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Am Ende des Weges angekommen

Das Wichtigste zur UFC 132-Abschlusspressekonferenz. Foto: © by Zuffa LLC.

UFC 132: Cruz vs. Faber II ist vorüber und setzte die Serie sehenswerter UFC-Großveranstaltungen der vergangenen Monate fort. Die auf dem Papier schon interessante Fight Card enttäuschte auch live nicht und so gab es auf der Abschlusspressekonferenz zum Event jede Menge zu besprechen.

Zunächst verkündete UFC-Präsident Dana White die Zahlen des Events: 12.947 Menschen kauften Eintrittskarten für das MGM Grand Hotel in Las Vegas, Nevada, und bescherten der UFC Ticketeinnahmen von 2,3 Millionen Dollar.

Die Bonuszahlungen dieser Veranstaltung gingen an Carlos Condit (Knockout des Abends), Tito Ortiz (Submission des Abends) sowie an Dominick Cruz und Urijah Faber (Kampf des Abends), die jeweils 75.000 Dollar zusätzlich zu ihrer Kampfgage erhalten werden.

Es war eine ereignisreiche UFC-Show am Samstag, die viele verschiedene Facetten bieten konnte. Ob das überraschende Comeback von Tito Ortiz oder den überragenden Hauptkampf, in dem Dominick Cruz die einzige Niederlage seiner Karriere ausbügeln konnte. Oder Carlos Condit, der einen weiteren beeindruckenden Sieg einfahren konnte, und sich damit so langsam in der Nähe eines Titelkampfes befinden dürfte. Und wir sahen einen traurigen Auftritt von Wanderlei Silva, der sich nun möglicherweise am Ende seiner so glorreichen Karriere befindet.

Das Ende eines langen Weges

“Es war jedem klar, dass (Chris) Leben und Wanderlei (Silva) Bomben schlagen würden, bis einer von Beiden zu Boden geht“, erklärte ein sichtlich mitgenommener UFC-Präsident Dana White auf der Abschlusspresskonferenz den versammelten Journalisten. „Und derjenige war heute Wanderlei. Die Leute lieben ihn, wegen seiner Art zu kämpfen, seinem Stil und seiner Persönlichkeit. Aber nun ist Wanderlei vermutlich am Ende seines Weges angelangt.“

Naht hier also das Ende einer Ära, ist nach Chuck Liddell und Randy Couture nun die Karriere einer weiteren MMA-Legende vorbei? Von seinen letzten acht Kämpfen verlor der frühere Pride FC-Champion ganze sechs. Das sind nur zwei Siege in den vergangenen fünf Jahren. Nach zwei UFC-Niederlagen in Folge, gegen Quinton Jackson und Rich Franklin, konnte Silva im Februar 2010 gegen Michael Bisping wieder eine überzeugende Leistung abliefern. Verschiedene Verletzungen hielten ihn aber über 1,5 Jahre vom Octagon fern. Sein Comeback am Samstag geriet zum Fiasko. Nach nur 27 Sekunden schickte der wilde aber limitierte Puncher Chris Leben Silva auf die Bretter. Im Alter von nur 35 Jahren scheint der "Axtmörder" nach den vielen geschlagenen Schlachten seiner Karriere zu alt für den Kampfstil zu sein, der ihn auf der gesamten Welt berühmt gemacht hat.

„Ich werde mich mit (Wanderlei) hinsetzen, ein Gespräch mit ihm führen und versuchen, ihn (zum Rücktritt) zu überreden, wie ich es auch bei Chuck Liddell getan habe“, so Dana White am Samstag. „Ich möchte einfach nicht noch einmal sehen, dass ihm so etwas wie heute passiert.“

Für den Mann, der Wanderlei Silva möglicherweise in Rente geschickt hat, war es der bislang größte Sieg seiner Karriere. Und dennoch eine bittersüße Angelegenheit: „Wanderlei Silva war schon immer mein Lieblingskämpfer“, versicherte Chris Leben. „Ich hatte noch nie einen solchen Bammel in den Ring zu steigen, wie vor diesem Fight. Der Mann ist eine Legende und was er für diesen Sport getan hat ist einfach unglaublich.“

Das Comeback eines Bad Boys

Einer der wenigen Verbliebenen aus der Ära von Silva, Liddell und Couture saß ebenfalls auf dem Podium der Pressekonferenz und konnte seinen ersten Sieg nach fast fünf Jahren einfahren. Mit 36 Jahren befindet sich Tito Ortiz in einem ähnlichen Alter wie Wanderlei Silva – nur offenbar in einer deutlich besseren körperlichen Verfassung. Darauf angesprochen sieht Ortiz den Grund dafür in seinem Kampfstil.

