MMA Restliche Welt

„Ausreden wird es immer geben!“

Jon Jones muss Quinton Jackson nichts beweisen – aber sich selbst. Foto: Mark Bergmann/GroundandPound.

Jon „Bones“ Jones ist der jüngste UFC-Champion aller Zeiten. Am 24. September wird er seinen Halbschwergewichtsgürtel zum ersten Mal verteidigen. Sein Gegner ist Quinton „Rampage“ Jackson. Auf der gestrigen Pressekonferenz lieferten sich beide Kontrahenten bereits einen verbalen Schlagabtausch.

„Brock Lesnar war bisher wohl der unerfahrenste Champion“, beantwortete Jones freundlich aber bestimmt die Frage eines Journalisten. Ob er aufgrund seines Alters Nachteile im Kampf gegen einen Veteranen wie Jackson erwarte, wollte der Reporter wissen. Ob einem „Jungen“ wie ihm die Erfahrung fehlt.

„Nennst du mich etwa alt?“, scherzte Rampage Jackson. „Und wen nennst du hier einen 'Jungen'?“, fragte Jones. Die Gegenfrage kam rüber wie ein Scherz – doch ist kein Spaß für den jungen Champion. Noch immer hat Jon Jones das Gefühl, allen etwas beweisen zu müssen.

Sich beweisen zu müssen.

„Ich bewahre meinen Glauben daran, Großartiges in diesem Sport erreichen zu können“, so der Champion. Mit nur 24 Jahren hat „Bones“ schon mehr erreicht, als jeder aufstrebende Kämpfer sich erträumen könnte. 2008 debütierte er im Alter von 21 Jahren in der UFC. Seitdem bestritt er acht Kämpfe in der Kampfsport-Champions League und verlor, von einer Disqualifikationsniederlage gegen Matt Hamill einmal abgesehen, keinen einzigen. Doch es sind nicht bloße Siege, die Jones so besonders machen. Es ist die Art und Weise, mit der er seine Gegner auseinandernimmt. Immer actiongeladen, immer unorthodox, immer spektakulär – und scheinbar immer unschlagbar.

Zuletzt musste Ex-Champion Mauricio Rua diese Erfahrung machen, als er bei UFC 128 zwei Runden lang wortwörtlich von Jones verprügelt wurde, bevor er im dritten Durchgang unter einer Schlagsalve aufgab. Glaubt man Jones, verlor Rua in dieser Nacht mehr als seinen UFC-Halbschwergewichtstitel:

„Wenn man jemanden besiegt, nimmt man ihm ein Stück von seinem inneren Feuer“, erklärte Jones. „Ich werde mein Feuer behalten“, konterte Jackson.

Als ein Journalist die Frage stellte, ob Jones gegen Jackson auf sein Ringen vertrauen wird, unterbach Rampage sofort: “Natürlich wird er das, ist doch klar! Wer wollte in der Vergangenheit schon mit mir stehen? Wer hat MMA mit mir gekämpft? Alle ringen gegen mich, das weiß doch jeder.“

Da war es wieder: das Gefühl, sich beweisen zu müssen.

Jones: „Ich bin der Meinung, dass ich gegen Mauricio 'Shogun' (Rua) ziemlich gutes Kickboxen gezeigt habe. „Shogun“ greift mit Kniestößen, Ellenbogenschlägen und sogar High Kicks an, Rampage kämpft dagegen eher wie ein Boxer. Wenn er denkt, dass ich mich davor fürchte mit ihm zu stehen, dann ist das doch gut für mich.“

“Ganz ehrlich, ich respektiere dich Kumpel“, lachte Jackson und versuchte, Jones' Dominanz im Rua-Kamp herunterzuspielen. „Ich glaube wirklich du bist die Zukunft des MMA-Sports, aber du hast gegen einen Shogun gekämpft, der vollkommen eingerostet war. Er kam von einer Verletzung zurück, hat ein Jahr lang nicht gekämpft, hatte vorher zwei Knie-Operationen…“

„Ausreden wird es immer geben“, unterbrach ihn ein sichtlich genervter Jones. „Auch nach unserem Fight werde ich hören: ‚Du hast nicht gegen den Pride-Rampage gekämpft, sondern gegen den Filmstar-Rampage‘, da bin ich mir sicher. Solche Ausflüchte gibt es immer.“

Jones will keine Ausflüchte. „Fällt die jetzt eine Gute ein?“, fragte er Jackson mit einem Blitzen in den Augen.

“Nach diesem Kampf werde ich keine brauchen. Du wirst aber einen ganzen Haufen davon benötigen“, antwortete der wenig überzeugend. Und wer kann es ihm verdenken? Momentan ist in der UFC-Halbschwergewichtsdivision wohl niemand so recht davon überzeugt, eine Chance gegen den explosiven Jungspund zu besitzen. Und mit seiner Ankündigung, im Alter von etwa 26 oder 27 Jahren definitiv ins Schwergewicht wechseln zu wollen (bzw. müssen), versetzte er gestern wohl auch die Königsklasse in Angst und Schrecken.

Schon in den Titelkampf gegen Rua ging er als Favorit bei den Buchmachern. Jon Jones muss eigentlich niemandem mehr etwas beweisen – außer sich selbst. „Champions werden meiner Meinung nach nicht im Gym gemacht“, sagt er auf der Pressekonferenz. Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist es dieser Drang, sich immer wieder selbst übertreffen zu müssen, der einen wahren Champion ausmacht.

Als Dana White den erfolgreichen „Jungen“ Jon Jones gerade in einer seiner Antworten lobte, unterbrach der ihn: “Hör’ auf, mich 'Junge' zu nennen, Dana!”