MMA Restliche Welt

"Als Müllmann würde ich mehr verdienen"

„Es ist erbärmlich, dass so viele Kämpfer nebenbei arbeiten müssen. Zum Glück habe ich noch einen anderen Job, denn die UFC zahlt nicht wirklich gut.“ – mit diesen Worten hat Tim Kennedy in der vergangenen Woche im GrappleTalk Podcast eine hitzige Diskussion neu entfacht: Zahlt die UFC ihren Kämpfern zu wenig Geld?

Am 6. Juli wird der frühere Strikeforce-Kämpfer bei UFC 162 gegen Roger Gracie sein UFC-Debüt geben. Für diesen Kampf wird ihm die UFC eine Antrittsgage in Höhe von 55.000 US-Dollar zahlen, ein Sieg würde ihm weitere 15.000 US-Dollar einbringen. Was auf den ersten Blick nach einer ordentlichen Geldsumme aussieht, ist laut Kennedy kaum genug, um gut über die Runden zu kommen.

So erklärte der 33-jährige Mittelgewichtler, dass ihm von seiner Antrittsgage am Ende nur knapp 20.000 US-Dollar bleiben würden und dieser Betrag noch versteuert werden müsse. Das Geld teile sich in der Vorbereitung auf den Kampf folgendermaßen auf:

- 13% für Gym-Gebühren
- 12% für Ernährung
- 10% für das Management
- 10% für den Trainer
- 8% für die Unterkunft während des Tainingscamps
- 3% für Medizin
- 3% für Trainingsequipement

Für Kennedy fließen somit satte 59% der Gage alleine in die Vorbereitung auf einen Kampf.

„Wer diese Bezahlung als Realität des Sports akzeptiert, ist armselig“, fuhr Kennedy fort. „Ich hoffe, dass das nicht als Realität abgestempelt wird. Falls doch, sollte ich vielleicht etwas anderes machen, wie zum Beispiel Mülleimer entleeren. Da würde ich mehr Geld verdienen.“

Nur wenige Stunden später entschuldigte er sich auf seiner offiziellen Facebook-Seite für seine Worte: „Wir verdienen mehr Geld als der durchschnittliche US-Bürger. Und das bekommen wir dafür, dass wir unseren Lieblingssport ausüben. Das ist nur durch Zuffa (die Mutterorganisation der UFC) möglich. Sie haben dem Sport zur Legalisierung verholfen und behandeln ihre Athleten besser als jede andere Organisation.[…] Meine Kommentare waren verletzend und unangemessen.[…] Für die UFC kämpfen zu dürfen, ist ein Privileg und eine Ehre.“

2.014 Dollar für einen Kampf

Auch wenn die Entschuldigung einen eher unfreiwilligen Eindruck macht, lässt sich wohl unumstritten sagen, dass der MMA-Sport erst durch die UFC so bekannt geworden ist. Durch diese Bekanntheit wurde es erst möglich, dass Kämpfer durch ihren Sport zu Millionären wurden. Laut UFC-Mitbesitzer Lorenzo Fertitta hat die UFC bislang knapp 70 Millionäre hervorgebracht, 30 davon in den letzten beiden Jahren. Bis es ein Kämpfer dahin schafft, ist es aber ein langer und steiniger Weg.

Als Neuankömmling ist es in der UFC kaum möglich, ohne starke Sponsoren und Nebentätigkeit von der Kampfgage zu leben. Das machte auch John Colish deutlich, der die Bezahlung der UFC nach seiner Entlassung lautstark kritisierte. Bei UFC on FX 8 musste er sich in seinem dritten UFC-Kampf gegen Gleison Tibau geschlagen geben. Von der vertraglich vereinbarten Antrittsgage in Höhe von 8.000 US-Dollar bekam er jedoch lediglich 2.014 US-Dollar von der UFC überwiesen, da von der ursprünglichen Summe Steuern, zusätzliche Flüge, Visum- und Lizenzgebühren gezahlt werden mussten. Für Colish ist dieser Betrag  dank eines Jobs an der Wall Street nur ein kleiner Nebenverdienst. Ein Sportler ohne Nebenjob kommt damit bei durchschnittlich zwei bis drei Kämpfen im Jahr aber kaum über die Runden. Colish spendete das Geld letztendlich den Opfern der Tornado-Katastrophe von Oklahoma.

Leistung wird bezahlt

Zur Aufstockung der Gage bietet die UFC ihren Kämpfern jedoch Bonuszahlungen an. Neben einer – im Normalfall – vertraglich vereinbarten Siegesprämie, hat jeder Kämpfer während einer Veranstaltung die Chance, einen Bonus von mindestens 50.000 US-Dollar für den Knock-out, die Submission oder den Kampf des Abends abzustauben. Außerdem werden hinter den Kulissen so genannte „Locker Room“-Boni ausgezahlt. Liefert ein Kämpfer eine besonders gute Leistung im Kampf ab, kann es durchaus sein, dass die UFC ihm einen Extrascheck ausstellt.

Auch die Bewerbung eines Kampfes kann sich lohnen. Der frühere UFC-Kämpfer Sean McCorkle erklärte nach seiner Entlassung, dass er für jeden seiner Kämpfe eine vertraglich nicht vereinbarte Bonuszahlung bekam. Selbst für seinen unansehnlichen Kampf gegen Stefan Struve zahlte ihm die UFC zusätzlich knapp 10.000 US-Dollar für die unterhaltsame Bewerbung des Kampfes im Vorfeld von UFC 124.

Vierteljährliche Bonusgelder für Kämpfer, die den Kurznachrichtendienst Twitter besonders aktiv und kreativ verwenden, sowie gelegentliche Sachgeschenke in Form von iPads sollen den Kämpfern einen zusätzlichen Motivationsschub geben.

Garantiert wird einem jedoch nur die Antrittsgage. Läuft es in einem Kampf mal nicht so wie erwartet, wird ein Sportler unter Umständen mit gerade einmal 2.014 US-Dollar nach Hause geschickt.

Dann unterschreib halt nicht!

„Selbst schuld!“, sagte UFC-Schwergewicht Travis Browne bezugnehmend auf Tim Kennedys Kommentare. „Wenn du dem Vertrag zustimmst und unterschreibst, hast du nicht das Recht dazu, nachträglich über die Bezahlung zu meckern.“

In der Tat ist es jedem selbst überlassen, seine Unterschrift unter einen Vertrag zu setzen. Finanziell bessere Angebote wird es besonders für unbekanntere Kämpfer kaum geben. Sicherlich würde es die UFC als Millionen-Unternehmen nicht in den Ruin treiben, ihren Neuverpflichtungen mehr Geld zu zahlen. Andererseits spülen diese Kämpfer kein Geld in die Kassen der UFC, was eine höhere Bezahlung aus wirtschaftlicher Sicht weniger sinnvoll erscheinen lässt.

Auch wenn ein Kämpfer durch einen UFC-Vertrag zunächst nicht mit Reichtum überschüttet wird und unter Umständen ein Nebenjob notwendig ist, bietet er eine große Chance: Die Chance, mit dem Hobby bei entsprechender Leistung ein gutes, vielleicht sogar wohlhabendes Leben führen zu können.