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Die Nachwehen von UFC 126

Anderson Silva (Foto via Zuffa LLC)

Nachdem was im Vorfeld zu UFC 126 alles gesagt wurde, war es von vorneherein unmöglich, dass die Veranstaltung die Erwartungen der Fans erfüllt. Trotzdem wurden zwei Dinge an diesem Abend eindrucksvoll bestätigt: Anderson Silva ist im Mittelgewicht eine Klasse für sich und Jon Jones ist die Zukunft des Halbschwergewichts.

Anderson Silva besiegt Vitor Belfort durch TKO

Die Fans erwarteten ein Feuerwerk, Dana White befürchtete einen „Anstarrwettbewerb“ und am Ende bekamen die Zuschauer von allem etwas. Nachdem sich Champion Anderson Silva und Vitor Belfort die ersten Minuten im Octagon nur umkreist hatten und der Kampf nach einem kurzen Takedown von Belfort endlich zu beginnen schien, war er auch schon zu Ende. Mit einem Frontkick ans Kinn schickte Silva seinen Landsmann zu Boden und ließ die Zuschauer mit offenem Mund zurück.

Anderson Silva

Wieder einmal hat Silva bewiesen, dass er zu den besten Kämpfern aller Zeiten gehört und wieder einmal hat er bewiesen, dass es im Mittelgewicht keinen gibt, der ihm wirklich gefährlich werden kann. Alle „perfekten Gegner“ hat Silva aus dem Octagon gefegt und nur jene, die seiner unwürdig waren, lies er gewähren und über die Runden kommen.

Eigentlich steht Silvas nächster Gegner mit Yushin Okami, der bei UFC 122 den Kampf um den Platz des Nummer-1-Herausforderers gegen Nate Marquardt gewonnen hatte, schon fest. Allerdings ist das Interesse an einem Superkampf zwischen Silva und Weltergewichtschampion Georges St. Pierre inzwischen so groß geworden, dass es, wenn GSP seinen Kampf gegen Jake Shields gewinnt, wohl zu dem Aufeinandertreffen der Champions kommen wird.

Vitor Belfort

Einige werden nach diesem Kampf sagen, dass Belfort dem Druck nicht standgehalten und wieder mal versagt hat. Tatsache ist aber, dass er gegen zur Zeit vielleicht besten MMA-Kämpfer auf dem Planeten gekämpft hat und das Ergebnis vielmehr auf die Stärke von Silva zurückzuführen ist und nicht auf die angebliche psychische Schwäche von Belfort.

Da dies Belforts erster Kampf im Mittelgewicht war, stehen hier noch viele Möglichkeiten für ihn offen, so wären z. B. potenzielle Aufbaukämpfe gegen Chris Leben oder den Verlierer zwischen Michael Bisping und Jorge Rivera möglich. Sollte Chael Sonnen seine Probleme außerhalb des Octagons geregelt kriegen, dann wäre Belfort sicherlich einer der Kandidaten, die Sonnen wieder in der UFC willkommen heißen könnten.

Forrest Griffin besiegt Rich Franklin einstimmig nach Punkten


Rich Franklin stand verwundert da, als Forrest Griffin nach dem Kampf einstimmig von den drei Punktrichtern zum Sieger erklärt wurde. Dabei war dies ein durchaus gerechtfertigtes Urteil, dem auch die Zuschauer zustimmten, lediglich Franklins Ecke hatte ihm gesagt, dass er die etwas umstrittenere zweite Runde gewonnen hätte. Nachdem Griffin bereits die erste Runde am Boden dominierte, konnte er jedoch auch die zweite Runde durch einige Takedowns für sich verbuchen. Nur die dritte Runde konnte Franklin durch seinen technisch ausgereifteren Kampfstil für sich entscheiden.

Forrest Griffin

Obwohl sich Griffin aufgrund seiner langen Pause während des Kampfes noch etwas „eingerostet“ gefühlt hat, hat er seinen Teil für einen potenziellen Quotenknallerkampf gegen Quinton Jackson eingehalten. Nun liegt es an „Rampage“ seinen Teil einzuhalten und bei UFC 130 Thiago Silva zu besiegen, damit es zu diesem nicht nur von Jackson lang ersehnten Rückkampf kommen kann.

Rich Franklin

Franklin hatte seinen Wechsel ins Mittelgewicht damals dadurch begründet, dass er wesentlich kleiner war, als die anderen Kämpfer im Halbschwergewicht. Dies war gegen einen der größten Halbschwergewichtskämpfer besonders ersichtlich, nachdem Griffin den ehemaligen Mittelgewichtschampion mehrmals durch reine Kraft zu Boden brachte. Da allerdings ein Wechsel ins Mittelgewicht nicht in Frage kommt, wäre ein Kampf gegen den an diesem Abend ebenfalls sieglosen Ryan Bader möglich, aber auch ein Aufeinandertreffen mit dem Verlierer des zuvor angesprochenen Kampfes zwischen Jackson und Silva ist nicht ausgeschlossen.

