MMA - Europa

KSW 33: Khalidov zerlegt Materla, Karaoglu siegt durch K.o.

Mamed Khalidov holte sich im Hauptkampf den Titel (Foto: Dorian Szücs)

Der bis dato größte Kampf in der Geschichte der europäischen MMA-Szene fand am 28. November 2015 bei KSW 33 statt. Die polnischen Superstars Mamed Khalidov und Michal Materla duellierten sich im Hauptkampf der Veranstaltung in Krakow um den Mittelgewichtstitel von Polens größter MMA-Organisation – ein Kampf, der seit Jahren von den Fans gefordert wurde, aber bis vor wenigen Monaten noch als undurchführbar galt, da Khalidov und Materla enge Freunde sind.

Die beiden umarmten sich vor dem Kampf, aber während des Duells merkte man von ihrer Freundschaft überhaupt nichts. Es ging schnell in den Schlagabtausch und dort punktete Khalidov mit einem rechten Haken und einem Flying Knee. Materla ging schwer getroffen zu Boden und Khalidov machte nach nur 31 Sekunden mit weiteren Schlägen den Sack zu. Mit diesem historischen Sieg krönte er sich zum ersten Kämpfer, der bei KSW den Titel in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen gewonnen hat.

Bedorf verteidigt Titel im Schwergewicht mit Headkick

Er wirkte etwas apathischer als sonst, aber als es darauf ankam, war er da: Karol Bedorf, Schwergewichtschampion von KSW, verteidigte seinen Titel bei KSW 33 gegen seinen polnischen Landsmann Michal Kita durch Knock-out.

Bedorf arbeitete in der ersten Runde viel mit Kicks und versuchte Kita damit auf Distanz zu halten. Kita baute im Stand zwar Druck auf, aber die meisten seiner Schläge gingen in die Deckung. Im zweiten Durchgang drängte Kita Bedorf mit Schlägen und Kniestößen zunehmend in die Defensive.

Gerade als es aussah, als würde Kita die Kontrolle über den Kampf übernehmen, erwischte Bedorf ihn mit heruntergelassener Deckung – und knockte ihn mit einem Headkick aus. Kita ging nach 2:46 Minuten wie ein gefällter Baum zu Boden und Bedorf ist weiterhin der polnische Schwergewichtskönig.

Sowinski ist erster Champion im Federgewicht

Der Pole Artur Sowinski und der Brasilianer Kleber Koike Erbst lieferten sich ein höchst unterhaltsames Duell um den vakanten Titel im Federgewicht. Sowinksi erzielte im Stand die ersten Wirkungstreffer des Kampfes, aber dann fing Erbst einen Drehkick, zerrte Sowinski auf die Matte und nahm ihn in den Triangle Choke. Sowinski befreite sich, aber Erbst zog ihn schnell wieder in seine Guard und setzte zum Armhebel an.

Sowinski bestimmte den Kampf in der ersten und zweiten Runde im Stand, und da Erbst den Lokalmatador aus dem nahe gelegenen Kattowice nicht mit ringerischen Mitteln zu Boden bringen konnte, pullte er Guard. Armhebel und Beinhebel schlugen fehl, aber dann rollte sich Erbst in einen D’Arce Choke, dem Sowinksi nur dank des Ringgons entkam.

Erbst suchte auch im dritten Durchgang die Auseinandersetzung auf der Matte. Seine Takedowns misslangen ihm, sodass er erneut Guard pullte. Nach einer Weile führte er aus der Guard einen Sweep in die Mount-Position durch und rollte sich in einen Armhebel – obwohl Sowinskis koplett durchgestreckt war, wollte er nicht abklopfen.

Die drei Punktrichter gaben den Sieg nach drei Runden mit drei Wertungen von 30-27 an Sowinski, den ersten Federgewichtschampion in der Geschichte von KSW.

