MMA - Europa

SMMAF verhindert Cage-Warriors-Debüt in Schweden

Diese Woche kam es zu einem der größten Skandale in der Geschichte der europäischen MMA-Szene. Die Cage Warriors Fighting Championship, die führende und am längsten bestehende Veranstaltungsreihe in Europa, wollte am 23. August zum ersten Mal in Schweden veranstalten. Die SMMAF, der schwedische MMA-Verband, verweigerte jedoch aus fadenscheinigen Gründen die Genehmigung mehrerer Kämpfe des Hauptprogramms.

In Schweden sind MMA-Kämpfe nur dann gesetzlich erlaubt, wenn die SMMAF die Durchführung der Veranstaltungen überwacht, ähnlich wie die staatlichen Sportkommissionen in den USA. Die SMMAF ist zwar keine Regierungsbehörde, erhält ihre Legitimierung jedoch durch die schwedische Regierung, die ihr allein das Recht gewährt, den MMA-Sport zu regulieren.

Innerhalb der SMMAF gibt es ein Komitee, welches unter anderem dafür zuständig ist, geplanten MMA-Kämpfe dahingehend zu bewerten, ob sie unter den „Unified Rules of MMA“ stattfinden können, also dem Regelwerk, welches die UFC und viele weitere MMA-Organisationen weltweit einsetzen.

Vier der fünf Kämpfe des Hauptprogramms von Cage Warriors 71, dem für den 23. August angesetzten Cage-Warriors-Debüt in Schweden, erhielten von der SMMAF keine Genehmigung, weil die Kämpfe entweder „nicht ausgeglichen genug“ besetzt waren oder weil die Kämpfer „nicht über die nötige Erfahrung“ verfügen. Für Cage Warriors blanker Hohn, schließlich gilt deren Matchmaker Ian Dean als einer der besten seines Fachs.

Der einzige genehmigte Kampf war das Federgewichtsduell zwischen Martin Svensson (13-5) und Dave Hill (12-3). Interessant: Der Trainer und Manager von Svensson ist ein Teil des oben erwähnten Komitees der SMMAF. Nur ein Zufall?

Die folgenden vier Kämpfe sind laut SMMAF nicht für den Einsatz der „Unified Rules“ geeignet: Jack Hermansson (8-2) gegen Cheick Kone (11-3), Pannie Kianzad (5-0) gegen Alexandra Buch (8-3), Jack Mason (28-13) gegen Jonatan Westin (6-2) und Liam James (8-6) gegen Frantz Slioa (4-0).

Hermansson ist der aktuelle Mittelgewichtschampion von Cage Warriors. Er kämpfte bereits fünf Mal für die Briten und stand sogar schon zwei Mal bei Bellator MMA im Käfig; Kone ist einer der besten Kämpfer Frankreichs. Cage Warriors erklärte sich bereit, den Titelkampf zwischen Hermansson und Kone anstatt auf fünf auf nur drei Runden anzusetzen, aber selbst das war der SMMAF nicht genug. Dieser Kampf ist weder unausgeglichen noch sind die beiden Sportler zu unerfahren für die „Unified Rules“, insofern muss man sich die Frage stellen, welche Motive die SMMAF mit der verweigerten Freigabe verfolgt.

Kianzad gewann in ihrer noch jungen Karriere bereits gegen die heutige UFC-Kämpferin Milana Dudieva und sie trat bei der größten schwedischen Veranstaltungsreihe an. Buch, Deutschlands Kämpferin des Jahres 2013, holte sich schon vor fünf Jahren den Gesamtsieg bei einem Grand Prix in Japan und vergangenes Jahr gewann sie sogar ein Vier-Frauen-Turnier an einem Abend. Buch wäre ein guter und angemessener Test für die ungeschlagene Kianzad gewesen, aber die SMMAF befand die Damen für zu unerfahren für die „Unified Rules“.

Tue Trnka, der für Cage Warriors das operative Geschäft in Skandinavien führt, äußerte sich wie folgt zu der Situation: „Die lächerliche Vorgehensweise des SMMAF-Komitees hat mich schockiert und entsetzt. Das schadet sowohl den vielen einheimischen Kämpfern als auch der nordischen MMA-Szene. Ich bin mit den negativen Entscheidungen der SMMAF überhaupt nicht einverstanden und finde ihre mangelnde Dialogbereitschaft sowohl respektlos als auch arrogant, vor allem wenn man bedenkt, was für einen Einfluss ihre Entscheidungen auf viele Menschen haben.“

Veranstaltet die UFC in Schweden, scheint die SMMAF keine Probleme mit den Kampfansetzungen zu haben. So erlaubten sie beispielsweise Ilir Latifi, der damals erst zehn Kämpfe bestritten hatte – die wenigsten davon im Käfig und unter „Unified Rules“ – mit einer einzigen Woche Vorbereitungszeit im Hauptkampf von UFC on Fuel TV 9 in der UFC zu debütieren, und das gegen Gegard Mousasi, dem ehemaligen Halbschwergewichtschampion von Strikeforce und DREAM. Mousasi kämpfte im Übrigen trotz einer Knieverletzung, die bei der medizinischen Untersuchung vor dem Kampf anscheinend niemandem aufgefallen war.

Gegenüber unseren englischen Kollegen von YourMMA.tv äußerte sich die SMMAF wie folgt zu dem Vorfall: „Der Verband hat einem speziellen Komitee die Aufgabe übertragen, die Anträge [der Veranstalter] zu bewerten. Darunter fällt die Bewertung von Kämpfern und Kampfansetzungen, da der Verband keine Kämpfe mit Beteiligung von zu unerfahrenen Kämpfern oder unausgeglichene Kämpfe genehmigen darf. Der Grund ist, dass unnötige Risiken vermieden werden sollen.

Der Verband vertraut der Bewertung und Einschätzung des Komitees und hatte bislang noch keinen Grund, gegen die Entscheidungen des Komitees vorzugehen. Für alle gelten dieselben Standards und bei keinem der Mitglieder des Komitees liegt für die Kämpfe, die es bewerten soll, ein Interessenskonflikt vor.“

Laut SMMAF liegt also kein Interessenskonflikt vor, wenn der Trainer und Manager eines Kämpfers den Kampf dieses Kämpfers beurteilen soll. Die Nachfrage von YourMMA.tv, welche spezifischen Gründe es für die verweigerte Freigabe einzelner Kämpfe gab, blieb unbeantwortet.

Cage Warriors hat aus der Entscheidung der SMMAF die Konsequenzen gezogen und Cage Warriors 71 nach Amman, Jordanien verlegt. „Wir wollten diese Veranstaltung nicht aus Schweden abziehen, aber aufgrund der Entscheidungen der SMMAF blieb uns leider keine andere Wahl“, sagte Graham Boylan, der Geschäftsführer von Cage Warriors. „Von unseren erstklassigen Kämpfern, die zu den Besten in Europa und der Welt gehören, zu verlangen, dass sie unter einem verwässerten Regelwerk kämpfen, ist eine widerliche Beleidigung für diese herausragenden Sportler und ihre Fähigkeiten.“

Nach dem erfolgreichen Debüt in Dänemark im März müssen die Briten voraussichtlich bis 2015 warten, ehe sie ein weiteres Land erobern können. Der Terminplan für den Rest des Jahres steht bereits fest und beinhaltet keine neuen Gebiete.