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Die Nachwehen von UFC 132

Poster via Zuffa LLC

Nicht immer führen hochkarätige Namen und relevante Matches auch zu spannenden Kämpfen – im Falle von UFC 132 allerdings schon. Beinahe jede der elf Begegnungen war spannend und sehenswert, und wer zuvor bei Klitschko vs. Haye eingeschlafen war, den konnten Condit, Cruz und Silva sicher bis in die Morgenstunden wach halten.

Carlos Condit besiegt Dong Hyun Kim durch KO

„Es gibt nur eine Art, eine Siegesserie zu beenden: Indem man den Typen einfach ausknockt!“, so Carlos Condit in der Countdown Show zu UFC 132. Diesen Worten hat der 27jährige bei UFC 132 Taten folgen lassen, als er sein Gegenüber Dong Hyun Kim mit einem gesprungenen Knie und anschließenden Schlägen ins Land der Träume schickte. Die spektakuläre Aktion brachte ihm nicht nur den Sieg, sondern zudem den auf 75.000$ dotierten Knockout of the Night Bonus ein. Im vorangegangenen Kampfgeschehen hatte Kim Condit kurzzeitig zu Boden bringen können – im Gegensatz zu den früheren Gegnern des Koreaners gelang es Condit jedoch ohne Schwierigkeiten, sich wieder zurück auf die Füße zu kämpfen, und Kim dort die erste Niederlage seiner Laufbahn zuzufügen.

Carlos Condit

Carlos Condit konnte am Samstag den vierten Sieg in Folge einfahren – alle davon gegen durchaus namhafte Gegner. Nach dem Match sagte er, dass er zwar schon gerne um den Titel kämpfen würde, jedoch nicht bereit sei, bis 2012 zu warten. Da der derzeitige Champion George St. Pierre erst Ende Oktober 2011 gegen Nick Diaz antreten wird, muss Condit also zunächst mit einem anderen Gegner Vorlieb nehmen – als Kandidat käme etwa Josh Koscheck in Frage, der seit seiner Niederlage gegen GSP Ende letzten Jahres noch keinen neuen Kampf geplant hat.

Dong Hyun Kim

Eins ist sicher: An seinem Status als koreanischer Volksheld wird die Niederlage für Kim nichts ändern. Und auch alle übrigen Fans sollten den 29 Jahre alten Asiaten mit hervorragendem Judo weiter auf der Rechnung haben. Ein neuer Kampf ist für Kim noch nicht geplant – stilistisch interessant wäre aber ein Aufeinandertreffen mit Thiago Alves, der über einen starken Standkampf verfügt und nach drei Niederlagen in seinen letzten vier Kämpfen ein Match gegen einen schlagbaren, zugleich aber einigermaßen bekannten Gegener benötigt.

 

Tito Ortiz besiegt Ryan Bader durch Aufgabe

Die Überraschung des Abends hat ganz sicher Tito Ortiz verursacht. Kaum jemand hatte dem „Huntington Beach Bad Boy“ noch Chancen zugesprochen – immerhin lag sein letzter Sieg 5 Jahre zurück, und Bader galt als aufstrebendes junges Talent. Entgegen aller Erwartungen konnte Ortiz sein Gegenüber jedoch nach nicht einmal zwei Minuten in der ersten Runde mit einer Rechten zu Boden schicken. Dort angekommen setzt Ortiz eine Guillotine an, die den noch etwas benommenen Bader zum Abklopfen zwang.

Tito Ortiz

Hätte Ortiz diesen Kampf verloren, so wäre seine UFC Karriere damit beendet gewesen – dies war bereits im Vorfeld die klare Ansage von Dana White. Nachdem Tito jedoch kurz vor dem Aus der entscheidende Rettungsschlag gelungen ist, blickt er nun einer aussichtsreichen Zukunft im Halbschwergewicht entgegen. Da man jemand vom Kaliber eines Ortiz nicht gegen unaufregende Gegner wie Vladimir Matyushenko stellt, dürfte für ihn wohl vor allem der Sieger der Auseinandersetzung zwischen Rogerio Noguiera und Rich Franklin als Gegner in Frage kommen. Ortiz selbst hat jedoch andere Pläne: Geht es nach ihm, so wird es ein drittes Aufeinandertreffen mit Forrest Griffin geben, gegen den Ortiz bisher einen knappen Sieg und eine ebenso knappe Niederlage zu verbuchen hat.

