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Die Akte Fallon Fox

Fallon Fox wurde als Mann geboren. (Foto: Championship Fighting Alliance/CFAfights.com)

Fallon Fox ist 37 Jahre alt und Profi-MMA-Kämpferin. Was bis vor wenigen Tagen jedoch kaum jemand wusste: Fox wurde als Mann geboren. Im Jahr 2006 entschied sie sich für die Umoperation zur Frau. Kurz nach dem Eingriff begann sie mit dem MMA-Training und bestritt im Jahr 2011 ihren ersten Kampf. Nun wird ihre Kampflizenz überprüft.

„Ich wollte nicht, dass das ans Licht kommt“, erklärte Fox gegenüber Sports Illustrated. „Das ist meine eigene Sache, meine gesundheitliche Vergangenheit. Ich rede nicht gerne mit anderen Leuten darüber, aber ich denke schon seit Jahren daran, dass irgendwann mal das Telefon klingeln könnte.“

In der vergangenen Woche kam der gefürchtete Anruf, als Fox gerade ihren zweiten (T.)K.o.-Sieg im zweiten Profikampf feierte. Ein Journalist stellte unangenehme Fragen über ihre Vergangenheit. Das gut gehütete Geheimnis war keines mehr und so ging sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit.

Fox spürte laut eigenen Aussagen bereits im Alter von sechs Jahren, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Das Gefühl, im falschen Körper geboren worden zu sein, verstärkte sich immer weiter.

Um ihre Eltern zufrieden zu stellen, ging sie zur US Navy, wo sie einige Zeit auf dem Kriegsschiff U.S.S. Enterprise diente. Nach dem Kriegsdienst wurde der Wille zur Geschlechtsumwandlung so groß, dass sie mit ihrer damals vierjährigen Tochter sowie mit ihren Eltern über eine geplante Umoperation sprach. Während die Tochter das Ganze locker nahm, wollten die Eltern ihren Sohn zu einem Psychologen schicken.

Fox arbeitete daraufhin für vier Jahre als LKW-Fahrer, um Geld für den Eingriff zu sparen. Im Jahr 2006 flog sie zu guter Letzt nach Thailand, um den letzten Schritt zu machen: Die Operation vom Mann zur Frau.

Schon vor dem Eingriff musste Fox regelmäßig Testosteron-Blocker und das weibliche Geschlechtshormon Östrogen konsumieren.

Um überflüssige Pfunde zu verlieren, ging Fox wenig später in ein Gym, wo sie durch Zufall auf das Ringer- und BJJ-Training stieß. Fox fand Gefallen und begann im Jahr 2010 zusätzlich mit dem Muay-Thai-Training. Nur ein Jahr später stand sie erstmals in einem Amateur-MMA-Kampf.

Am 17. Mai feierte Fox ihr Profi-Debüt mit einem T.K.o.-Sieg in der ersten Runde, bei dem sich ihre Gegnerin nach Ground and Pound am Arm verletzte. Anfang des Monats stieg Fox erneut in den Käfig. Nach 39 Sekunden schickte sie dabei ihre Kontrahentin mit einem Kniestoß auf die Bretter.

Kurz darauf ging sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit und sorgte für große Diskussionen. Ging Fox durch ihre Vergangenheit als Mann mit ungerechten körperlichen Vorteilen in ihre Kämpfe?

Einige Kontrahentinnen und Fans sehen sie als Betrügerin. Fox selbst behauptet, nach zehn Jahren der Hormontherapie keinerlei Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu haben.

„Schon vor der Operation hatte ich weniger Muskelmasse als der durchschnittliche Mann“, verteidigte sich Fox. „Der Testosteronlevel liegt bei einem normalen Mann zwischen 300 bis 1.000 Nanogramm. Die normale Frau hat zehn bis 70. Ich habe etwa sieben Nanogramm.“

Die Sportkommission von Florida legte Fox‘ Kampflizenz vorerst auf Eis. Ihre Vergangenheit gab sie damals nicht preis, da sie bei der Beantragung der Lizenz nicht danach gefragt wurde. Momentan werden die Regeln der Kommission aktualisiert, wobei auch diese Thematik behandelt werden soll.

Im Jahr 2012 wurde der Sachverhalt bereits vom Bund der Boxsportkommissionen behandelt. Dabei wurden Richtlinien festgelegt, an die sich transsexuelle Sportlerinnen zu halten haben, um an Frauenkämpfen teilnehmen zu dürfen. Eine komplette Umoperation, eine Hormontherapie von mindestens zwei Jahren sowie ein ärztliches Gutachten seien demnach obligatorisch.

Durch ihren letzten Sieg kämpfte sich Fox ins Halbfinale des CFA-Federgewichtsturniers. Ihr nächster Kampf ist für den 20. April angesetzt. Aufgrund ihrer Lizenzprobleme bot CFA-Promoter und Fallon-Fox-Befürworter Jorge De La Noval jedoch an, die Veranstaltung bis zur Lizenzvergabe zu verschieben.

„Ich möchte wirklich gerne für Invicta kämpfen, vielleicht auch in der UFC, wenn sie mich nehmen würde“, sagte Fallon über ihre Zukunft. „Ich will so weit kommen, wie nur möglich – so wie die anderen Frauen. Ich will die gleichen Möglichkeiten haben.“

 

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