MMA Restliche Welt

Der Lohn der Arbeit

Kurze Karrieren und wenig Absicherung: Viele MMA-Kämpfer haben im Alter finanzielle Probleme. Dana White hat eine Lösung. Foto by Mark Bergmann/Groundandpound.de

Ist es die drohende Gewerkschaftsbildung, Imagepflege für die Öffentlichkeit, oder einfach ein Gefühl von Moral und Anstand, das die Verantwortlichen von Zuffa treibt? In jedem Fall profitieren die Kämpfer von Maßnahmen wie der kürzlich beschlossenen Verletzungsversicherung. Kaum ist diese Nachricht verhallt, schickt Dana White sogleich die nächste hinterher und äußert sich positiv zur Frage einer Alterspension für ehemalige Kämpfer.

Das Profidasein im MMA-Sport ist vor allem für Einsteiger kein leichtes. Wer es nach oben schaffen will, der muss regelmäßig bis zur völligen Erschöpfung trainieren, darf nicht trinken oder rauchen und hat jederzeit bereit zu stehen, wenn es der UFC einfallen sollte, ihn kurzfristig für einen Kampf zu buchen. Dort steht man sich dann einem Gegner gegenüber, der die gleichen Härten auf sich genommen hat und kein Stück weniger hungrig ist als man selbst. Läuft es gut, geht man mit erhobener Hand, ein paar blauen Flecken und genug Geld nach Hause, um das Training bis zum nächsten Kampf zu bezahlen. Läuft es schlecht, verlässt man den Käfig mit gesenktem Haupt, gebrochenen Knochen und einer mageren Gage - zur psychischen Demütigung und den physischen Schmerzen treten dann nicht selten auch noch finanzielle Sorgen. Keine Frage: Wer damit fertig werden will, der darf keine Bausparermentalität haben.

Doch auch die wenigen, die echten Star-Status erreichen, haben damit nicht unbedingt ausgesorgt. Nicht selten verschleudern Kämpfer das plötzlich so reichlich vorhandene Geld, kaufen all die Luxusgüter, von denen sie bisher nur träumen konnten auf einmal, und pfeifen gepflegt auf finanzielle Rücklagen und langfristige Investitionen - keine Bausparermentalität eben. Dabei wäre gerade im MMA-Sport eine umfassende Altersvorsorge dringend notwendig, denn "in Rente" gehen die Kämpfer ganz sicher nicht mit 67, sondern in aller Regel zwischen 35 und 40. Was geschieht, wenn schlechte Finanzplanung mit rechtlichen Problemen und dem eher grobmaschigen sozialen Sicherungsnetz der USA zusammentrifft, zeigen traurige Beispiele wie Ken Shamrock. In den Anfangstagen der UFC einer der größten Stars und Pioniere des Sports, tritt der schwer verschuldete 47-Jährige heute in zweitklassigen Organisationen gegen drittklassige Gegner an - und zieht dabei zumeist den Kürzeren.

Die Athleten der UFC sind sicher nicht die einzigen, die nach dem Ende ihrer kurzen Karrieren mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Laut der amerikanischen Zeitschrift "Sports Illustrated" sollen beispielsweise sagenhafte 78% aller ehemaligen NFL-Spieler insolvent sein oder zumindest finanziell Not leiden. Eine solche Altersarmut ist ein echtes Problem - zum einen natürlich für die Sportler selbst, zum anderen für das Image des Sports in der Öffentlichkeit. Wer vorausschauend plant, der sieht sich schon frühzeitig nach alternativen Verdienstmöglichkeiten jenseits der 40 um: So wie z.B. UFC-Star Quinton "Rampage" Jackson, der bereits in der Vergangenheit als "B.A. Baracus" im "A-Team" zu sehen war und ganz offen zugibt, seine MMA-Karriere an den Nagel hängen zu wollen, sobald sich für ihn in Hollywood ähnliche Verdienstchancen auftun.

Immerhin: Zuffa ist sich des Problems bewusst und arbeitet an mehreren Fronten gleichzeitig an seiner Lösung. Bereits seit Längerem bietet das Unternehmen seinen Athleten auf dem alljährlichen "Fighters Summit" Lesungen und Seminare zum Thema Finanzplanung an. Ab nächstem Monat sind zudem alle UFC- und Strikeforce-Kämpfer für (Trainings-)Verletzungen versichert - ein großer Fortschritt in der bisher sehr prekären medizinischen Absicherung der Sportler. Doch womöglich ist das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht: Wie UFC-Präsident Dana White gestern bekannt gab, sei für die Zukunft auch die Zahlung einer Pension an ehemalige Kämpfer denkbar. Wohlgemerkt handelt es sich dabei zur Zeit nur um ein Gedankenspiel und White betonte die Schwierigkeiten einer querfinanzierten Altersrente: "Kämpfer wollen mit niemandem teilen. Sie wollen ihre gesamte Gage und zwar sofort - einen Teil davon einzubehalten und für sie anzulegen wäre nicht gerade einfach". Trotzdem zeigte der Vorstand der Liga sich gegenüber der Idee grundsätzlich aufgeschlossen und zieht eine Kämpferpension auf lange Sicht in Betracht: "Es klingt wie eine gute Idee, die man umsetzen sollte".