MMA - Europa

Sheila Gaff: "Ich bin keine unfaire Kämpferin!"

Sheila "The German Tank" Gaff nach ihrem Cage Warriors Erfolg. (Foto: Dolly Clew/Cage Warriors)

Am vergangenen Wochenende machte Deutschlands mehrfache Kämpferin des Jahres Sheila Gaff den Start des Cage Warriors Fliegengewichtsturniers der Frauen gegen die Brasilianerin Jennifer Maia vom berühmten Chute Boxe-Club. „The German Tank“, wie Gaff genannt wird, überrollte dabei ihre Kontrahentin im wahrsten Sinne des Wortes, denn nach nur zehn Sekunden war alles vorbei (wir berichteten). Mit einem furiosen KO-Erfolg zog die 22-jährige Gaff damit ins Finale ein und erwartet dort die Gewinnerin aus dem Halbfinalduell zwischen Rosi Sexton und Aisling Daly, die im Mai aufeinandertreffen werden.

Der Blitzangriff der Eschwegerin sorgte dabei bei manchen Fans für einige Unstimmigkeiten, denn während Maia die Faust zum Abklatschen ausstreckte, griff Gaff bereits an. Wir sprachen exklusiv mit der Max Pro MMA Academy-Athletin, um Antworten aus erster Hand zu bekommen.

GroundandPound: Sheila, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erreichen des Turnierfinales. Der Kampf in Dubai war kaum freigegeben, da war er auch schon vorbei. Wie hast Du es erlebt?

Sheila Gaff: Vielen Dank, Elias! Ich habe drei Monate lang hart auf diesen Kampf hintrainiert und freue mich umso mehr, dass ich jetzt die Früchte meiner Arbeit einfahren konnte. Zunächst muss ich einmal Cage Warriors einen großen Dank aussprechen: Was Graham Boylan und Ian Dean für das Frauen-MMA in Europa auf die Beine stellen, ist wirklich beispiellos!

Zum Kampf an sich kann ich eigentlich gar nicht so viel sagen, so schnell wie er begonnen hat, war er dann auch schon wieder vorbei. Ich bin die ganze Zeit nach vorne marschiert und habe sie dann mit einem rechten Haken auf die Matte geschickt. Von da an war ich einfach nur noch glücklich!

Der Ringrichter rettet Jennifer Maia vor weiterem Schaden. (Foto: Dolly Clew/Cage Warriors)

Ihr habt vor Kampfbeginn bereits die Fäuste abgeklatscht – war das der Grund, weshalb Du es nach dem Ring-Gong nicht erneut tun wolltest?

Das mit diesem mehrfach die Handschuhe berühren und angrüßen ist in der Tat nicht so mein Ding. Mein Job ist es, die besten Super-Fliegengewichte der Welt zu schlagen, und mein Stil ist volle Power vom ersten Ringgong an. Ich habe noch nie gekämpft, um Punkte zu sammeln, mein Stil war es immer, meine Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden.

Die ganze Sache kam jetzt wirklich etwas unglücklich rüber, das Einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass es keine böse Absicht von mir war und einfach im Eifer des Gefechts passiert ist. Ich habe großen Respekt vor Jennifer als Sportlerin und vor dem legendären Chute Boxe als Mannschaft, da ich Kämpfer wie Wanderlei Silva und Mauricio Shogun zu meinen absoluten Vorbildern zähle.

Kannst Du es verstehen, dass man Dir deswegen eine böse Absicht unterstellt? Wie würdest Du auf diese Vorwürfe antworten?

Natürlich habe ich die Diskussionen im Internet verfolgt und bin auch sehr traurig darüber. Ich habe sogar schon ernsthaft darüber nachgedacht, aus dem Cage Warriors Turnier auszusteigen. Im Käfig gehe ich zwar hart zur Sache, aber wenn mir unterstellt wird, ich sei hinterhältig und falsch, dann bin ich sehr sensibel und es macht mich sehr traurig.

