MMA - Europa

UFC on Fuel TV 2

Nach sechs Wochen Pause wird an diesem Samstag wieder das Octagon seine Tore öffnen. Gleichzeitig wird es das erste Mal sein, dass die UFC in Schweden gastiert und damit nach England, Irland und Deutschland ihre Expansion auf ein viertes europäisches Land ausweitet.

Joe Silva, Sean Shelby und Co. haben sich für ihr Debüt im hohen Norden nicht lumpen lassen. Ganze zwölf, größtenteils spannende und teilweise hochkarätige Kämpfe bietet die Veranstaltung - die etwa 16.000 Plätze der Ericsson Globe Arena in Stockholm waren innerhalb von drei Stunden vergeben, womit Schweden einen Rekord für europäische UFC-Veranstaltungen aufgestellt hat.

Da UFC on Fuel TV 2 auf einem nahen Längengrad stattfindet, muss hierzulande niemand auf Zeitverschiebungen achten: Die per Facebook gezeigten Vorkämpfe des Events werden voraussichtlich um 18:30 Uhr, das auf ufc.tv übertragene Hauptprogramm um 21:00 Uhr beginnen.

Alexander Gustafsson  vs. Thiago Silva

Der Main Event von UFC Schweden zeigt zwei Halbschwergewichte, für die ein Sieg aus unterschiedlichen Gründen äußerst wichtig ist: Den zuletzt sehr erfolgreichen jungen Schweden Alexander Gustafsson und den von Verletzungen, Niederlagen und Sperren zurückkehrenden  Thiago Silva.

Gustafsson (13-1), genannt "The Mauler", kam im Jahr 2009 unbesiegt in die UFC und konnte dort mit einem schnellen und brutalen Knockout gegen Jared Hamman auch gleich einen sehr guten Ersteindruck hinterlassen. Sein zweiter Kampf, bei UFC 112 in Abu Dhabi, verlief dann allerdings weniger erfolgreich, denn der Schwede wurde seinerseits durch einen Anaconda Choke von Phil Davis in der ersten Runde abgefertigt.

Als Konsequenz dieses ersten Misserfolgs entschied sich Gustafsson dazu, bei Alliance MMA im kalifornischen San Diego mit eben jenem Davis zu trainieren. Eine gute Entscheidung, wie sich herausgestellt hat, denn der 25-Jährige konnte seitdem nicht nur jeden seiner Gegner innerhalb der ersten beiden Runden nach Hause schicken, er sah auch mit jedem Kampf ein Stückchen besser aus. Nach Siegen gegen Veteranen wie Vladimir Matyushenko, Cyrille Diabaté und Matt Hamill wird Gustafsson beim Debüt der UFC in seinem Heimatland auf seinen bisher schwierigsten Gegner treffen, den Brasilaner Thiago Silva (14-2-0(1)).

Für Silva ist diese Begegnung ein Comeback-Kampf. Nachdem er bereits nach seiner Niederlage gegen Rashad Evans bei UFC 108 im Januar 2010 wegen einer Rückenverletzung ein Jahr pausieren musste, sollte es gegen Brandon Vera im Januar 2011 wieder einen Sieg geben.
Silva konnte den körperlich deutlich unterlegenen Vera dann zwar auch über drei Runden dominieren, im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass ein Steroidtest des Brasilianers positiv gewesen war – der ursprüngliche Sieg wurde in einen nichtgewerteten Kampf umgewandelt.

Silva zeigte sich einsichtig und gab als Grund für den Steroidkonsum ein Wiederkehren seiner Rückenverletzung während des Trainingscamps an; eine erneute, einjährige Zwangspause durch die von der Sportkomission aus Nevada verhängte Sperre konnte er damit aber nicht verhindern.
Eigentlich sollte Silva erst nächsten Monat gegen Igor Pokrajac wieder ins Octagon zurückkehren, die verletzungsbedingte Absage von Gustafssons ursprünglichem Gegner, Antonio Rogerio Nogueira, bot allerdings eine willkommende Gelegenheit, schon ein paar Wochen früher wieder mitzuspielen.

Silva fungiert dabei als Test für Gustafsson: Sollte der Schwede am Samstag gewinnen, wäre er endgültig in den oberen Regionen der Halbschwergewichtsklasse angekommen. Sollte Silva gewinnen, würde er seinerseits nach den schwierigen letzten Kämpfen seinen früheren Status in der Gewichtsklasse wiedererlangen.

