MMA Restliche Welt

Brasilien gegen den Rest der Welt

Foto via www.yorkblog.com.

Zum ersten Mal seit 13 Jahren wird Ultimate Fighting Championship am 27. August an die Copacabana reisen und eine Show im Mutterland des Brazilian Jiu Jitsu, des Luta Livre, des Vale Tudo und damit auch des Mixed Martial Arts-Sports veranstalten. Gestern fand in Rio de Janeiro eine erste Pressekonferenz statt.

„Für mich ist die UFC zum ersten Mal in Brasilien, denn es ist das erste Mal, seit wir die Organisation besitzen“, begann UFC-Präsident Dana White seine Rede und spielte damit auf sich und die Fertitta-Brüder an, die das schwächelnde Unternehmen 2001 gekauft und grundsaniert hatten. Und White hat große Pläne für den erneuten Markteintritt in Brasilien.

„Wir werden unsere Kampfabende nicht nur nach Rio bringen, sondern wir kommen nach ganz Brasilien. Und es wird nicht nur Pay-Per-View-Großveranstaltungen geben, sondern auch Fight Nights“, versicherte er den anwesenden Journalisten.

Für das Debüt der Zuffa-UFC in Rio de Janeiro hat Matchmaker Joe Silva eine Fightcard zusammengestellt, die vor hochkarätigen Begegnungen mit brasilianischer Beteiligung geradezu strotzt. „Wie die brasilianische Fußballmannschaft gegen den Rest der Welt“, beschreibt Anderson Silva die Besetzung des Events. Der UFC Mittelgewichtschampion wird im Hauptkampf der Veranstaltung auf Pflichtherausforderer Yushin Okami treffen.

„Anderson Silva ist der beste MMA-Kämpfer der Welt. Punkt“, versicherte Dana White mehrfach im Laufe der Pressekonferenz und machte noch einmal deutlich, dass sein Champion seit mittlerweile über fünf Jahren ungeschlagen ist und seinen Titel rekordverdächtige acht Mal verteidigen konnte. Das Interessante an dem Duell gegen Okami: Der Japaner ist der letzte Mann der die „Spinne“ in einem MMA-Kampf besiegen konnte.

„Ich möchte dich berichtigen“, wandte sich Silva postwendend an White, als der den Journalisten diesen Zusammenhang verdeutlicht hatte. „Ich habe nie (gegen Yushin Okami) verloren.“ Bei Rumble on the Rock 8, in Honolulu, Hawaii, wurde Silva disqualifiziert, nachdem er dem in seiner Guard knienden Okami einen illegalen Upkick zum Gesicht verpasst hatte.

Einen oft diskutierten und von den Fans seit langem geforderten Kampf zwischen Silva und Weltergewichtschampion Georges St. Pierre wischte White ein weiteres Mal vom Tisch: „Wir haben nie gesagt, dass es einen solchen Kampf geben würde. Yushin Okami hat sich seine Titelchance verdient.“ Was nach diesem Kampf passieren würde, könne man nie wissen, fuhr der UFC-Präsident fort. Einen Kampf gegen St. Pierre, und auch ein Duell gegen Halbschwergewichtschampion Jon Jones schloss White nicht aus, bestätigte aber auch nichts. „Wer weiß, alles ist möglich“, wiegelte er weitere Fragen zum Thema ab. Auch Anderson Silva selbst zeigte sich einem neuerlichen Ausflug ins Halbschwergewicht gegenüber wenig begeistert: „Ich möchte im Mittelgewicht bleiben. In unserem Team haben wir „Minotouro“ (Antonio Rogerio Nogueira) und „Feijao“ (Rafael Cavalcante), und wollen uns nicht untereinander Konkurrenz machen. Wir nehmen das sehr ernst“, so der UFC Mittelgewichtschampion.

