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Das Bellator-Dilemma

Eddie Alvarez: Wo führt ihn der nächste Sprung hin? (Foto: Sherdog)

Bellator… der große Star… Zugpferd… Champion-Klausel… Titel- und Turnierkämpfe… UFC… Anreize und Angebote… Optionen, Fragen und Entscheidungen…Marktwert… japanisches Vorbild

Eddie Alvarez ist der größte Star im Kader von Bellator. Seit der Debütveranstaltung ist er nicht nur Teil der Organisation, sondern auch deren Zugpferd und brachte Bellator von Beginn an Aufmerksamkeit ein. Alvarez sollte dabei helfen, den „Latino-Markt“ anzusprechen und stellte damit ein zentrales Element im Marketing von Bellator dar. Er erfüllte die Erwartungen, die an ihn gesetzt wurden und krönte sich im ersten Leichtgewichtsturnier zum Champion.

Durch eine Champion-Klausel konnte sich Bellator auch sicher sein, dass das Zugpferd der Organisation erhalten bleibt. Nach seinem Titelverlust an Michael Chandler ist er jedoch nicht mehr an diese Vertragsklausel gebunden. Somit steht es ihm nun frei, nach Ablauf des Vertrags einen neuen Weg in seiner Karriere einzuschlagen. Einen einzelnen Kampf hat das Leichtgewicht noch in seinem bestehenden Vertrag mit Bellator, diesen wird er gegen Shinya Aoki bestreiten, wie bereits bekannt gegeben wurde. Doch wie geht es anschließend weiter mit dem ehemaligen Leichtgewichtschampion?

Die UFC scheint bereits an die Tür des Amerikaners zu klopfen und auch Alvarez soll einem Deal mit der führenden MMA-Organisation nicht abgeneigt sein. Verständlich, welcher ehrgeizige Athlet möchte sich nicht mit den Besten der Besten messen? Darüber hinaus scheinen auch die Verhandlungen zwischen Alvarez und Bellator alles andere als gut zu laufen. Berichten zufolge liegen die Vorstellungen beider Parteien „meilenweit“ voneinander entfernt.

Die Tage von Eddie Alvarez bei Bellator scheinen damit gezählt zu sein. Bellator wird es schwer haben, dem 28-jährigen genug Anreize zu bieten um ihn bei Stange zu halten. Neben dem finanziellen Aspekt, der dazu führen könnte, dass Bellator seine Ressourcen überbeansprucht, lässt auch das System von Bellator kaum interessante Optionen für Alvarez offen.

Einen Platz in einem Leichtgewichtsturnier hatte man ihm angeboten, um sich erneut einen Titelkampf zu erkämpfen. Sich mit einer Reihe an aufstrebenden Kämpfern messen zu müssen, kann jedoch zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere nicht im Interesse des Kämpfers liegen. Einen Rückkampf um den Leichtgewichtstitel gegen Michael Chandler lässt jedoch das Konzept von Bellator nicht zu, da ein Titelkampf lediglich über ein Turnier erreicht werden kann.

Es scheint als hätte Bellator nur zwei Optionen: Alvarez gehen zu lassen oder das Konzept zu ändern. Würde man jedoch Titelkämpfe ohne Turniere vergeben, wäre das ganze Turniersystem hinfällig. In diesem Dilemma befindet man sich derzeit. Es wäre zwar möglich, das Turnierkonzept abzuschaffen, wofür der Wechsel zu SpikeTV einen passenden Übergang darstellen kann, man würde damit jedoch auch sein Alleinstellungsmerkmal verlieren. Schließlich sind es die Turniere über die man sich von der Konkurrenz differenziert. Außerdem ist der Kader in der aktuellen Form nicht tief genug, um ohne Turniere auszukommen. Zurzeit kämpft ein Kämpfer bis zu dreimal in relativ kurzer Zeit, ohne Turnier wäre dies schwer vorstellbar. Es wäre machbar, aber schwierig einen soliden Pool an Kämpfern zu präsentieren.

Auch die Champion-Klausel stellt ein gewisses Problem dar, weil es dadurch schwer ist, Top-Kämpfer zu akquirieren, da sich diese nur ungern an eine kleinere Organisation binden wollen. Letztendlich hat (fast) jeder Kämpfer den Sprung in die UFC als Ziel, um dort den Durchbruch zu schaffen. Bellator ist damit vor schwierige Entscheidungen gestellt. Will man das Turnierformat und die Champion-Klausel beibehalten? Kann und will man mit Eddie Alvarez den größten Star halten? Und ist er es überhaupt wert? Aus sportlicher Sicht, ist Alvarez zweifellos ein Top-Kämpfer. Doch aus wirtschaftlicher Sicht? Tatsächlich ist Eddie Alvarez nicht übermäßig bekannt in Amerika und es deshalb auch nicht wert, ihn mit allen Mitteln zu halten. Zu viele Organisationen haben in der Vergangenheit den Fehler gemacht, Kämpfer über ihre Verhältnisse zu bezahlen und sind daran zu Grunde gegangen. 

Eddie Alvarez ist der erste Kämpfer, der Bellator zu entsprechenden Überlegungen zwingt. Er wird jedoch nicht der einzige Athlet bleiben, dessen Marktwert zu hoch für Bellator steigt. Kämpfer wie Hector Lombard, Cole Konrad oder Michael Chandler könnten bald zu einer ähnlichen Situation werden.

Die eigentliche Frage ist, welche Rolle Bellator auf lange Sicht im MMA-Geschäft einnehmen will und vor allem kann? Es scheint nahezu unmöglich, dass man zu einer ernsthaften Konkurrenz für die UFC aufsteigt. Will man dauerhaft bestehen bleiben, bleibt wohl nur die Möglichkeit, sich als B-Liga zu etablieren und damit als Talentschmiede für die UFC zu fungieren. Vielleicht sollte man sich am japanischen System orientieren, wo Organisationen wie DEEP als Talentschmiede für DREAM dienen und damit kein Feindbild darstellen, sondern zum Partner werden. Eine derart symbiotische Beziehung könnte auch in Amerika funktionieren, immerhin ist die UFC stetig auf neue Talente angewiesen. Im Windschatten der UFC lässt sich sicherlich ein gutes Leben führen...


Daniel Scherhammer ist stellvertretender Chefredakteur von GroundandPound. Er berichtet über Mixed Martial Arts (MMA) und Grappling. Für noch mehr News, Gerüchte und Meinungen, folgt ihm auf Twitter: @DanielS_GnP.