Brian Stann vs.  Alessio Sakara

Der zweite Hauptkampf des Abends zeigt eine explosive Begegnung im Mittelgewicht. Brian "All American" Stann (11-4) bekommt dabei die Gelegenheit, nach dem ersten Misserfolg in dieser Gewichtsklasse wieder an seine vorherige Erfolgsserie anzuknüpfen.

Nach einer Niederlage gegen Phil Davis, Anfang 2010, wechselte Stann von 93 Kilo ins Limit bis 85 Kilo, und konnte dort nacheinander Mike Massenzio, Chris Leben und Jorge Santiago vorzeitig besiegen. Im Oktober nahm dieser überraschende Lauf allerdings ein ebenso jähes Ende: Der nach seinen diversen Sperren zurückkehrende Chael Sonnen entpuppte sich als eine Nummer zu groß für Stann – in der zweiten Runde konnte er den Ex-Marine mit einem Arm-Triangle Choke zum tappen bringen.

Nach der turbulenten Zeit im Jahr 2011 ist es über die letzten Monate ruhig um den "All American" geworden. Das dürfte sich am Samstag ändern, denn dann wird er mit Alessio "Legionarius" Sakara (15-8(1)) im Octagon eingeschlossen, und sowohl Stann, als auch der bärtige Italiener verbringen ungern eine volle Viertelstunde darin.

Dessen Vergangenheit als Profi-Boxer dürfte zusammen mit Stanns gern von ihm eingesetzten, harten Händen für einen unterhaltsamen, wenn auch nicht übermäßig bedeutenden Co-Main Event sorgen.

Paulo Thiago vs. Siyar Bahadurzada

Ähnlich wie bei der Begegnung zwischen Stann und Sakara erwarten die Fans auch von diesem Kampf eine spannende Schlacht. Das ist nicht verwunderlich, denn mit den Weltergewichtlern Paulo Thiago und Siyar Bahadurzada steigen zwei Männer ins Octagon, die den "Warrior Spirit" der gemischten Kampfkünste perfekt verkörpern.

Thiago (14-3), dessen MMA-Karriere im Hinblick auf seine hauptberufliche Tätigkeit als Elitepolizist oft als entspannendes Hobby bezeichnet wird, könnte mit einem Sieg wieder ordentlich Lärm in der Weltergewichtsklasse machen. Genau das gelang dem Brasilianer zu Beginn seiner UFC-Karriere, als er – damals noch weitgehend unbekannt – sowohl Josh Koschek als auch Mike Swick vorzeitig besiegen konnte und damit die gesamte MMA-Szene überraschte.

Auf diese Erfolgsgeschichte folgten allerdings relativ eindeutige Punktniederlagen gegen Martin Kampmann und Diego Sanchez, die den Stern Thiagos von ganz oben nach weit unten stürzen ließen. Zehn Monate nach dem Kampf gegen Sanchez konnte sich Thiago zwar mit einem Punktsieg gegen David Mitchell vorerst rehabilitieren, in Stockholm sollte am Samstag aber ein weiterer Erfolg her, um unter den über 60 anderen Weltergewichtlern der UFC nicht in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen.

Sein Gegner ist der zur Zeit einzige Afghane in der UFC, Siyar "The Great" Bahardurzada (20-4-1). Dieser sorgte in der Vergangenheit bereits im Mittel- und Halbschwergewicht für Furore, wo er eine Statistik von 17 Siegen bei nur vier Niederlagen erkämpfen konnte.

Seit er im Jahr 2010 in die Weltergewichtsklasse gewechselt ist, hat er auch dort mit drei TKO-Siegen ordentlich aufgeräumt, was ihm einen Vertrag mit der UFC einbrachte. Eigentlich sollte Bahadurzada im vergangenen Januar in Rio de Janeiro gegen den ähnlich zerstörerischen Erick Silva seine Karriere im Octagon beginnen, dieser Kampf ist allerdings durch eine Verletzung vonseiten des Afghanen nicht zustande gekommen.

Zumindest für die europäischen Fans ist das allerdings gar nicht so bedauerlich, denn nun wird Bahadurzada in Stockholm auf den ähnlich stark respektierten Thiago treffen.

Dennis Siver vs. Diego Nunes

Dieser Kampf ist besonders aus deutscher Sicht sehr interessant, denn der Mannheimer Kickboxspezialist Dennis Siver (19-8) wird das erste Mal seit seiner Niederlage gegen Donald Cerrone wieder im Octagon zu sehen sein und dabei sein Debüt in der Federgewichtsklasse geben.

