MMA - Europa

Sektenähnliche Zustände: Trainer bringt Kämpfer um sein Geld

Konstantin Gluhov mit seiner Ausgabe des Groundandpound-Magazins von Juli 2011, in der ein Feature über ihn erschienen ist.

Wie in einer Sekte sei es in den zwölf Jahren zugegangen, in denen Konstantin Gluhov (28-15) unter Yuri Rhyzikov trainierte. Im Interview mit M-1 Global berichtet das lettische Schwergewicht über seine lange Leidenszeit und wie er sich aus den Fängen seines zwielichtigen Trainers befreite.

Bereits im Juli 2014 veröffentlichte Konstantin Gluhov ein Statement, in dem er seinen Trainer und Manager schwer beschuldigte. Er habe Yuri Rhyzikov verlassen, weil dieser ihn „in all den zwölf Jahren“, in denen er unter seiner Führung trainierte, „beraubt“ hat.

Gluhov sagt über Rhyzikov: „Er belog mich, erniedrigte mich und trennte mich von Familie und Freunden. Er überredete mich, das Geld, das ich mit meinen Kämpfen verdiente, ihm zu geben, da er nicht nur ein Trainer war, sondern ein Mentor. Und dafür müsse ich mich ihm voll und ganz hingeben. Das war schlimmer als in einer Sekte.“

Fragwürdige Philosophie

Rhyzikov predigte laut Gluhov einen „Ehrenkodex“, wonach die Kämpfer sich einzig und allein auf das Training konzentrieren dürfen – familiäre Bindungen seien für einen „Soldaten“ der falsche Weg und man müsse dem Trainer in allen Bereichen des Lebens gehorchen.

Das Geld, das Gluhov von Veranstaltern und Sponsoren bekam, behielt Rhyzikov ein, angeblich, um es für ihn zu verwalten. Gluhov zufolge erklärte Rhyzikov ihm, er würde ihm das Geld geben, wenn er es wirklich benötige. Doch dazu kam es nie.

Angst um die Familie

Warum macht ein Mann, der jahrelang zu den besten Schwergewichten Europas gezählt wurde, so etwas mit? Wie es von manchen Sekten bekannt ist, fiel es Gluhov nicht leicht, seinen Trainer zu verlassen: „Ich erhielt Drohungen von ihm und seinen Leuten. Ich habe Angst, denn er ist zu allem fähig, einschließlich krimineller Machenschaften. Ich habe Angst um meine Familie.“

Im vergangenen Jahr floh Gluhov mit seiner Frau nach Charkiw in der Ukraine. Seitdem hat er sein privates und sportliches Leben wieder im Griff.

„Ich habe mich zwei Monate lang erholt und nur minimal trainiert“, sagt Gluhov. „Ich fühlte mich wie ein großes Kind, so glücklich war ich. Jetzt lebe ich wieder in Riga und genieße die Zeit mit meiner Familie.“