsdivisionen nicht mehr als 1-2 aussichtsreiche Titelanwärter; in Bellator stellt sich das Problem noch in verschärfter Form, und könnte mittelfristig für einen deutlichen Spannungsabfall im Kampfgeschehen sorgen.

2. Das Wettkampf-Format: Eines von Bellators Alleinstellungsmerkmalen ist die Tatsache, dass der jeweils nächste Titelherausforderer in Form eines Wettkampfes mit Viertel-, Halb- und Finalkämpfen ermittelt wird. Dieses Konzept ist Segen und Fluch zugleich: Einerseits hebt es Bellator von der UFC ab und gewährleistet, dass der Herausforderer mit einem gewissen Mindestmaß an Rückenwind in den Titelkampf geht, andererseits ist es besonders anfällig für verletzungsbedingte Absagen und ähnliche Überraschungen. Vor allem einen benachteiligt das Wettkampf-Format jedoch: Den derzeitigen Champion. Während sich den Kämpfern im Zuge des Wettkampfes die Chance bietet, in relativ kurzer Zeit drei Siege einzufahren, 100.000 US$ Preisgeld zu verdienen und anschließend um den Titel zu kämpfen, liegt ihre Karriere, falls sie diesen Titel erringen sollten, anschließend auf Eis: Sie müssen nun abwarten, bis der nächste Wettkampf in ihrer Gewichtsklasse vorbei ist, bevor sie ihren Titel verteidigen können. Da es zumeist eher einen als zwei Wettkämpfe pro Gewichtsklasse im Jahr gibt, kann das lange dauern. So beklagte sich etwa unlängst Zach Makovsky, Sieger des ersten Wettkampfes im Bantamgewicht Ende 2010 und damit derzeitiger Bellator Champion in dieser Division, dass es für ihn finanziell profitabler gewesen wäre, im Finale zu verlieren und beim nächsten Wettkampf erneut anzutreten, statt zu gewinnen und seinen Titel nicht vor 2012 verteidigen zu können. Die Tatsache, dass Bellator seine Kämpfer nötigt, die restriktivsten Verträge irgend einer MMA Liga überhaupt zu unterschreiben, intensiviert das Problem zusätzlich.
Damit ihre Champions zwischen den Wettkämpfen nicht völlig einrosten, organisiert die Liga für sie gelegentliche "Superfights", die allerdings alles andere als super, sondern im Gegenteil vielen Fans ein Dorn im Auge sind: Bei diesen Kämpfen geht es nicht um den Titel, obwohl der Champion antritt - eine Unsitte, die die UFC schon seit Langem abgeschafft hat. Dass dies deutlich nach hinten losgehen kann, zeigte sich unlängst beim Kampf des Bellator Halbschwergewichtschampions Christian M'Pumbu gegen Travis Wuff bei Bellator 55: M'Pumbu verlor nach einstimmigem Punktrichterentscheid und behielt dennoch seinen Gürtel; ein gutes Stück seiner Glaubwürdigkeit als Champion musste er jedoch abgeben.

3. Big Brother Zuffa: Natürlich beobachtet Zuffa die Konkurrenz (auch wenn davon zu diesem Zeitpunkt noch kaum gesprochen werden kann) wachsam. Diejenigen Ligen, die nicht von sich aus zu Grunde gingen (EliteXC, Affliction, IFL) wurden eben aufgekauft und assimiliert (Pride, Strikeforce). Zwar äußerte sich Dana White unlängst noch respektvoll und zurückhaltend unter der Devise "Die machen ihr Ding und wir machen unseres" über Bellator FC, aber solche Friedensbekundungen sind alles andere als verlässlich. Derzeit ist den Zuffa Bossen die Existenz von Bellator vielleicht noch ganz Recht - zumindest als Argument, um sich gegen die laufenden Monopolvorwürfe zu verteidigen. Doch wenn sich in der Chefetage des MMA-Marktführers der Eindruck verfestigen sollte, dass mit Bellator ein ernsthafter Wettbewerber heranwächst, dann kann es sehr schnell zur nicht unbedingt freundlichen Übernahme gelangen - und sei es nur eine Übernahme der unterbeschäftigten (s.o.) Champions. Zwar hat Bellator durch den Mehrheitskauf seitens Viacom nun selbst einen soliden finanziellen Rückhalt, doch das hatte Affliction mit Donald Trump ebenfalls. Soll heißen: Dass ein Investor über reichlich Geld verfügt bedeutet keineswegs, dass er dieses Geld auch auf Teufel komm raus in den Erhalt seiner MMA-Liga pumpen wird. Wie jeder gute Geschäftsmann wird er vielmehr bereit sein, das Projekt zu verkaufen, vorausgesetzt, der Preis stimmt.

Wo die Reise für Bellator letztlich hingehen wird, kann natürlich niemand wissen. Derzeit wächst und gedeiht das Unternehmen noch, doch wenn ihm langfristig keine guten Antwort auf die oben aufgeworfenen Fragen einfallen, dann könnte es eines Tages genau so von der Bildfläche verschwinden wie schon viele anderen MMA-Organisationen vor ihm.