MMA Restliche Welt

Der stärkste Gegner aller Zeiten

GSP begeht nicht den Fehler, Jake Shields zu unterschätzen. Foto by Mark Bergmann/GroundandPound.

Als UFC-Champion trägt man ein Fadenkreuz auf seinem Rücken. Bislang galt Weltergewichtschampion Georges St. Pierre als unantastbare Lichtgestalt, die bis auf weiteres niemand vom Thron stoßen können wird. Am Samstag trifft er auf den hochgefährlich Grappler Jake Shields. Der wird von vielen unterschätzt – zu Unrecht, meint St. Pierre und bezeichnet den Kampf als größte Herausforderung seines Lebens.

Es ist Fight-Week und die großen Namen der UFC durchlaufen einen Medienmarathon, der seines gleichen sucht. Es ist das Debüt der UFC in Toronto und das Aufgebot an PR-Terminen, Interviews, öffentlichen Fan-Events und sonstigen Auftritten ist geradezu wahnwitzig groß. Den wichtigsten Teil ihrer Arbeit haben die Kämpfer nun hinter sich: die Wettkampfvorbereitung. „Ich habe in dieser Woche kein hartes Training mehr, ich konzentriere mich momentan nur darauf, den Ball am rollen zu halten und mein Gewicht zu machen. Mein Körper ist zu schwach für harte Einheiten“, verrät St. Pierre.

Er ist so gut vorbereitet wie möglich, erklärt der UFC-Champion. Nun gilt es, Stress zu vermeiden und ruhig zu bleiben, vor dem großen Kampf. Seine Entourage an Begleitern spielt dabei eine wichtige Rolle. Scherze und Blödeleien lockern das stressige Leben eines Profi-Kämpfers auf. Eine wichtige Aufgabe für sein Team, denn wenn sich in maximal 25 Minuten die Arbeit von Wochen auszahlen muss, kann über Sieg und Niederlage entscheiden, wenn man locker oder verkrampft ist. „Ich stehe natürlich unter Druck“, so St. Pierre. „Aber dadurch werde ich noch besser. Ich bin immer am besten, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe.“

Seit Jahren wartet Jake Shields auf einen Kampf gegen St. Pierre. Dort auch der Champion hat seit längerem ein Auge auf seinen Herausforderer geworfen. Shields gewann Titel in verschiedensten Organisationen und in zwei Gewichtsklassen – etwas, dass GSP bislang nicht gelungen ist und wofür er ihn bewundert. „Ich halte ihn für den besten Kämpfer, dem ich in meiner Karriere je gegenüberstand. Die Messlatte wurde für diesen Kampf sehr, sehr hoch gelegt. Das wird der größte Fight meiner Karriere und ich möchte den großen Jake Shields natürlich schlagen – etwas, das seit sechs Jahren niemand geschafft hat.“

Der Kampf an sich ist Motivation genug für beide Kämpfer, Trash-Talk ist nicht nötig, um sich vor dem großen Abend aufzuheizen. Es herrscht Respekt zwischen St. Pierre und Shields. „Schields wird das Beste aus mir herausholen. Ich werde Waffen einsetzen müssen, die ich vorher noch nie genutzt habe. “

Die wichtigste Waffe von Shields ist sein offensives Jiu-Jitsu. „Im Jiu Jitsu gibt es Schwarzgurte und es gibt Schwarzgurte wie Jake Shields“, erklärt St. Pierre. Viele bezeichnen ihn als den besten MMA-Grappler der Welt. Seinem aggressiven Stil ist schwer beizukommen, einen Gegner nach dem anderen zwingt er in seine gefürchteten Submissions. Und doch geht er als riesiger Außenseiter in den Kampf gegen St. Pierre.

„Die Menschen begreifen nicht, dass man genauso gefährlich wie ein KO-Puncher ist, wenn man sehr gute Submissions beherrscht. Ich kann den gesamten Fight gewinnen, aber wenn ich in der fünften Runde einen Fehler begehe und in einen Armbar gerate, dann muss ich aufgeben oder mein Arm bricht. Submissions sehen nicht so brutal aus wie Knockouts, deshalb unterschätzen sie viele Leute, aber eine Submission ist genauso gefährlich wie ein KO.“

Gegen einen Mann, der einen Kampf in jeder Sekunde beenden kann, kann alles passieren. Vor seiner Karriere als Kampfsportler arbeitete St. Pierre als Türsteher in einem Nachtclub in Montreal. „Ich habe damals versucht, Kämpfe mit Worten zu vermeiden“, erklärt er. Am kommenden Samstag wird er das nicht tun.

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.