Karaoglu zerstört Falcao in 30 Sekunden

Nach K.o.-Siegen über Piotr Strus und Jay Silva kämpfte der Düsseldorfer Aziz Karaoglu bei KSW 33 um die Chance auf einen Titelkampf im Mittelgewicht. Da der Krakower Lokalmatador Tomasz Drwal  verletzungsbedingt ausfiel, sprang der Brasilianer Maiquel Falcao, ein UFC- und Bellator-Veteran, kurzfristig ein.

Gegen Falcao feierte Karaoglu den wohl größten Sieg seiner Karriere. Beide Kämpfer sind für ihre Schlagkraft gefürchtet und gingen sofort in den offenen Schlagabtausch. Karaoglu klingelte Falcao mit einer heftigen Schlagsalve an und ließ dann nicht mehr von ihm ab. Falcao war stehend K.o., woraufhin der Ringrichter den Kampf nach 30 Sekunden beendete.

Lipski überrennt Lubonska

KSW sucht eine Dame, die die weiblichen Zugpferde Joanna Jedrzejczyk und Karolina Kowalkiewicz ersetzt und schickte dafür die Polin Katarzyna Lubonska gegen die Brasilianerin Ariane Lipski in den Käfig – doch der Schuss ging nach hinten los.

In der ersten Runde rüttelte Lipski Lubonska mehrmals mit Schlägen und Headkicks durch – dass sie nur kurzfristig eingesprungen war, merkte man ihr nicht an. Im zweiten Durchgang marschierte Lipski weiter aggressiv nach vorne. Sie stellte Lubonska am Käfigzaun, feuerte zwei Lowkicks und einen Frontkick ab und klingelte sie mit einer Rechten an. Dann zwang Lipski sie mit einem Bodykick in die Knie und brachte den Ringrichter schließlich nach 3:23 Minuten mit Schlägen dazu, den Kampf abzubrechen.

Chlewicki bezwingt Kurczewski nach Punkten

Die polnischen Weltergewichte Lukasz Chlewicki und Bartlomiej Kurczewski lieferten sich einen engen Kampf über drei Runden. Der Krakower Lokalmatador Chlewicki stürmte regelmäßig mit wuchtigen Schwingern und Haken nach vorne und drängte Kurczewski damit in Richtung Käfigzaun, wo er ihn dann mehrere Male zu Boden brachte.

Chlewicki konnte Kurczewski auf der Matte nicht gefährden, sammelte aber wichtige Punkte. Kurczewski setzte zwischendrin mit Schlagsalven und Kniestößen ein paar Akzente, tat insgesamt jedoch zu wenig, um die Punktrichter von sich zu überzeugen.

Nach drei Runden hieß es einmal 30-27 und zweimal 29-28 für Chlewicki.

Knappes Urteil bei Zawada gegen Szymuszowski

Der Düsseldorfer David Zawada traf bei seinem zweiten KSW-Kampf auf den Polen Kamil Szymuszowski. Obwohl das junge Weltergewicht bei seinem Auftritt insbesondere im Stand überzeugte, ging er am Ende leider mit leeren Händen nach Hause.

Zawada brachte zu Beginn des Kampfes ein paar Schläge ins Ziel, aber dann fing Szymuszowski einen Kick und stieß Zawada zu Boden. Auf der Matte beschäftigte Zawada Szymuszowski mit Schlägen und ließ ihn nicht an der Half Guard vorbei. Zawada warf die Beine zum Triangle Choke hoch, aber Szymuszowski befreite sich. Zawada konnte jedoch aufstehen und den Kampf im Stand fortführen; dort landete er die besseren Treffer

Zawada bestimmte auch in der zweiten Runde den Standkampf. Szymuszowski kämpfte verbissen um ein Takedown am Käfigzaun. Zawada wehrte sich eine Weile erfolgreich dagegen, doch dann holte ihn Szymuszowski für einen Moment von den Beinen. Zawada stand schnell wieder auf und ging mit Szymuszowski in den Schlagabtausch.