Ryan Bader

Bader hat bei der UFC eine steile Karriere hingelegt: Er siegte bei der achten Staffel von The Ultimate Fighter und in seinen folgenden vier Auftritten reckte der Schiedsrichter vier Mal seine Hand zur Hallendecke. Nach dem Triumph über Rogerio Nogueira wurde er bereits als möglicher Titelanwärter gehandelt, doch diesen Aspirationen machte Jon Jones ein schnelles Ende. War eine Niederlage gegen den ohnehin kaum besiegbaren Jones noch zu verschmerzen, so ist die Aufgabe gegen einen gealterten Ortiz doch ein schwerer Schlag für Baders Karriere. Mit seinem folgenden Auftritt wird sich entscheiden, ob er gut genug ist, um zumindest im oberen Mittelfeld der UFC konstant mitzumischen – wer würde sich für eine solche Prüfung besser anbieten als der Inbegriff eines Gatekeepers, Matt Hamill?

 

Dennis Siver besiegt Matt Wiman nach Punkten

Nachdem Dennis Siver bei UFC 127 überraschend gegen George Sotiropoulos gewinnen konnte, wirkte Matt Wiman beinahe wie ein Schritt nach unten auf der Karriereleiter. Dass dem nicht so ist, konnte Wiman am Samstag jedoch deutlich unter Beweis stellen, indem er Siver in einem sehr knappen Kampf alles abverlangte. Der Amerikaner hat seine Wurzeln im Wrestling und versuchte während des gesamten Kampfes, Siver auf den Boden zu bringen. Dies gelang ihm zwar nur in den wenigsten Fällen, dann allerdings mit großer Wirkung: So bearbeitete Wimann Siver nach einem erfolgreichen Takedown in der zweiten Runde mit Groundandpound aus der Oberlage und fügte dem Deutschen dabei einen Cut auf der Stirn zu. Im Stand hatte Siver jedoch die (leichten) Vorteile auf seiner Seite und konnte somit Runden Nr. 1 und 3 für sich entscheiden und bekam somit einen (nicht ganz unumstrittenen) 29-28 Punktsieg von allen drei Punktrichtern zugesprochen.

Dennis Siver

„Wann bekommt er denn endlich seinen Titelkampf?“ ist wohl die Frage, die vielen deutschen Lesern auf dem Herzen brennen wird. Die realistische Antwort lautet: Nicht so bald. Die Leichtgewichtsdivision ist möglicherweise diejenige mit der größten Talenttiefe in der UFC, und neben Siver können auch Guillard, Guida und Miller mit guten Argumenten einen Titelkampf fordern – mal ganz davon abgesehen, dass das dritte Aufeinandertreffen von Frankie Edgar und Gray Maynard zuerst noch stattfinden muss. Nachdem Siver mit Wiman ein Gegner der zweiten Garde gereicht wurde, dürfte für seinen nächten Kampf jedoch erneut ein großer Name auf dem Programm stehen – denkbar wäre beispielsweise ein Rematch mit Guillard, der ihn bereits auf der Pressekonferenz nach UFC 132 herausgefordert hat.

Matt Wiman

Wiman ist an einem erheblichen Karrieresprung knapp vorbeigerutscht. Mit drei Siegen in seinen letzten vier Kämpfen muss er sich dennoch keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Als nächster Gegner käme für ihn Evan Dunham in Frage, der seine beiden letzten Kämpfe im Octagon (gegen Sherk und Guillard) verloren hat.

 

Chris Leben besiegt Wanderlei Silva durch KO

Die im Vorfeld als mögliches Match des Jahres beworbene Begegnung von Chris Leben und Wanderlei Silva erwies sich in der Praxis vor allem als eines: Kurz. Richtig lagen die Prognosen indessen damit, dass einer der Kämpfer KO gehen würde – tatsächlich war dies Wanderlei, der von Leben bei einem wilden Schlagabtausch mit einem linken Schwinger und danach einer Reihe von Kinnhaken getroffen wurde. Anscheinend hatte es Silva so schwer erwischt, dass er, wieder bei Bewusstsein, zunächst gegen den über ihn gebeugten Kampfrichter Josh Rosenthal, den er für seinen Gegner hielt, weiterzukämpfen versuchte.

