MMA - Europa

UFC on Fuel TV 5: Struve knockt Miocic aus, Hardy gewinnt nach Punkten

Die Linke, die das Ende einleitete: Stefan Struve besiegt Stipe Miocic. (Alle Fotos: Dorian Szücs/GroundandPound)

In der weitestgehend ausverkauften Capital FM Arena in Nottingham sahen die Fans am Samstagabend einige actiongeladene Kämpfe, inklusive eines Schwergewichts-K.o.'s und dem Sieg ihres Lokalmatadors Dan Hardy. Der detaillierte Veranstaltungsbericht:

Stefan Struve vs. Stipe Miocic
In Runde eins des Hauptkampfes schien Struve noch Probleme damit zu haben, seine Reichweite zu nutzen und ließ Miocic immer wieder mit Kombinationen und harten Körperhaken durchkommen. Zwar landete er auch selbst immer wieder beim viel zu offenen Miocic, sah in dieser Runde insgesamt aber schlechter aus, als sein amerikanisches Gegenüber.

Im zweiten Durchgang spielten Struve und Miocic Rocky und hangelten sich von einem offenen Schlagabtausch zum anderen. Dabei wurden beide Kämpfer immer wieder angeklingelt. Nach einem Ausrutscher von Miocic erwischte Struve ihn mit einer rechten Geraden. Miocic taumelte, drehte sich weg und Struve setzte gnadenlos nach. Miocic nahm mehrere harte Folgetreffer und war stehend K.o. als Referee Herb Dean einschritt und den Kampf nach 3:50 Minuten abwinkte.

Will nun hoch hinaus: Stefan Struve.

Dan Hardy vs. Amir Sadollah
Beide Co-Hauptkämpfer lieferten sich eine ausgeglichene erste Runde, in der sowohl Sadollah, als auch Lokalmatador Hardy gute Hände und Kniestöße im Clinch landen konnten. In letzter Sekunde gelang Hardy noch ein Takedown, der ihm die Runde gesichert haben dürfte.

Im Interview mit GnP-TV deutete Hardy mit einem Zwinkern an, dass in seinem Kampf „alles passieren“ könne. Und er hielt Wort. Sicherlich hätte niemand damit gerechnet, dass der Standkämpfer den Bodenkampf als Strategie suchen würde. Aber so war es. Gleich zwei Takedowns erzielte Hardy in Runde zwei, erwehrte sich eines Triangle Choke-Versuches und beendete die Runde mit starkem Ground and Pound, das Sadollah einen Cut am rechten Jochbein zufügte.

Auch im dritten Durchgang suchte der „Outlaw“ sofort wieder den Shoot und brachte Sadollah zu Boden, wo er ihm in bester Tito Ortiz-Manier mit zähem Ground and Pound aus der Guard zusetzte. Am Einstimmigen Punktsieg Hardys bestand kein Zweifel, die Punkrichter entschieden mit 29:28, 29:28, 30:27 für den Briten, der anschließend unter ohrenbetäubendem Jubel die Käfigwand bestieg und sich in Robin Hood-Pose feiern ließ.

Unerwartet: Dan Hardys Takedowns haben ihm den Sieg beschert.

Brad Pickett vs. Yves Jabouin
Pickett und Jabouin lieferten sich für gut drei Minuten den vielleicht actiongeladensten Kampf des Abends. Jabouin landete vor allem brachiale Kniestöße und Kicks, die Pickett aber nichts auszumachen schienen, der „One Punch“ marschierte immer weiter vorwärts und attackierte mit Haken. Als plötzlich ein rechter Aufwärtshaken Picketts voll einschlug, ging Jabouin zu Boden. Der Brite folgte ihm auf dem Fuße und setzte mit zwei harten Händen nach, bevor der Referee dazwischen sprang und den Kanadier vor größerem Schaden bewahrte. Danach war Zeit zu feiern, mit einer kleinen Tanzeinlage Picketts, der anschließend feiernd auf die Käfigwand des Octagons kletterte.

Brad Pickett macht seinem Spitznamen alle Ehre und gewinnt durch Erstrunden-K.o.

Paul Sass vs. Matt Wiman
Alle Welt wartete auf einen weiteren Triangle-Sieg von Paul Sass, doch Matt Wiman, machte allen einen Strich durch die Rechnung. Zwar begann er den Kampf taktisch unklug mit einem Kick, der sofort von Sass abgefangen zum Takedown genutzt wurde, konnte am Ende aber selbst durch Submission gewinnen. Einen Leglock-Versuch von Sass , der sich aus er Guard nach hinten fallen ließ, konnte Wiman vereiteln, ebenso einen Triangle-Ansatz und einen weiteren Leglock. Dann war er dran: Von einem Triangle Choke wechselte er schließlich in einen Armbar und bekam den Arm des Engländers nach 1:48 Minute schließlich gestreckt. Sass klopfte unter Schmerzen ab und fuhr somit seine erste Karriereniederlage ein. Wiman war beim Interview nach dem Kampf sehr emotional und überglücklich über den Sieg.