Szymuszowski erkannte, dass für ihn im Stand nicht viel zu holen war und verlagerte das Geschehen am Anfang der dritten Runde auf die Matte. Zawada versuchte es ein zweites Mal mit einem Triangle Choke, aber Szymuszowski schüttelte ihn ab. Kurz darauf stand Zawada wieder auf. Szymuszowski suchte weiter den Clinch am Käfigzaun und belohnte sich mit einem Takedown. Zawada fing Szymuszowski erneut mit einem Triangle Choke, aber der Ringgong rettete Szymuszowski.

Die Punktrichter waren sich nach drei Runden uneinig. Einer sah Zawada mit 29-28 vorne, doch der Sieg ging mit Wertungen von 29-28 und 30-27 an Szymuszowski.

Azhiev ringt Bakocevic nieder

Der Montenegriner Vaso Bakocevic fand im Duell mit dem Tschetschenen Anzor Azhiev keine Mittel gegen dessen ringerische Offensive und Bodenkontrolle. Azhiev warf Bakocevic immer wieder zu Boden und zermürbte ihn dort mit Schlägen und Ellenbogenstößen. In der dritten Runde nutzte er eine Unachtsamkeit Bakocevics, um einen Arm Triangle Choke anzusetzen und damit nach 1:39 Minuten die Aufgabe zu erzwingen.

Bienkowski zermürbt Wawrzyniak

Im Eröffnungskampf standen sich die polnischen Mittelgewichte Lukasz Bienkowski und Piotr Wawrzyniak gegenüber. Bienkowski übte im Stand konstant Druck aus und holte Wawrzyniak in der zweiten Runde mit einem Kniestoß zum Kopf von den Beinen. Wawrzyniak hingegen konnte Bienkowski am Ende der ersten Runde zu Boden bringen und beinahe mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zwingen. Im letzten Durchgang gelang es Wawrzyniak, Bienkowski mehrfach auf die Matte krachen zu lassen, aber zwischendrin klingelte Bienkowski ihn noch einmal mit einer Schlagsalve an.

Nach drei Runden lag der Kampfausgang in den Händen der Punktrichter. Diese gaben den Sieg mit Wertungen von 29-27, 28-28 und 29-26 an Bienkowski.

GNP1 Fight Night Awards

Kampf des Abends: Artur Sowinski bes. Kleber Koike Erbst
K.o. des Abends: Karol Bedorf bes. Michal Kita via Head Kick
Submission des Abends: Anzor Azhiev bes. Vaso Bakocevic via Arm-Triangle Choke

KSW 33                                                                     
28. November 2015
Krakau, Polen

KSW Titelkampf im Mittelgewicht
Mamed Khalidov bes. Michal Materla (c) via K.o. (Schläge) nach 0:31 in Rd. 1

KSW Titelkampf im Schwergewicht
Karol Bedorf (c) bes. Michal Kita via K.o. (Headkick) nach 2:46 in Rd. 2

KSW Titelkampf im Federgewicht
Artur Sowinski bes. Kleber Koike Erbst einstimmig nach Punkten (30-27, 30-27, 30-27)

Aziz Karaoglu bes. Maiquel Falcao via K.o. (Schläge) nach 0:30 in Rd. 1
Ariane Lipski bes. Katarzyna Lubonska via T.K.o. (Bodykick und Schläge) nach 3:23 in Rd. 2
Lukasz Chlewicki bes. Bartlomiej Kurzewski einstimmig nach Punkten (30-28, 29-28, 29-28)
Kamil Szymuszowski bes. David Zawada geteilt nach Punkten (29-28, 28-29, 30-27)
Anzor Azhiev bes. Vaso Bakocevic via Arm Triangle Choke nach 1:39 in Rd. 3
Lukasz Bienkowski bes. Piotr Wawrzyniak mehrheitlich nach Punkten (29-27, 28-28, 29-26)