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Dana White erklärt legalem Doping den Krieg

Dana White will TRT-Sünder bekämpfen. (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

TRT – Testosteron-Ersatz-Therapie. Dieses Wortungetüm ist im MMA-Sport seit Monaten in aller Munde. Sportler dürfen mit ärztlicher Genehmigung praktisch legal dopen. Nun will UFC-Präsident Dana White dem einen Riegel vorschieben.

Doping ist Betrug und Betrug ist verboten. Das ist auch in der UFC so. Dennoch gewährt die moderne Sportmedizin Kämpfern ein Schlupfloch, das aktuell immer mehr Sportler ausnutzen: die Testosteron-Ersatz-Therapie (Testosterone Replacement Therapy – TRT). Die Idee hinter TRT ist es, Menschen mit zu geringen Testosteron-Werten, wie Alte oder Kranke, mit regelmäßigen Dosen des Hormons zu versorgen und so deren Testosteronspiegel auf ein Normalmaß anzuheben. Eine Behandlung, der sich vor allem in den letzten Monaten immer mehr Sportler in der UFC unterziehen.

Der Verdacht liegt nahe, dass nicht alle dieser Kämpfer tatsächlich auf den ärztlich verordneten Testosteronschub angewiesen sind, sondern sich dadurch einen Vorteil, vor allem im körperlich stark belastenden Trainingslager verschaffen.

„Ich glaube, dass sich gewisse Kämpfer in der Wettkampfvorbereitung bis oben hin mit Testosteron vollpumpen und die Dosen gegen Ende herunterfahren, um am Kampfabend lediglich die erlaubte Testosteronmenge im Blut zu haben“, so ein aufgebrachter Dana White auf der Abschlusspressekonferenz zu UFC on Fuel TV 7, in London, England, in der Nacht zum Sonntag. „Das ist Betrug und es gefällt mir nicht.“

Messgröße für den Testosteronspiegel ist das sogenannte Testosteron-zu-Epitosteron-Verhältnis im Blut eines Menschen (T/E-Ratio). Bei einem normalen Menschen beträgt dieses Verhältnis in etwa 1:1, die Richtlinien der US-amerikanischen Sportbehörden erlauben eine Ratio von bis zu 6:1. Zum Vergleich: Alistair Overeems positive Dopingprobe ergab eine T/E-Ratio von 14:1, Chael Sonnen hatte nach seinem ersten Kampf gegen Anderson Silva sogar ein Verhältnis von 17:1 im Blut.

Auffällig ist, wie viele Berufssportler aktuell an der Diagnose „Testosteronmangel“ leiden. Prominente UFC-Kämpfer, die sich öffentlich zu TRT bekennen, sind u.a. Chael Sonnen, Vitor Belfort oder Dan Henderson. White dazu: „Wenn ihr zu niedrige Testosteronwerte habt, dann seid ihr vielleicht einfach nur zu alt zum kämpfen.“

UFC-Mittelgewicht Michael Bisping fand in London während einer Fragerunde mit Fans, im Rahmen des offiziellen Wiegens, etwas deutlichere Worte: „Vielleicht ein Prozent der Weltbevölkerung leidet an zu niedrigen Testosteronwerten, komischerweise aber gleich ein ganzer Haufen Berufskämpfer. [...] Ich sage euch warum man an Testosteronmangel leidet: Weil man sich früher ganz einfach verdammte Steroide in den Arsch geschoben hat!“

Bisping hatte im Januar einen Kampf gegen Vitor Belfort durch T.K.o. in Runde zwei verloren. Belfort macht keinen Hehl aus seiner Testosteron-Therapie. Seit der Niederlage hatte sich Bisping mehrfach öffentlich gegen TRT positioniert. Und damit ist er nicht der einzige.

Sein Landsmann Tom „Kong“ Watson forderte nach seinem Sieg über Stanislav Nedkov, im Vorprogramm von UFC on Fuel TV 7, noch im Octagon alle TRT-„Betrüger“ dazu auf, gegen ihn anzutreten.

„Ins Kinn könnt ihr euch nichts spritzen“, so Watson auf der anschließenden Pressekonferenz. „Und auch nicht ins Herz.“

Während UFC-Präsident White dem Thema TRT noch vor wenigen Monaten neutral gegenüberstand, fährt er nun laut eigener Aussage eine Null-Toleranz-Strategie:

„Es ist legal, aber es gefällt mir nicht. Weil es Leute gibt, die eine eigentlich gute Sache nehmen und sie zu etwas Schlechtem missbrauchen“, so White, der den anwesenden Journalisten versprach, seine Kämpfer künftig nicht mehr nur unmittelbar vor Kämpfen, sondern auch während der Trainingslager stichprobenartig zu testen.

Wie genau das funktionieren und finanziert werden soll, dazu konnte er jedoch noch keine Angabe machen. „Lasst uns erst einmal kleine Schritte machen Leute“, wiegelte der UFC-Präsident ab und ließ in seiner unverwechselbaren Art eine Drohung an all seine Kämpfer folgen:

„Alle, die momentan TRT benutzen: Seht euch vor, denn wir werden euch testen bis der Arzt kommt!“