Jon Jones besiegt Ryan Bader durch Aufgabe

Ryan Bader war der viel höher dekorierte Ringer in diesem Kampf und dennoch brachte ihn Jon Jones immer wieder zu Boden, dominierte ihn und konnte ihn in der zweiten Runde durch einen Guillotine Choke zur Aufgabe zwingen. Diese dominante Leistung zog sofort Konsequenzen nach sich.

Jon Jones

Bereits im Siegerinterview wurde Jones sein nächster Gegner mitgeteilt: „Shogun“. Da Rashad Evans sich eine Knieverletzung zugezogen hat, wird Jones am 19. März dessen Platz einnehmen und bei UFC 128 gegen den Champion Mauricio „Shogun“ Rua um den Halbschwergewichtstitel kämpfen.

Ryan Bader


Der zuvor ungeschlagene Bader musste damit seine erste Niederlage einstecken und eine deutliche noch dazu. Da es in der dicht besetzten Halbschwergewichtsdivision allerdings keine leichten Kämpfe gibt, wird er wohl nicht an einem Gegner von dem Kaliber eines Rich Franklin vorbeikommen. Auch ein Kampf gegen den Verlierer zwischen Phil Davis und Matt Hamill wäre eine Möglichkeit.

Jake Ellenberger besiegt Carlos Eduardo Rocha nach Punkten

30:27 Rocha lautete das Urteil des ersten Punktrichters, das alle Zuschauer in Erstaunen versetzte. Die anderen beiden Punktrichter werteten den Kampf 29:28 für Ellenberger, ein Ergebnis, das eher den Kampfverlauf widerspiegelt. In der ersten Runde gelang es Rocha, Ellenberger auf dem Boden zu dominieren. Mehrfach versuchte er einen Aufgabegriff anzusetzen, aber Ellenberger konnte sich jedes Mal befreien. Die zweite und dritte Runde konnte Ellenberger dann aber durch gute Treffer im Stand und zeitlich gut platzierte Takedowns für sich entscheiden.

Jake Ellenberger

Anstatt gegen Jon Fitch, einen der besten Weltergewichtler in der UFC, zu kämpfen, wie es anfänglich geplant war, musste sich Ellenberger mit Rocha zufrieden geben, nachdem Fitch B.J. Penn zugewiesen bekam. Ob Ellenberger den in der UFC noch unerfahrenen Rocha unterschätzt hatte, wird wohl nur er wissen. Tatsache ist jedoch, dass er sich als hoher Favorit nur mühevoll durchsetzen konnte. Dennoch dürfte es Ellenberger in seinem nächsten Kampf mit einem Top-10-Gegner zu tun bekommen, Dong Hyun Kim wäre dabei ebenso möglich, wie der Sieger zwischen Carlos Condit und Chris Lytle oder der Sieger zwischen Thiago Alves und Rick Story.

Carlos Eduardo Rocha

Trotz der Niederlage dürfte Rochas Stern in der UFC ein wenig heller strahlen. In der ersten Runde konnte er beweisen, dass er in die UFC gehört, allerdings wird es in seinem nächsten Kampf wohl keinen so hochkarätigen Gegner geben. Denkbar wären Kämpfe gegen TJ Grant oder Darren Elkins.

Miguel Torres besiegt Antonio Banuelos einstimmig nach Punkten

In seinem ersten Kampf für die UFC besiegte der ehemalige Bantamgewichtschampion der WEC Miguel Torres einen vollkommen überforderten Antonio Banuelos nach Punkten. In einem sehr unspektakulären Kampf bestimmte Torres das Geschehen in allen drei Runden mit seiner wesentlich größeren Reichweite. Er zermürbte Banuelos mit seinem Jab, und gab diesem nie auch nur den Hauch einer Chance.

Miguel Torres

Torres konnte in diesem Kampf wohl kaum die Herzen der UFC Fans gewinnen, die ihn noch nicht kannten, dennoch bringt ihn dieser ungefährdete Sieg einen Schritt dichter an einen Titelkampf heran. Sollte sich die UFC nicht bereits jetzt dazu entscheiden Torres gegen den Champion Dominick Cruz zu stellen, wäre ein Kampf gegen den Sieger zwischen Brian Bowles, der Mann, der ihm den Titel abnahm, und Damacio Page ebenso möglich wie ein Kampf gegen den an diesem Abend ebenfalls siegreichen Demetrious Johnson. Und natürlich ist auch das lang ersehnte Aufeinandertreffen mit Urijah Faber immer ayktuell.

Antonio Banuelos

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn UFC-Präsident Dana White einem die Schuld an einem langweiligen Kampf gibt. Dieses Problem hat nun allerdings Banuelos, da es White überhaupt nicht gefallen hat, dass dieser nur zum Ende der zweiten und dritten Runde versucht hat, an Torres heranzukommen. Sollte dies nicht sein vorerst letzter Kampf in der UFC gewesen sein, wäre ein Kampf gegen Norifumi „KID“ Yamamoto ein Möglichkeit.