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Anthony Johnson gewinnt sein Halbschwergewichtsdebüt

Am Freitag brachte die aufsteigende amerikanische Organisation Titan FC ihre vierundzwanzigste Veranstaltung gewohnt souverän über die Bühne. In der Memorial Hall in Kansas City, Kansas, USA wurden den  Zuschauern elf Amateur- und Profikämpfe präsentiert.

Die Hauptattraktion des Events war der ehemalige UFC-Kämpfer Anthony "Rumble" Johnson (12-4), der im Main Event gegen Esteves Jones (8-4) sein lange gefordertes Debüt in der Halbschwergewichtsklasse gab. Johnson stieg in der Vergangenheit trotz seiner beachtlichen, auf ganze 1,88 Meter verteilten Masse lange Zeit als Weltergewicht auf die Wage, nur um in der verbleibenden Zeit bis zum Kampf wieder auf sein natürliches Gewicht zu kommen, wodurch er seinen Gegnern im Limit bis 77 Kilo körperlich extrem überlegen war.

Zuletzt ging dieses extreme Abkochen allerdings immer wieder schief, was Johnson Anfang des Jahres seine Entlassung aus der UFC einbrachte, nachdem er gegen Vitor Belfort in Runde eins durch Aufgabe verloren hatte. Die Ankündigung, er wolle nun im Mittelgewicht und damit acht Kilo über seinem vorherigen Gewichtslimit antreten, wurde von seinen langjährigen Kritikern positiv aufgenommen. Johnson selbst gab ihnen allerdings schnell neuen Antrieb für Sticheleien, indem er in seinem ersten Kampf nach der UFC-Entlassung auch das Mittelgewichtslimit verfehlte und damit seinem Sieg über Dave Branch einiges an Glanz nahm.

Vor dem Kampf gegen Esteves Jones gab es für Johnson allerdings gewichtsmäßig keinerlei Probleme. Nun in seiner optisch natürlichen Gewichtsklasse unterwegs, stellte sich dafür die Frage, wie Johnson gegen körperlich ähnlich starke Gegner abschneiden würde. Galt für ihn jahrelang Masse statt Klasse, oder kann der 28-Jährige Hüne auch gegen gleich schwere Männer so gut bestehen?

Am Freitag gab Johnson eine eindeutige Antwort: Auch, wenn man genauso groß und stark ist, wie er, heißt das nicht unbedingt, dass man deshalb mehr von Johnsons Schlägen einstecken oder seiner rohen Kraft besser widerstehen kann, als die 77-Kilo-Männer aus der UFC: Johnson nahm Jones zu Beginn des Kampfes direkt auf den Boden, nachdem er ihn mit Kicks bearbeitet hatte, und deckte ihn auf der Matte mit Faust- sowie Ellbogenschlägen ein, bis sein Gegner durch den Rundengong gerettet wurde.

Im zweiten Durchgang machte Johnson da weiter, wo er am Ende der ersten aufgehört hatte, dieses Mal hielt Jones allerdings nicht bis zum Rundenende durch: Nach 51 Sekunden, einem Takedown und einigen Bomben aus der Side Control fuhr Johnson seinen zweiten Sieg in zwei Kämpfen nach dem Rauswurf aus der UFC ein. Den Erfolg gegen Jones, der mit dieser Niederlage den dritten Kampf in Folge verloren hat, werden viele Beobachter zwar wohl nicht allzu beeindruckend bewerten - bereits nächsten Monat bekommt Johnson allerdings schon die Chance, seine Kritiker weiter ruhig zu stellen, wenn er in Oklahoma auf UFC-Veteran Jake Rosholt trifft.

Für den Co-Hauptkampf der Veranstaltung hatten sich die Verantwortlichen bei Titan FC eine weitere Attraktion gesichert: Der hochrespektierte BJJ-Guru Braulio Estima (1-0), der von vielen Experten als "bester lebender BJJ-Kämpfer der Welt" bezeichnet wird, gab am Freitag im Käfig der Organisation sein Debüt in den gemischten Kampfkünsten.

Estima bekam in den MMA-Medien schon vor einigen Monaten etwas Aufmerksamkeit, als die Meldung die Runde machte, "Carcara" würde für den guten Zweck in einem BJJ-Kampf gegen Jiu-Jitsu-Koryphäe und MMA-Bad Boy Nick Diaz antreten – ein Traum für alle Fans der "sanften Kampfkunst". Dieser Traum platzte zwar unmittelbar vor dem Kampf, da Diaz schlicht nicht aufzufinden war, nun bekam Estima dafür aber eine weitere Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Zu Anfang seines Kampfes gegen Chris "The Hammer" Holland (5-4) sah es kurz so aus, als würde  Estima schnell zurück auf die Grapplingmatte geschickt werden. Holland versenkte recht früh im Kampf eine knackige Rechte, die Estima mit dem Rücken gegen die Käfigwand stolpern ließ.
Der Bodenspezialist fing sich jedoch sofort wieder, behielt die Ruhe und ging stoisch dazu über, den Kampf in sein eigenes Revier zu verlagern. Holland wehrte sich einige Zeit lang erfolgreich gegen den Takedown, fand sich nach etwa zwei Minuten Kampfzeit aber letztlich trotzdem auf dem Rücken wieder. Estima setzte aus seiner komfortablen Situation direkt einen Arm Triangle Choke an, den Holland verteidigen konnte. "Carcara" ließ ein Entkommen jedoch nicht zu, probierte es ein weiteres Mal mit dem Arm Triangle und zwang damit schließlich nach weniger als dreieinhalb Minuten der ersten Runde den Ringrichter zum Eingreifen.