Siver wurde 2008 in seinem ersten Anlauf nach drei Niederlagen in vier Kämpfen von der UFC vor die Tür gesetzt, kurze Zeit später allerdings schon wieder zurückgeholt. Seitdem konnte der gelernte KFZ-Meister im Octagon fast nur überzeugen und dabei viele Kritiker auf seine Seite ziehen. Bis Mitte letzten Jahres standen einer knappen Punktniederlage gegen Ross Pearson ganze sieben Siege, u.a. gegen Andre Winner, Spencer Fisher, Matt Wiman und George Sotiropoulos gegenüber.

Nach einer solchen Serie ist es nicht überraschend, dass Siver für viele schon als möglicher Titelherausforderer galt. Ende Oktober 2011 wurden diese langsam Gestalt annehmenden Träume dann allerdings von Donald Cerrone vorerst zerstört, der den Kampf der beiden in der ersten Runde mit einem Rear Naked Choke beendete.

Sivers Antwort darauf ist ein Wechsel ins Federgewicht, also in das Gewichtslimit bis 66 Kilo. Kurze Zeit, nachdem sich Gerüchte um einen Rückkampf mit dem Engländer Ross Pearson als falsch herausgestellt hatten, wurde bekanntgegeben, dass Dennis Siver dennoch in Stockholm antreten wird, und zwar gegen den Brasilianer Diego "The Gun" Nunes (17-2).

Nunes, ein Trainingspartner von Federgewichtschampion Jose Aldo, stand vor weniger als einem Jahr noch kurz vor einem möglichen Duell mit seinem Freund. Nach einem Sieg über den ehemaligen WEC-Champion Mike Brown stand Nunes bei UFC 131 mit Kenny Florian im Co-Main Event – dem Sieger winkte ein Titelkampf gegen Aldo.

Nachdem er anfangs eine gute Figur gegen den Veteranen machte, ging Nunes im späteren Verlauf des Kampfes die Puste aus, was nach drei Runden in einer einstimmigen Punktniederlage endete.
Ende 2011 brachte sich der Brasilianer mit einem Sieg gegen Manny Gamburyan wieder zurück in die Spur und wird nun mit Dennis Siver um einen Platz in den weiter oben gelegenen Regionen der Federgewichtsklasse kämpfen.

Fans dürfen sich also auf ein spannendes Duell zwischen zwei versierten Standkämpfern freuen, indem sich die Frage nach dem besten Spinning Back Kick der UFC endgültig entscheiden könnte.

DaMarques Johnson vs. John Maguire

Vor den Augen von Weltergewichtschampion Georges St. Pierre werden am Samstag vier Kämpfe in dessen Gewichtsklasse stattfinden – in einem davon trifft TUF-Finalist DaMarques Johnson auf den Engländer John Maguire.

Der für seine grotesken Grimassen bekannte Spaßvogel Johnson (16-9) wird dabei wieder für höchstens 15 Minuten Ernst machen und versuchen, an den krachenden Erstrundenknockout gegen Clay Harvison aus dem November 2011 anzuknüpfen, der ihm einen Platz auf dem Hauptprogramm des Schweden-Events eingebracht hat.

John "The One" Maguire (17-3) war im selben Monat ebenfalls erfolgreich. Er überlebte einen frühen Niederschlag durch seinen Gegner Justin Edwards, um ihn in den restlichen Minuten des Kampfes mit Grappling zu kontrollieren und eine einstimmige Punktentscheidung einzufahren.

Brad Pickett vs. Damacio Page

Im Bantamgewicht wird vor Maguire auch der populärste Engländer auf dem Programm seinen zweiten Kampf in der UFC bestreiten: Brad "One Punch" Pickett (20-6). Der charismatische gebürtige Londoner konnte seinen ersten Gegner im Gegensatz zu John Maguire allerdings nicht besiegen; nach einigen wilden Schlagabtauschen wurde Pickett von Renan Barao mit einem Kniestoß zu Boden und anschließend per Rear Naked Choke vorzeitig zum Duschen geschickt.

Nach dem enttäuschenden Einstand bekommt Pickett mit diesem Kampf eine weitere Chance, sich nach einigen soliden Erfolgen in der WEC auch in der Bantamgewichtsklasse der UFC zu etablieren. Sein Gegner wird der Amerikaner Damacio "The Angel of Death" Page (12-6) sein, der das letzte Mal im März 2011 im Octagon zu sehen war: Bei UFC on Versus 3 beendete Brian Bowles den zweiten Kampf der beiden genau wie den ersten; nach 3:30 Minuten der ersten Runde durch einen Guillotine Choke.

Diese Kuriosität wird Page allerdings herzlich egal sein, denn durch eine Niederlage in der WEC gegen Demetrius Johnson aus dem Jahr 2010 befindet er sich derzeit auf einer Durststrecke von zwei Kämpfen; bei einer weiteren Niederlage könnte es also eng für den von Greg Jackson trainierten Page werden.

