MMA - Europa

Piotr Hallmann kämpft zu Lande und zu Wasser

Piotr Hallmann

Piotr Hallmann (14-1) kennt sich mit Gefechten aus: Der UFC-Kämpfer aus Polen ist hauptberuflich Leutnant in der Marine seines Landes. Derzeit trägt Hallmann jedoch Fightshorts statt Uniform, denn am 26. Oktober kämpft er bei der UFC Fight Night 30 in Manchester gegen den Ultimate-Fighter-15-Finalisten Al Iaquinta– nur sieben Wochen nach seinem Überraschungserfolg gegen den Brasilianer Francisco Trinaldo. Vor seinem ersten UFC-Kampf in Europa hat Groundandpound.de mit dem 26 Jahre alten Polen über seine bisherige Karriere gesprochen.

Groundandpound.de: Normalerweise kämpft man in der UFC mit etwas Glück drei Mal pro Jahr. Du steigst am 26. Oktober wenige Wochen nach deinem Debüt schon wieder ins Octagon.
Piotr Hallmann: Ich hatte ehrlich gesagt auch nicht mit einer so schnellen Rückkehr gerechnet. Die UFC hat mich dann aber Ende September gefragt, ob ich einspringen kann und da ich gesund und fit war, habe ich nicht lange überlegt. Ich bin immer im Training und bin es auch gewohnt, innerhalb von kürzeren Abständen hintereinander zu kämpfen – letztes Jahr bin ich zum Beispiel ebenfalls erst im September in Finnland und dann fünf Wochen später in Slowenien angetreten. Deshalb war das kein Problem für mich.

Piotr Hallmann beim offiziellen UFC-Fotoshooting.Dein Debüt hast du direkt gegen das beste brasilianische Leichtgewicht bestritten – in dessen Heimat. Anfangs sah es nicht so gut aus für dich, doch dann gelang dir der Aufgabegriff des Abends. Was ging dir da zwischen der ersten und zweiten Runde durch den Kopf?
Als ich Mitte der ersten Runde die zwei harten Kicks auf die Leber bekommen habe, dachte ich mir schon „Kurwa mać"! Deshalb war ich zwischen den Runden eigentlich schon der Meinung, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen konnte. Ich hatte Massarandubas härteste Treffer kassiert und weggesteckt. Unser Plan war, ihn in die späteren Runden zu ziehen, wo er in der Vergangenheit immer geschwächelt hat und müde geworden ist und dort das Heft in die Hand zu nehmen. Glücklicherweise ist der Plan am Ende super gut aufgegangen! (lacht)

Wie sind die Brasilianer dir gegenüber nach dem Kampf auftreten?
In der Halle war es schon so, dass man nach der Submission eine Stecknadel hätte fallen hören können. Ich kann die brasilianischen Fans schon verstehen, sie unterstützen ihre Favoriten mit großer Leidenschaft und waren natürlich enttäuscht, dass es für Trinaldo nicht zum Sieg gereicht hat, aber dass es überhaupt keinen Applaus gab, empfand ich schon ein wenig respektlos. Nach dem Ende der Veranstaltung kamen dann aber schon ein paar Leute zu mir und haben mir gratuliert und besonders die Journalisten und Verantwortlichen der UFC waren sehr beeindruckt von meinem Comeback.

Hat sich dein Leben seit diesem Sieg schon ein wenig verändert?
Nein, nicht wirklich. An dem Tag, an dem ich aus Brasilien zurückgekommen bin, war ich direkt wieder im Dienst. Im Prinzip ging also alles so weiter wie bisher: Mein Tag wird bestimmt von der Arbeit auf dem Flottenstützpunkt in Gdingen, wo ich als Leutnant der polnischen Marine tätig bin. Morgens und abends versuche ich meine Trainingseinheiten in meinen straffen Zeitplan zu quetschen. Die wenige freie Zeit verbringe ich mit der Familie und Freunden und mit dem Studium meines Gegners.

Piotr Hallmann nach dem Gewinn des WFC-Titels.Es wird schwer sein, das Trainingspensum eines UFC-Kämpfers mit dem Berufsleben eines Soldaten unter einen Hut zu bekommen.
Das ist in der Tat nicht ganz so einfach. Die Marine beschäftigt mich Vollzeit – das bedeutet bis zu 65 Stunden pro Woche, wenn man den Bereitschaftsdienst mitrechnet. Ich bin zwar in der glücklichen Lage, während des Dienstes einige Kraft- und Ausdauereinheiten absolvieren zu können, aber gleichermaßen schicken sie mich natürlich zu Weiterbildungen und auf Flottenmanöver, was mein Training erheblich einschränkt und verkompliziert.

MMA ist zwar schon recht populär in Polen, aber da es kein olympischer Sport ist, fällt es nicht unter die Sportförderung der polnischen Armee. Ich bin aber gerade in Gesprächen mit einigen hochrangigen Offizieren in Warschau, ob nicht wenigstens die Möglichkeit besteht, mich in der heißen Phase der Wettkampfvorbereitung vom Dienst freizustellen. Das würde mir schon enorm weiterhelfen, da ich dann auch mal auf Trainingsreise außerhalb von Polen gehen könnte.