Vor den beiden Hauptkämpfen zeigten vier weitere Profis gute Leistungen, nachdem der Event mit einigen Amateurkämpfen eingeleitet wurde. Federgewichtler Brian "Mr. D" Davidson (10-3)  tauschte mit John DeVall (3-3) einige Zeit lang Aktionen im Stand aus, bis DeVall, von einem Knie getroffen, zu Boden ging. Davidson setzte sofort nach, und obwohl DeVall sich verbissen wehrte, war nach etwa dreieinhalb Minuten der ersten Runde klar, dass es kein Entkommen mehr für DeVall geben würde und der Kampf wurde beendet. Davidson kann damit mittlerweile eine Siegesserie von fünf Kämpfen vorweisen, die u.a. einen Aufgabesieg über Jens Pulver beinhaltet. Die UFC soll angeblich ebenfalls schon Interesse an dem aus Lee's Summit, Missouri, stammenden Federgewichtler haben.

Der vor Davidson vs. DeVall stattfindende Bantamgewichtskampf schien zunächst einen ähnlichen Verlauf wie dieser zu nehmen, als der vielversprechende Andrew Whitney (8-2) und Cody Gibson (7-3) sich im Stand zu Leibe rückten. Gibson ging jedoch schnell dazu über, seine überlegenen Kenntnisse im Ringen zu nutzen und Whitney damit – inklusive eines spektakulären Powerslams in Runde zwei – über die Distanz zu kontrollieren. 29-28, 29-27 und 30-27 hieß es am Ende zugunsten von Gibson.

Auch der vorherige Kampf zwischen den Halbschwergewichtlern Matt Foster (2-2) und Matt Uhde (3-1) ging über die Distanz. In Runde eins hatten beide Kämpfer ihre Momente: Foster landete zunächst einen beeindruckenden Takedown und bearbeitete Uhde am Boden, bevor dieser den Spieß umdrehte, sich befreite und über die Side Control schließlich in die Mount überging, aus der Foster sich später seinerseits befreien konnte. In den beiden verbliebenden Runden sicherte Foster sich dann den Punktsieg mit drei Mal 29-28, indem er Uhde beinahe mit einem Norh-South Choke zum Abklopfen zwang und ihn später mit einer harten Rechten endgültig zähmte. 

Der erste Profikampf des Abends wurde zwischen Adam Stickey (1-2) und Jose Vega (9-7) im Bantamgewicht ausgetragen. Stickey fuhr nach nur drei Minuten und 23 Sekunden per Triangle Choke seinen ersten Sieg ein, nachdem der ehemalige Bellator-Kämpfer Vega ihn über einen hart erkämpften Takedown zu Boden gebracht hatte.

Die zuvor gezeigten Kämpfe fanden alle unter Amateurregeln statt und gingen sämtlich über die Distanz von dreimal drei Minuten. Jeremy Smith (1-1), Josh Pfeifer (3-2), Antonio Martinez (2-0) und Shawn Maynard (1-0) sicherten sich dabei die Gunst aller drei Punktrichter, während Steven Graham (1-0) nur zwei von ihnen überzeugen konnte, sich dadurch aber dennoch den geteilten Punktentscheid über Ben Louchious (0-1) sicherte.

Anbei alle Ergebnisse des Abends:

Titan FC 24: Johnson vs. Jones
24. August 2012
Memorial Hall in Kansas City, Kansas, USA

Anthony Johnson besiegt Esteves Jones via TKO nach 0:51 in Runde 2
Braulio Estima besiegt Chris Holland via Aufgabe (Arm Triangle Choke) nach 3:21 in Runde 1
Brian Davidson besiegt John DeVall via Aufgabe (Schläge) nach 3:27 in Runde 1
Cody Gibson besiegt Andrew Whitney via Punktentscheidung (Einstimmg)
Matt Foster besiegt Matt Uhde via Punktentscheidung (Einstimmig)
Adam Stickey besiegt Jose Vega via Aufgabe (Triangle Choke) nach 3:23 in Runde 1
Jeremy Smith besiegt TeeJay Britton via Punktentscheidung (Einstimmig)
Josh Pfeifer besiegt John Ford via Punktentscheidung (geteilt)
Antonio Martinez besiegt DeAllen Hicks via Punktentscheidung (Einstimmig)
Steven Graham besiegt Ben Louchios via Punktentscheidung (geteilt)
Shawn Maynard besiegt Keith Curtis via Punktentscheidung (Einstimmig)