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Bellator 120: Rampage vs. King Mo

Bellator 120

Heute Nacht kommt es in Southhaven im US-Bundesstaat Mississippi zum ersten Pay-Per-View in der Geschichte Bellators. Das Programm musste dabei mehrfach geändert werden, zuletzt am vergangenen Wochenende (GnP berichtete). Das hält Bellator aber nicht davon ab, heute eine der besten Cards in der Geschichte der Veranstaltungsreihe zu präsentieren.

Turnierfinale im Halbschwergewicht
Quinton "Rampage" Jackson vs. Muhammed "King Mo" Lawal

Lange hat es gedauert, nun bekommt Bellator endlich seinen Wunschkampf im Halbschwergewicht. Schon direkt nach der Verpflichtung von Quinton Jackson (34-11) war klar, dass der 35-Jährige irgendwann im Verlauf seiner Bellator-Karriere auf Muhammed "King Mo" Lawal (12-3 (1)) treffen würde, nach Möglichkeit um den Titel im Halbschwergewicht. Dabei ließ man sich aber von Emmanuel Newton in die Suppe spucken, der Lawal gleich zweimal besiegen und sich den Titel der Gewichtsklasse sichern konnte. Nun bekommt man den Kampf des einstigen UFC- und des einstigen Strikeforce-Champions, nachdem man beide in ein Vier-Mann-Turnier gegen passende Matchups gesteckt hatte.

Ob Bellator wirklich das Feuerwerk geliefert wird, was man sich von diesem Duell verspricht, mag bezweifelt werden. "Rampage" sieht zwar besser aus als zum Ende seiner UFC-Karriere, ist aber trotz der zwei vorzeitigen Siege gegen Joey Beltran und Christian M'Pumbu kein richtiger K.o.-Schläger mehr. Jackson verlässt sich weiterhin auf seine gute Linke, bevorzugt aber eher ein langsames Tempo. Dies könnte Lawal entgegen kommen. Der 33-Jährige hat sich in den letzten Jahren zu einem mehr als passablen technischen Boxer gemausert, darüber aber seine frühere Stärke, das Ringen, vergessen. Gegen Jackson sollte sich Lawal an sein exzellentes Ringen erinnern, ansonsten könnte ihm Jackson einen Punktsieg abnehmen, wenn sich Lawal nur auf sein gutes Konterboxen verlässt.

(Interims) Titelkampf im Leichtgewicht
Michael Chandler vs. Will Brooks

Michael Chandler (12-1) und Will Brooks (13-1) bestreiten den einzigen Fünf-Runden-Kampf im Hauptprogramm. Chandler geht dabei als riesiger Favorit in diese Begegnung. Dafür spricht nicht nur Chandlers mehr als gutes Gesamtpaket aus Stand-, Ringer- und Bodentechniken, sondern auch die Qualität der Gegner, die Chandler bisher besiegen konnte.  Dabei spielte es keine Rolle, ob der Gegner ein Grappler wie Marcin Held und Rick Hawn oder eher ein Standkämpfer wie Patricky Freire oder Eddie Alvarez war, Chandler hatte mit den wenigsten Gegnern Mühe. Und selbst die knappe Niederlage im Rückkampf gegen Eddie Alvarez fand nicht wenige Kritiker, die Chandler vorne gesehen hatten. Mit Will Brooks bekommt Chandler nun eine Takedown-Maschine als Gegner.

Brooks hätte ursprünglich bei dieser Veranstaltung gegen Nate Jolly antreten sollen, redete sich aber nach der Absage von Eddie Alvarez in den Kampf gegen Michael Chandler. Der 27-Jährige ist erst seit etwas mehr als einem Jahr im Bellator-Kader und konnte in diesem Zeitraum fünf seiner sechs Kämpfe gewinnen, wobei er sich für die im Februar erlittene Niederlage gegen Saad Awad im Oktober im Halbfinale des Leichtgewichtsturniers revanchierte. Im Anschluss sicherte er sich gegen den russischen Standkämpfer Alexander Sarnavskiy den Turniersieg und damit den Titelkampf im Leichtgewicht. Früher als gedacht bekommt Brooks nun also seine Chance. Ob er mit wenigen Tagen Vorbereitung einem Mann wie Chandler gewachsen ist, wird sich heute Nacht zeigen.

Alexander Shlemenko vs. Tito Ortiz
Ein wenig merkwürdig ist es ja schon, dass Bellators Mittelgewichtschampion Alexander Shlemenko (50-7) den früheren UFC-Champion Tito Ortiz (16-11-1) herausgefordert hat. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Ortiz eigentlich schon zurückgetreten war und seit siebeneinhalb Jahren genau einen Kampf gewonnen hat. Der "Huntington Beach Bad Boy" war schon vor seinem Rücktritt und der damit einhergehenden zweijährigen Pause nicht mehr auf dem früheren Niveau und weit von der Leistungsfähigkeit entfernt, die ihn zum zeitweise gefährlichsten Halbschwergewicht des Planeten machte. Es bleibt also abzuwarten, mit welcher Form Ortiz den Käfig betritt. Die Takedowns müssen klappen, sonst bekommt der 39-Jährige früh Probleme mit seinem zehn Jahre jüngeren Gegner. Dabei wird Ortiz auch seine Masse helfen. Ortiz konnte vom Körperbau her schon immer mit den Schwergewichten mithalten, währenddessen Shlemenko selbst für ein Mittelgewicht eher schmächtig wirkt.

