MMA - Europa

Französischer Judo-Funktionär: „MMA ist eine Jihadisten-Hochburg“

Jean-Luc Rougé (Foto: Sebastien Boue/L'Equipe)

Wir befinden uns im Jahre 2015 nach Christus. Ganz Europa ist von den MMA-Kämpfern besetzt. Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Judokas bevölkertes Land hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten.

Der MMA-Sport hat in Frankreich einen schweren Stand bzw. gar keinen: Er ist dort verboten. Lediglich eine Amateurvariante ohne Ground and Pound wird geduldet. In Deutschland ist der MMA-Sport noch lange nicht im Mainstream angekommen, doch immerhin: Mit Ausnahme weniger Gruppierungen wie der BLM scheint kaum noch jemand für ein Verbot einzutreten.

In Frankreich ist es insbesondere der Judo-Verband, der öffentlich Kampagnen gegen den MMA-Sport fährt. Möglicherweise übertrug sich das jüngst auch auf die europäische Judo-Union (EJU), welche dem britischen Judo-Verband die Ausrichtung der diesjährigen Europameisterschaft untersagte, nachdem die Briten eine Werbepartnerschaft mit der UFC, der größten MMA-Organisation der Welt, eingegangen waren.

Judoka dürfen sich nicht mit MMA-Kämpfern blicken lassen

Der Präsident des französischen Judo-Verbands, Jean-Luc Rougé, fordert von den französischen Judokas, sich vom MMA-Sport zu distanzieren. „Jeder Judoka, der dabei erwischt wird, wie er MMA lehrt, wird aus dem französischen Judo-Verband geworfen“, sagte Rougé der französischen Zeitung L’Equipe. „MMA ist in Frankreich illegal. Diejenigen, die es lehren, haben kein Recht dazu und müssen dafür haften. Sie bringen den Verband in Schwierigkeiten. Wenn es eine ernsthafte Verletzung geben sollte, bin ich dafür verantwortlich.“

Rougé gewann 1975 als erster Franzose eine Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften im Judo. Er scheint mit seinen Forderungen nicht nur seine Sportart vor neuen Einflüssen schützen zu wollen, sondern sieht den MMA-Sport allgemein als gefährlich und unsportlich an.

„Diese neuen Kampfsportarten (MMA) wirken, als kämen sie direkt aus einem Videospiel“, sagte er im vergangenen Jahr im Interview mit L’Equipe TV. „Diese Männer sind dumm genug, sich gegenseitig in einem Käfig zu töten, aber da sie gut bezahlt werden, willigen sie ein. Sport ist kein Krieg! Wir müssen hinterher noch dazu fähig sein, uns die Hände zu schütteln und zusammen ein Bier zu trinken.“

„MMA ist kein Sport“

Im Gespräch mit einer weiteren französischen Zeitung, der Libération, ging Rougé noch einen Schritt weiter. „Für mich ist MMA kein Sport“, sagte er. „Das ist nur eine Erfindung, um Geschäfte zu machen.“

Abschließend behauptete Rougé, die Zentrale Direktion für Inlandsaufklärung (DCRI), der französische Inlandsgeheimdienst, habe ihm mitgeteilt, dass der MMA-Sport „eine Jihadisten-Hochburg“ sei.

Über den MMA-Sport wurde in Europa bereits viel geschimpft, auch in Deutschland, aber ein solcher Vorwurf erreicht ein neues Niveau an Boshaftigkeit. Groundandpound.de hat versucht, die Pressestelle der DCRI bezüglich einer Stellungnahme zu kontaktieren, erhielt aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels keine Rückmeldung.