MMA - Europa

KSW 26: Michal Materla verteidigt Gold nach riesigem Comeback

Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de

Titelverteidigung geglückt! KSW-Mittelgewichtschampion Michal Materla hat Jay Silva nach Punkten besiegt, nachdem ihm ein schier unglaubliches Comeback gelungen ist. Damit entschied „Cipek“ die Trilogie mit seinem Nemesis Silva für sich und ist nach wie vor Titelträger. Einem großen Hauptkampf in seiner Heimat Stettin, im September, steht damit nichts mehr im Weg.

Nachdem sich Jay Silva im vergangenen September bei KSW 24 durch Knock-out gegen Michal Materla durchsetzen konnte, der Titel dabei jedoch nicht auf dem Spiel stand, bekam er nun, im dritten Duell der beiden, die Chance auf den Titel. Und die hätte er fast genutzt. Zu Beginn sah es für Materla nämlich gar nicht gut aus. Beide Kämpfer attackierten aggressiv mit Schwingern und Kombinationen, Silva traf jedoch besser und rüttelte „Cipek“ ordentlich durch. Gleich mehrmals hatte er den Champion nah am K.o. Gegen Ende der Runde gelang Materla jedoch ein verzweifelter Takedown. „Ich habe nur noch aus Instinkt gekämpft, ich erinnere mich an nichts mehr“, erklärte er Groundandpound.de nach dem Kampf. Am Boden versuchte er sich an einem Sidechoke, doch Silva schaffte es in die Pause.

Im zweiten und dritten Durchgang schien beiden Kämpfern die Puste zu fehlen, Materla tat das einzig richtige und sucht immer wieder den Takedown. Am Boden pinnte er Silva fest und arbeitete an Submissions. Zwar gelang weder der Rear-Naked Choke, noch der Triangle Choke, noch ein weiterer Sidechoke, für den Punktsieg reichte es am Ende aber dennoch. „Ich habe keine Entschuldigung“, erklärte Silva Grounandpound.de. „Ich war top-vorbereitet, Michal hat heute einen guten Jay geschlagen.“

Starkes Comeback auch von Rozalski

Auch Publikumsliebling Marcin Rozalski hatte einen schweren Start mit Gegner Nick Rossborough, Nach einem harten Schwinger des Amerikaners ging er zu Boden, Rossborough setzte nach. Doch Rozalski rettete sich die verbleibenden vier Minuten bis zur Pause und übernahm im zweiten Durchgang das Ruder. Diesmal war er es, der seinen Gegner mit einer Bombe auf die Bretter schickte. „Rozal“ wollte schon zum Jubeln in seine Ecke laufen, als Rossborough sich noch einmal rührte. Rozalski setzte also weiter mit Körpertreffern aus der Sidemount nach, bis der Referee dazwischen ging.

Erneuter Fehltritt im Rückkampf

Anzor Azhiev und Artur Sowinski standen sich bereits im vergangenen September gegenüber. Damals feuerte Azhiev einen Headbutt aus der Guard ab, der Kampf wurde beendet und – zu Azhievs Glück – zum No Contest erklärt. Daraus gelernt hat er nicht. Den Rückkampf verlor er nach einer weiteren unerlaubten Aktion durch Disqualifikation. Der Kampf begann vielversprechend, beide agierten aggressiv und schnell im Stand. Nachdem der Kampf zu Boden ging und beide Kämpfer versuchten, aufzustehen, feuerte Azhiev ein Knie zum Kopf des knienden Sowinski ab. Der blieb liegen und Azhiev wurde disqualifiziert. Sein Team legte Einspruch gegen das Urteil ein, Sowinskis Knie seien nicht komplett auf dem Boden gewesen, der Kniestoß Azhievs hätte den Kopf überhaupt nicht getroffen. Ein Urteil steht noch aus.

Goran Reljic mit unspektakulärem Punktsieg

UFC-Veteran Goran Reljic konnte sich deutlich, aber ein wenig unspektakulär gegen Karol Celinski durchsetzen. Dabei kontrollierte Reljic den Kampf sowohl im Stand als auch am Boden, lediglich im zweiten Durchgang wurde es einmal gefährlich, als Celinski Reljic im Clinch mit einem harten Knie erwischt hatte. Am Punktsieg Reljics änderte dies jedoch nichts. Damit konnte er seinen ersten KSW-Sieg einfahren, nachdem er im vergangenen März gegen Jan Blachowicz verloren hatte, der inzwischen bei der UFC unterschrieben hat. „Ich möchte mich gerne zurückarbeiten und ein weiteres Mal gegen Blachowicz kämpfen.“

Wilder Punktsieg für Kamila Porczyk

In ihrem erst zweiten MMA-Kampf überhaupt konnte Fitness-Model Kamila Porczyk ihren ersten KSW-Sieg einfahren. Mit der Ukrainerin Iryna Shaparenko lieferte sie sich eine unglaubliche wilde Standschlacht, die stellenweise an den Pride-Klassiker Don Frye vs. Yoshihiro Takayama erinnerte. Shaparenko zeigte irgendwann kaum noch nennenswerte Gegenwehr, wurde gemountet, gepoundet, fast submittet. Am Ende gewann sie klar und deutlich nach Punkten. Der Anfang einer langen MMA-Karriere?

Paul Slowinski verliert erneut

Paul Slowinski besucht gern seine polnische Heimat, Glück zu bringen scheint sie ihm allerdings nicht. Gegen Michal Andryszak musste er die zweite Niederlage im zweiten KSW-Kampf einstecken. Der einstige K-1-Kämpfer sah im Stand so schlecht aus wie nie und musste gleich zu Beginn schwere Hände nehmen, ging zu Boden und wurde mit einem Sockerkick von Andryszak abgeschossen. Der erhielt dafür eine rote Karte – eigentlich eine Disqualifikation. Nach langer Diskussion der Offiziellen wurde der Kampf jedoch wieder freigegeben. Andryszak nutzte seine zweite Chance und machte kurzen Prozess, nach einigen Treffern im Stand ging Slowinski erneut zu Boden und der Kampf war vorüber.

Grecicho mit knappem Punktsieg

Vielleicht den Kampf des Abends lieferten sich der Litauer Sergei Grecicho und das polnische Jungtalent Jakub Kowalewicz. Beide kämpften schnell, technisch auf hohem Nievau und ausgeglichen – und das mit nur zwei Tagen Vorbereitungszeit. Nach einer Serie von Kampfabsagen wurde dieser Kampf am Donnerstag erst zur Fightcard hinzugefügt. Am Ende setzte sich Grecicho knapp nach Punkten durch und brachte Kowalewicz die erste Niederlage seiner Karriere bei.

Die Ergebnisse im Überblick:

KSW 26: Materla vs. Silva 3
22. März 2014
Torwar-Halle in Warschau, Polen

KSW-Mittelgewichtstitelkampf
Michal Materla bes. Jay Silva einstimmig nach Punkten

Hauptprogramm
Marcin Rozalski bes. Nick Rossborough via T.K.o. in Rd. 2
Artur Sowinski bes. Anzor Azhiev via DQ (unerlaubtes Knie) in Rd. 1
Goran Reljic bes. Karol Celinski einstimmig nach Punkten
Kamila Porczyk bes. Iryna Shaparenko einstimmig nach Punkten
Michal Andryszak bes. Paul Slowinski via K.o. in Rd. 1
Sergei Grecicho bes. Jakub Kowalewicz einstimmig nach Punkten

Vorprogramm
Arbi Shamaev bes. Helson Henriques einstimmig nach Punkten