„Jeder der sich gerne ins Gesicht schlagen lässt, ist in meinen Augen ein Dummkopf“, so Ortiz. „Klar, für die Fans ist es toll einen KO zu sehen, aber ich persönlich möchte nicht ausgeknockt werden. [...] Wenn mich jemand schlägt, dann gehe ich zum Takedown, denn ich will einfach keine Treffer kassieren."

Statt den offenen Schlagabtausch bevorzugte der „Huntington Beach Bad Boy“ schon immer den Takedown, um seine Gegner aus der Guard mit zähem Ground and Pound zu bearbeiten. Eine Strategie, für die der frühere UFC Halbschwergewichtschampion häufig gescholten wurde, lies sie den Kampfverlauf doch oftmals eher unattraktiv erscheinen. Ortiz meint jedoch, dass die Zeit ihm Recht gibt: „Ich unterhalte mich gern mit anderen Menschen und würde dabei auch gern richtig verstanden werden. Ich habe noch eine deutliche Aussprache und muss nicht um meine Worte ringen oder ähnliches.“

Dass seine früheren Mitstreiter und Gegner Randy Couture und Chuck Liddell die Handschuhe mittlerweile an den Nagel gehangen haben, betrachten Ortiz nach eigener Aussage aber dennoch mit Wehmut: „Chuck Liddell war mein Freund“, so Ortiz. „Ich wollte damals nur den Fight entsprechend aufbauschen, aber in Wirklichkeit war Chuck schon immer mein Kumpel. Und bei Randy (Couture) habe ich fast angefangen zu weinen, als ich gesehen habe, wie er seinen letzten Kampf verloren hat. Meine gesamte Karriere über habe ich zu Randy aufgeschaut.“

Ortiz‘ eigene Karriere hat durch den Erstrundensieg über Favorit Ryan Bader dagegen erneut Schwung bekommen. Als Grund für seine starke Leistung am Samstag nannte Ortiz seine wiedererlangte körperliche Fitness. Nach schweren Rücken- und Nackenoperationen sei er nun zum ersten Mal seit Jahren wirklich fit in das Octagon gestiegen.

„Von Operationen wie ich sie hatte kommt ein Sportler normalerweise nicht zurück“, so Ortiz. „Da wäre jeder erledigt. Ich aber nicht, ich habe noch viel zu viel Feuer in mir und noch einiges, was ich in diesem Leben erreichen möchte.“

Ortiz glaubt, dass ihm in seiner jetzigen Verfassung niemand gefährlich werden kann. „Mir ist gelungen, was nicht einmal Jon Jones geschafft hat: ich habe Ryan Bader in der ersten Runde gestoppt“, freute er sich. „Ich bin gesund und ich fühle mich gut, es könnte mir momentan einfach nicht besser gehen.”

Mit dem Sieg über ein jungen Top-Namen wie Ryan Bader befindet sich Ortiz ohne Frage wieder im oberen Bereich der Halbschwergewichtsklasse. Schließlich war Bader ungeschlagen, bis ihm der jetzige Halbschwergewichtschampion Jon Jones im Februar seine erste Niederlage beibrachte. Wo er sich nach diesem Sieg in den Ranglisten dieser Welt befindet, kümmert Ortiz allerdings wenig.

„Ranglisten bedeuten einen Dreck“, zeterte Ortiz. „Das einzige was zählt ist, dass (UFC-Sportdirektor) Joe Silva mir große Fights gibt. Ranglisten bedeuten gar nichts, das habe ich heute deutlich bewiesen.“

Für die Offiziellen der UFC, insbesondere Lorenzo Fertitta und Dana White hatte Ortiz bei seiner Ansprache nichts als Lob übrig. Er bedankte sich überschwänglich für die Chance, die ihm gewährt wurde und lobte die Arbeit, die seine Bosse über all die Jahre verrichtet haben. Es gab keine Spur mehr von den Backstage-Animositäten, die es offenbar noch bei der Eröffnungspressekonferenz am Donnerstag zwischen ihm und Dana White gegeben hat. Darauf angesprochen, sagte Ortiz nur: „Dana versucht mich immer wieder aufs Neue zu testen und dafür bin ich ihm dankbar.“