Mattwiman submittet den Submission-Künstler Paul Sass.

John Hathaway vs. John Maguire
In der ersten Runde gelang es Maguire nicht, die Distanz zu Hathaway zu überbrücken und den im Stand überlegenen Landsmann zu Boden zu bringen. Hathaway landete immer wieder Hände und bewegte sich anschließend aus der Gefahrenzone. Große Risiken ging er dabei nicht ein.

Im zweiten Durchgang punktete Hathaway nach einem Highkick vor allem mit einem Trip-Takedown, machte aus der Guard, Half- und Open-Guard aber schlicht zu wenig, was das Publikum in Nottingham zunehmend mit Buhrufen quittierte.

Auch die dritte Runde ließ Action vermissen. Wieder kontrollierte Hathaway minimalistisch im Stand, ohne sich auf Clinches oder Schlagabtausche einzulassen, die Maguire die Möglichkeit zu einem Takedown gegeben hätten. Erst gut eine Minute vor Ende der Runde gelang es dem Gipsy Jiu-Jitsu-Spezialisten, den Kampf auf den Boden zu verlagern, wo er krampfhaft versuchte, eine Submission am linken Arm von Hathaway zu bekommen. Die bekam er jedoch nicht, so dass am Ende alle drei Punktrichter mit 30:27 für den „Hitman“ werteten.

Die Schlacht der Briten blieb hinter den Erwartungen zurück.

Che Mills vs. Duane Ludwig
Der erste Kampf des Hauptprogramms nahm ein schnelles, aber unglückliches Ende: Nachdem Mills Ludwig von Beginn an mit Händen und Kniestößen dominieren und zügig zu Boden bringen konnte, verdrehte sich „Bang“ bei einem weiteren Takededown von Mills das linke Knie und signalisierte Referee Herb Dean unter Schmerzen, unmöglich weiterkämpfen zu können. Der Kampf wurde sofort abgewunken und Mills zum Sieger via TKO erklärt.

Duane Ludwig wird beim Weg aus dem Octagon gestützt, Mills feiert im Hintergrund seinen Sieg.

Kyle Kingsbury vs. Jimi Manuwa
Kingsbury wollte vom Standkampf mit dem ungeschlagenen UFC-Debütant Manuwa selbstverständlich nichts wissen und brachte ihn recht schnell zu Boden. Ein Choke-Ansatz klappte jedoch nicht, und Manuwa gelangte zurück auf die Füße. Nach etwas Clincharbeit trennten sich beide und die Talfahrt für Kingsbury begann. Nach einem harten Treffer von Manuwa war er praktisch nur noch ein bewegliches Ziel für eine Variation von Schlägen, Kniestößen und Kicks. Kingsbury absorbierte bis zum Rundenende eine unglaubliche Menge Schaden – doch hielt durch.

Runde zwei verlief ähnlich, wieder gelang Kingsbury ein Takedown, wieder gelangte Manuwa auf die Beine und wieder deckte er den Amerikaner mit Kombinationen ein. Zwar schaffte Kingsbury gegen Ende noch einmal einen Takededown und er konnte Manuwa am Boden festpinnen, doch hatte er auch in dieser Runde wieder jede Menge Treffer genommen.

Die zeigten natürlich Wirkung, das linke Auge Kingsbury war in der Pause zu Runde drei komplett zugeschwollen, so dass dem Ringarzt nach längerer Absprache mit dem Ringarzt nichts anderes übrig blieb, als den Kampf abzuwinken.

Auf dem Zweiten sieht man schlechter: Kingsbury wird nach zwei Runden aus dem Kampf genommen.

Andy Ogle vs. Akira Corassani
Im Duell der beiden The Ultimate Fighter-Teilnehmer sah zu Beginn alles nach einem schnellen Sieg für Ogle aus, der Corassani gleich zweimal mit einem linken Haken auf die Bretter schicken konnte. Echte Wirkungstreffer schienen das jedoch nicht gewesen zu sein, denn Corassani kam stark zurück und packte kurz darauf seinerseits einen Haken aus. Mit rechts klingelte er den Briten gehörig an und übernahm von da an die Kontrolle im Octagon.

Auch die zweite Runde kontrollierte der Schwede im Stand, Ogle wirkte noch immer angeschlagen und schlug vermehrt ins Leere. Corassani boxte den Briten aus, erst kurz vor Rundenende gelang Ogle ein Takedown und er landete, nach einem missglückten Guillotine-Versuch, einige Treffer am Boden. Corassani kam jedoch wieder auf die Füße und teilte selbst einen Schlag aus – der allerdings ein wenig nach dem Pausensignal landete, Ogle unvorbereitet erwischte und auf den Allerwertesten schickte.

