MMA - Europa

Gustafsson und Madadi halten Schweden-Fahne hoch

Der Live-Blog zum Schweden-Event der UFC. (Foto: Elias Stefanescu/GroundandPound)

Am Samstagabend konnte sich der schwedische Shootingstar Alexander Gustafsson im Hauptkampf von UFC on Fuel TV 2 deutlich nach Punkten gegen den Brasilianer Thiago Silva durchsetzen. Er und Debütant Reza Madadi waren allerdings die einzigen erfolgreichen Schweden an diesem Abend, die drei anderen auf der Card vertretenen mussten sich allesamt geschlagen geben. Aus deutscher Sicht besonders interessant: Dennis Siver besigete Diego Nunes nach Punkten und ist somit erfolgreich im Federgewicht angekommen.

Alexander Gustafsson  vs. Thiago Silva

Silva machte keinen Gefangenen und marschierte sofort mit rechten und linken Schwingern vorwärts, traf jedoch nicht. Dafür traf Gustafsson und zwar mit einem rechten Aufwärtshaken, der den Brasilianer kurz zu Boden beförderte. Zwar war er schnell wieder auf den Beinen, musste aber einige Treffer des Schweden nehmen und trug einen Cut auf der Stirn davon.

In Runde zwei begann Gustafsson das Heft vollends in die Hand zu nehmen, bewegte sich leichtfüßig, ging immer die richtigen Wege und war von Silva kaum zu stellen. Dafür attackierte er immer wieder mit Kicks und Punches. Als aber schließlich ein Konterhakten Silvas einschlug, konnte der das Blatt fast noch wenden. Gustafsson war sichtlich getroffen, doch Silva ließ ihm Zeit, sich zu erholen. Also machte der Schwede weiter wie zuvor und nahm Silva systematisch auseinander ohne sich selbst in die Gefahrenzone zu bewegen.

Im dritten Durchgang bot sich das exakt selbe Bild, ein resignierender Silva lief Gustafsson hinterher und versuchte immer wieder zu treffen, schlug aber ein ums andere Mal ins Leere. Wenn er traf, dann hart – für eine Überraschung reichte es aber dennoch nicht mehr. Die Punktrichter entschieden mit 30-27, 30-27, 29-28 für Gustafsson.

Brian Stann vs. Alessio Sakara

Einen kurzen Auftritt hatte Italiens UFC-Vertreter Alessio Sakara, der von Brian Stann nach 2:26 Minuten der ersten Runde schlafen geschickt wurde.  Stann begann mit Lowkicks, ließ sich von Sakara aber irgendwann in einen wilden und spektakulären Schlagabtausch verwickeln. Blöderweise zog Sakara selbst den Kürzeren dabei und musste nach einem Kniestoß zum Kopf zu Boden. Dort setzte Stann sofort nach und erwischte den Italiener mit einem linken Ellenbogen, gefolgt von zwei linken Haken, direkt am Kinn. Sakara war für Sekunden bewusstlos – kam zwar sofort wieder zu sich, wurde aber dennoch aus dem Kampf genommen. Zu Recht – noch Minuten nach dem Abbruch stand er auf arg wackeligen Beinen.

Paulo Thiago vs. Siyar Bahadurzada

Es sieht so aus, als müsste GroundandPound sein Versprechen einlösen. Im Interview vor dem Kampf versprach die Crew von GnP-TV dem UFC-Debütanten Syar Bahadurzada, ihn auf das Cover des kommenden GroundandPound Journals zu bringen, sollte er seinen Gegner Paulo Thiago bei UFC on Fuel TV 2 ausknocken.

Nun, er hat es geschafft.

Mit einem perfekt getimten linken Konterhaken schickte Bahadurzada den brasilianischen Veteranen nach nur 42 Sekunden ins Reich der Träume. Ein grandioseres Debüt in der MMA-Champions League ist nur schwer vorstellbar.

Diego Nunes vs. Dennis Siver

Die erste Runde zwischen Siver und Nunes war von viel Taktieren bestimmt, beide Kämpfer hatten deutlich Respekt voreinander. Der Grund dafür war sicher ein Schlagabtausch direkt zu Beginn, in dem beide gut trafen. Siver attackierte mit Schwingern und blitzschnellen Kicks, auch Nunes kickte sehr viel und hielt den schlagstarken Deutschen so auf Distanz. Der Kampf verlief sehr ausgeglichen, Siver hatte vielleicht leichte Vorteile, besetzte die Ringmitte und hatte sogar einen kleinen Takedown.