Ich habe auf keinen Fall vorgetäuscht, dass ich die Handschuhe nochmals berühren wollte, ich habe lediglich direkt danach losgekämpft. Das ist nun mal mein Naturell. Wenn ich danach einen Schritt zurück machen müsste, wäre mein Spiel kaputt. Es ist echt blöd, dass solch ein Wind um die Aktion gemacht wird, da die Rechte, die ich danach gelandet habe, keine Wirkung hatte.

Sheila Gaff hebt den Arm zum Sieg. (Foto: Dolly Clew/Cage Warriors)

Du bist bekannt dafür von Anfang an Gas zu geben, denn Deine letzten drei Kämpfe ergeben zusammengerechnet nicht einmal zwei Minuten Ringzeit. Ist das eine Taktik von Dir, Kontrahentinnen durch deine Kraft und Technik zu überraschen?

Auf jeden Fall. Alle meine Siege habe ich innerhalb der ersten Runde eingefahren und viermal war der Kampf schon in weniger als einer Minute vorbei. Ich kann mich da nur noch einmal wiederholen: Ich will rausgehen und den Kampf beenden. Die Fans wollen schließlich Action sehen. Seitdem ich jetzt in meiner optimalen Gewichtsklasse, dem Super-Fliegengewicht kämpfe, habe ich auch das Gefühl, dass mir die meisten Gegnerinnen sowohl was Kraft, als auch was Technik, Tempo und Schlaghärte angeht, nicht das Wasser reichen können.

Nach Kampfabsagen, Gegnerwechseln und Vertröstungen und fast einem Jahr Inaktivität stehst Du jetzt im Finale des Cage Warriors Turniers. Nach dem Sieg hast Du ein paar Emotionen im Käfig gezeigt. Was hast Du empfunden? Ist Dir damit ein großer Stein vom Herzen gefallen?

Definitiv. Bei uns Frauen ist es ja wirklich noch einmal etwas ganz anderes, da alle Gewichtsklassen nicht sehr tief besetzt sind. Und dann kam auch noch dazu, dass ich vor dem Kampf im September am Tag vor dem Abflug nach Jordanien schwer krank geworden bin und nicht fliegen durfte. Darüber war ich natürlich sehr traurig, weil ich durch die Siege über Hanna (Sillen) und Ais (Aisling Daly, Anm. d. Red.) gerade viel Rückenwind hatte und generell gerne und viel kämpfen möchte.

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es dann auch noch eine Flut an Gegnerwechseln: Zuerst sollte ich gegen Jessica Eye kämpfen, dann gegen Tonya Evinger, schließlich gegen Kelly Kobold und am Ende dann gegen Jennifer Maia. Ich hatte mich eigentlich auf eine Ringerin vorbereitet und bin dann gegen eine Kickboxerin angetreten, aber ich wollte den Kampf nach der Vorbereitung unbedingt machen und deshalb war mir am Ende dann auch egal, wer mir da gegenübersteht.

Dass mir nach fast einem Jahr Pause dann noch so ein toller Sieg gelungen ist, hat mich natürlich total gefreut!

Ist es nervenaufreibend, so oft zu reisen, besonders für Events wie am Wochenende in Dubai (Arabische Emirate) und dass Du selten zu Hause kämpfen darfst, oder macht Dir das nichts aus?

Nein, da bin ich ja jetzt wirklich schon ein alter Hase! Ich bin ja schon in Holland, Finnland, Russland, Schweden, England und nun in den Vereinigten Arabischen Emiraten angetreten. Obwohl ich erst 22 Jahre alt bin, habe ich darin jetzt schon eine gute Routine entwickelt. Und solange mein Trainer Andre Balschmieter an meiner Seite ist, fühle ich mich ohnehin immer sehr sicher. Das Einzige, was mir noch fehlt, ist ein Kampf in den USA…

Sheila Gaff vor ihrem Kampf gegen Jennifer Maia. (Foto: Tim Leidecker/GroundandPound)

Mit drei Siegen in Folge gehörst Du zu den erfolgreichsten Kämpferinnen derzeit und könntest mit einem weiteren Erfolg im Finale nicht nur das Gold erobern, sondern auch einen großen Sprung in der weltweiten Rangliste machen. Was würde der Titelgewinn für Dich persönlich bedeuten?