Der 29-Jährige sicherte sich allerdings im Februar letzten Jahres den vakanten Titel gegen Maicquel Falcao relativ einfach. Seitdem konnte der Russe seinen Titel drei Mal gegen Brett Cooper, Doug Marshall und Brennan Ward verteidigen, wobei er nur gegen Cooper mehr als zwei Runden im Käfig stand. Darüber hinaus konnte Shlemenko vor seinem Titelgewinn weitere acht Kämpfe gewinnen, "Storm" ist seit seiner Niederlage gegen Hector Lombard im Oktober 2010 also in zwölf Kämpfen ungeschlagen. Für Shlemenko spricht in diesem Aufeinandertreffen auf jeden Fall seine bestechende physische Form und seine Fähigkeiten im Stand. Ob Shlemenko die Takedowns von Ortiz verteidigen kann, ist also die große Frage. Allerdings hat der Russe in diesem Zusammenhang bisher ganz ordentlich ausgesehen.

Turnierfinale im Schwergewicht
Blagoi Ivanov vs. Alexander Volkov

Im zweiten Finalkampf des Programms messen sich die europäischen Schwergewichte Blagoi Ivanov (11-0) und Alexander Volkov (21-4). Für Volkov geht es hierbei darum, den Revanchekampf gegen Champion Vitaly Minakov zu erhalten. Volkov sicherte sich den Titel bei Bellator 84 gegen Richard Hale, ebenfalls in einem Turnierfinale. Schon bei der ersten Titelverteidigung musste Volkov den Titel allerdings an Minakov abgeben. Ins Finale kämpfte sich der Russe gegen Mark Holata und Siala-Mou Siliga. Volkov bringt einen massiven Reichweiten- und Größenvorteil in den Käfig und ist der bessere Standkämpfer in dieser Begegnung. Für Volkov steht und fällt alles mit seiner Takedown-Verteidigung, die von Ivanov auf die Probe gestellt wird.

Blagoi Ivanovs Geschichte ist einfach bemerkenswert. Vor einem Jahr nach einer lebensgefährlichen Messerattacke noch ans Krankenbett gefesselt, kehrte der einstige Sambo-Weltmeister im Herbst zu Bellator zurück und eilte seitdem von Sieg zu Sieg. Der Bulgare kann auf vier Siege seit seiner Genesung zurück blicken. Nach zwei Aufbaukämpfen gegen Manny Lara und Keith Bell nahm Ivanov am Schwergewichtsturnier teil und besiegte erst Richard Hale nach Punkten, bevor er vor fünf Wochen den einstigen UFC-Kämpfer Lavar Johnson in der ersten Runde zur Aufgabe brachte. Sollte Ivanov die Reichweite überwinden und in die Nahdistanz kommen, könnte er mit seinem Clinchgame, den Takedowns und seinem Grappling gegen Alexander Volkov ein ähnliches Ergebnis erzielen. Dabei sollte Ivanov lieber schnell sein. Der 27-Jährige ist nicht gerade für gut Kondition bekannt.

Michael Page vs. Ricky Rainey
Das Programm des Pay-Per-Views eröffnen Michael Page (5-0) und Ricky Rainey (8-2). Hier ist die Ausgangslage klar. Michael Page soll einen weiteren Highlight-K.o. zeigen, dieses Mal gegen einen Gegner mit einer annehmbaren Bilanz. Page gehört zu den spannenderen Talenten Bellators. Der Engländer ist nicht nur ungeschlagen, er konnte auch jeden seiner fünf Kämpfe bereits in der ersten Runde spektakulär beenden. Page gab sein Bellator-Debüt im März letzten Jahres und verbrachte mit Ryan Sanders nur zehn Sekunden im Käfig, bevor er ihn ausknockte. Weitere Bellator-Kämpfe kamen seitdem nicht mehr zustande, weswegen sich Page mit einem Duell gegen Ramdan Mohamed bei der indischen Super Fight League aktiv hielt. Auch diesen Gegner stoppte er vorzeitig. Nachdem Page Mohamed zu Boden schlug, konnte er ihn anschließend zur Aufgabe bringen.

Nun trifft er auf Ricky Rainey. Rainey ist ein solider Kämpfer, der jedoch bisher keine außergewöhnlichen Talente gezeigt hat. Der 30-Jährige verbrachte den Großteil seiner bisherigen Karriere bei XFC, wo er fünf seiner zehn Kämpfe bestritt und davon drei gewinnen konnte. Nach einer knappen Punktniederlage gegen Dhiego Lima wurde Rainey von Bellator verpflichtet und konnte dort gegen Andy Murad ein erfolgreiches Debüt feiern. Rainey dürfte der bisher härteste Test für Page werden.

Das Programm im Überblick:

Bellator 120: Rampage Vs. King Mo
17. Mai 2014
Southhaven, Mississippi, USA

Turnierfinale im Halbschwergewicht
Quinton Jackson vs. Muhammed Lawal

(Interims)Titelkampf im Leichtgewicht
Will Brooks vs. Michael Chandler

Alexander Shlemenko vs. Tito Ortiz

Turnierfinale im Schwergewicht
Blagoi Ivanov vs. Alexander Volkov

Michael Page vs. Ricky Rainey

Vorprogramm (SpikeTV)
Cheick Kongo vs. Eric Smith
Marcin Held vs. Nate Jolly
Shahbulat Shamhalaev vs. Fabricio Guerreiro
Mike Richman vs. Goiti Yamauchi

Vorprogramm (Spike.com)
Zach Underwood vs. Austin Lyons
Justin Frazier vs. Mike Wessel
Ben Brewer vs. Andy Uhrich
Anthony Lemon vs. Codie Shuffield
Brian Hall vs. Cortez Phelia