Auch die zweite Runde spielte sich fast ausschließlich im Stand ab. Siver konnte nun mehr und mehr die klareren Treffer setzen, sowohl mit Hand als auch mit Fuß. Nunes blieb zwar nach wie vor gefährlich, musste beim Lösen nach Schlagabtauschen aber immer wieder Haken des Mannheimers nehmen und ging nach einem weiteren Takedown noch einmal für wenige Sekunden zu Boden.

Die dritte Runde lief weniger gut für den Deutschen. Nach einem rechten Haken von Nunes war Siver sichtlich mitgenommen. Zwar konnte er sich wieder fangen, fand aber nicht zu alter Form zurück. Immer wieder nahm Nunes ihn in den Thai-Clinch, wo ein Knie schließlich auch einen Cut an der linken Kopfseite Sivers öffnete. Der Mannheimer zeigte jedoch Kämpferherz, marschierte gegen Ende immer wieder vorwärt und konnte Nunes noch einmal mit einem Schlag zu Boden schicken.

Alle drei Punktrichter entschieden schließlich mit 29-28 für unseren deutschen Vorzeige-UFC-Kämpfer Dennis Siver, der damit überglücklich auf die Siegerstraße zurückkehren und ein erfolgreiches Debüt im Federgewicht feiern konnte.

DaMarques Johnson vs. John Maguire

Nachdem Maguire Johnson recht früh zu Boden bringen konnte, schien er seinen Takedown nur noch verwalten zu wollen und „glänzte“ durch Lay and Pray. Johnson machte ihm allerdings einen Strich durch due Rechnung und attackierte aus der Rückenlage mit zahlreichen Submissions, unter anderem einen vielversprechenden Omoplata, und schönen Ellenbogen. Maguire konnte die Guard aber schließlich passieren und sich den Rücken sichern, ein Choke-Versuch führte dann zu keinem Ergebnis.

Runde zwei begann mit einer Overhand und einem darauffolgenden Takedown Maguires. Der Großteil der zweiten Runde spielte sich schließlich auch am Boden ab, wo Maguire einige schöne Transitions zeigte, zwar wenig echten Schaden anrichtete, aber dennoch dominierte. Alles sah nach einem dritten Durchgang aus, als Maguire einen Kimura ansetzte, plötzlich zu einem Armbar umstieg und diesen gnadenlos durchzog. Johnson tappte nach 4:40 Minuten.

Brad Pickett vs. Damacio Page

Beide Kämpfer verschwendeten keine Zeit und begannen sofort nach Kampfbeginn mit dem Schlagabtausch. Sowohl Pickett als auch Page trafen dabei hart, Page musste nach einem Haken Picketts sogar zu Boden. Page suchte einen Takedown, doch Pickett gelang es, am Seil aufzustehen, und anschließend den Gefallen zu erwidern. Aus der Guard gelang ihm jedoch nicht viel.

In Runde zwei gelang Page ein erneuter Takedown, doch Pickett kam sofort auf die Beine zurück und streckte seinen Gegner mit einem knackigen linken Haken zu Boden. Eine eingesprungene Linke verfehlte ihr Ziel zwar, aber Pickett setzte mit heftigem Ground and Pound nach, dass Page den Willen zu nehmen schien. Zwar kam der Amerikaner noch einmal auf die Beine und lieferte sich einen letzten brutalen Schlagabtausch mit dem Briten, unter dem beide Kämpfer zu leiden hatten, nach einem weiteren Haken Picketts ging Page aber erneut zu Boden und wurde dort kurze Zeit später mit einem Rear-Naked Choke zum abklopfen gezwungen.

Papy Abedi vs. James Head

Auch in seinem zweiten UFC-Kampf konnte Papy Abedi keinen Sieg mit nach Hause nehmen. Im anfänglichen Standgefecht konnte er zwar einige gute Hände landen, nahm aber deutlich mehr Treffer vom Amerikaner James Head. Abedi zog seine Konsequenzen und vollführte einen Takedown. Am Boden passierte jedoch nicht viel. Zurück im Stand landete Head schließlich einen krachenden Treffer, der Abedi sichtlich mitnahm. Nach einigen Kniestößen zum Körper und weiteren harten Schlägen zum Kopf ging der Schwede zu Boden und wurde dort kurze Zeit später mit einem Rear-Naked Choke finalisiert.