“Tito und ich sind beide starke Persönlichkeiten, die sich wohl immer wieder in die Haaren kriegen werden“, fügte Dana White hinzu. „Aber wenn ich sage, dass ich keinen Groll mehr gegen ihn hege, dann meine ich das auch so.“

Im Internet kursieren bereits Gerüchte über einen möglich Kampf von Ortiz gegen den Siger des Duells zwischen Rich Franklin und „Lil‘ Nog“ Antonio Rogerio Nogueira. Ortiz selbst hat allerdings andere Namen im Sinn: „Eventuell Forrest Griffin oder den Gewinner von Griffin vs. Shogun. Ich will gegen Top-Leute antreten. Ich möchte den Fans geben, was sie sehen wollen, nämlich die größtmöglichen Fights. Ich habe Ryan Bader heute zum ersten Schritt auf meinem Weg zurück nach oben gemacht. Er dachte, ich wäre dieser Schritt für ihn, aber niemand übergeht mich so einfach.“

Weste wieder weiß

Auch die leichteren Gewichtsklassen dürfte, spätestens nach der unterhaltsamen Schlacht zwischen Dominick Cruz und Urijah Faber, im Hauptkampf von UFC 132 am Samstag, niemand mehr übergehen. „Urijah und ich haben heute gezeigt, dass wir sehr wohl einen UFC-Event anführen können. Wir trainieren alle hart, und arbeiten genauso schwer wie die anderen. Nur weil wir kleiner sind, heißt das nicht, dass wir es nicht auch ordentlich krachen lassen können“, sagte UFC Bantamgewichtschampion Dominick Cruz mit einem Lächeln.

Und Grund zu lächeln hatte er genug. Vier Jahre lang hatte Cruz auf die Chance gewartet, die bislang einzige Niederlage seiner Karriere ausbügeln zu können. War er damals noch ein unerfahrener, junger Herausforderer, begegnete er Faber im zweiten Aufeinandertreffen nun als Champion. Im Vorfeld des Kampfes kam es zu hitzigen Wortgefechten zwischen beiden Kämpfern, vor allem Cruz war um keine Spitze verlegen. Als am Samstag nach fünf actiongeladenen Runden die Schlacht endlich geschlagen war, stimmte er jedoch leisere Töne an.

„Ich bin eine Großklappe, das gebe ich zu. Ich respektiere jeden Kämpfer da draußen, aber sogar meine besten Freunde wissen, dass ich manchmal einfach ein Großmaul bin. Es war lustig und es ist ja ehrlich gesagt auch ziemlich einfach, etwas Blödsinn über Urijah Faber zu reden. Aber der Kerl hat eine Menge für die niedrigeren Gewichtsklassen getan, das kann man einfach nicht abstreiten.“

Das Image des Bösewichts, das Cruz schon während WEC-Zeiten innehatte, wurde er auch nach dem ambitionierten Sieg am Samstag nicht los. Ob es am „Faber-Effekt“ liegt – der unglaublichen Beliebtheit des „California Kids“, neben der jeder andere Kämpfer automatisch erblassen muss – oder an der manchmal etwas verqueren Persönlichkeit von Cruz – die Menschen lieben es ihn zu hassen. Nach der Verkündung des Urteils bei UFC 132 buhten knapp 13.000 Menschen im ehrwürdigen MGM Grand den „Domin8r“ aus. Doch Cruz trägt sich nicht schwer mit seiner Rolle als Hassfigur.

„Ich spiele nicht absichtlich den Bösewicht, ich bin einfach wie ich bin. Damit muss man dann einfach klar kommen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einem Kampf vom Publikum angefeuert wurde, also mache ich mir da gar nichts mehr draus. Wenn mich jemand bejubelt, ist das toll. Und wenn man mich ausbuht, dann treibt mich das nur noch mehr an, weil ich es allen Leuten zeigen will.“

Es steht nun eins zu eins zwischen den zwei wohl besten Bantamgewichten der Welt. Während die erste Begegnung zwischen Cruz und Faber nach nur 89 Sekunden vorüber war, lieferten sich beide nun im zweiten Duell einen attraktiven Fight über 25 volle Minuten. Klar, dass die Frage nach einem dritten Aufeinandertreffen da nicht lange auf sich warten ließ. Beide Kämpfer machten deutlich, nichts gegen einen solchen Kampf zu haben.

