Grappling

TapouT Cup auf der FIBO

Malte Janssen und Stefan Larisch boten sich einen klasse Kampf. (Alle Fotos via GroundandPound)

Es ist schon fast wie leergefegt. Einige Fans holten sich nach dem Ende der Veranstaltung mit der gerade erst erschienenen GroundandPound-Journal-Ausgabe Autogramme von den Akteuren. Die Deutsche Einzelmeisterschaft der Deutschen Grappling Liga ist vor wenigen Minuten beendet worden. Das Finale der schweren Jungs hatte den Glanzpunkt zum Abschluss der Kämpfe gesetzt. Die Mattenflächen waren jetzt menschenleer. Eine Halle daneben wurden sie aber dann noch gefeiert, die Sieger, die Athleten, die Veranstaltung an sich. Auf der großen Bühne wurden die Sieger geehrt, für ihr Engagement und ihren Siegerwillen. Lautstarker Beifall der Zuschauer beim Aufrufen die Grappling-Asse.

Nachdem der letzte ausgezeichnet wurde, saßen die Veranstalter Franco De Leonardis und Daniel Ackerman zufrieden zusammen. Sie analysierten kurz und gingen dann zum Aufräumen wieder in die Austragungshalle zurück.

Der TapouT-Cup 2011 war damit offiziell beendet.

Noch ein paar Stunden zuvor versammelten sich ein noch nie dagewesener Haufen der Deutschen Spitzengrappler auf den Matten der Halle 9. Die FIBO hatte den Veranstaltern des TapouT-Cups eine große Kampffläche zur Verfügung gestellt. Die Fläche war so geräumig, dass viele Zuschauer die Kämpfe verfolgen konnten.

Nachdem sich die Athleten wie ein Gregor Herb, Malte Janssen, Stefan Larisch, Jonas Billstein, Fatih Balci, Welton Duarte, Cengiz Dana, Gero Mayer und viele andere zur Regelbesprechung getroffen hatten, wurde nun ernst gemacht.

Die unter 65kg-Gewichtsklasse machte den Anfang. Neben Franco De Leonardis und Daniel Ackerman, war auch der erfahrene Kieler Mattenrichter Göksel Böttcher (Headinstructor der European Krav Maga Organization) als Unparteiischer den ganzen Tag unterwegs. Er sagte zur Veranstaltung: „Super Stimmung, schöne und faire Kämpfe! Wie immer bei solchen Turnieren sehr viel Gemeinschaftssinn und gegenseitige Unterstützung der Teams.“

Franco De Leonardis hatte neben dem vielen Lob aber auch Dinge bemerkt, die er abstellen möchte: „Auch wenn viele sagen, es war eine gelungene Veranstaltung, sehe ich noch viele Punkte, an denen man arbeiten muss.“

Und weiter: „Man könnte zufrieden sein, aber die Wahrheit ist, es ist noch ein langer Weg, damit ich sagen könnte, es war gut!“ De Leonardis wird dann konkreter und definiert die Ziele: „Vielleicht bin ich kleinlich, aber ich will Grappling ganz oben sehen bei den Profis. Dazu muss man die Sache immer objektiv betrachten und die Fähigkeit behalten, in der schönsten Sache das Hässliche zu sehen. Wie Jiu-Jitsu! Es sind immer wieder die Details, die entscheidend sind für Sieg oder Niederlage!“

Wie die Worte von De Leonardis, so auch die Kämpfe auf der Mattenfläche. Spitzengrappling, hart, aber fair. Mattenschach zum Genießen. Viele Grappler nutzen die Deutschen Einzelmeisterschaften, um ihren Marktwert zu testen. Da viele Sponsoren anwesend waren, gaben alle ihr Bestes.

Ein gerade erst im Januar gekürter Deutscher Mannschaftsmeister mit Sparta Essen wurde auch Deutscher Einzelmeister! Ein überglücklicher Ali Selcuk Ayin sicherte sich im Finale gegen David Hante durch einen Guillotine- hoke den Titel.