Im Co-Hauptkampf von UFC: Rio kommt es zu einem Rückkampf zwischen den beiden Ex-Halbschwergewichtschampions Mauricio „Shogun“ Rua und Forrest Griffin. Im ersten Aufeinandertreffen 2007, bei UFC 76, konnte Griffin Rua in der dritten Runde mit einem Rear-Naked Choke zur Aufgabe zwingen.

„Ich fühle mich geehrt, hier in Brasilien gegen Shogun zu kämpfen“, so Griffin. „Ich weiß, er war bei unserem ersten Duell nicht 100-prozentig fit, ich denke aber trotzdem, dass es für die Fans ein super Fight war.“ Auf die Frage, ob er sich für die Zukunft auch einen Rückkampf gegen Anderson Silva wünschen würde, antwortete er nur lachend: „Ich passe.“ Silva hatte Griffin 2009, bei UFC 101, in der ersten Runde ausgeknockt.

Der dritte große Kampf auf der Card für UFC 134 ist die Begegnung zwischen Ex-Pride- und UFC-Champion Antonio „Minotauro“ Nogueira und Schwergewichtshoffnung Brendan Schaub. Laut Dana White ist der Gewinner dieses Duells mittendrin im Rennen um den UFC Schwergewichtsgürtel. Wobei Nogueira sehr deutlich machte, einen Kampf gegen seinen Freund und Trainingspartner Junior dos Santos – sollte der den derzeitigen Champion Cain Velasquez später in diesem Jahr entthronen können – nicht annehmen zu wollen. „Alle die aus unserem Gym kommen, kämpfen nicht gegeneinander“, versicherte „Big Nog“. „Wir betreiben schließlich kein Tennis. Ein Kampf ist eine ernste Sache.“

Für Nogueira wird dies der erste Kampf nach über 18 Monaten sein, da schwerwiegende Probleme mit Knie und Hüfte ihn zu einer längeren Pause gezwungen haben. Auf die Frage, ob seine Rückkehr in das Octagon nicht ein wenig verfrüht käme, antwortete er: „Die Show ist in Brasilien, ich durfte sie also auf keinen Fall verpassen. In all meinen 40 Kämpfen hatte ich nie die Chance, in Brasilien anzutreten.“

Sein Gegner Brendan Schaub lässt sich vom großen Namen der MMA-Legende offenbar nicht beeindrucken und strotze bereits auf der Pressekonferenz vor Selbstbewusstsein. „Ich denke, im Stand bin ich besser. Ich habe aber auch keine Angst, mit ihm auf den Boden zu gehen. Ich liebe Jiu Jitsu und schlage meine Gegner gern mit ihren eigenen Stärken“, so Schaub.

Am 27. August heißt es also nicht nur Silva vs. Okami, Rua vs. Griffin oder Nogueira vs. Schaub, es heißt: Brasilien gegen den Rest der Welt. Für die brasilianische Garde ist es dabei eine Ehrensache, ihr Land vor heimischem Publikum zu vertreten: “Es hat uns schon immer motiviert, wenn die Brasilianer mit uns mitgefiebert haben. Nun hier in Brasilien zu kämpfen, ist ein Traum, der wahr geworden ist“, freut sich Antonio Nogueira.

Doch während sich die brasilianischen Kämpfer in Rio vom frenetischen Jubel ihrer Landsmänner nach vorn peitschen lassen können, erwartet viele ihrer Gegner das unangenehme Gefühl eines Auswärtsspiels. Okami, Griffin und Schaub zeigten sich davon, zumindest auf der Pressekonferenz, jedoch noch ziemlich unbeeindruckt.

„Ich bin es gewohnt, außerhalb meines Heimatlandes zu kämpfen“, sagte Okami. „Ich bin auch in den USA ausgebuht worden, als ich gegen Cro Cop gekämpft habe“, erklärte Brendan Schaub. „Je mehr Druck man hat, umso besser wird man auf einen künftigen Titelkampf vorbereitet.“

Forrest Griffin brachte es abschließend auf den Punkt: „Sobald man in den Käfig steigt, bekommt man sowieso nichts mehr mit.“