MMA - Europa

Time to say Goodbye!

In Zeiten wie dieser, in der K-1 und Thaiboxen für viele Kampfsportfans das Ultimative darstellt, scheint der Ursprung, das Vollkontakt-Kickboxen, leider ein wenig unter zu gehen. Nur gut, dass es in Deutschland noch Kämpfer gibt, die der Stilrichtung treu geblieben sind.

Einer von ihnen hat vor kurzem seinen Rücktritt vom aktiven Sport bekanntgegeben. Die Rede ist von Ramin Abtin, dem wohl erfolgreichsten Vollkontakt-Kickboxer auf der Profi-Ebene in den letzten Jahren. Sein letzter Kampf, er hätte nicht tragischer enden können. Nach zwölf harten Runden musste sich Abtin am 15. Mai in seiner Heimatstadt Pforzheim dem Polen Mariusz Niziolek geschlagen geben. Nicht dass er verloren hatte, sondern eher die Umstände, wie es dazu kam, ließen noch vor der Urteilsverkündung etwas erahnen. In einer bewegenden Rede erklärte Abtin vor den Augen seiner Fans, dass dies sein letzter Kampf gewesen sei und er mit sofortiger Wirkung zurücktreten wird.
Nun kennt man ja das Spielchen. Heute der Rücktritt und morgen der Rücktritt vom Rücktritt. Doch wer Abtin kennt, der weiß, der Mann macht mit sowas keine Scherze. Wie sich im Nachhinein herausstellte, erlitt der ehem. Weltmeister in den Tagen vor der Veranstaltung einen Bandscheibenvorfall, was eigentlich die Absage des Kampfes bedeutet hätte. Die Ärzte hatten von einem Kampf abgeraten, doch Abtin wollte nicht darauf hören. Jetzt ist auch klar warum. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Jahr die Stekos eine zweite Veranstaltung in Pforzheim durchführen würden, waren gleich Null und den letzten Kampf einer Karriere, den will man doch vor heimischen Publikum bestreiten. Nun wird einem auch klar, weshalb Abtin eine für ihn doch eher maue Vorstellung ablieferte. Dies soll aber keine Entschuldigung dafür sein, sondern mehr eine Tatsache. Denn jeder, der in den Ring steigt, der weiß, was ihn erwartet. Ausreden wären da nicht gerade sehr professionell. Zumal hatte er den Rücktritt seiner Mutter versprochen und die macht sich, wie es für eine gute Mutter üblich ist, eben Sorgen.

Profi wollte er eigentlich nie werden. Doch nach einer sehr erfolgreichen Amateur-Karriere, angefangen bei der Tae Kwon Do Europameisterschaft in Slowenien (1992, 2), bis zu den gewonnenen deutschen Meisterschaften im Kickboxen der WAKO, stand er ohne Perspektive da. Es folgte der Wechsel zur WKA, wo der heutige Welt-Präsident Klaus Nonnemacher sein Potential erkannte und sein erster Manager wurde. Von da an ging es bergauf. In einem seiner ersten Profi-Kämpfe ließ er den damaligen WKA-Europameister Christian Schön in einem Prestige-Fight recht alt aussehen und siegte überlegen nach Punkten. Selbst der damalige Weltmeister Stefan Riegler konnte Abtin nicht knacken. Der Kampf endete als fragwürdiges Unentschieden.

So richtig durchstarten konnte er erst nach dem Wechsel zu Mladen und Pavlica Steko. Rückblickend erwies sich der Wechsel als großer Sprung in seiner Karriere, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Denn auch sein Arbeitgeber Frank Reuck, Inhaber eines Fitness-Studios, gab ihm die Möglichkeit, seine Vorbereitung entsprechend zu gestalten. Fragt man Abtin nach dem wichtigsten Kampf in seiner Karriere, bekommt man den ersten WM-Kampf gegen den Engländer Austin Caverly als Antwort. Den demontierte er in Karlsruhe derart, dass er ihn in Runde 12 KO schlug. Es folgten Titelverteidigungen gegen Top-Leute wie Otto Merlin (WBC-Interconti Champion, 2), Luis Reiz (It`s Showtime Fighter) oder Darius Macevicius (Litauen). Selbst ISKA-Weltmeister Brian Aston (England) musste die Stärke von Abtin anerkennen und ging in Runde 11 KO.

Fällt das Thema K-1 oder Thaiboxen, denn bekommt man eine klare Aussage von Abtin. "Warum versuchen die K-1 Stars nicht als Profi zu boxen? Dort könnten sie noch mehr Geld verdienen, oder? Warum sollte man einen Stil verändern mit dem man Erfolg hat? Never change a running system. Wenn, dann hätte mich MMA gereizt, weil es so vielseitig ist."

Dem muss man nichts mehr hinzufügen. So freut es einen doch sehr, dass er den Absprung noch rechtzeitig geschafft hat. Denn manch einer hat diesen verpasst und vermasselt sich dadurch selbst einen würdigen Abgang. Ramin Abtin weist eine Kampfbilanz von 30 Kämpfen mit 28 Siegen, 1 Unentschieden und 1 Niederlage auf. Wünschen wir dem sympathischen Pforzheimer alles Gute in seiner beruflichen Laufbahn.