Doch nicht nur die Sieger waren die Gewinner, sondern alle anderen auch. Das geht vor allen Dingen auch an die unterlegenen Finalgegner. Bei den schweren Jungs war der Geheimfavorit Christian De La Roca am Ende nur Zweiter. Mit viel Hingabe kämpfte er sich durch die Runden bis ins Finale. Dort unterlag er dem Sambo-Spezialisten Alexander Petrajtis. Dazu De La Roca: „„Ich fühle mich wie so ein alter Bär, der gerade von einer neuen Bande von jungen Bären vermöbelt worden ist. Mein ganzer Körper ist ein blauer Fleck, aber es war ein tolles Turnier und es ist ein fantastisches Gefühl, noch mithalten zu können.“

„Leider hat es dann aber nicht gereicht gegen Alex Petrajtis. Der hat echt bärenstark gekämpft und ist jetzt zu Recht DGL-Meister in der Titanen-Klasse! Und war auch toll zu zeigen, dass wenn auch nicht so oft, dass wir großen Jungs auch in den wichtigen Momenten uns schnell zu bewegen wissen.“

Noch mehr Lob ging an andere Kollegen: „Aber die Vorstellung von Malte Janssen und Gregor Herb haben mich auch sehr beeindruckt. So unglaublich schnell, präzise und professionell. Ich bin eigentlich stolz darauf, dass wir dort etwas Tolles gezeigt haben, was wir alle lieben und was ja nicht jeder so ganz kennt. Die Kameradschaft zwischen den Kämpfern und die Atmosphäre war auch toll! Großes Lob an Franco und an die DGL-Leute und natürlich Dank an Tapout!“

Auch der Kölner Lokalmatador Stefan Larisch hatte es im Halbfinale mit dem Supergrappler Malte Janssen zu tun. Der zwar auf Grund einer Knieverletzung vier Wochen nicht trainiert hatte, aber dennoch hellwach und konzentriert war: „Es hat viel Spaß gemacht und die FIBO ist ein echt cooler Rahmen für so ein Turnier!“ Janssen selbst war mit seinen Leistungen sehr zufrieden. Er hat damit schon sein viertes Turnier von vier Teilnahmen in diesem Jahr gewonnen.

Aber auch abseits der Matten haben sich die Hochkaräter die Klinke in die Hand gegeben. Die UFC-Fighter Carlos Eduard Rocha, Dennis Siver und Pascal Kraus waren anwesend. Auch der erste deutsche TUF-Teilnehmer Nordin Asrih war an der Matte zu finden. Er fungierte als Coach. Highlight war aber die lebende UFC- und BJJ-Legende Royce Gracie. Er nahm sich ebenfalls die Zeit, seinen Fans Rede und Antwort zu stehen.

Man hat mit dem TapouT-Cup auf jeden Fall ein neues Kapitel in Sachen Grappling in Deutschland aufgeschlagen. Durch die hohe Qualität der Athleten und die großen Namen auf diesem Event, hat man sich viele neue Fans erschlossen. Thomas Seeger (21) aus Aachen hat es sehr gut gefallen: „Mir hat das Grappling super gefallen. Ich kannte diese Variante vorher noch nicht. Ich werde mir auf jeden Fall einen Verein suchen.“ Auch Maja Dunkel (26) aus Dortmund war sehr vom Grappling angetan: „Das war fantastisch! Sehr schön anzusehen. Grappling wäre auch was für mich.“ Auch die Kleinsten wie Daniel Schirrmann (8) aus Leipzig war begeistert: „Superklasse. Ich mache Ringen, Grappling finde ich aber noch besser.“

TapouT Cup - Deutsche Einzelmeisterschaften
16. April 2011
FIBO, Essen

-65 kg
Ali Ayin vs. David Hante

-70 kg
Edin Bektas vs. Kaan Yesiller

-75 kg closed out
Maurice Skober und Etienne Steffen
(wollten nicht gegeneinander kämpfen, weil vom gleichen Team)

-80 kg
Malte Jansen vs. Marc Becker

-85 kg
Harun Ucal vs. Konrad Dedy

-90 kg
Gregor Herb vs. Marijan Dencic

+90 kg

Alexander Petrajitis vs. Christian De La Roca

Interviews gibt es unter http://www.groundandpound.de/gnp-tv/ zu sehen! Schaut einfach mal vorbei.