Als nächstes triffst du in Manchester auf Al Iaquinta. Ein besserer oder schlechterer Gegner als Trinaldo?
Iaquinta ist ein starker Gegner, der mich vor andere Herausforderungen stellen wird, als das Massaranduba getan hat. Er ist ein viel technischerer Boxer, der sich sehr gut auf den Beinen bewegt und schwer zu treffen ist. Wie alle Amerikaner ist er zudem ein guter Ringer, und da er beim ehemaligen UFC-Champion Matt Serra trainiert, schätze ich auch sein Jiu-Jitsu als Grundsolide ein. Ich werde auf jeden Fall nicht den Fehler machen, ihn auf Grund seiner vermeintlich „kleinen" Kampfbilanz auf die leichte Schulter zu nehmen. Iaquinta hatte im vergangenen Jahr einen guten Lauf bei „The Ultimate Fighter", und wenn man diese Kämpfe seiner offiziellen Bilanz hinzurechnet, verfügt er über genauso viel Erfahrung wie ich.

Was ist dein Schlüssel zum Sieg über ihn?
Ich denke, es ist wichtig, ihn unter Druck zu setzen und ihn nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Das gefällt keinem Gegner. Ich werde versuchen, ihm meinen Stil aufzuzwingen und dann werden wir sehen, ob er vielseitig und beständig genug ist, um mein Tempo drei Runden lang mitzugehen.

Piotr Hallmann backstage bei der UFC.Zwischendurch ein Klassiker: Wie bist du zum MMA-Sport gekommen?
Ich habe schon in jungen Jahren mit Karate angefangen und bin dann nach kurzen Abstechern zum Fußball und zum Capoeira schließlich 2008 zum MMA-Sport gekommen. Ich habe direkt mit dem MMA-Training beim Mighty Bulls Team unter Cheftrainer Grzegorz Jakubowski angefangen. Ein Jahr später habe ich die ersten Amateurwettkämpfe bestritten und seit Ende 2009 bin ich offiziell Profi.

In den Jahren vor der UFC hat man dich in ganz Europa kämpfen sehen. Was hast du während deiner Zeit in der europäischen MMA-Szene für Erfahrungen sammeln können?
Ich muss sagen, dass mich mein Streifzug durch Europa optimal auf mein Debüt in der UFC vorbereitet hat. Unter anderem habe ich in Deutschland, Finnland, Slowenien, Irland und natürlich in Polen Stopp gemacht. Ich habe Turnierformate gekämpft und Einzelkämpfe bestritten. Ich war gezwungen, während der Anreise zur Veranstaltung Gewicht zu machen. Ich habe gelernt, wie man auf die richtige Art und Weise Gewicht macht und wieder drauf packt. Ich bin gegen aggressive Gegner in einer feindseligen Umgebung angetreten. Und ich habe das perfekte Betreuerteam gefunden, das mich vor, während und nach meinen Kämpfen unterstützt.

Was war das Schrägste, was du in der Zeit erlebt hast?
Das Schrägste war bestimmt das Turnier, das ich vor zwei Jahren in Deutschland gekämpft habe. Es war ein Turnier der alten Schule, ohne Zeitlimits, das heißt die einzige Art und Weise wie man gewinnen konnte, war durch K.o. oder durch Aufgabe. Den ersten Gegner habe ich in zwölf Sekunden K.o. geschlagen und im Finale dann nach elfeinhalb Minuten Kampfzeit am Stück durch Aufgabe gewonnen. Das war ein hartes Stück Arbeit und eine einmalige Erfahrung. Damals war ich traurig, dass ich an dem Abend nicht dreimal kämpfen konnte, weil sich mein Halbfinalgegner die Hand gebrochen hatte. (lacht)

Piotr Hallmann und sein Team nach dem Gewinn des Celtic-Gladiator-Titels.Was würde es dir bedeuten, einmal in deinem Heimatland Polen für die UFC zu kämpfen?
Mein Heimatland im Octagon vor meinen Landsleuten zu vertreten, ist einer meiner Lebensträume! Egal ob Danzig, Kattowitz oder Lodz – ich würde zu Fuß dorthin laufen, um zu kämpfen, wenn es sein muss!

Ein paar letzte Worte an deine Fans und unsere Leser?
Vielen Dank an alle meine Fans für die tolle Unterstützung. Wenn ihr mich in Manchester seht, traut euch ruhig, mich anzusprechen. An meine deutschen Fans: Ich spreche auch ein bisschen Deutsch! (lacht)

Ich möchte mich unbedingt auch noch bei meiner Familie und meiner Freundin Kasia für ihren Rückhalt bedanken, meinem Team Mighty Bulls dafür, dass sie mich wieder einmal optimal auf die nächste Schlacht vorbereiten, meinem Management Control Master dafür, dass sie vom ersten Tag an mich geglaubt haben und alles daran setzen, dass ich mich zu 100% auf mein Training konzentrieren kann und zu guter letzt bei meinen Sponsoren MANTO, FitMax, Toko Sushi und DAAS Group für ihre Unterstützung. Serdeczne dzięki!

Wenn ihr mir auf meinem Weg nach Manchester folgen wollt, könnt ihr das auf Facebook und Twitter tun.