Die Vorkämpfe

Auch das Vorprogramm wird in Stockholm zum großen Teil von Europäern bevölkert. Neben einigen zuletzt weniger erfolgreichen UFC-Veteranen bekommt in Stockholm eine ganze Ladung neuer, junger Kämpfer die Gelegenheit, sich auf der großen Bühne einen Namen zu machen: Die eine Hälfte der Kämpfer des auf Facebook gezeigten Teils der Veranstaltung sind bisher nur für kleinere Organisationen angetreten, die andere bringt es dagegen auf nur drei UFC-Siege in insgesamt 13 Kämpfen.

Interessant ist dabei unter anderem die zweite Chance für den Schweden Papy Abedi (8-1), sich in der UFC zu etablieren. Der erste Anlauf des gebürtigen Kongolesen hatte im letzten Jahr für einiges Aufsehen gesorgt, denn Abedi nahm es in seinem Debüt bereitwillig mit dem UFC-Veteranen Thiago Alves auf.

Nachdem er drei Minuten lang einen sehr guten Eindruck gegen den weitaus erfahreneren ehemaligen Titelherausforderer machte, wurde er von Alves am Kinn erwischt und mit einem Rear Naked Choke zum Abklopfen gezwungen. Am Samstag wird der frühere Mittelgewichtler daher einen Schritt zurücktreten und auf den Amerikaner James Head (7-2) treffen, der ebenfalls bis 85 Kilo angetreten ist und sein Debüt im Octagon wie Abedi durch einen Rear Naked Choke verloren hat.

Davor wird in der Halbschwergewichtsdivision auch der Franzose Cyrille Diabaté (17-8-1) versuchen, das Ergebnis seines letzten Kampfes wettzumachen. Wie Papy Abedi musste sich Diabate bei UFC 138 im letzten November einem Rear Naked Choke geschlagen geben, was seine Bilanz im Octagon auf 2-2 verschlechterte. Gegen den UFC-Neuling Tom DeBlass (7-0) sollte also am Wochenende wieder ein Sieg für den französischen Kickboxer her, wenn er sich angesichts seines Alters von 38 Jahren noch Hoffnung auf eine zukünftige Titelchance machen möchte.

Während im späteren Teil der Vorkämpfe also möglicherweise Jobs auf dem Spiel stehen, so treffen zuvor einige aufstrebende Neulinge aufeinander. Im Mittelgewicht wird sich zum Beispiel der von Weltergewichtschampion Georges St. Pierre betreute Franzose Francis "Limitless" Carmont (17-7) nach seinem letztjährigen, gelungenen Einstand im Octagon in feindlichem Territorium wiederfinden, wenn er gegen den schwedischen UFC-Debütanten Magnus "Jycken" Cedenblad (10-3) in den Käfig steigt.

In den ersten Kämpfen von UFC Schweden wird außerdem Leichtgewichtler Reza "Mad Dog" Madadi (11-2) sein durch Verletzungen verzögertes Debüt geben - er bekommt mit dem Kubaner Yosilandy Izquierdo (6-0) einen weiteren Neuling vor die Fäuste.

Eines von zwei innereuropäischen Duellen werden der erste Norweger in der UFC, Simeon "The Grin" Thoresen (16-2-1) und der aus Syrien stammende Schwede Besam Yousef (6-0) in einem Weltergewichtskampf bestreiten, nachdem sich im Federgewicht entschieden hat, ob der vielversprechende Engländer Jason "Shotgun" Young (8-5) nach einer bisherigen UFC-Bilanz von 0-2 gegen Eric "Little Lee" Wisely (19-7) seinen Job im Octagon retten konnte.

UFC on Fuel TV 2: Gustafsson vs. Silva
14. April 2012
Ericsson Globe Arena in Stockholm, Schweden

Hauptkämpfe (ufc.tv)
Alexander Gustafsson  vs. Thiago Silva
Brian Stann vs.  Alessio Sakara
Paulo Thiago vs. Siyar Bahadurzada
Diego Nunes vs. Dennis Siver
DaMarques Johnson vs. John Maguire
Brad Pickett vs. Damacio Page

Vorkämpfe (Facebook)
Papy Abedi vs. James Head
Cyrille Diabate vs. Tom DeBlass
Francis Carmont vs. Magnus Cedenblad
Reza Madadi vs. Yoislandy Izquierdo
Simeon Thoresen vs. Besam Yousef
Jason Young vs. Eric Wisely