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MMA - Europa

Weltverband IMMAF klagt gegen MMA-Verbot in Frankreich

Foto: Dorian Szücs

Der 3. Oktober 2016 war ein schwarzer Tag für den europäischen MMA-Sport. An diesem Datum verkündete das französische Sportministerium in einem Amtsblatt offiziell das Verbot von öffentlichen MMA-Veranstaltungen. MMA-Weltverband IMMAF und dessen französischer Landesverband CFMMAF haben nun Klage gegen das Verbot eingereicht.

Am 22. Dezember klagte die Commission Française de Mixed Martial Arts (CFMMA) vor dem Kassationshof - dem höchsten Gericht Frankreichs, vergleichbar mit dem deutschen Bundesgerichtshof - gegen das Dekret vom Oktober, das einige der zentralen MMA-Techniken, wie Ellenbogenschläge oder Schläge im Bodenkampf, und damit faktisch den MMA-Sport als Ganzes verbietet.

CFMMA sieht "Angriff auf Menschenrechte"

Sportanwältin Tatiana Vassine, die mit der Klage beauftragt wurde, sieht in dem Verbot einen "Angriff auf das Menschenrecht von Sportlerinnen und Sportlern, in einem freien Land die Disziplin ihrer Wahl ausüben zu können". MMA sei ein Sport und müsse auch als solcher behandelt werden, so Vassine. Das einzige Positivum des Dekrets sei die Tatsache, dass nun endlich auch juristisch gegen den Gegner des MMA-Sports vorgegangen werden könne.

Denn bis zum gesetzlichen Verbot befand sich MMA in Frankreich in einer Art juristischen Grauzone, war offiziell zwar erlaubt, aber mit vielen Widerständen konfrontiert. Auch aufgrund der Lobbyarbeit des mächtigen französischen Judoverbandes, der befürchtet, Sportler und Fans an das MMA-Lager zu verlieren. Besonders unverständlich: Die Regierung ignorierte mit ihrem Verbot eine zuvor selbst in Auftrag gegebene parlamentarische Untersuchung, die zum Ergebnis die Empfehlung hatte, den MMA-Sport anzuerkennen und staatlich zu regulieren.

IMMAF-Präsident vermutet etablierte Verbände hinter Verbotsbestrebungen

Für eine Anerkennung und Regulierung hatte sich auch IMMAF-Präsident Kerrith Brown ausgesprochen, der glaubt, ein staatliches Verbot erhöhe nur die Risiken für die Sportler, die dann in unsanktionierten Events, ohne einheitliches Regelwerk antreten würden. Er fordert eine Zusammenarbeit des Staates mit seinem Verband, um Strukturen für die Sicherheit dieser weltweit rasant wachsenden Sportart schaffen. Das Verbot bezeichnet er als "diskriminierenden und aggressiven Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen". Als Motor der Verbotsbestrebungen vermutet er die wirtschaftlichen Interessen etablierter Kampfsportverbände.  

CFMMA-Präsident Betrand Amoussou, selbst hochdekorierter Judoka, ist sich sicher, dass die Klage seines Verbandes Erfolg haben wird. "MMA ist nicht aufzuhalten", erklärt er in einer Pressemitteilung. "Schändlich ist eher die Haltung des Parlaments, das um jeden Preis einen Sport verbieten will, der inzwischen fast überall auf der Welt erlaubt ist - nur um die Interessen einiger bestimmter Gruppen zu schützen."  

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