Chris Leben

Unglaublich aber wahr: Chris Leben ist nicht allzu weit von einem Titelkampf im Mittelgewicht entfernt. Derzeitiger Nr. 1 Herausforderer (nach Yushin Okami natürlich) ist wohl noch Brian Stann, doch mit Siegen über Simpson, Akiyama und nun Silva ist ein zukünftiger Kampf gegen den Champion für den „Crippler“ zur realistischen Option geworden. Wenn das sein Ziel ist, so muss er zuvor jedoch noch wenigstens einen weiteren, zähen Gegener bezwingen, und da Belfort, Akiyama, Bisping und Miller bereits verplant sind, würde sich ein Match gegen Mark „The Filipino Wrecking Machine“ Munoz anbieten.

Wanderlei Silva

Zur Zeit von PRIDE war Wanderlei Silva der vielleicht furchteinflößendste Mann im gesamten Sport; ein brutaler Kämpfer, dessen Blicke beim Staredown töten konnten. Doch diese Epoche gehört der Vergangenheit an, und die Gegenwart sieht leider so aus, dass Wanderlei sechs seiner letzten acht Kämpfe verloren hat. Da er mit Sicherheit nie wieder um den Titel kämpfen wird, täte er im Interesse seiner Gesundheit und seines Rufes gut daran, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Doch Silva lebt und liebt den Kampf, und wird es sich vermutlich nicht nehmen lassen, noch so viele weitere Auftritte im Octagon zu feiern, wie Dana White bereit ist, ihm zu geben. Passend wäre sicherlich ein Auftritt bei dem geplanten UFC Event in Japan, wo Wanderlei noch vom Ruhm vergangener Tage zährt und mit einem Sieg gegen einen leichten Gegner ein wenig des Glanzes jener Zeit heraufbeschwören könnte.

 

Dominick Cruz besiegt Urijah Faber nach Punkten

Der mit Spannung erwartete Höhepunkt des Abends war das Match um die Krone im Bantamgewicht zwischen Dominick Cruz und Urijah Faber. Cruz stellte erneut seine schier unglaubliche Leichtfüßigkeit und exzellente Beinarbeit zur Schau; er attackierte Faber mit blitzschnellen Kombinationen und war oft schon außer Reichweite, wenn sein Gegner kontern wollte. Faber landete weniger Treffer, dafür jedoch die härteren, mit denen er Cruz gelegentlich auf die Bretter schicken konnte. Trotz vereinzelter Takedowns auf beiden Seiten fand der Kampf größtenteils im Stand statt, wo Cruz‘ hervorragende Defensivarbeit und gezielte Attacken ihm letztlich einen einstimmigen Punktsieg bescherten.

Dominick Cruz

Mit Titelverteidigungen gegen Benavidez, Jorgensen, Bowles und nun Faber hat Cruz sich als dominanter Champion etabliert. So dominant sogar, dass es schwer zu sagen ist, wer aus der relativ dünn besetzten Bantamgewichtsklasse ihn als nächstes herausfordern soll. Miguel Torres sah zuletzt schlecht aus und hat gegen Johnson verloren; Johnson selbst ist unbekannt, unaufregend und dürfte auch kaum wirkliche Chancen gegen Cruz haben. Mit seinem Sieg über Mizugaki hat Bowles sich bei UFC 132 als Anwärter auf einen Titelkampf positioniert – doch auch er hat sich bereits in der Vergangenheit die Zähne an Cruz ausgebissen. Sofern es nicht zum sofortigen Rematch mit Faber kommt, so fehlt es Cruz also im Augenblick an einem wirklich klaren, starken Herausforderer, wobei Bowles wohl noch der beste Kandidat wäre.

Urijah Faber

Trotz seiner Niederlage hat Faber sich in diesem Kampf gut verkauft und vermutlich Fans dazugewonnen. Gerüchte, seine Karriere neige sich dem Ende entgegen, müssen nach diesem Auftritt jedenfalls als verfrüht gelten. Wenn er in Zukunft Siege gegen ein, zwei starke Bantamgewichtskämpfer einfahren kann, so empfiehlt er sich damit für einen Rückkampf gegen Cruz. Als Gegner wären für ihn im Augenblick Miguel Torres, Takeya Mizugaki oder Demetrious Johnson interessant.