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Diaz vs. Condit II

Nick Diaz sah sich als Gewinner gegen Condit. (Foto: ESPN)

Mit Ausnahme einer kontroversen Cut-Niederlage gegen KJ Noons konnte Nick Diaz fast sechs Jahre lang ununterbrochen Siege einfahren, den Großteil dieser sogar vorzeitig. Dies änderte sich am Wochenende, denn der frühere WEC- und Strikeforce-Champion unterlag Carlos Condit im Interims-Titelkampf bei UFC 143 nach fünf spannenden Runden. Damit darf Condit sich den Gürtel vorerst um die Hüfte schnallen und trifft in Zukunft auf den derzeit verletzten Champion Georges St.Pierre - so jedenfalls der Plan, der sich nun ändern könnte.

Condits Erfolg via Punktentscheidung war anhand vieler Fans und Experten sehr kontrovers - besonders wenn man Foren, Twitter, Facebook und andere öffentlichen Medien im Auge behält, liest man lautstarke Kritik.

Nick Diaz selbst äußerte sich sehr unzufrieden nach dem Kampf und war der Meinung, Condit sei fünf Runden lang davongelaufen, während er selbst auf der Jagd war: „Wenn das der neue Weg zum Sieg ist, dann will ich dieses Spiel nicht mehr spielen.“ War dies der letzte Kampf im Octagon für den enttäuschten Diaz?

Der Kampf nahm eine ähnliche Entwicklung wie die Begegnung zwischen Lyoto Machida und Mauricio „Shogun“ Rua bei UFC 104 im Jahre 2009, bei dem Machida stets rückwärts lief, am Ende allerdings auf der Punktrichterskala vorne lag. Einer der damaligen Punktrichter steht seitdem unter Dauerbeschuss: Cecil Peoples. Der Amerikaner war in den Begegnungen zwischen "Diaz vs. Condit" und ebenso im heiß diskutierten "Machida vs. Rua"-Duell als Punktichter involviert.  Neben der Internet-Community, die scheinbar keine Gnade kennt (siehe Bild), erntete Peoples auch von MMA-Kämpfern starke Kritik.

Peoples wird als "blinder Hund" bezeichnet. (Foto via Twitter)

Der frühere UFC-Kämpfer Sean McCorkle hatte folgendes zu sagen: „Ich habe mir den Kampf dreimal angesehen. Diaz hat Runde 1, 2, 3 und 5 gewonnen, und ich habe dabei noch sehr großzügig für Condit gewertet. Ich hoffe, die UFC gibt den beiden einen Rückkampf. Außerdem habe ich eine Idee, wie man das Punktesystem perfektionieren kann. Wir brauchen nur einen Punktrichter: Cecil Peoples. Lasst ihn den Kampf werten und dreht am Ende die Zahlen um – so gewinnt immer der Richtige.“

Strikeforce-Titelherausforderin Ronda Rousey war ebenfalls urteilssicher: „Was für ein Bockmist. Wenn ich einen Mann 25 min. lang hätte rennen sehen wollen, wäre ich zu einem Jogger-Treff gegangen. Diaz hatte die Octagon-Kontrolle für fünf Runden, die Punktrichter sollten sich schämen.“

Sichere Punktsiege wie man sie Kämpfern aus Greg Jacksons MMA-Team mehrfach vorwarf, standen in der Vergangenheit ebenfalls zur Debatte. Rüttelt ein risikofreier Kampf, in dem man nur Punkte sammelt und sich dann außer Gefahr begibt, an der Beliebtheit des Sports? Ein Vorwurf, mit dem sich Kämpfer wie Georges St. Pierre, Jon Fitch oder Antonio McKee seit Jahren herumschlagen müssen, da sie keine vorzeitigen Siege einfahren.

Eine Niederlage kann hart sein, besonders für die Psyche des Kämpfers, denn nach der knappen Punktentscheidung sprach Diaz über ein mögliches Karriere-Aus. War dies sein entgültiger Rücktritt oder nur eine Kurzschlussreaktion aufgrund der großen Enttäuschung? Niemand weiß es bislang, selbst UFC-Präsident Dana White schien skeptisch. „Nick glaubt zu 100 Prozent, er habe diesen Kampf gewonnen. Ich weiß nicht, was er vorhat, denn er befindet sich derzeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wenn er zurücktreten will, ist es sicherlich seine Sache, aber warum sollte er das jetzt tun? Ich denke, er muss sich einige Gedanken machen.“

Die UFC sorgte in der Vergangenheit bei kontroversen Duellen zu einem zeitnahen Rückkampf, wie bei Kämpfen zwischen Machida vs. Rua, Edgar vs. Maynard oder Edgar vs. Penn. Nun könnte es möglicherweise zu einer zweiten Begegnung zwischen Condit und Diaz kommen, sofern man Dana White Glauben schenken darf: „Ich denke, die Fans sind sauer über die Art und Weise wie Condit gewonnen hat. Er hat eine Kampfstrategie verfolgt und diese durchgezogen, er hat sich im Kampf keinem großen Risiko gestellt und das getan, was er tun musste. So viele Leute nerven mich seitdem, dass ich der Meinung bin, wir können einen Rückkampf auf die Beine stellen, bevor Georges St. Pierre von seiner Verletzung zurückkehrt. Nun kommt es auf Carlos und Nick an, ob sie dies wollen.“