Guillard will den Titel, droht Siver mit KO

Melvin Guillard kämpfte zwar erneut nicht im Hauptprogramm der Veranstaltung, beendete seinen Kampf gegen Shane Roller aber spektakulär genug, um sich dennoch erneut ins Gespräch zu bringen. Der Erstrunden-KO über Roller markierte den fünften Sieg in Folge für das talentierte Leichtgewicht, das sich nach eigener Aussage sowohl körperlich als auch geistig in der Form seines Lebens befindet. Noch vor wenigen Jahren waren die Leistungen Guillards deutlich weniger konstant, er hatte Probleme mit Kokain und verbrachte mehr Zeit in Clubs als im Gym. Doch diese Zeiten sind lange vorbei, so der "Silent Assassin".

„Dane (White) hat einmal zu mir gesagt: ‘Junge, krieg dein Leben auf die Reihe, du könntest ein großartiger Kämpfer sein‘. Und genau das habe ich getan. Ich habe mich in den Entzug begeben und mein Leben auf die Reihe bekommen. Nun habe ich eine wunderschöne Frau und bin ein Familienmensch geworden. Ich hänge nicht mehr auf der Straße oder in den Clubs ab. […] Mein Alptraum ist, dass irgendein Kind mich nach meinem nächsten Fight fragt und ich bin nicht mehr in der UFC. Deshalb arbeite ich so hart. Ich bin hier und keiner kann mir meinen Platz streitig machen. Ich werde weiter jeden umhauen, bis ich einen Titelkampf bekomme.“

Und ebenjener Titelkampf scheint wichtiger als alles in Guillards Leben geworden zu sein. Auf die Frage nach einem Ausscheidungskampf gegen Teamkollege Clay Guida antwortete er: „Ich würde gegen Clay Kämpfen, aber nur wenn es dabei um den Titel geht. Ansonsten macht es für mich keinen Sinn, gegen meinen Teamkameraden anzutreten.“

Solange der Titel auf Spiel steht ist der Gegner für „Silent Assassin“ Guillard jedoch egal: „Ich würde gegen meinen Bruder kämpfen, wenn der UFC-Titel dabei auf dem Spiel steht. Sogar gegen meine Mutter würde ich für diesen Gürtel antreten. Ich meine das wirklich, mit meinem ganzen Herzen.“

Von seiner Überlegenheit in der momentan am dichtesten besiedelten Gewichtsklasse der UFC ist Guillard vollstens überzeugt. Das Leichtgewicht quillt vor Talenten und Titelkandidaten nur so über. Fragt man Guillard, so kann keiner von ihnen ihm das Wasser reichen: „Ich bin das beste Leichtgewicht der Welt, ich bin ein Finisher. Ich will weder Frankie Edgar noch Gray Maynard zu nahe treten, aber beide haben in ihrem letzten Fight gezeigt, dass sie Kämpfe nicht beenden können. Ich schon, ich suche immer den vorzeitigen Sieg. Ich kann das Finish förmlich riechen.“

Der deutsche UFC-Kämpfer Dennis Siver, der sich ebenfalls auf dem besten Weg zu einem künftigen Titelkampf befindet, saß nur einen Meter neben Guillard. Seit Monaten schon forderte er einen Rückkampf gegen den Amerikaner, der ihn bei UFC 86 nach nur einer halben Minute auf die Bretter schicken konnte. Nun brachte Guillard das Thema selbst auf den Tisch. „Dennis, wir können gern noch einmal kämpfen“, so Guillard. Als der zustimmend nickte, fügte er hinzu: “Dann schicke ich dich noch einmal schlafen.”

Condit will nicht warten

Carlos Condit, der mit seinem spektakulären eingesprungenen Knie gegen Dong Hyun Kim den Bonus für den KO des Abends einstreichen konnte, steht nach diesem weiteren beeindruckenden Sieg nun “in the Mix” für einen Titelkampf im UFC-Weltergewicht. Dumm nur, dass schon Nick Diaz als nächster Herausforderer auf Georges St. Pierres Titel feststeht. Die beiden werden im Oktober aufeinandertreffen.

„Ich will noch in diesem Jahr ein weiteres Mal kämpfen. Ich weiß, dass der zeitliche Rahmen dann für einen baldigen Titelkampf nicht besonders gut passt, aber ich will definitiv noch gegen Ende dieses Jahres kämpfen.”

Wer Dana White kennt, weiß, dass der UFC-Präsident eine solche Einstellung mag. Er bezeichnete Condit als eines der momentan besten Weltergewicht der Welt.