Cyrille Diabate vs. Tom DeBlass

Die Taktik von DeBlass war klar: den Kampf auf den Boden verlagern. Dies gelang ihm auch recht zügig, mit einem Single-Leg Takedown. Anschließend passierte aber nicht mehr viel. Diabate hielt den Amerikaner fast die gesamte Runde stur in der Half-Guard, Submissionversuche gab es keine. Eine ereignislose erste Runde ging somit zuende.

In Runde zwei fing DeBlass einen Kick Diabates und beförderte den Franzosen so erneut früh zu Boden. Dort passierte er dieses Mal schneller in die Sidecontrol, verschiedene Submissionansätze, darunter ein schöner Arm-In Guillotine Choke, gelangen aber nicht. Zurück im Stand war es Diabate, der den Grappling-Spezialisten zu Boden brachte, sein Ground and Pound wirkte aber behäbig und war wenig effektiv. Erst gegen Ende der Runde konnte Diabate einige gute Treffer aus der Guard landen.

Im dritten Durchgang begann Kickboxer Diabate endlich seine Reichweitenvorteile auszuspielen und landete einige schöne lange Hände. DeBlass ging zu einem verzweifelten Takedown über und wollte sich direkt das Bein des Franzosen sichern, der landete aber schließlich in der Guard. Doch auch hier war wenig mit Diabate los, der in der Guard schlicht zu unkreativ wirkte und sich schließlich sogar nach hinten fallen ließ und Ricardo Almeida-Schwarzgurt DeBlass damit praktisch sein Bein schenkte. Sein Glück, dass der damit irgendwie nichts anzufangen wusste.

Nach drei mauen Runden entschieden die Punktrichter mit 29-28 und 29-28 mehrheitlich für Cyrille Diabate, ein Punktrichter wertete den Kampf mit 28-28 unentschieden.

Francis Carmont vs. Magnus Cedenblad

Carmont suchte direkt zu Beginn den Takedown und bekam ihn auch. Aus der Guard von Cedenblad stand er aber bald wieder auf – ein Fehler. Denn der Schwede zog sich an einem Bein des Kanadiers nach oben und vollführte selbst einen Takedown. Zurück am Boden dominierte er mit Ground and Pound, sicherte sich den Rücken und versuchte einen Choke anzubringen. Der Choke gelang nicht, stattdessen drehte sich Carmont und befand sich nun in der Guard. Wenige Sekunden vor Rundenende konnte Cedenblad sweepen – doch es war zu spät, um etwas daraus zu machen.

In Runde zwei brachte Carmont den Lokalmatador erneut zu Boden, diesmal blieb er aber dort und konnte Cedenblad nach einem schönen Guard-Pass mit verheerendem Ground and Pound aus der Mount bearbeiten. Nach einigen angesetzten Rear-Naked Choke-Versuchen, gelang einer davon schließlich nach 1:42 Minuten. Für GSP-Protege Carmont war es der zweite Sieg im Octagon.

Reza Madadi vs. Yoislandy Izquierdo

Madadi stürmte sofort nach Beginn auf Izquierdo zu und brachte ihn mit einem Takedown zu Boden. Alles sah nach einem schnellen Ende aus, als der schwedische Ringer in die Sidecontrol und später in einen Nord-Süd-Choke wechselte. Izquierdo gelang es jedoch, aufzustehen. Dort sah der Kubaner plötzlich sehr gut aus, nutzte seine Reichweite und verteidigte die immer plumper werdenden Takedownversuche Madadis spielend. Der Schwede musste einige harte Treffer nehmen, bevor ihm ein weiterer Takedown gelang. Sofort sprang er in einen Guillotine Choke die tief saß – doch die Runde war vorüber.

Im zweiten Durchgang attackierte Izquierdo wieder mit Kombinationen, nach einem weiteren Takedown sicherte sich Madadi aber erneut die Guillotine und dieses Mal musste der Kubaner tappen. Ein jubelnder Reza Madadi wurde nach 1:28 Minuten in Runde zwei frenetisch gefeiert.

