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Bellator 149: Gracie vs. Shamrock endet im Skandal, Kimbo vs. Dada als Lachnummer

Bellator 149 ist in die Geschichte des MMA eingegangen. Sportlich vernachlässigenswert wurde Fans hier ein Spektakel geboten, an das man sich noch Jahre später erinnern wird. Nachdem mit Emmanuel Sanchez, Linton Vassell und Derek Campos ernstzunehmende Sportler ihre Leistung abriefen, war es vor allem die Leistung von Kevin „Kimbo Slice“ Ferguson und Dhafir „Dada 5000“ Harris, die die Gemüter erhitzte. Im Hauptkampf standen sich zum dritten Mal die MMA-Legenden Royce Gracie und Ken Shamrock gegenüber. Es endete im Skandal.

Gracie und Kimbo sorgen für Spektakel, …

So hatte man sich die dritte Ringschlacht von Royce Gracie und Ken Shamrock nicht vorgestellt. Zwar ging es wie schon in den ersten Duellen auf die Matte, allerdings sah man weder Gracies Guard, noch Shamrocks Leglocks wie in alten Zeiten. Die MMA-Rentner gingen in den ersten Minuten sehr zögerlich zu Werke, bevor im Clinch ein paar Kniestöße ausgetauscht wurden. Gracie hatte dabei das bessere Ende für sich, ein Knie in die Leistengegend wurde vom Ringrichter übersehen, sodass der nächste Kniestoß ohne viel Gegenwehr an die Schläfe Shamrocks gehen konnte. Der „Worlds Most Dangerous Man“ ging zu Boden. Gracie landete auf ihm und beendete nach wenigen Sekunden den Kampf mit Hammerfists. Enttäuschend. Im Nachgang unterstellte ein wütender Shamrock seinem Gegenüber Absicht beim Tiefschlag, aber es war nichts mehr zu machen, auch im dritten Duell der beiden bleibt Royce Gracie ungeschlagen.

Als die Ansetzung von „Kimbo Slice“ und „Dada 5000“ verkündet wurde, erwarteten Fans einen wilden Brawl im Käfig, ganz in der Tradition ihrer Straßenkämpfe in den Hinterhöfen Miamis. Es wurde noch viel schlimmer. Denn den Wunsch nach einem kurzen, actionreichen Duell erfüllten die beiden Schwergewichte nicht. Stattdessen sah man einen langsamen und „taktischen“ Kampf, in welchem „Dada“ erst die Beine attackierte und „Kimbo“ sogar einen Takedown einstreute. Bereits nach wenigen Minuten außer Puste verlegten sich die beiden Kontrahenten anschließend jedoch auf vereinzelte Haken und viel Geclinche ohne jegliche Wirkungstreffer.

Der zweite Durchgang war dann an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Weder Ferguson noch Harris hatten Luft für Attacken, die „Takedowns“ waren eher der Ermüdung geschuldet und Ringrichter „Big“ John McCarthy war permanent damit beschäftigt, mehr Aktivität einzufordern. Vereinzelte Hände landeten, K.o. ging erneut keiner, eine dritte Runde musste her. Und hier drehte „Kimbo“ auf, wenn man das so nennen kann. „Dada“ konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, schnaufte und steckte eine Faust nach der anderen ein, bis er nach anderthalb Minuten ziellos durch den Käfig stolperte, noch eine Hand nahm und dann seitwärts wie in Zeitlupe in den Käfig taumelte und liegen blieb. Ein Bild für die Götter. Sieger durch K.o.: „Kimbo Slice“. Verlierer: die Zuschauer.

…Campos, Vassell und Sanchez für den Sport

Als Bellator Melvin Guillard verpflichtete, versprach man sich spektakuläre Knock-outs des einstigen UFC-Leichtgewichts. Dass er im Kampf gegen Campos der Ausgeknockte sein würde, hatten nur die wenigsten auf dem Zettel. Bereits in der ersten Runde schrammten beide nach einem wilden Schlagabtausch nur knapp an einem K.o. vorbei, bevor Campos den Kampf auf die Matte verlagerte und dort verlangsamte. Guillard wirkte sichtlich mitgenommen, ein Kopfstoß der beiden tat sein Übriges dazu. Im zweiten Durchgang machte Campos dann kurzen Prozess, stellte seinen Gegner am Käfig und deckte ihn mit Schlägen ein. Guillard hielt sich auf den Beinen, aber man sah, dass Campos mit jedem Treffer die Lichter bei Guillard wie mit einem Kippschalter an- und ausstellen konnte, bis er nach einer halben Minute im Schlaghagel wie ein nasser Sack zu Boden ging.

Linton Vassell hat seine Revanche. Der Engländer setzte sich in einem schmerzhaften Duell nach Punkten gegen den einstigen Champion Emanuel Newton durch. Dabei konnte Vassell, wie schon im ersten Aufeinandertreffen, die ersten beiden Runden gewinnen, indem er vor allem das Geschehen auf der Matte kontrollierte. Vom enttäuschenden Newton war hingegen wenig zu sehen, außer mehrfachen Regelverstößen durch Tiefschläge, die ihm in Runde 2 einen Punktabzug einbrachten. Dieser war am Ende nicht einmal nötig, Vassell gewann die schwache Begegnung einstimmig nach Punkten.

Eröffnet wurde das Hauptprogramm von Emmanuel Sanchez und Daniel Pineda im Federgewicht. Pineda begann stark, konnte im Stand und auf der Matte punkten, bevor er jedoch unvorsichtig wurde. Eine missglückte Aktion brachte Sanchez in der zweiten Runde in die Oberlage, von wo aus dieser harte Schläge abfeuerte und Pineda sichtlich zusetzen konnte. Im letzten Durchgang war Pinedas Tank dann leer, die Takedownversuche fruchteten nicht, sodass Sanchez im Stehen die Runde bestimmte und am Ende den knappen Punktsieg einfahren konnte.

Die Ergebnisse im Überblick:

Bellator 149: Gracie vs. Shamrock 3
19. Februar 2016
Houston, Texas, USA

Royce Gracie bes. Ken Shamrock via T.K.o. (Schläge) nach 2:22 in Rd. 1
Kevin Ferguson bes. Dhafir Harris via K.o. (Schläge) nach 1:32 in Rd. 3
Derek Campos bes. Melvin Guillard via K.o. (Schläge) nach 0:34 in Rd. 2
Linton Vassell bes. Emanuel Newton einstimmig nach Punkten (30:26, 29:27, 29:27)
Emmanuel Sanchez bes. Daniel Pineda geteilt nach Punkten (29:28, 29:27, 28:29)

Vorprogramm
Isaac Villanueva bes. Richard Knepp via T.K.o. (Schläge) nach 0:42 in Rd. 1
Jeremy Mahon bes. Davis Sylvester via T.K.o. (Schläge) nach 4:22 in Rd. 1
Adrian Yanez bes. Ryan Hollis einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28)
Jason Langellier bes. Anthony Ivy via Anaconda Choke nach 2:09 in Rd. 1
Justin Wren bes. Juan Torres einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Mike Trinh bes. Angel Zamora via Armbar nach 3:49 in Rd. 1
C.J. Hancock bes. Ruben Esparsa via Rear-Naked Choke nach 1:26 in Rd. 3
Manny Lozoya bes. Jacob Norsworthy via Guillotine Choke nach 2:33 in Rd. 1