Der Titel einer so prestigeträchtigen Veranstaltungsreihe wie Cage Warriors zu halten, wo schon große Kämpfer wie Dan Hardy, Michael Bisping oder auch unser Deutscher Pascal Krauss Champion waren, wäre der absolute Höhepunkt meiner Karriere! Die Rangliste ist mir eigentlich egal, ich kämpfe gegen jede Gegnerin, die mir vorgesetzt wird. Der Gürtel wäre aber eine tolle Bestätigung für die harte Arbeit, die ich in den letzten sechs Jahren in meine Karriere gesteckt habe.

Gegen Daly warst Du im April des letzten Jahres erfolgreich im Käfig, Du kennst jedoch beide Kontrahentinnen. Was denkst Du, wer wird erfolgreich aus der Begegnung zwischen Sexton und Daly gehen?

Ich glaube, dass Rosi die Favoritin ist. Sie ist die „Grande Dame“ des UK MMA. Sexton hat gegen viel bessere Gegnerinnen gekämpft und gewonnen und sie hat viel mehr Erfahrung auf dem höchsten Niveau. Rosi Sexton hat schon gekämpft, als MMA noch NHB hieß! Trotzdem darf man Daly nie unterschätzen.

Welche Gegnerin der beiden wäre Dir im Finale lieber? Hast Du irgendwelche Präferenzen?

Ich würde gerne gegen Rosi kämpfen, weil sie die frühere Cage Warriors Titelträgerin im Bantamgewicht und für mich die beste Kämpferin Europas in der Gewichtsklasse bis 57kg ist. Zudem wäre sie eine neue, frische Herausforderung für mich. Wenn Ais es gelingt, sie zu schlagen, dann hätte sie sich den Rückkampf aber ebenfalls redlich verdient.

Sheila Gaff kann ihren Erfolg kaum fassen - wieder ein Blitz-KO. (Foto: Dolly Clew/Cage Warriors)

Wie kommen Dir die Kampfstile entgegen? Siehst Du Probleme, oder eine durchaus lösbare Aufgabe gegen beiden Damen?

Dazu kann ich nicht wirklich etwas sagen. Das wird sich dann zeigen, wenn wir in den Käfig steigen.

Das große Bellator 125-Pfund Frauenturnier startet im Herbst. Besteht von Deiner Seite, oder deinem Management, Interesse daran teilzunehmen?

Ich bin auf jeden Fall für alle Herausforderungen offen. Sollte ich es wirklich schaffen und das Cage Warriors Turnier gewinnen, würde mich die Herausforderung, in den USA zu kämpfen, auf jeden Fall reizen. Persönlich finde ich es sehr schade, dass Strikeforce keine 57kg-Klasse hat. Wahrscheinlich müsste ich zurück auf 61kg gehen, um mich mit ihren Champions zu messen.

Vielen Dank für das zeitnahe Interview und viel Erfolg im Finale.

Sehr gerne, ich danke dir. Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Trainer Andre Balschmieter, der sich sehr viel Zeit nimmt, um mit mir zu arbeiten. Einen besseren Trainer kann ich mir wirklich nicht wünschen. Sehr glücklich bin ich auch durch die Unterstützung von Tryme Fightwear, die seit dem Kampf in Dubai mein offizieller Ausrüster sind.

Ein dickes Dankeschön auch an Control Master Management – seitdem sie angefangen haben, mit mir zu arbeiten, ist es nur nach oben gegangen. Natürlich möchte ich auch alle meine Fans und Freunde nicht vergessen: Eure Unterstützung und euer Zuspruch lässt mich so hart trainieren, dass ich gute Kämpfe abliefern kann.