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Bellator-Champion Rafael Lovato wegen Hirn-Erkrankung vor Karriere-Aus

Ungewisser Blick in die Zukunft: Rafael Lovato Jr. (Foto: Bellator MMA)

Im Juni gewann Rafael Lovato Jr. den Mittelgewichtstitel von Bellator MMA nach Punkten gegen Gegard Mousasi. Der 36-Jährige hat sich in den Monaten seit dem Sieg rar gemacht. Aus nachvollziehbarem Grund, denn beim Amerikaner wurde ein Kavernom, eine Gefäßmissbildung im Gehirn entdeckt.

Geht es mit der Kampfsportkarriere von Rafael Lovato Jr. noch weiter? Derzeit sieht es schlecht aus für den 36-jährigen Amerikaner, der eigentlich am vergangenen Wochenende in Inglewood einen Rückkampf gegen Gegard Mousasi bestreiten sollte, bevor die kalifornische Kommission einschritt und den Kampf absagen ließ. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn bei Lovato Jr. wurde eine seltene erbliche Hirnkrankheit entdeckt, als er sich im Vorfeld des ersten Duells gegen Mousasi einem Hirnscan unterzog.

„Ich habe gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist“, erklärte Lovato in der JRE MMA Show von Joe Rogan. „Der Radiologe hat mich knallhart, ohne es zu beschönigen, gefragt, ob ich mir mal mein Gehirn angesehen hätte. Da wäre Zeug, was ich mir mal lieber ansehen solle. Er nimmt mich also mit in den Raum und zeigt mir auf der Aufnahme meines Gehirns diese kleinen Bälle. Es sah aus, als wäre etwas nicht normal, verschiedene Verfärbungen. Man hat sofort gesehen, dass etwas nicht gestimmt hat. Er selbst wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was es war.“

„Ich komme am nächsten Tag zurück und er erklärt mir, dass er Nachforschungen angestellt hat und er glaubt also, dass ich eine Krankheit namens Kavernom habe. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet. Er hat sich geweigert, mir die Freigabe für den Kampf zu erteilen. Er hat gesagt, ich soll einen Spezialisten aufsuchen und er würde mich nicht kämpfen lassen. Ich sollte lieber nicht kämpfen.“

Kavernome sind angeborene Gefäßmissbildungen im Gehirn oder Rückenmark, die als Gefäßknoten bis zu einem Durchmesser von 2 Zentimeter anwachsen können. Kavernome können Hirnblutungen, epileptische Anfälle und chronische Kopfschmerzen verursachen. Als Folge eines blutenden Kavernoms können auch neurologische Defizite wie Lähmungen, Sprach-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen auftreten.

Trotz der Diagnose machte sich Lovato anschließend zum Trainings-Camp nach Brasilien auf und suchte sich vor Ort weitere Ärzte, darunter einen der besten Neurologen des Landes. Dieser erteilte ihm die Freigabe für den Titelkampf gegen Mousasi, den Lovato schließlich gewann.

„Er hat mir erklärt, dass es keine Studien gibt, die aufzeigen, dass Schläge gegen den Kopf das Kavernom verschlimmern oder die Gefahr für Blutungen an den Stellen erhöhen“, so Lovato weiter. „Es könnte zu Blutungen kommen, es könnte auf Dauer zu einem Problem werden, aber es gibt noch keine Behandlung und eine OP wäre nicht nötig. Erst, wenn sich bei mir Symptome der Krankheit melden, wird etwas passieren. Da ich ein funktionierender, gesunder, normaler Mensch bin, ist es okay, zu kämpfen, meinte er.“

SafeMMA, die sanktionierende Behörde in Großbritannien, erteilte Lovato daher eine Lizenz, um den Kampf gegen Mousasi zu machen. Die Behörde meldete sich im Anschluss jedoch wieder beim Amerikaner und erklärte, einen Fehler gemacht zu haben und ihn vorerst nicht weiter auf Events kämpfen zu lassen. Ein irischer Arzt erteilte Lovato zudem den Rat, mit dem Kämpfen aufzuhören, schon der Kampf in London wäre ein Fehler gewesen. In Europa bekommt er keine Lizenz mehr.

Monate später hat Lovato immer noch keine Klarheit, doch der BJJ-Kämpfer weiß, dass seine weitere Karriere als Kampfsportler und auch seine Lebensqualität am seidenen Faden hängt.

„Im Extremfall ist es entweder das ganze Leben lang überhaupt kein Problem oder es ist direkt ein richtig heftiges Problem mit mehreren Operationen und schweren Folgen. Ich trete nicht offiziell zurück. Ich bin sowas wie im Ruhestand und definitiv auf unbestimmte Zeit raus. Ich schaue mich nach weiteren Ärzten um und will mehr darüber lernen. Aber natürlich will ich weiterkämpfen.“

Bellator veröffentlichte am Donnerstag eine Pressemitteilung, wonach man Lovato vorerst nicht den Titel im Mittelgewicht entziehen, sondern weiter Informationen sammeln wird.