Simeon Thoresen vs. Besam Yousef

Yousef deckte Thoresen von Beginn an mit harten Händen ein, die dieser auch fast alle nehmen musste. Nachdem dem Norweger endlich ein Takedown gelang, dachte er offenbar, er hätte das Blatt gewendet – doch weit gefehlt. Yousef attackierte aus der Rückenlage effektiver und aggressiver als Thoresen aus der Guard. Nach einem vollkommen unnötigen Stand-Up durch den Referee nahm Thoresen seinen Gegner in den Thai-Clinch, nahm aber selbst den Großteil der Knie und Aufwärtshaken.

In Runde zwei konnte er das Blatt aber dann tatsächlich wenden und brachte Yousef, der sich im ersten Durchgang sichtlich ausgepowert hatte, mit einem harten rechten Haken zu Boden. Dort zeigte er sein Grappling-Können, wechselte problemlos von D’Arce zu Anaconda-Choke und finalisierte Yousef schließlich nach einigem Ground and Pound durch Rear-Naked Choke nach 2:36 Minuten in Rund zwei.

Jason Young vs. Eric Wisely

Die erste Runde konnte Jason Young mit vielen Kicks auf allen Ebenen und sogar einem Takedown klar für sich entscheiden. Er agierte jedoch ein wenig zu verhalten und ermöglichte Eric Wisely dadurch einige unnötige Treffer.

In der zweiten Runde bot sich dasselbe Bild. Young agierte mit Kicks, kam aber nicht so recht aus sich heraus. Wisely versuchte, sich fallen zu lassen, und den Engländer in die Guard zu ziehen, doch der Stand auf und malträtierte Wisely mit Kicks. Zurück im Stand konnte Young ebenfalls wieder mit Kicks – vor allem zum Oberschenkel - punkten.

In Runde drei nahm "Shotgun" direkt zu Beginn einen Highkick, der ihn sichtlich mitnahm. Wisely roch seine Chance und ging nach vorn. Es trafen einige solide Hände, doch Young erlangte die Fassung zurück, fing einen Kick des Amerikaners und brachte ihn mit einer rechten Overhand zu Boden. Dort arbeitete er mit zähem GroundandPound. Zurück im Stand verlief das Duell erneut recht ausgeglichen, bis Wisely bei einem Kick stürzte und Young die Runde in dessen Guard beenden konnte.

In der anschließen gezeigten Statistik, sah man erstaunliches: Young hatte weniger Strikes verteilt als Wisely, dafür aber 3-0 Takedowns gelandet. Für den einstimmigen Punktsieg (30-28, 29-28, 29-28) reichte es letztlich in jedem Fall. Ein sichtlich emotionaler Jason Young verließ überglücklich die Halle als Sieger.


UFC on Fuel TV 2: Gustafsson vs. Silva
14. April 2012
Ericsson Globe Arena in Stockholm, Schweden

Hauptkämpfe (ufc.tv)
Alexander Gustafsson bes. Thiago Silva einstimmig nach Punkten (30-27, 30-27, 29-28)
Brian Stann bes. Alessio Sakara via KO nach 2:26 in Rd. 1
Siyar Bahadurzada bes. Paulo Thiago via KO nach 0:42 in Rd. 1
Dennis Siver bes. Diego Nunes einstimmig nach Punkten (29-28, 29-28, 29-28)
John Maguire bes. DaMarques Johnson via Submission (Armbar) nach 4:40 in Rd. 2
Brad Pickett bes. Damacio Page via Submission (Rear-Naked Choke) nach 1:05 in Rd. 2

Vorkämpfe (Facebook)
James Head bes. Papy Abedi via Submission (Rear-Naked Choke) nach 4:33 in Rd. 1
Cyrille Diabate bes. Tom DeBlass mehrheitlich nach Punkten (29-28, 29-28, 28-28)
Francis Carmont bes. Magnus Cedenblad via Submission (Rear-Naked Choke) nach 1:42 in Rd. 2
Reza Madadi bes. Yoislandy Izquierdo via Submission (Guillotine Choke) nach 1:28 in Rd. 2
Simeon Thoresen bes. Besam Yousef via Submission (Rear-Naked Choke) nach 2:36 in Rd. 2
Jason Young bes. Eric Wisely einstimmig nach Punkten (30-28, 29-28, 29-28)