Im dritten Durchgang konnte Ogle das Blatt nach einem Takedown noch einmal wenden, Corassani am Boden kontrollieren und einige Treffer landen. Nach drei Runden ging er mit erhobenem Finger siegessicher in seine Ecke, während Corassani eher schlecht gelaunt mit seinen Betreuern diskutierte. Die schlechte Laune war unbegründet, zwei von drei Punktrichtern werteten den Kampf mit 29:28 für ihn. Nur ein Mitglied des Punktgerichts sah den Kampf mit unverständlichen 30:27 bei Ogle.

Duell der TUF-Veteranen: Corassani besiegt Ogle knapp nach Punkten.

Tom Watson vs. Brad Tavares
UFC-Debütant Watson teilte von Beginn an gut aus, hatte aber Probleme, die richtige Distanz gegen Tavares zu finden. So zeigten seine eigenen Treffer kaumWirkung, dafür nahm er immer wieder Konter und vor allem Takedowns des Amerikaners. Im ersten Durchgang ganze zwei, einen weiteren in der zweiten Runde. Tavares sicherte sich zügig die Backmount und arbeitete an einem Choke, Watson schaffte es jedoch in die Pause.

Im dritten Durchgang konnte Watson noch einmal im Stand, und nach einem missglückten Takedown von Tavares einige Treffer landen und die letzte Runde mit etwas gutem Willen vielleicht für sich entscheiden. Unter dem Strich machte er aber auch hier zu wenig und kassierte zu viel. Die Entscheidung von zwei der drei Punktrichter lautete nach drei Runden dementsprechend 30:27 und 29:28 für Tavares. Erneut wertete der dritte Richter den Kampf mit 29:28 für den Engländer Watson.

Debüt verpatzt: Tom Watson (l.) unterliegt Brad Tavares nach Punkten.

DaMarques Johnson vs. Gunnar Nelson
Dies war das UFC-Debüt des isländischen Grappling-Asses Nelson, der ursprünglich gegen den Deutschen Pascal Krauss hätte antreten sollen. Nach dessen Verletzung sprang Johnson kurzfristig ein, wirkte aber, als hätte er keine richtige Lust auf den Kampf. Fehlende Vorbereitungszeit und ein schwerer Weight-Cut haben offenbar zu viel Substanz beim Amerikaner gekostet. Nelson hatte wenig Probleme, die Distanz zum Standkämpfer mit einigen Schwingern zu überbrücken und Johnson mit einem Double-Leg Takedown zu Boden zu bringen. Dort verteidigte er mühelos einen Armbar- und Omoplata-Versuch Johnsons, sicherte sich anschließen die Mount, Backmount und nach einigem Hin und Her schließlich den Rear-Naked Choke.

Debüt nach Maß: Gunnar Nelson hatte keine Probleme mit DaMarques Johnson.

Jason Young vs. Robbie Peralta
Der erste Kampf des Abends war schnell vorüber. Beide begannen ohne große Abtastphase mit einem wilden Schlagabtausch, bei dem Jason Young schlechter weg kam, als sein Gegner Robbie Peralta. Ein rechter Haken Peraltas schickte den Briten zu Boden, Peralta setzte mit fünf Hamerfaustschlägen nach, bis der Referee nach 23 Sekunden dazwischenging. Damit war der Kampf beendet - und vorerst vermutlich auch die UFC-Karriere von "Shotgun" Young.

Aus der Traum: Nach 23 Sekunden war Schluss für Jason Young.

Die Ergebnisse des Abends im Überblick:

UFC on Fuel TV 5: Struve vs. Miocic
29. September 2012
Capital FM Arena in Nottingham, England

Hauptprogramm (ufc.tv)
Stefan Struve bes. Stipe Miocic via TKO nach 3:50 in Rd. 2
Dan Hardy bes. Amir Sadollah einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)
Brad Pickett bes. Yves Jabouin via K.o. nach 3:40 in Rd. 1
Matt Wiman bes. Paul Sass via Armbar nach 3:38 in Rd. 1
John Hathaway bes. John Maguire einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Che Mills bes. Duane Ludwig via TKO nach 2:28 in Rd. 1

Vorprogramm (Facebook)
Jimi Manuwa bes. Kyle Kingsbury via TKO nach 0:00 in Rd. 3
Akira Corassani bes. Andy Ogle geteilt nach Punkten (29:28, 27:30, 29:28)
Brad Tavares bes. Tom Watson geteilt nach Punkten (30:27, 28:29, 29:28)
Gunnar Nelson bes. DaMarques Johnson via Rear-Naked Choke nach 3:34 in Rd. 1
Robbie Peralta bes. Jason Young via K.o. nach 0:23 in Rd. 1