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Demenz bei Gary Goodridge diagnostiziert

Garry Goodridge ist am sogenannten Boxer-Syndrom erkrankt. (Foto: Mark Bergmann/GroundandPound)

Während die Alzheimer-Erkrankung des früheren Schalke 04-Managers Rudi Assauer durch die einschlägige TV-Berichterstattung noch immer jedem im Gedächtnis ist, tauchten zuletzt kaum ähnliche Berichte über Kampfsportler auf. Vor allem im noch recht jungen MMA-Sport geht die Anzahl der Meldungen über schwerwiegende Langzeitfolgen gegen Null. Bis jetzt, ein kanadisches Ärzteteam hat Demenz bei dem K-1- und MMA-Veteranen Gary Goodridge diagnostiziert.

Der 46-jährige frühere UFC-, Pride- und K-1-Kämpfer leidet an einer Form der sogenannten chronisch-traumatischen Enzephalopathie, der Dementia Pugilistica, einer neuralen Dysfunktion, die durch wiederholte Schädel-Hirn-Traumata hervorgerufen wird und in der Vergangenheit bereits bei vielen Eishockey- und Footballspielern, aber vor allem Boxern diagnostiziert wurde. Daher auch der Name "Boxer-Syndrom" oder "Faustkämpferisches Parkinson-Syndrom".

Die Krankheit ähnelt ähnelt dem bekannten Parkinson-Syndrom "Morbus Parkinson" und kann zu einer Verminderung der Koordinationsfähigkeit, Sprachproblemen und langfristig zu demenz-typischen Symptomen, wie Vergessen und ungewöhnlichem Verhalten führen. Die wohl prominentesten Opfer der Dementia Pugilistica sind die früheren Box-Weltmeister Jack Dempsey und Joe Louis. Eine Heilung gegen die Erkrankung existiert bislang nicht, verschiedenste Medikamente lindern lediglich die Symptome und zögern den Krankheitsverlauf heraus.

"Du bekommst diese Nachricht und musst damit klar kommen, damit leben", so Goodridge gegenüber den Kollegen von MMAWeekly, auf die Frage, wie er die Diagnose aufgenommen hat. Obwohl erwiesen ist, dass wiederholte Kopfverletzungen Ursache für seine Krankheit sind, bereut Goodridge, der in seiner fast zwanzigjährigen Kickbox- und MMA-Karriere in unzählige Schlachten verwickelt war, nach eigener Aussage nichts:

"Ich liebe die Art, wie ich mein Leben führe. Ich würde vielleicht kleine Dinge anders machen, aber generell liebe ich mein Leben, wie es war. Ich bedaure nichts, es war ein schönes Leben und ich bin glücklich darüber, was ich alles erreicht habe."

"Big Daddy" Goodridge macht die langen Jahre im K-1-Ring maßgeblich dafür verantwortlich, dass sein Gehirn einen solchen Schaden davongetragen hat:

"MMA war kein großes Problem, dort bekommt man so gut wie keine Treffer vor den Kopf", so Goodridge. "90 Prozent meiner Kopfverletzungen kamen aus K-1-Kämpfen, wo man praktisch ausschließlich und immer wieder Treffer vor den Kopf kriegt."

Offiziell stand Goodridge in 38 K-1-Duellen, hinzu kommen 46 MMA-Fights. Bekanntheit gewann er dabei hauptsächlich durch seine Kämpfe bei den japanischen Organisationen Pride FC und K-1. Seinen ersten MMA-Kampf bestritt er 1996 bei UFC 8, wo er Paul Herrera und Jerry Bohlander besiegen konnte, bevor er später im Finale gegen Don Frye ausschied. Während seiner Karriere stand er mit Kampfsportlegenden wie Peter Aerts, Remy Bonjasky, Fedor Emelianenko und Minotauro Nogueira im Ring.

Anfang 2011 gab Goodridge seinen Rücktritt vom aktiven Kampfsportgeschehen bekannt. Vor kurzem veröffentlichte er seine Autobiografie und möchte nun, trotz der Krankheit, weiterhin seinen Teil zum Sport beitragen. In Seminaren wird "Big Daddy" sein Wissen an junge Talente weitergeben.

Die GroundandPound-Redaktion wünscht diesem Urgestein der internationalen Kampfsportszene alles erdenklich Gute.