MMA - Europa

GnP Awards 2009: Bester Neuling international

Sieht harmlos aus, doch hatte große Wirkung: Khalidovs K.O. aus der Guard

Den Lesern von Groundandpound.de war er schon länger ein Begriff: Der in Polen beheimatete Tschetschene Mamed Khalidov. Auf kleineren Veranstaltungen in Litauen, Polen und Russland machte das unter dem markigen Kampfnamen „Der Kannibale“ bekannte Halbschwergewicht die Macher des KSW, einer der größten europäischen Kampfsportligen, auf sich aufmerksam. Mit einem Kampfrekord von elf Siegen aus vierzehn Begegnungen debütierte der agile Allrounder schließlich im Sommer 2007 in Warschau.

Durch seinen spektakulären Kampfstil, der an eine Mischung aus dem jungen Mauricio Shogun und Eddy Gordo erinnert, wurde der Khalidov schnell zum Publikumsliebling an der Weichsel. Die Torwar-Halle in Warschau, die über 5.000 Menschen fasst, füllte er bei seinen Siegen über den Deutschen Martin Zawada, den Holländer Dave Dalgliesh oder den Brasilianer Daniel Acacio mit Routine. Im Sommer 2008 war nach fünf vorzeitigen Siegen und einem Unentschieden im KSW der europäischen Szene bereits entwachsen.

Doch der Sprung auf die ganz große internationale Bühne gelang nicht ohne Anfangsschwierigkeiten. Im Oktober machte Khalidov sein US-Debüt für den damals bereits stark in Schieflage geratenen kalifornischen Veranstalter Pro Elite, allerdings nicht im Rahmen einer ihrer „EliteXC“-Veranstaltungen im Bezahlfernsehen, sondern bei „ShoXC“, einer Talentshow, die auf dem für Boxen bekannten Abonnementsender „Showtime“ zu sehen war. Sein Zweitrunden-K.O. über den US-Amerikaner Jason Guida wurde folgerichtig kaum wahrgenommen.

Zehn Tage nach seinem Debüt meldete Pro Elite Konkurs an. Mamed stand sprichwörtlich wieder auf der Straße. Im Sommer vergangenen Jahres dann der Silberstreif am Horizont: Die Gerüchte verdichteten sich, Khalidov könne im Rahmen der dritten Affliction-Megashow gegen den Brasilianer Antonio Rogerio Nogueira kämpfen. Wenige Wochen vor der Veranstaltung wurde der Kampf jedoch zu Gunsten von Takanori Gomis Auseinandersetzung mit Rafaello Tractor wieder aus dem Programm genommen. „Trilogy“ fand am Ende gar nicht statt.

Just als man schon das Gefühl bekam, der mittlerweile 29-jährige könne seinen internationalen Durchbruch nicht mehr schaffen, suchte der japanische Veranstalter „Sengoku“ einen Aufbaugegner für seinen brasilianischen Weltmeister Jorge Santiago. Mit neun vorzeitigen Siegen am Stück, darunter gegen Größen wie Shooto-Weltmeister Siyar Bahadurzada oder Pride-Turniersieger Kazuo Misaki in den Kampf gehend, gaben Khalidov wenige Experten eine Chance gegen den Schwarzgurt im brasilianischen Jiu-Jitsu, der beim American Top Team in Florida trainiert.

Es sollte anders kommen. Nach kurzer Abtastphase im Stand wurde der Kampf am Boden fortgesetzt. Auf einmal schlug der „Kannibale“ den Brasilianer ansatzlos aus seiner Guard mit einem kurzen Haken KO. Der Weltmeister war entthront und Khalidov endlich auf der großen Bühne angekommen. Es ging zwar nicht um den Titel, aber eine erste Duftmarke konnte der Mann aus Allenstein bereits setzen. Unsere Leser wählten ihn vor dem Brasilianer Paulo Thiago und dem Holländer Stefan Struve zum „Besten Neuling in einer großen Liga“ des vergangen Jahres.

Die exakte Stimmverteilung im Überblick:

1. Mamed Khalidov (Tschetschenien) 23,1%
2. Paulo Thiago (Brasilien) 20,5%
3. Stefan Struve (Holland) 18,8%
4. Joe Warren (USA) 14,6%
5. Ross Pearson (England) 13,6%
6. Masanori Kanehara (Japan) 9,3%